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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Finnclipper 35, oder nicht?



dunkelplanet
02.07.2012, 19:39
Hallo Leute

Seit ein paar Jahren segle ich im Urlaub in der koatischen Adria,
mit Chartersegelyachten. Da ich das Bootfahren wirklich sehr liebe,
möchte ich mir nun auch für Zuhause ein Boot zulegen, sprich kaufen.
Ich lebe bei Baden-Baden am Rhein.
Motorboote sind mir innen zu klein und verbrauchen außerdem zu
viel Sprit. Mit Segelbooten unter Motor hat man aber gegen die starke
Rheinströmung kaum eine Chance.
Deswegen möchte ich mir nun einen Motorsegler, (Finnclipper 35)
zulegen. Was meint ihr dazu? Hat dieses Boot genug Power gegen
die Strömung anzukommen? Also eilig habe ich es ja nicht, das Boot
fahren soll ja entspannen... aber ankommen möchte man ja doch.
Übrigens beträgt die Strömung bei uns so um die 10km/h.
(Ich weiß nicht, warum die nicht in Knoten angegeben wird...?)
Gäbe es noch andere Alternativen? Viel Platz, Bequemlichkeit und
doch fahrbar? :confused::confused::confused:
So, dann hoffe ich auf euch und viele inspirierende Antworten!!! ;-)
Vielen Dank!

lg
James

4five
02.07.2012, 19:54
Kurze Antwort: ja, man kommt gegen die Strömung an.

Aber:

Mit 35 Fuß kann man aufgrund der zugehörigen Wasserlinienlänge auch nicht viel schneller aus eben diese 10 km/h fahren. Mit dem Hebel auf dem Tisch (Vollgas) werden da nicht viel mehr als 7kn herausspringen, man erhält also rheinaufwärts rund 3 km/h Grundgeschwindigkeit - wohlgemerkt: bei voller Dröhnung!

Beispiel: Mit unserer Segelyacht (35ft, 30PS) sind wir mal den Rhein heruntergetuckert und haben in Worms den Abzweig in den Jachthaven verpasst. Bis wir das bemerkt und endlich umgedreht hatten, waren wir vielleicht 300m hundert Meter rheinabwärts getrieben worden. Für die paar Meter zurück haben wir dann fast 10 Minuten gebraucht. Ich habe mir damals vorgenommen, mir sowas nie mehr freiwillig anzutun.

Handbreit ...

Linki
03.07.2012, 10:46
Zu klären ist noch, ob du auch segeln willst und wo. Das Ding (Finnclipper) ist ein Kompromiss! Die segelt schlecht und hat auch nur mäßige Motorleistung und Fahreigenschaften für den Rhein. Möglicherweise gibt es Alternativen.

dunkelplanet
03.07.2012, 13:46
Hi nochmal!

Schon mal vielen Dank für die Antworten!

@ 4five:
Genau aus diesem Grund möchte ich kein reines Segelboot haben, obwohl mir das lieber wäre. Ich denke der Finnclipper
ist mit 72 PS schon stärker motorisiert, als ein "normales" Segelboot. Damit hat man schon bessere Karten in der Strömung!
Außerdem ist diese ja auch nicht überall gleich stark.

@Linki:
Ja klar will ich auch Segeln, dort wo es möglich ist! Auch zur Motorunterstützung. Oberhalb der Schleuse Iffezheim z.Bsp. ist die Strömung auch nicht mehr so stark, aber da muß man ja auch erst mal hinkommen... Wenn es klappt, würde ich mir einen A-Masten dranbauen, den man ganz einfach umlegen und wieder aufrichten kann. Info dazu: http://www.yacht-mast.de
Alternativen? Welche?

lg
James

Ausgeschiedener Nutzer
03.07.2012, 21:27
was bringen, ist ein Trugschluss. Die Finnclipper haben reine Verdrängerrümpfe. Mehr Gas zu geben, bedeutet, dass das Boot auf seine eigene Bugwelle klettert und mit dem Kanuheck in das selbst gegrabene Wellental fällt. Über die eigene Bugwelle kommt der Rumpf aber nie drüber.

Das Ergebnis der Ballerei ist reine Dieselverschwendung. Alle Energie, die benötigt wird, das Boot auf der aufsteigenden Flanke des Wellenkamms zu halten, ist glatt verschwendet und bringt, wenn überhaupt, einen halben Knoten zusätzlich. Jeder Vernünftige wird das bald bemerken und den Gashebel zurücknehmen, bis Rumpfgeschwindigkeit anliegt.

Wir haben auf der Donau ähnliche Strömungsverhältnisse wir Ihr auf dem Rhein. Mit einem 35 Füßer, der als Verdränger läuft, überholt einen auf Bergfahrt jede Weinbergschnecke.

Wenn Du auf dem Rhein bleiben willst, führt an einem gleitfähigen Motorboot nach meiner Überzeugung kein Weg vorbei. Das gilt auch bei einer wirtschaftlichen Betrachtung, welche den Reisezeitfaktor bei Bergfahrt außer Acht lässt. Bei Bergfahrt auf einem schnell fließenden Fluss ist ein Gleitboot nicht nur schneller, es braucht für die gleiche Strecke auch weniger Brennstoff.


Viele Grüße
Saga

kuckst du
03.07.2012, 23:20
Und ein Finnklipper segelt 7 Kn! (3 nach vorn und 4 zur Seite)

4five
04.07.2012, 07:45
Saga hat natürlich recht, die 72PS eines Finnclippers kannst Du nicht einfach ins Verhältnis zu unseren 30 PS setzen und nun per Dreisatz auf runde 15kn über Grund berechnen. Nur relativ leichte Boote können ihre Rumpfgeschwindigkeit (Wurzel aus Wasserlinienlänge mal 2.43) nennenswert überschreiten, schwere Verdränger bleiben für immer in ihrem eigenen Wellensystem gefangen.

Ich habe die PS-Angabe auch nur deshalb gemacht, damit klar ist, dass unser Boot seine Rumpfgeschwindigkeit auch gut erreichen kann. Dazu braucht man erfahrungsgemäß mindestens 3 PS/to, 4 PS/to sind schon reichlich, über 5PS/to beginnt der bezüglich Lärm, Treibstoffverbrauch und Umwelt kontraproduktive Bereich. Da selbst so ein schwerer und behäbiger 35er Finnclipper nicht viel mehr als 7 to wiegen kann, sind, zumindest bezüglich der Endgeschwindigkeit, 72 PS das doppelte von dem, was schon puren Luxus bedeutet. Kurzum: Schwere Verdränger werden auch mit extremem Leistungsüberschuss nicht schnell.

Handbreit ...