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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rat wegen trailerbarem Motorsegler



kroetenteam
29.10.2012, 21:32
Hi, wir sind zwar schon lange hier im Forum, aber bisher (ich darf´s gar nicht schreiben) Motorbootfahrer (wg. Revier, wir wohnen direkt am Rhein). Nun wollen wir uns aber dann doch unseren Wunsch erfüllen und uns endlich ein Segelboot (aber wg. dem Rhein mit Motor) kaufen. Es sollte ca. 7,50m haben und trailerbar sein (d.h. inkl. Trailer bis ca. 2,2t und ca. 2,50m breit) und wg. dem Trailer auch möglichst einen Klappkiel oder versenkbaren Kiel, damit man beim Slippen irgendwie auf den Trailer kommt :confused:Unser Budget liegt bei ca. 11.000 Euronen inkl. Trailer. In Holland haben wir eine MacGregor 26 entdeckt, die all dies erfüllen würde, aber da wir halt keine Erfahrungen bei Segelbooten haben hier nun die Frage ob jemand Erfahrungen mit solch einer Segelyacht hat oder eine bessere oder noch andere Alternative wüsste. Wir wären superdankbar für Tipps und Hinweise jeder Art :rolleyes: auch über Tipps, die man beim Kauf eines Segelbootes unbedingt beachten sollte würden wir uns freuen.
LG aus Bonn am Rhein
Christina

4five
30.10.2012, 08:45
Das ist ein eher schwieriger Fall...

Fangen wir mal an: Diese McGregors, Odins, Imexus ... sind bezüglich der Rumpfform, den Steuereigenschaften, dem äußeren Erscheinungsbild und auch dem Ambiente unter Deck tatsächlich einem Motorboot viel näher als einem Segelboot. Viele Segler schmunzeln schon, wenn sie den kleinen Lenker sehen. Die Segeleigenschaften sind schon von Haus aus eher bescheiden, zudem sind oft sehr minderwertige Segel an Bord, die den Spaß am Segeln weiter einschränken. Ich kann mir nicht vorstellen, mit so einem Teil auf dem Rhein mit seinen sehr zerrissenen Windbedingungen auch nur einen Meter gegen die Strömung gutzumachen.

Wenn man allerdings einfach mal das Segeln ausprobieren will, oder im Urlaub dann auf einem weniger anspruchsvollen (Binnen-) Gewässer erste Erfahrungen als Segler sammeln möchte, ist so eine McGregor sicher eine denkbare Lösung, da sie ja die Hauptanforderung (das Motoren auf dem Rhein) recht gut abdeckt.

Allerdings muss man sich klar machen, dass man mit einem 7.5m langen Verdränger auf dem Rhein bergauf auch unter Motor schon sehr dicke Nerven braucht. Um so ein Teil allerdings ins Gleiten zu bringen, braucht man schon sehr hohe Motorleistungen und zudem sehr viel Ausrüstungsdisziplin um das Gewicht im Rahmen zu halten. Uns ist das damals mit stehendem Mast trotz 50PS nicht so recht gelungen - aber es war auch keine McGregor, sondern nur ein ähnliches Schiff (Odin820).

Ich würde sagen: Für einen Motorbootfahrer ist es sicher einen Versuch wert, wenn man die oben genannten Bedingungen nicht aus dem Auge verliert. Ihr könntet Euch die Welt des Segelns Schritt für Schritt erschließen, ohne einen radikalen Schnitt zu machen. Gerade die Trailerbarkeit ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Faktor, denn so seid ihr z.B. im Urlaub in der Lage, auch mal das tagelange, enspannte und vor allem lärmfreie Segeln zu genießen.

Allerdings kann ich mir bei 11.000 Euro inklusive Trailer nicht vorstellen, dass da auch noch ein gescheiter Motor, gute Segel oder gar eine Jüttvorrichtung an Bord sind. Da wird man wohl, zumindest vorläufig, deutlich Abstriche machen müssen.

Handbreit ...

erpel-ernst
30.10.2012, 19:25
du hast eine pn.

kroetenteam
30.10.2012, 20:32
Hi, bei der Macgregor würde es sich um die alte Macgregor also die Classic handeln, die wohl einen Segelbootrumpf hat und auch nur mit 10 PS motorisiert ist und höchstens mit 15 PS motorisiert werden kann, die Leistung würde uns auch auf dem Rhein reichen, bei einer Fließgeschwindigkeit von ca. 7 km/h müssen wir halt nur irgendwie gegen die Strömung noch vorwärts kommen, ich denke dort können wir das reine Segeln vergessen so zwischen der Berufsschifffahrt. Jedoch soll es dann im Urlaub mit an den Lago Maggiore und dann natürlich dort segeln. Ich weiß wir suchen die "eierlegende Wollmilchsau" und wahrscheinlich kann keins der Boote die wir uns so vorstellen wirklich alles gut, aber ich hoffe doch Ihr habt vielleicht irgendwelche Ideen, auf die wir noch nicht gekommen sind.
Schon mal tausend Dank für die Antworten und lg aus Bonn
Christina

