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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fenster für Steuerhaus



sucher
05.04.2017, 07:02
Hallo Ihr, Die Frage richtet sich an Segler, die ein Boot mit Steuerhaus bzw. Kuchenbude haben.
Mein Schiff war mit einer Kuchenbude ausgerüstet, die nach vorne mit einer großen, geschlossenen Scheibe, und an den Seiten mit einer Persenning fest geschössen war. Nach achtern war sie offen. Die Konstruktion hatte verschiedene Nachteile, zudem war die Persennng zerissen, die Scheibe gesprungen, so daß ich das abgebaut habe.
Ich möchte nun ein vollständig festes Steuerhaus ohne textile Elemente erstellen, und vorne sowie an den Seiten einzelne Fenster einbauen. Nach achtern soll das nach wie vor offen sein.
Die Frage ist nun, wie wichtig ist es, daß die Fenster zu öffen sind? Ich habe die vorige Konstruktion am Mittelmeer erlebt, der Aufenthalt darin war sehr unangenehm, weil heiß und dunkel. Ich stelle mir vor, mindestens ein Fenster vorne in der Mitte zum Öffnen zu gestalten, daß man gegebenenfalls für Durchzug sorgen kann. Ist das ausreichend? Zum Vergleich wäre ein Bimini rundum offen.
Einen Wetterschutz für Cockpit und Niedergang halte ich für unumgänglich, weil ich auch kältere Reviere befahren will.
Vielen Dank
nw

Groebel
05.04.2017, 09:18
Kommt auf die Größe der Fenster an. 50*40 cm sollten es schon sein. Besser mehr.
Ich habe 2 Luken, die sind viel zu wenig.
Sußerdem liegt man in Häfen auch quer zum Wind, da kommt noch weniger Luft durch.

Jugocaptan2
05.04.2017, 10:41
Vorne Klappfenster, seitlich Schiebefenster. Aber immer Spezialglas, kostet, hält aber auch Seeschlag aus.

sucher
05.04.2017, 12:55
Hallo Ihr, wenn man sowas baut, spielen die Kosten eine nicht geringe Rolle. Individuell zugeschnittene Plexiglasfenster dürften da die günstigste Variante sein, nur sind die leider nicht zum Öffnen. Fenster zum Aufmachen, ganz gleich ob zum Schieben oder Klappen, sind ein ganzes Stück teurer. Selbstverständlich könnte ich das Steuerhaus mit lauter individuell gefertigten Fenstern zum Klappen oder Schieben ausstatten, aber das würde die Kosten unangemessen in die Höhe treiben. Deshalb nochmal etwas präziser die Frage: Reicht es, wenn z.B. das Fenster vorne in der Mitte aufgeklappt werden kann (Scharniere oben), und die anderen Fenster nicht zum Öffnen sind?
Ich möchte vermeiden, daß in warmen Gegenden mit starker Sonneneinstrahlung der Aufenthalt im Steuerhaus zu unangenehm ist, denn schließlich kann man es nicht wie eine Kuchenbude mal eben schnell abbauen!
Umgekehrt ist natürlich denkbar, die große Öffnung an der Rückseite mit einer Persenning zu verschließen, um diese Option möglich zu machen, will ich entlang der Hinterkante eine Kederschiene anbringen. Dann kann auch größere Kälte nicht mehr schrecken.
Vielen Dank
nw

PS: einer der Beweggründe für dieses Projekt ist, daß auf dem Dach dieser Konstruktion ein ordentlicher Platz für die Solarpanels ist!

DOS
05.04.2017, 12:59
Hi Sucher, wenn Du nicht nur ausschließlich hier in unseren Breiten (Nordsee & Co) unterwegs bist, dann würde ich in jedem Fall ein Fenster zum Öffnen einplanen. Erst recht, wenn Du sowieso gerade im Refit an dieser Stelle bist.

Ich selber habe eine Contest 41 mit Cockpit-Fenstern und ein Sprayhood-Abschlussteil. Super komfortabel, wenn´s etwas kühler und nass wird. Aber es staut sich eben auch schnell die Hitze im Hochsommer. Von daher möchte zukünftig ebenfalls die "Frontscheibe" irgendwie umbauen, damit man diese bei Bedarf öffnen kann speziell für wärmere Regionen. Die Frontscheibe hat den Vorteil, dass Du Fahrtwind abbekommst bzw. in der Ankerbucht zumindest oft eine leichte Brise von vorne.

An einer soliden Klapplösung oder etwas sinnvolles alternatives wäre ich daher ebenfalls interessiert...

In Marinas (z.B. Mittelmeer im Sommer) bringt das natürlich nichts, weil da oft gar kein Lüftchen geht (kann man aber ja auch meiden...).

