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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Segeln" vor Anker und an der Boje



MPromberger
28.11.2001, 12:09
Hallo Miteinander!
Mir ist schon öfter aufgefallen, daß sich verschiedene Yachten vor Anker und an der Boje ganz anders verhalten.
Die einen liegen auch bei böigem Wind ruhig mit der Nase im Wind und bieten so minimale Angriffsfläche. Die anderen kreuzen regelrecht. Sie nehmen Fahrt auf und segeln abwechselnd auf Stb und Bb bis sie durch brachialen Zug vom Ankergeschirr gebremst und zur "Wende" gezwungen werden. Das dies eine zusätzliche Kraft auf den Anker bringt und diesen leichter ausbrechen läßt ist klar.
Meine Fragen: Woran liegts, was kann man dagegen tun?
m.E. kann es die Ketten- bzw. Leinenlänge nicht sein. Und von Stützsegeln halte ich nicht viel, da ich das Boot oft Wochenlang an der Boje lassen muß.
--
fair winds!

Sven
28.11.2001, 13:16
Kurze Frage: Wo und wie ist die Ankerkette / Leine am Schiff angeschlagen. Vorschiffsklampe, im Ankerkasten oder andere Möglichkeit?

FBrinken
28.11.2001, 13:53
Hallo Markus,
das Problem existiert ausgeprägt bei Kurzkielern, Langkielern sagt man ein ruhigeres Liegen nach. Du kannst es übrigens vermeiden, wenn Du den Anker als Heckanker ausbringst. Dies hat den Vorteil, dass Due dann auch Spinnakerfliegen kannst.
Handbreit
Frank

MPromberger
28.11.2001, 14:29
Die Kette/Bojenleine hängt entweder an einer vorschiffsklampte (Führung über Ankerrolle) oder an einnem Augbolzen im Steven ca 20cm über der Wasserlinie.....
Es tritt übrigens kein Unterschied auf, wenn die Leine dezentral über die Kippklampe ausenbords geführt wird....
--
fair winds!

Sayang
28.11.2001, 15:29
Eine Moeglichkeit, das Segeln vor Anker zu reduzieren, ist einen zweiten Anker vom Bug auszubringen, der gerade eben ueber den Grund schleift. Diese Technik wird auch beim Ankern in einem Hurrikan empfohlen, um eben diese Extrabelastung auf den Hauptanker zu vermeiden.

Buchtenbummler
28.11.2001, 15:59
Hallo,
das Ausbringen eines 2.Ankers (der aber auch hält...) in ca. 35-40 Grad Winkel reduziert den Schwojkreis um 50% (siehe dazu Yachtenhandbuch Stichwort Ankern). Man liegt auch bei Starkwind recht ruhig, das Schiff ruckt nicht so stark ein - wichtig: lange Kette und (sehr) lange Leine und gut durchsetzen (ideal dafür: Stockanker! Der ist etwas "sperrig", aber genau das ist es ja, was er am Boden soll...hakeln...) ;-))

Grüße
Hans
SY Flexen Hex´n
www.holidaysailing.de

MPromberger
28.11.2001, 18:07
Danke für die Tipps mit dem zweiten Anker (liege ich bei einem Hurrikan nicht lieber auf zwei voll tragenden Ankern?), aber was mache ich als Bojenlieger?
Weiß einer generell um die URSACHE des Problems
--
fair winds!

Sailin-Duo
28.11.2001, 18:36
Original von MPromberger:
Danke für die Tipps mit dem zweiten Anker (liege ich bei einem Hurrikan nicht lieber auf zwei voll tragenden Ankern?), aber was mache ich als Bojenlieger?
Weiß einer generell um die URSACHE des Problems
--
fair winds!



Ahoy Drifter:

Well, dieses verhalten hat eine haupt-ursache (mal angenommen, dass du keine stroemung hast)


DESIGN (und keel, besonders bulb keel)

Auch unser schiff hat (anders zu den kleineren schwestern) ein interessantes "anchor attitude": seitwaerts!
Well, da ich einen 150 lbs schweren CRQ habe, bin ich ein wenig zu faul, immer einen 2. anchor zu setzen.

Wir lassen meistens 5-10% die roll-genua aussen (oder haben ein 30 sqf sail am top-lift und boom befestigt). Arbeitet praechtig und ist easy. Check it out yourself.

