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  1. #1
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    Standard Grenzen der Hilfeleistung?

    Ich möchte gerne eine Situation zur Diskussion stellen, die ich vor einigen Jahren in Paros (Ägäis) erlebt habe:

    Zunächst möchte ich auf die beigefügte Datei hinweisen, in der die Lage des Geschehens erkennbar ist.

    Wir lagen an einem schönen griechischen Sommertag in Paros und erfreuten uns des sehr netten Ortes. Am frühen Nachmittag legte sich ein weiteres deutsches Schiff neben uns. Beim Anlegemanöver wurde klar: der Skipper mit erwachsenen Söhnen und Frau mußte Jurist sein.

    Also: wir lagen am Nachmittag zunächst sehr entspannt in der "Marina". Gegen 16:00 Uhr fing der Wind an, aufzufrischen. Er erreichte innerhalb von relativ kurzer Zeit eine Stärke von mindestens 7 Bft. Er kam aus NO.

    Wir lagen innen an der Mole und wurden durch die Mole relativ gut geschützt. Wir doppelten zwar die Leinen, aber es sah alles recht komod aus.

    Anders auf der anderen, N-lichen Seite der Mole. Es lagen dort in meiner Erinnerung ca. 12 Boote auf klassische, römisch-katholische Art vor Buganker mit dem Heck zur Mole. Als der Wind so stürmisch auffrischte (fetch war vielleicht 300 m), gab es eine rau geriffelte Wasseröberfläche. Beides, Wind und Unruhe auf dem Wasser, führte zum Versagen der Verankerung bei mindestens der Hälfte aller Boote. Dieses Ergebnis ist im Mittelmeer häufig zu beobachten, da viele Gelegenheitssegler nicht verstanden haben, daß man die Ankerkette so lang wie möglich legen sollte. Kette im Ankerkasten nutzt nichts. Und vor allem: Ein Anker, bei dem unter Winddruck die Kette in einem Winkel von 45° steht, bricht aus.

    In dieser Situation sprangen natürlich alle Segler von ihrem gemütlichen 4-o'clock Bier auf, um bei der "Rettung" der prekär liegenden Boote auf der Nordseite zu helfen. Die Crews dieser Boote waren teilweise auf Landgang. Man konnte aber von der Mole aus nicht viel tun, außer vielleicht einen zusätzlichen Fender zwischen Boot und Mole zu legen.

    In dieser Situation sprang der Sohn des vorher erwähnte Juristen auf eines der bedrohten Boote, um mit Hilfe von Motor, Ankerwinsch, oder sonstiger Techniken das Boot so zu stabilisieren, daß es nicht mehr die Nachbarboote bedrängte und auch nicht auf die Mole aufschlug.

    In dieser Situation rief der Vater zum Sohne: "Übernimm keine Verantwortung!"

    Meine Frage an das Forum ist nun: War es vom Vater richtig, seinen Sohn so zu warnen? Ist es ein Risiko, in einer solchen Situation einem unbemannten Boot zur Hilfe zu kommen, indem man an Bord springt, nach Motorschlüssel sucht, an der Ankerwinsch dreht, oder sonst eine Problemlösung sucht, um das Boot vor Schaden zu bewahren?

    Was wäre die richtige Alternative gewesen?

    Es freut sich auf Eure Stellungnahmen zu NUR DIESEM UNVERÄNDERLICHEN SACHVERHALT

    edjm.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    Geändert von edjm (23.11.2017 um 21:40 Uhr)

  2. #2
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    Standard

    Juristisch ist das wohl passend, ob ich dazu die Coolness hätte, weiß ich nicht... Es geht hier ja "nur" um Sachwerte, da gibt es AFAIK (bin kein Jurist) keine "unterlassene Hilfeleistung". Bei uns im Hafen würde ich auch nicht unbedingt bei anderen Booten den Motor anwerfen, Leinenarbeit würde ich aber machen.

  3. #3
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    Standard

    Lieber edjm,
    hast Du Dir eventuell unter Zuhilfenehmung einiger Thesen der Victomologie mal Gedanken darüber gemacht, was Du alles für exotische Situationen erlebst?
    fragt sich und Dich
    B.B.

  4. #4
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    Zitat Zitat von B.B. Beitrag anzeigen
    Lieber edjm,
    hast Du Dir eventuell unter Zuhilfenehmung einiger Thesen der Victomologie mal Gedanken darüber gemacht, was Du alles für exotische Situationen erlebst?
    fragt sich und Dich
    B.B.
    Hihi.

    Wenn man so viel unterwegs war, dann erlebt man schon einige "..." Situationen.

    Aber ich glaube, das Interesse an meinen zur Diskussion gestellten Situationen würde sehr schnell erlahmen, wenn sie etwa wie folgt lauteten: "Wir kamen in xyz an, gingen in der Kneipe abc ganz vorzüglich essen und danach ins Bett."

    Zu diesem thread: Ehrenwort: Es hat sich so abgespielt. (Bei den anderen übrigens auch.)

    edjm.

  5. #5
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    Zitat Zitat von edjm Beitrag anzeigen
    Hihi.

    Wenn man so viel unterwegs war, dann erlebt man schon einige "..." Situationen.





    edjm.

    Verwechselst du evtl. Erleben mit Zuschauen/Gaffen ?

    Erleben ist aktiv, Zukucken passiv.