Groebel
05.04.2017, 15:55
Es gibt fertige Decksluken mit Rahmen, die könntest Du in Deine Konstruktion mit reinplanen. Spezialanfertigung würde ich nicht machen.

sucher
05.04.2017, 19:36
Hallo Groebel, Bei diesem Projekt gibt es einige Eckwerte, die nicht veränderbar sind. So hat z.B. der Süllrand rund um das Cockpit nach vorne einen Winkel von ca. 45°. Damit ist der Winkel der Vorderseite zum Deck vorgegeben (wenn man die Linien des Schiffes nicht versauen will). Gleichzeitig will ich die Stehhöhe im Cockpit im Steuerhaus nicht geringer gestalten als im Salon: dann wird das mittlere Fenster zwangsläufig einen vollen Meter hoch. Wenn man die durch den Süllrand vorgegebene Rundung vorne rum nicht allzu sehr stören will, ist die Breite dieses Fensters 50cm. Das Problem: wo bekomme ich ein Klappluk 50*100cm mit den Scharnieren an der kurzen Seite her?
@DOS: Ich habe über diese Sache lange nachgedacht, und viele, viele Bilder im Netz recherchiert, vor allem von meinem Schiffstyp. Da gibt es nicht wirklich ein nachahmenswertes Vorbild geschweige denn eine käuflich erwerbbare Konstruktion, die mir wirklich zusagt. Ich habe den Eindruck, daß der Konstrukteur meines Schiffes mit dem umlaufenden Süllrand eine sehr gute Idee hatte, um da ein perfektes Deckshaus/Ruderhaus draufzustellen. Dann hat vermutlich die kaufmännische Abteilung eingeschritten und die Realisierung gestrichen. Nur so kann ich mir vorstellen kommt es zustande daß nicht ein einziges Schiff dieses Typs mit so einem Deckshaus irgendwo abgebildet ist.
Viele Grüße
nw

Groebel
06.04.2017, 09:02
Du kannst Dir eine geeignete Luke ( Suche mal bei Gevo) in eine passende Platte einbauen. Die Platte hat das nötige Maß, die Luke eben so groß wie möglich.

sucher
06.04.2017, 11:55
Hallo Groebel, nein, so eine aus Platten zusammengesetzte Konstruktion habe ich nicht im Auge. Ich will eine Form aus Hartfaserplatten bauen, die sich ganz gut an die Schiffsform anschmiegt, und da mit Epoxid und Glas hineinlaminieren. Weil das alles gekrümmte Flächen sind, wird das sehr stabil werden, viel stabiler als gerade Platten. Für die Fenster bzw. die Fensterrahmen setze ich in die Form passend gearbeitete Holzplatten ein, die dann im Laminat exakt passende Fensterrahmen ergeben. Damit das Ding dann auch gegen Seeschlag sicher wird, werde ich Verstärkungen aus Styrodur mit einlaminieren. Das ganze Ding muß abnehmbar gestaltet sein, damit die Maximalhöhe für einen Landtransport nicht überschritten wird.
Bei Gebo gibt es laut Katalog solche Fenster als Sonderanfertigung. Ich werde mal anfragen, was das kostet.
Vielen Dank
nw

PS: die Frage ist immer noch offen, ob ein zu öffnendes Fenster ausreicht?

balaton1
06.04.2017, 12:54
Schau einmal hierhttp://schiffsfenster.de/----http://www.yachtfenster.eu/

Werner

Groebel
06.04.2017, 14:01
Freit mich, daß der Tipp mit Gebo was brachte. Noch ein Hinweis: Achte darauf, nur wasserfest verklebte Materialien zu verwenden, denn irgendwo kommt immer Wasser rein. Und das zieht dann ein, quillt und zerstört Deinen Bau.

sucher
06.04.2017, 19:23
Hallo Groebel, nein, Epoxid-Laminat ist absolut wasserfest und wird definitiv nicht verrotten. Die Fenster bzw. Luken werde ich in der bewährten Weise mit Sikaflex einkleben, aus dieser Ecke sind keine Probleme zu erwarten. Verstärkungen werde ich mit Styrodur machen, das ist geschlossenporig und ebenfalls verrottungsfest. Wo soll da ein Problem herkommen?
Viele Grüße
nw

sucher
13.04.2017, 09:58
Hallo Ihr, @DOS, ja es wird wohl ein einzelnes Fenster in der Mitte zum Öffnen, 100*50cm, von Gebo, scheint (bis jetzt) zu funktionieren, wenn auch zu einem gewöhnungsbedürftigen Preis.
Jetzt geht es um die anderen Fenster. Das Problem ist die Seeschlagsfestigkeit. Die größte Breite ist dabei ebenfalls 50cm (die Länge etwas mehr). Die Fenster will ich biegen, Radius etwa 1- 1,5m, Die Fenster werden um die Breite gebogen.
Für diese Ausgangseckwerte stehen folgende Materialien zur Verfügung:
Acrylglas (Plexiglas) 8mm oder 10mm ,
Polycarbonat, ebenfalls 8 oder 10mm.
Mit Polycarbonat habe ich schon schlechte Erfahrungen gemacht: Trotz in der Werbung hochgelobter UV-Festigkeit wird das pünktlich nach der Garantiezeit opaque. Außerdem neigt es zu Spannungsrissen (versprödet wg. UV?). Der Vorteil wäre deutlich höhere Stabilität (Sicherheit gegen Seeschlag) und Härte z.B. gegen Kratzer.
Plexiglas läßt sich dagegen leichter formen und bearbeiten, hat eine bessere Transparenz und UV-Festigkeit, ist aber weicher, daher schneller verkratzt.
Das traditionelle Material für Schiffsfenster ist offenbar Plexiglas.
Also Sicherheit gegen Schönheit?
Was meint Ihr dazu?
Vielen Dank
nw