Cheers


--
"All full ahead" (http://www.geocities.com/bluepacificsailing)

Capt. U
Marina Del Rey, CA
United States of America

Gerd
28.11.2001, 18:50
Hey,
Wenn absolut kein Lüftchen weht, liegt auch dein Schiff still. Das an dem Liegeplatz kein Stromeinfluss herrscht, setze ich hier voraus. Gute Ankerplätze sind fast immer durch ein hohes Ufer, oder Bäume geschützt. Das aber bedeutet, das der Wind immer wieder abgelenkt wird, und aus geringfügig anderen als aus der Hauptrichtigung weht. Danach richten sich Schiffe natürlich auch aus. Einmal in Bewegung schwingen (schwoijen) die Schiffe mit einer gewissen dynamischen und periodischen Regelmäßigkeit.(Energie geht nicht verloren)
Schwoijen begrenze ich auf unserem Langkieler durch einscheren einer Leine auf die Kette, die ich dann weitere 2-3 Meter fiere und das andere Ende auf der Mittelklampe dicht setze. Beim Liegen an der Boje habe ich das noch nicht ausprobieren müssen.
Herzliche Grüße
Gerd

kleinekrise
28.11.2001, 19:06
das ist eigentlich das gleiche, wenn ein opti am treibenden begleitboot festgebunden ist. wenn dann schwert und ruder im wasser sind, schwojt das boot ziemlich heftig. aber bei keinem wind ist auch das boot dann still (logisch).

martin5
28.11.2001, 22:26
Hallo,
ich glaube, du meinst vor allem das Schwojen an der Boje.
Ich belege mein Ruder mitschiffs. Das Schwojen ist dabei wesentlich geringer
--
Gruß
Martin5

Johannes
29.11.2001, 08:02
hallo sportsfreunde,

dieses thema wird in der aktuellen ausgabe von `segeln` behandelt.

entgegen einer hier weitverbreiteten meinung finde ich das konkurrenzheft zur yacht gar nicht so übel.
gemischte gefühle hinterläst bei mir hingegen der umstand, dass sich die yacht neuerdings lustig macht über palstek. früher, als sprichwörter noch eine gewisse bedeutung hatten, pflegte man beispielsweise zu sagen: hochmut kommt vor dem fall!
--
cul @ Forum, Johannes

Sayang
29.11.2001, 08:33
Ursache fuer das Segeln vor Anker ist das Zusammenspiel von Unterwasserschiff und Ueberwasserteil. (Ein Stuetzsegel veraendert dieses Verhaeltnis, kommt in diesem Fall aber nicht in Frage) Wenn der Wind seitlich auf das Boot trifft, drueckt der Wind es seitlich weg. Stroemung am Unterwasserschiff und Winddruck auf dem Ueberwasserteil des Bootes spielen so zusammen, dass das Heck nicht weiter schwingt, als der Bug, der Wind also nicht von der anderen Seite auf das Boot druecken kann. Erst wenn das Boot in seiner Seitwaertsbewegung vom Anker oder der Boje am Bug festgehalten wird, schwingt der achtere Teil des Bootes noch etwas weiter, und jetzt drueckt der Wind auf die andere Bootsseite. Das Spiel wiederholt sich, bis der Bug wieder vom Anker gebremst wird, das Heck etwas weiter schwingt, und der Wind von der anderen Seite wiederkommt.

Der Anker kurzstag, der auf dem Grund schleift, macht das gleiche, wie der Anker oder die Boje in der obigen Beschreibung, nur eben fast sofort nach Beginn der seitlichen Bewegung. Das Boot segelt also nur ganz kurz seitlich, um sofort wieder ganz kurz zur anderen Seite zu segeln.

Die Beschreibung von Gerd, die Ankerkette/leine etwas seitlich zu befestigen, geht auch, denn am Ende des ersten Schwingkreises kann der Wind das Boot nicht mehr von der anderen Seite packen, da es ja sozusagen an einer Seite am Anker haengt, und das Heck nicht weiterschwingen kann. In einer Bucht, also bei Anwesenheit auf dem Boot, wuerde ich diese Loesung vorziehen, weil einfacher. Sie hat aber den Nachteil, dass der Winddruck auf das Boot staerker wird, da das Boot seitlich mehr Windwiderstand bietet. Bei sehr starkem Wind, oder Abwesenheit der Crew, wuerde ich diese Loesung daher nicht waehlen.

Dass bei extrem starkem Wind ein Zeitanker im 35 bis 40 Grad Winkel ausgebracht wird (vermuren), wir auch von B. Schenk empfohlen. Nach meiner Meinung ist der Vorteil dieser Methode jedoch hauptsaechlich die Verminderung des Schwojkreises. Um bei solchen Wetterverhaeltnissen (oder bei schlechtem Ankergrund) sicher zu liegen, wuerde ich auf jeden Fall verkatten, also zwei Anker “hintereinander” ausbringen. Dazu muss jedoch mehr Platz vorhanden sein.

Phorkis
29.11.2001, 16:06
Oder kurz gesagt, liegt der Segelschwerpunkt vor dem Lateralschwerpunkt, faellt das Boot ab und nimmt Fahrt auf. Einzige Abhilfe ist den Segelschwerpunkt hinter den Lateralschwerpunkt zu bringen. Womit wir wieder beim Stuetzsegel waeren. Ich wuerde es einmal mit einem kleinen dreieckigen Tuch, aufgespannt zwischen Achterstag und Deck, versuchen.

Gruss,

Phorkis