Linki
02.11.2012, 18:03
Schau mal nach einer LM 24. Gewicht, Trailerbarkeit (2,4 to). Preis passt wohl eher nicht (mal googeln). Der Rest wäre möglicherweise interessant. Segeleigenschaften - na ja. Guck mal hier:

http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.wesselhoeft.net/MSY%2520Melusine/images/Lm24a_k.gif&imgrefurl=http://www.wesselhoeft.net/MSY%2520Melusine/Melusine.htm&h=107&w=148&sz=7&tbnid=ZGQjdAGXHwZYgM:&tbnh=85&tbnw=118&prev=/search%3Fq%3DLM%2B24%26tbm%3Disch%26tbo%3Du&zoom=1&q=LM+24&usg=__xqBQzxp4uE55FApHbly85AG62c0=&docid=0vs-AkA-j0AihM&hl=de&sa=X&ei=pf2TUJDmEY3CtAaa-IC4BA&ved=0CDIQ9QEwBA&dur=694 (http://www.google.de/imgres?imgurl=http://www.wesselhoeft.net/MSY%2520Melusine/images/Lm24a_k.gif&imgrefurl=http://www.wesselhoeft.net/MSY%2520Melusine/Melusine.htm&h=107&w=148&sz=7&tbnid=ZGQjdAGXHwZYgM:&tbnh=85&tbnw=118&prev=/search%3Fq%3DLM%2B24%26tbm%3Disch%26tbo%3Du&zoom=1&q=LM+24&usg=__xqBQzxp4uE55FApHbly85AG62c0=&docid=0vs-AkA-j0AihM&hl=de&sa=X&ei=pf2TUJDmEY3CtAaa-IC4BA&ved=0CDIQ9QEwBA&dur=694)]

Mit Booten der Kategorie MacGregor wirst du meines Erachtens nicht glücklich. Dann lieber ein gut motorisiertes Segelboot, mit einer zuverlässigen Maschine (Diesel). Der Rhein ist lang. Daher noch die Frage, über welchen Teil des Rheins wir reden. Von Bingen bis Mannheim geht das ja, auch von NL bis Duisburg. Alles, was dazwichen liegt ist eher beschwerlich.

Und hier:http://www.haber-yachten.com/segelboote.html (http://www.haber-yachten.com/segelboote.html)
Haber 660, interessantes Rigg, nur der Preis stimmt wohl eher nicht. Aber es Kredite bei den Banken.

Vi:Ta
06.11.2012, 14:03
Starke Maschine & Trailerbar & angemessene Segeleigenschaften:

