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  1. #1
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    Standard Fenster - aus welchem Material ersetzen?

    Eine Frage an die alten Hasen: Ich muß alle Fenster erneuern, vor allem weil sie wg. ursprünglich falscher Montage (Werftfehler?) Risse haben, die so stark sind, daß sie die Seetüchtigkeit des Schiffes in Frage stellen. Polycarbonat habe ich schon aussortiert, weil ich auch eine Polycarbonatscheibe am Cockpit habe, die wg. mangelnder UV-Festigkeit ihre Durchsichtigkeit fast vollständig eingebüßt hat. Außerdem meine ich eine Versprödung zu erkennen, die auch für gefährliche Risse sorgt.
    Bleibt also Polyacryl (Plexiglas). Dessen UV-Festigkeit ist vermutlich über alle Zweifel erhaben, die Stabilität ist gegenüber Polycarbonat deutlich reduziert, kann man aber durch größere Materialstärke ausgleichen (hier 10mm) Nun gibt es Polyacryl in verschiedenen Einfärbungen, von völlig Transparent über Rauchglas bis sonnenbrillenmäßig. Ich tendiere zu komplett transparent. Gibt es einen triftigen Grund, da eine andere Sorte vorzuziehen?
    Viele Grüße
    nw
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  2. #2
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    Materialauswahl: Wie Du schon sagtest, ist Polykarbonat fester und Acrylglas klarer und UV-stabiler.
    Polykarbonat gibt es aber mittlerweile auch in einer lichtfesten Version.

    Akrylglas gibt es in extrudierter und gegossenen Ausführung. Das gegossene Zeug ist optisch besser und teurer. Der Zuschnitt ist bei Kühlung mit geeignetem Blatt mittels Stichsäge zu bewerkstelligen.
    Bei Arbeiten dieser Art habe ich immer für einen Wasserfilm über dem Schnitt gesorgt, ziemliche Sauerei, spritzt. Herr Rodenkirchen von der Fa. Acyl Marin
    http://www.marinacryl.de/wir.php
    (ich sprach auf der Messe mit ihm, macht sehr kompetenten Eindruck) befürchtet bei dieser Bearbeitung Spannungen an den Rändern, die nach einiger Zeit sichtbar werden. Die Firma liefert beliebige Zuschnitte, durch spezielles Fräsen nach Schablonen.

    Die Scheiben wurden üblicherweise mit Dichtmaterial aufgeschraubt. Das ist nach m.M.nicht mehr zeitgemäß. Kleben mit PU (Sika) oder MS-Polymer ist Stand der Technik, keine Schwächung durch Schraubenlöcher und keine Leckgefahr durch diese.

    Die Klebeschicht muss eine definierte Stärke haben und die Scheiben sollten max. 1,5m Länge nicht überschreiten. „Distanzstücke“ kann man durch einen groben Zahnspachtel (nur zwei Zähne und die Zahnlückentiefe sollte der Distanz entsprechen). Wenn Du nicht gerade Schaufenster einbauen willst, sollte 8mm reichen.

    Anspruchsvolles Projekt, viel Erfolg
    Franz
    halber Wind reicht völlig

  3. #3
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    Wir haben bei unserem Fenster-Refit vor ein paar Jahren auch Polyacryl-Glas genommen und die einzelnen Scheiben nur geklebt. Anfangs, mit untauglichen Klebern/Dichtmitteln (Frontscheibenkleber aus der KFZ-Branche funktionieren nicht!) und zu kleinem Abstand zum Rumpf, gab es schon sehr bald wieder erste Undichtigkeiten und einen Riss, der zweite Versuch (Sika-System mit Aktivator und Primer) hält nun aber schon ein paar Jahre.

    Wir haben leicht eingefärbtes Material gewählt. Sehr dunkles Glas erwärmt sich im Sommer stark und vor allem stärker als das weiße Deck, das erzeugt Spannungen, die leicht wieder zu Rissen führen. Dafür bleibt es im Sommer unter Deck relativ kühl.

    Ganz klares Material hingegen erzeugt bei großen Fensterflächen und eher hellem Interieur unter Deck einen ausgeprägten Schaufenster-Effekt - da kann man von außen wunderbar reingucken. Dies verhindert, eine leichte, neutrale Einfärbung, bei uns sind es, wenn ich mich recht erinnere, 20% braun/grau. Diese Scheiben sind tagsüber undurchsichtig und werden auch bei Sonne nicht spürbar wärmer als das Deck ringsherum.

