Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wasser im Ruderblatt GFK
victoire22
24.10.2006, 09:29
Hallo Leute,
das ist mein erstes Forum und ich hoffe ich mach alles richtig.
Nun zum Thema: Seit diesem Jahr habe ich eine Victoire22 und Segel damit am Bodensee. Letzten Samstag habe ich das Boot aus dem Wasser geholt und festgestellt, dass Wasser aus dem Ruderblatt läuft.
Wer hat schon Erfahrung mit Ruderblattsanierung?
Wie kriegt man das Ding wieder trocken und wie ist der Ruderblattaufbau (ausgeschäumt)?
Bin für alle Tips dankbar.
Gruß Thomas
Ruderaufbau im Regelfall aus zwei aneinandergeklebte GFK-Schalen, Hohlraum dazwischen mit Schaum gefüllt. Wenn der voll ist, wird er durch irgendwelche Bohrungen nicht wieder trocken. Kann man nicht auf sich beruhen lassen, weil sich das Ruder auf Dauer inwendig zerlegt. Bei Frost drohen Aufplatzungen. Im Ergebnis wird dann die Kraft nicht mehr richtig übertragen, sondern das Blatt beginnt sich auf der Achse/Welle zu drehen. Eine Sanierung ist daher anzuraten.
Erster Schritt: Materialbestimmung. Bohr mal mit 6mm ein Loch an der tiefsten Stelle. Am Bohrer kannst Du dann "ablesen", ob es sich um Schaum und GFK handelt. (Es gibt auch Holz- und Metallblätter, letzteres dürfte selten sein bei einem GFK-Schiff)
Zweiter Schritt: Ruder ausbauen und schauen, wo das Wasser eingetreten ist. Entweder haben sich die beiden Blatthälften schon voneinander getrennt, oder das Wasser tritt da ein, wo die Ruderachse ins Blatt geht.
Dritter Schritt (falls GFK, wovon ich mal ausgehe): Öffnen, indem Du mit einem Multimaster oder einer feinen Säge die Blatthälften wieder voneinander trennst. Dann kannst Du den Schaumkern inspizieren und trocknen. Wenn das Ganze noch "spielfrei" auf der Welle und den dort wahrscheinlich angeschweissten Blechen sitzt, würde ich es dabei belassen.
Vierter Schritt: Sanieren. Blatthälten innen auf Osmose untersuchen und ggf. vorhandene Blasen öffnen, trocknen lassen, überlaminieren. Nach dem Trocken des Kerns und der Hülle alles schön mit Epoxyd-Harz zusammenkleben. Die Trennnaht ca. 3-4 cm bis zum GFK runterschleifen und mit Roving und Epoxy von außen wieder zulaminieren. Dann alles sauber schleifen und spachteln.
Alternativ: Neubau eines Ruderblattes aus Sperrholz. Ziemlich aufwendige Geschichte.
Viel Erfolg!
SwissSailor
24.10.2006, 16:50
Hallo victoire22,
Ich hatte letztes Jahr bei meiner Dehler 31 ebenfalls Wasser im Ruderblatt, das am Schaft eingetreten war. Im Winterlager hat das Wasser das GFK dann gesprengt.
Am besten geht eine Sanierung durch Vakuum-Gefriertrocknen, so musst Du das Blatt zum Austrocknen nicht aufmachen oder Löcher reinboren, fräsen etc. Danach das Blatt sauber anschleifen und die Risse und Leckagen mit neuem GFK zumachen. Antifouling drauf und fertig.
Um ehrlich zu sein, ich hab's bei Dehler am Bodensee machen lassen, drum weiss ich nicht genau, wer solche Vakuum-Gefriertrockner sonst noch betreibt.
Das Blatt hatte ich nach einer Woche wieder dran. Wenn Du das ganze Blatt konventionell austrocknen möchtest, dann nur in schön beheizten Innenräumen. Geht aber eine lange Weile.
Hinweise dazu evtl. unter www.gefriertrocknung.de
Viele Grüsse vom schönen Zürichsee
Matthias
RuppertTom
24.10.2006, 17:03
Bei meiner damaligen Varianta war das so gewollt, wahrscheinlich damit das Ruderblatt nicht nach oben rausrutscht. Oben war ein Ablaufloch, man musste das Blatt auf den Kopf stellen, damit das Wasser herauslief.
victoire22
25.10.2006, 09:28
Besten Dank für die Infos.