Du hast dazu eine PM

Grüsse

Helge

trailorsegler
07.11.2012, 21:41
Ich selber segele eine Macgregor 26c. Sie ist ein guter Segler und im Gegensatz zu den nachfolgenden 26x bzw. 26M als reines Segelboot konzipiert worden. Sie ist also kein Gleiter (Motorboot) und erreicht eine maximale Rumpfgeschwindigkeit von 12-13 km/h auf dem Rhein (9,9 PS Ultralangschafter mit Schubpropeller bei Halb Gas und 1-1,5 l/h Verbrauch). Rheinaufwärts habe ich mich damit mal vom Ijsselmeer bis Düsseldorf hochgekämpft. Es war möglich aber richtig Spaß machte es nicht von den niederländischen Frachtern gegen die Buhnen gedrückt zu werden, ohne über irgendwelche Geschwindigkeitsreserven bei damals realen 5-7 km/h über Grund zu verfügen. Ich habe nach ersten negativen Erfahrungen die Niederländer immer per Funk darauf aufmerksam machen müssen, dass das Boot ohne Trailer nicht auf Land fahren kann. Bei anderen Nationalitäten war dieser Hinweis nicht notwendig.
Bei unseren Clubregatten auf der Talsperre kann ich Einhand mit unseren Bigas gut mithalten. Natürlich muss sie als Wasserballastboot (600kg und damit über 60% Ballastanteil) mit hochliegendem Schwerpunkt rechtzeitig gerefft werden. Durch den scharf geschnittenen Bug setzt sie aber im Gegensatz zu mancher deutschen Konstruktion weich in die Welle ein, so dass man auch bei Windstärke 7 mit gerefften Segeln auf dem Ijsselmeer noch kein unsicheres Gefühl bekommt, auch wenn ich bei dieser Windstärke mit dem Boot nicht freiwillig den Hafen verlassen würde. Sie ist nicht umsonst in den USA über 4000-mal verkauft worden und segelt dort auf den großen Seen und an den Küsten. Aber es ist ein Trailerboot kein für Atlantiküberquerungen konzipiertes Boot. Aufgrund des zugelassenen original US-Trailers mit seiner Breite von 2,50m, seinem extrem niedrigen Schwerpunkt, Hydraulikbremssystem, etc. habe ich noch nie ein Boot gehabt, was sich so gut ziehen lässt (Leergewicht mit US Trailer 1200kg, urlaubsklar ca. 1500kg).
Ohne Modifikation und ohne hochgestelltes Hubdach ist sie aber sehr niedrig in der Kajüte. Bei meinem Boot wurde das Hubdach mit einem fixen Aufbau um ca. 20 cm angehoben. Personen unter 1,60m können dann so gerade eben dort stehen. Dafür ist das 2,2x2,2 m Bett unter der Plicht sehr gut zum Übernachten auch für einen 3 wöchigen Urlaub geeignet. Lassen sie sich nicht durch den Wasserballast irritieren in der USA baut man seit Jahrzehnten Wassertanks für die Hochhäuser und kennt die richtigen Harze. Ich habe noch von keiner Macgregor mit Osmose gehört. Dies gilt ausdrücklich nicht für frühere deutsche Versuche den Wasserballast im Yachtbau zu nutzen.
Die Macgregor ist ein "Leichtbau-Plastik-Eimer" aber als Ingenieur kann ich bisher nur sagen die FEM-Modellierung hat nicht nur der Werft jede Menge überflüssiges, sprich teures Material gespart sondern, wie über 4000 Schiffe beweisen, trotzdem ein stabiles Leichtbauboot hervorgebracht. Einziges Problem dem man sich immer wieder widmen muss sind Undichtigkeiten im Bereich der Püttings, des Mastfußes und eventuell im Bereich der Scheuerleiste. Mit entsprechenden elastischen Versiegelungen aber im Griff zu behalten. Ersatzteile, soweit nicht überall erhältlicher Standard, können zuverlässig und beim aktuellen Dollarkurs im Vergleich zu Deutschland preisgünstig aus den USA bezogen werden.
Wenn Sie im Urlaub küstennah, oder auf Binnengewässern segeln wollen ein schönes Boot, Motoren auf Kanälen kein Problem. Ob ich auf dem Rhein nicht eventuell doch die Macgregor 26 X oder M mit ihrem Gleiterrumpf und damit einem höheren Geschwindigkeitspotential unter Motor aber deutlich schlechteren Segel- und Schwerwettereigenschaften und sehr gewöhnungsbedürftigem Aussehen nehmen würde, würde ich davon abhängig machen, wie viel Zeit ich auf dem Rhein verbringe und wie viel Geduld ich beim rheinaufwärts Fahren aufbringen kann. Aufgrund der angegebenen Brückenhöhen, mangelnder Erfahrung und der Masthöhe von 10m über dem Wasser habe ich mich nicht getraut mit stehendem Mast die Ijssel und den Rhein hoch zu fahren oder gar zu versuchen hoch zu segeln. Zwischen den Brücken würde ich dies sicherlich versuchen, auch wenn die hohe Verkehrsdichte hier sicherlich eine extreme Aufmerksamkeit und einen ständig startbereiten Motor erfordert.

Linki
08.11.2012, 11:01
@ trailorsegler: Schöner Bericht, der viel Mühe gemacht hat. Ich frage mich indessen, wo eigentlich der Fragesteller abgeblieben ist?
Kein Danke, keine Bewertung, keine Rückmeldung.

kroetenteam
11.11.2012, 22:20
Hallo Trailorsailer, lieben Dank für den ausführlichen und aufschluss- und hilfreichen Bericht, wir haben uns nun eine Macgregor 26 S mit supertoller Ausstattung und 10PS Honda Extra-Langschaft gekauft und sind wirklich überrascht wie gut das Boot dann doch verarbeitet ist nach dem was man so auf den ersten Blick beurteilen kann (z.B. kein Knirschen wenn man über das Vordeck geht), etwas entäuscht waren wir über die niedrige Kabine, die auf den Fotos vorher mehr Größe sugerierte, aber wir haben uns schnell an die Höhe gewöhnt. Leider können wir noch nicht auf das Wasser, weil der Motor erst zur großen Inspektion (Ventile Einstellen, Impeller etc.) soll, auf dem Rhein brauchen wir die Sicherheit des Motors. Es wird sicherlich eine Umstellung von momentan 205 PS auf 10 PS, aber es geht uns wirklich nicht darum schnelle Distanzen zu überwinden, sondern einfach auf dem Wasser zu sein. Oft haben wir unser Motorboot auch mit der Strömung treiben lassen und die Landschaft genossen. Das Gewicht und der Rumpf der Macgregor zum Trailern sind glaube ich kaum mit anderen Booten in dieser Größe vergleichbar. Wir haben uns vorab eine Dehlya 25 und eine Etap 23 angeschaut (zweifellos schöne Boote). Momentan sind wir absolut überzeugt und sehr gespannt auf die nächste Saison.
Viele Grüße Christina