    Ach ja, einen Tipp noch, den ein Bekannter lieber auch vorher bekommen hätte:
    Vorsicht vor stark farbigen Glas, z.B. gelb/orange, das einem gerne mit dem Argument angeboten wird, es würde die Kontraste beim Blick nach draußen stark verbessern. Da ist sogar was Wahres dran, allerdings haben dann unter Deck alle Leute eine deutlich eitrig/hepathitische Hautfarbe und die hellen/weißen Flächen unter Deck tendieren ins Nikotin-farbene. Photos unter Deck kann man mit solchen Scheiben ohnehin vergessen, auch die meisten Speisen wirken dauerhaft unappetitlich. Wer mehr Kontraste möchte, sollte sich besser eine derartige Sonnenbrille zulegen, denn die kann man ja wieder abnehmen.

    Handbreit ...
    Geändert von 4five (15.09.2017 um 16:27 Uhr)

  4. #4
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    Hallo Grauwal, mein ganzes Projekt ist insgesamt von der Sorte, daß mir verschiedene "Fachleute" schon mehrfach geraten haben, es sein zu lassen (und das Boot rechtzeitig zu versenken).
    Ebenfalls von Fachleuten wurde schonmal bezweifelt, ob dieses Boot mit den großen Scheiben überhaupt seetüchtig sein kann. An den Seiten gibt es Scheiben mit 25cm x 100cm, am Heck ca. 40 x70cm. Auch habe ich, letztlich aus Preisgründen, überlegt ob 8mm auch reichen, zumal die Scheiben mit einer leichten Krümmung montiert werden, die sie sehr viel stabiler macht.
    Der Montagefehler besteht darin, daß die Scheiben ohne Rahmen mit Senkkopfschrauben (!!!!!!!) mit paßgenauen Löchern in ihren Rahmen (auf Dichtband) geschraubt waren. D.h. die Bohrungen in den Scheiben waren permanent der Sprengwirkung durch den konischen Senkkopf ausgesetzt, und hatten keinerlei Raum für thermisch bedingte Volumenänderungen. Die Folge waren jede Menge Risse und Spalten, soweit, das 2 Scheiben bei der Demontage zerfallen sind.
    Ich denke, ich montiere das wieder mit Schrauben, allerdings mit sehr viel großzügigeren Bohrungen, und ohne Senkkopf mit Rahmen oder Unterlegscheiben.

    Unterlegscheiben werden es werden müssen, wenn ich das Rahmenproblem nicht lösen kann: Ich habe hier vor Ort einen Metallbearbeiter*, der mir erstaunlich billig die Rahmen aus Edelstahlblech per Wasserstrahlschneider zuschneidet, vorrausgesetzt ich liefere ihm ein DXF-File mit den Plotdaten. Ich habe mich nun schon seit Monaten bemüht, auf fotografischen Weg dieses DXF-File zu erzeugen, sollte in der Theorie ganz einfach sein, in der Parxis entstehen auf mir unbekannte Weise Fehler bis über 5mm, was das Ganze unbrauchbar macht.

    Die Transparenz möchte ich einfach zum Rauskucken. Die alten Scheiben haben etwas wie Rauchglas an sich, ich kann nicht sagen, ob das nur Kratzer und Dreck oder UV-Wirkung ist, oder ob das von vorneherein so war, Man hat mir auch gesagt, speziell bei Sonnenschein wäre eine voll transparente Scheibe unerträglich, und es müsse unbedingt abgedunkelt werden.
    Ich muß jetzt demnächst die Scheiben bestellen (das kann einer hier vor Ort), aber ich sollte schon wissen, was ich will!

    Viele Grüße
    nw




    * hier ist ein Zentrum der KFZ-Zulieferindustrie
    Geändert von sucher (15.09.2017 um 16:51 Uhr) Grund: Dreckfehlerse
    Πάντα ῥεῖ (*)
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  5. #5
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    Zitat Zitat von sucher Beitrag anzeigen

    ...... mit den großen Scheiben überhaupt seetüchtig sein kann. ....... mit einer leichten Krümmung montiert werden, die sie sehr viel stabiler macht.

    ...................Der Montagefehler besteht darin, daß die Scheiben ohne Rahmen mit Senkkopfschrauben (!!!!!!!) mit paßgenauen Löchern in ihren Rahmen (auf Dichtband) geschraubt waren.

    ........Ich denke, ich montiere das wieder mit Schrauben,.......

    ............Die Transparenz möchte ich einfach zum Rauskucken. .............


    Viele Grüße
    nw




    ...
    .... Scheibengröße - kommt auf das Revier an. Was auf dem GrevelingerMeer völlig gefahrlos ist, kann auf der Nordsee übel enden. (Das sind aber auch Schaufenster!)