Ich werde es mal mit der konventionellen Trocknung und Sanierung versuchen. Also mit Anbohren bzw. Zerlegen des Ruderblatts.
Gruß Thomas
Hallo Thomas,
das Drehmoment der Welle wird normalerweise mittels waggerecht an der Welle angeschweißter Streben auf das Blatt übertragen. Die Blatthälften einfach von beiden Seiten gegen die Welle zu "kleben", funktioniert nicht.
Schwachstelle des Ruders ist der Eintritt der Welle in das Blatt: durch die unterschiedlichen Materialien (und auftretenden Kräfte) kann es hier zu feiner Rißbildung kommen. Beim Bau des Ruders werden die beiden Halbschalen normalerweise ausgeschäumt (hoffentlich mit geschlossenzellligem !). Leider kommt es dabei häufig zu Hohlräumen, wo sich dann eingedrungenes Wasser sammelt. Das muß vor dem Winter unbedingt 'raus, da ansonsten durch Forst das Blatt auseinandergesprengt werden kann. Also als Erstes im unteren Bereich (gegebenenfalls mehrfach) anbohren.
Eine Sanierung - wie von Aestet beschrieben - ist aufwendig. Insbesondere wird es wohl nicht leicht sein, das Originalprofil (insbesondere bei Vollschweberudern) nach dem Zusammenbau wieder hinzubekommen.
Ich hab' das Problem bei meiner Yacht seit ca. 20 Jahren. Maßnahmen: immer an den gleichen Stellen (3) im Herbst anbohren, Wasser 'rauslaufen lassen und im Frühjahr die Bohrungen mit Epoxidspachtel wieder verschließen. Ruderblatt sorgfältig auf Risse oder andere Veränderungen kontrollieren. Wenn das der Fall ist, sollte die beschriebene Sanierung erfolgen.
Mast- und Schotbruch,
Jürgen
victoire22
25.10.2006, 21:11
Hallo Thomas,
das Drehmoment der Welle wird normalerweise mittels waggerecht an der Welle angeschweißter Streben auf das Blatt übertragen. Die Blatthälften einfach von beiden Seiten gegen die Welle zu "kleben", funktioniert nicht.
Schwachstelle des Ruders ist der Eintritt der Welle in das Blatt: durch die unterschiedlichen Materialien (und auftretenden Kräfte) kann es hier zu feiner Rißbildung kommen. Beim Bau des Ruders werden die beiden Halbschalen normalerweise ausgeschäumt (hoffentlich mit geschlossenzellligem !). Leider kommt es dabei häufig zu Hohlräumen, wo sich dann eingedrungenes Wasser sammelt. Das muß vor dem Winter unbedingt 'raus, da ansonsten durch Forst das Blatt auseinandergesprengt werden kann. Also als Erstes im unteren Bereich (gegebenenfalls mehrfach) anbohren.
Eine Sanierung - wie von Aestet beschrieben - ist aufwendig. Insbesondere wird es wohl nicht leicht sein, das Originalprofil (insbesondere bei Vollschweberudern) nach dem Zusammenbau wieder hinzubekommen.
Ich hab' das Problem bei meiner Yacht seit ca. 20 Jahren. Maßnahmen: immer an den gleichen Stellen (3) im Herbst anbohren, Wasser 'rauslaufen lassen und im Frühjahr die Bohrungen mit Epoxidspachtel wieder verschließen. Ruderblatt sorgfältig auf Risse oder andere Veränderungen kontrollieren. Wenn das der Fall ist, sollte die beschriebene Sanierung erfolgen.
Mast- und Schotbruch,
Jürgen
Hallo Jürgen,
ich habe heute das Ruderblatt ausgebaut und die undichte Stelle ist tatsächlich oben, wo die Welle ins Blatt geht. Weiter unten ist dann ein Riss, wo das Wasser wieder ausfließt.
Da die Welle aber auch schon sehr mitgenommen aussieht (rostig und zerfressen) komme ich wohl um eine Komplettsanierung wie von Aesthet beschrieben nicht herum. Und auch die Welle wird wohl erneuert werden müssen.