    Ich vermute deine Eingangsfragen zielen darauf , ab wann du , oder jemand anderes, aktiv werden sollte, müsste, kann, darf ?
    Ab wann man also sein passives Zuschauen beenden sollte ? Ob man das überhaupt darf, usw...

    Juristerei hin oder her.
    Ich denke es ist auch eine persönliche Frage, d. h. ob man individuell , also vom Know-How her , überhaupt in der Lage ist hilfreich wirken zu können.
    Und ja, wenn man letzte Frage mit einem Ja beantworten kann, übernimmt man beim Helfen natürlich Verantwortung.

    Ich bin auf das juristische Konstrukt gespannt, wenn obige " verantwortungsvolle Hilfe" auch nur etwas in die Hose geht.
    Was sagen die Versicherungen wenn wesentlich größerer Schaden abgewendet wurde ?
    Ein Minenfeld, ein zukünftiges, mich persönlich , also aus meinem Know-How heraus , würde es ad hoc nicht abschrecken zu helfen. Schliesslich kann ich Schäden abwenden, zumindest minimieren., was auch eine , wenn auch selbstauferlegte Verantwortung ist.
    Kurzum, ich sehe die Sache pragmatisch, über juristische Limitierungen denke ich garnicht erst nach.
    Anders wohl der Vater , der Jurist, des Helfenden: " Übernimm keine Verantwortung".
    Tja, ist es also auch eine moralische Frage ?
    Scharf ausgedrückt: da steht "juristischer Selbstschutz" gegen Hilfe.

    Es gibt da keine Antwort. Wie der TO schon hat anklingen lassen, es ist ein Ausloten wie die Teilnehmer dieses Threads " ticken"
    Wahrscheinlich stellt er die Frage um sich anschließend der Mehrheit anzuschließen ? Um sich einordnen zu können ?
    Seine Fragen sind nicht umsonst immer " weich" , eine Lotung nach (s) einem Konsens ?
    Vielleicht fehlt da Chuzpe, Entscheidungswille, Courage , Entscheidungsfähigkeit ......?
    Geändert von supra (23.11.2017 um 23:53 Uhr)
    Genialer Dilletant, Anna Lüses Bruder

  6. #6
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    Standard

    P.S.
    Ein Ausloten der Ansichten von einigen Threadteilehmern bringt ja nicht weiter.
    Vielleicht hätte der TO die juristischen, versicherungstechnischen Grenzen abfragen sollen ?
    Danach mag ein jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich diesen "formalen" Grenzen unterordnet, seine woraus auch immer erwachsene Passivität bestätigt und legitimiert sieht , oder aber seinem individuell moralisch und fachlich begründetem "Hilfswillen" freien Lauf lassen kann.
    Ein Leveln ( Einordnen) der eigenen Fähigkeiten, also ob man genug " Zeug" zur Hilfe mitbringt, ist nicht möglich. Da muss ein jeder selbst....
    Letzteres ist ein weiteres Argument gegen eine " Lotung".
    Dargelegte juristische und versicherungstechnische "Grenzen" hingegen können ( !) demgegenüber eine "Entscheidung" beschleunigen, qualifizierter machen.

    Ich denke Hife seitens der " kreuzbergschen Lieblinge" und der " Herren Kaiser" ist ersteinmal notwendig.


    P.P.S.
    Herr TV-Kaiser ( " ein Teufelskreis") möge sich nicht angesprochen fühlen.
    Geändert von supra (24.11.2017 um 00:48 Uhr)
    Genialer Dilletant, Anna Lüses Bruder

  7. #7
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    Hallo edjm, auch wenn meine Beiträge bei Dir nicht beliebt sind, möchte ich was dazu sagen. Meine Meinung ist hier von anderer Seite schon angeklungen, ich möchte das verstärken: In so einem Fall würde ich auch tätig werden, wenn es allein mit Leinenarbeit sinnvoll möglich wäre. Der Schaden ist ja im Prinzip schon eingetreten, wenn sich eine Verbindung gelöst hat, ich kann da nur noch größeren Schaden verhindern. Bei meinem Schiff wäre Motorstarten durch einen Fremden nicht möglich, weil der Hauptschalter auch für die Maschine sich an der Schalttafel in der Navigation befindet, und in so einem Fall wäre meine Kajüte verschlossen. Ob die Hilfe so weit gehen soll, daß ich z.B. meinen Anker (per Beiboot) ausbringen sollte, um ein fremdes Schiff vom Kai wegzuziehen, wage ich zu bezweifeln.
    Viele Grüße
    nw
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  8. #8
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    Wo ist da das Problem? Habe schon zweimal einem unbesetzten Schiff, dessen eigener Anker slipte, einen meiner bzw. den eines Nachbarn mit dem Dinghy ausgefahren um das Heck von der Pier abzuhalten.
    Michael
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  9. #9
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    Nur wenn der Skipper an Bord ist und um Hilfe bittet. Unbemannte Schiffe fasse ich nicht an, weil Rechtslage völlig unklar; und, nachher hat man noch Schuld, wenn die Rettung misslingt und doch ein größerer Schaden entstanden ist.
    Ausnahme: bei drohendender Gefahr/Beschädigung für mein eigenes Schiff durch ein anderes unbemanntes Schiff.
    Ratsam ist auch, immer aussagekräftige Fotos von der gesamten Situation zu machen.

  10. #10
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    Übrigens: in den meisten Häfen gibt es so etwas wie einen Hafenmeister, den man sofort informieren sollte bevor man selbst Hand anlegt...

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