    ..... Montagefehler - So´n Sc...dings! Wie bei uns. Kurz vor dem Törn tropfte es an einer Schraube. Nach dem Dichtziehen an einer anderen, usw. Auf die Schnelle habe ich einen Rahmen von Aluwinkel aufgesetzt (vor 12 Jahren), war ein wenig triky weil die Winkel in zwei Ebenen gebogen werden mussten. Bis heute fragt mancher: Wo gibt es diese Rahmen? War als Provisorium gedacht, funktioniert bis heute störungsfrei, kein Grund zum ändern. Die großen Scheiben wirken durch den in Decksfarbe lackierten Rahmen gestreckter.

    ..... Wieder Schrauben? Naja, wenn Du darauf bestehst? Ich mach das nicht noch einmal.

    ..... Transparenz - Leichte Tönungen wirken von innen (vom Dunkeln zum Hellen) nahezu klar, von außen fast undurchsichtig.

    Hast den ganzen Winter Zeit, ruhig Blut, Infos suchen.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

  6. #6
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    Plexiglas unter Spannung montiert führt zur vorzeitiger Alterung und Trübung durch Microcrazing.

  7. #7
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    Hallo Ihr, einsweilen mal Dank für die vielen Antworten. Ich bin schon immer gewohnt, die Meinungen von anderen Leuten, auch wenn sie sich Fachleute nennen, auf den Prüfstand zu stellen, und mich auch gelegentlich dagegen zu entscheiden. Wäre ich den Fachleuten hörig, hätte ich das gar nicht erst angefangen!
    Was Die Seetüchtigkeit der Amphitrite betrifft, halte ich sie trotz der großen Fenster für über alle Zweifel erhaben. Mir ist keine Havarie aufgrund der Fenster bekannt. Es wurden etwa 150 Stück gebaut, und sehr viele sind noch unterwegs. Tatsächlich sind die Fenster das Highlight dieses Typs! Wer schon mehrere Achterkajüten dieser Schiffsgröße gesehen hat, meint, er komme in einen Ballsaal, wenn er eine Amphitrite besichtigt!
    Zeit für die Fenster habe ich eigentlich keine mehr. Um die Außenhaut ordentlich bearbeiten zu können, habe ich die Fenster schon im Juli demontiert, seither steht das Schiff ohne Fenster im Freien. Es regnet zwar nicht direkt rein, feucht ists aber doch. Jetzt nachdem der Neuaufbau der Außenhaut so ziemlich abgeschlossen ist, müssen die Fenster so schnell wie möglich wieder rein!
    Die Krümmung der Fenster war nicht die Ursache der Risse! Insofern habe ich keine Bedenken, das einfach wieder so zu montieren. Mit dem Plexiglasmenschen habe ich auch darüber gesprochen, Polyacryl kann wärmebehandelt werden. Hierfür müßte man die Scheiben auf eine Lehre spannen und im Ofen tempern. Ich müßte daher für jedes Fenster eine extra Lehre bauen (jedes Fenster ist anders gekrümmt), der Zuschnitt könnte erst nach dem Tempern erfolgen, weil sich dabei auch Länge/Breite verändern. Das wäre unverhältnismäßig viel Aufwand, also nicht!
    Vielen Dank
    nw
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  8. #8
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    Lies die Verarbeitungsrichtlinien z.B. Von Evonik. Da stehen alle nötigen Infos, wie Kaltbiegeradien, tempern nach spanender Bearbeitung et c. alles was aus dem Bauch heraus gemacht wird bleibt Pfusch. Und dann später niemals alkoholhaltige Reiniger nutzen.
    Beste Grüße

    Dieter

  9. #9
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    Hallo kuckst du, Der Hauptgrund, warum ich die Fenster tauschen muß, sind die Risse wg. Montagefehler. Damit hat das immerhin 40 Jahre ausgehalten. Wenn ich nun diesen Montagefehler vermeide, hält das vielleicht 100 Jahre? Dann muß sich erst der über-über-übernächste Eigner damit herumschlagen, und ich finde, das ist zumutbar!
    Viele Grüße
    nw

    PS: ich halte es nicht für Hybris, so weit vorauszudenken. Es ist ein Kardinalfehler unserer Zeit, diese Vorraussicht zu verweigern. Bei diesem Schiff läßt z.B. der Rumpf keinerlei Degeneration durch Alter erkennen. Ich halte es daher nicht für vermessen, daß in angemessener Abständen immer wieder so ein Refit durchgeführt wird, wie ich es gerade mache.
    Πάντα ῥεῖ (*)
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  10. #10
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    Ja, stimmt. Nur die Beachtung der Herstellerempfehlungen macht keinen großen Aufwand und ist mit Bordmittel zu ralisieren. (Selbst das tempern.)
    Beste Grüße

    Dieter

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