Ist halt fast, wie bei einer Altbausanierung, wenn man an einer Ecke anfängt.........................
Gruß vom Bodensee
Thomas
So schlimm ist es auch wieder nicht und kann sogar Spaß machen! Auf jeden Fall hast Du hinterher die Gewissheit, dass Dich dieses doch recht wichtige Bauteil nicht im Stich lassen wird.
Wenn Du dich an die Arbeit machst, wäre auch zu überlegen, ob Du die Form des Blattes und das Profil optimierst. Ich habe die beschriebene Sanierung vor ein paar Jahren bei einem alten englischen Kielschiff (auch 22 ft.) durchgeführt und kam dabei um einen kompletten Neubau aus Sperrholz nicht umhin.
Habe dem Blatt im Rahmen des Möglichen (Halbskeg) eine schlankere Form und etwas mehr Vorbalancierung verpasst. Das Ergebnis war deutlich weniger Ruderdruck und ein sensibleres Steuergefühl.
cometsegler
26.10.2006, 10:16
Hallo Jürgen,
ich habe heute das Ruderblatt ausgebaut und die undichte Stelle ist tatsächlich oben, wo die Welle ins Blatt geht. Weiter unten ist dann ein Riss, wo das Wasser wieder ausfließt.
Da die Welle aber auch schon sehr mitgenommen aussieht (rostig und zerfressen) komme ich wohl um eine Komplettsanierung wie von Aesthet beschrieben nicht herum. Und auch die Welle wird wohl erneuert werden müssen.
Ist halt fast, wie bei einer Altbausanierung, wenn man an einer Ecke anfängt.........................
Gruß vom Bodensee
Thomas
einen Artikel zur Ruderblattsanierung gab es in einem der letzten Palsteks, würd mit den mal besorgen (notfalls dort anrufen, die können dir die passende Nummer sagen und schicken den auch für ca 5€)
Hallo Andreas,
vielen Dank für den Tipp.
Da die Redaktion fast bei mir um die Ecke liegt, werde ich dort mal direkt nachfragen.
Mast- und Schotbruch,
Jürgen
Hallo CR838, dann sind wir ja quasi Nachbarn im schönen E´dorf, gell?
victoire22
27.10.2006, 09:08
Hallo Andreas,
vielen Dank für den Tipp.
Da die Redaktion fast bei mir um die Ecke liegt, werde ich dort mal direkt nachfragen.
Mast- und Schotbruch,
Jürgen
Hallo Jürgen,
wenn Du die die Nummer von Palstek hast, wäre es nett, wenn Du sie kurz mitteilst.
Dann kann ich mir das Heft auch beschaffen.
Besten Dank
Gruß Thomas
victoire22
27.10.2006, 09:15
So schlimm ist es auch wieder nicht und kann sogar Spaß machen! Auf jeden Fall hast Du hinterher die Gewissheit, dass Dich dieses doch recht wichtige Bauteil nicht im Stich lassen wird.
Wenn Du dich an die Arbeit machst, wäre auch zu überlegen, ob Du die Form des Blattes und das Profil optimierst. Ich habe die beschriebene Sanierung vor ein paar Jahren bei einem alten englischen Kielschiff (auch 22 ft.) durchgeführt und kam dabei um einen kompletten Neubau aus Sperrholz nicht umhin.
Habe dem Blatt im Rahmen des Möglichen (Halbskeg) eine schlankere Form und etwas mehr Vorbalancierung verpasst. Das Ergebnis war deutlich weniger Ruderdruck und ein sensibleres Steuergefühl.
Hallo Aesthet,
wie geht das mit der Vorbalancierung?
Oder steht das auch in der Beschreibung von Palstek?
Gruß Thomas
Hallo CR838, dann sind wir ja quasi Nachbarn im schönen E´dorf, gell?
Stimmt, im Winter (ohne Laub) ich seh sogar Wasser von meiner Wohnung aus (zwar nur der Mühlenteich, aber immerhin es ist Wasser...)
Mast- und Schotbruch,
Jürgen
Hallo Thomas,
geht klar.
Mast- und Schotbruch,
Jürgen
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