sucher
04.08.2017, 13:08
Hallo Ihr, heute wurde das Anfang April bestellte Fenster geliefert. Völlig unabhängig von Qualität und Preis ist das eine meiner Meinung nach unzumutbare Lieferzeit. Der Verlauf des ganzen Bestell- Verifizierung- Genehmigungs- Teilzahlungs- Abschlußzahlungs-Vorgangs zeigt meiner Meinung nach, daß diese Firma ein massives Logistik-Problem hat. Ich kenne das von Firmen, die kurz vor der Pleite stehen, und man deshalb nicht sicher sein kann, ob da nur die Anzahlung auf Nimmerwiedersehen geschluckt wird und im Insolvenzorkus untergeht, oder ob man tatsächlich noch mit einer Lieferung rechnen kann. Wenn man nun von so einer Sache abhängig ist, z.B. das Wohl oder Wehe einer ganzen Segelsison davon abhängt, sollte man sich so einer Firma nicht anvertrauen!
Trotz alledem viele Grüße
nw

Jugocaptan2
04.08.2017, 18:39
Andere Frage. Was soll das mit der "Seeschlagsfestigkeit"? Normalerweise haben Schiffe da vorne eine Sprayhood aus Pesenningstoff und starker Folie (die wenigen Schiffe mit fester Scheibe mal ausgenommen).

sucher
04.08.2017, 21:08
Hallo Jugocaptan2, Seeschlagsfestigkeit ist ein wichtiger Begriff, wenn es um feste Strukturen geht. Eine "Kuchenbude" aus Persenning und Folienfenstern hatte ich schon, wollte was Dauerhafteres also ein festes Steuerhaus. Dieses ist besonders wichtig, wenn man vorhat, auch ungemütlichere Reviere zu befahren. Da wäre es peinlich, wenn einem die See die Fenster eindrückt. Eine Kuchenbude wird in so einem Fall zwar vielleicht komplett flachgelegt, die kann man jedoch hinterher mit Nadel und Faden aus Bordmitteln wieder reparieren. Ein festes Steuerhaus ohne Fenster ist futsch!

Meinem obigen Post muß ich leider noch eins draufsetzen: Die Firma hat meiner Meinung nach nicht nur ein Logistikproblem, das ihre Betriebsabläufe unzumutbar verlangsamt, sondern auch ein Kommunikationsproblem: Sie waren nicht in der Lage ein Fenster nach Vorgaben (nach Maß?) zu liefern, trotzdem man Ihnen das mehrfach verklickert hat: Das Fenster ist für meinen Zweck völlig unbrauchbar!
Viele Grüße
nw


PS: es handelt sich um die Firma "Schiffsfenster nach Maß"

DOS
20.12.2017, 14:22
Hallo Sucher,
bist Du mit Deinem Frontscheiben-Fenster zum Öffnen schon weitergekommen? Bei mir wird das Thema in 2018 auch akut (will mein Schiff dann tropentauglich modifizieren), daher mein Interesse. Ich hab das bei einigen ich glaub Hallbergs bei Google gesehen. Die haben da anscheinend teilweise Schiffe mit Klappbaren Scheiben innerhalb der Frontscheibe ausgerüstet. Aber fertige Lösungen habe ich bis dahin noch nicht gefunden...

sucher
20.12.2017, 14:36
Hallo DOS, ja das Problem ist soweit gelöst, ich war in der Lage, das Fenster umzubauen und habe dafür 50% Minderung beim Preis herausgeschlagen. Der Ärger wurde mir jedoch nicht bezahlt genausowenig wie der völlig über den Haufen geworfene Zeitplan. Dadurch bin ich mit meinem Deckshaus nicht wie geplant im Sommer feriggeworden, sondern in den Winter geraten, und da ist jetzt Pause.

Wie ich schon in den vorigen Beiträgen beschrieben habe, habe ich mir das Deckshaus komplett laminiert, nicht etwa wg. Tropen, sondern umgekehrt, um in kalten Revieren etwas mehr Wetterschutz zu haben. Für die Tropen hätte ich es bei der Kuchenbude belassen.
Ein weiterer Grund war, um eine wirklich brauchbare Fläche zur Montage von Solarpanels zu bekommen. Die Üblichen Lösuungen mit Klappen an der Reling oder Heckträger leuchten mir nicht wirklich ein.
Viele Grüße
nw