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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sicherheitsfaktor Rettungsinsel



stef0599
10.12.2001, 17:59
Hallo !

u.a. durch den Yachttest inspiriert wollten wir doch mal wissen, wie es sich so mit den Rettungsinseln verhält und haben mal im Hallenbad getestet. Erschreckend und wenig verheißungsvoll am Beispiel einer 8 Personen Insel, gewartet:

- Insel bließ sich auf, leider war ein Schlauch undicht. Vermutliche Ursache: Der abgescherte Sicherungsring eines Ventildeckels ( scharfes Plastikende ). Nachpumpen - ein Witz bei dem auftretenden massiven Luftverlust.
- Egal ob mit oder Einstiegshilfe: man kommt rein. Die Einstiegshilfe ist sogar nur bis 100 kg Gewicht wirklich geeignet, danach klappt sie bei falschem Winkel ( oder Welle ) einfach unter die Insel. Je mehr Klamotten und evtl. noch eine aufgeblasene Schwimmweste - desto schwerer.
- Bei der Insel MIT Einstiegshilfe kommt man eigentlich nicht wirklich trocken rein, da die Hilfe ein direktes Übersteigen vom Boot verhindert. Dafür hat sie zwei Schläuche, dadurch ist sie höher und vermittelt ein größeres Gefühl der Sicherheit ( wirkt optisch massiver ).
- Die Insel mit Einstiegshilfe bließ sich nur nach kräftigem Fußtritt auf. Die Leine versagte, da der Beutel auf dem Wasser schwamm und dadurch kein Widerstand da war.
- Nach 2 Minuten mit 6 Personen und 1 Kind in einer 8 Personen Insel hatte der erste massive Platzangst.
- Nach 5 Minuten in derselben Insel war die Luft - bei geöfnetem Kamin und Einstiegsluk - unerträglich.
- Seekrankheit durch das Geschwabbel vorprogrammiert.

Klar - eine Insel ist als Fluchtpunkt unübertroffen, aber wirklich nur dann rein, wenn ALLE anderen Bordmittel versagt haben. Da sollte man sich vielleicht Gedanken über eine bessere Sicherung gegen Feuer an Bord oder eine Änderung der Funke machen. Hab mir erstmal diesen UNterwasser-alles-abdicht-Kit bestellt . . .
--
mfg
Stef
E-Mail im Profil

ventum
11.12.2001, 09:57
Hallo Stefan,
Dein Bericht bestätigt offenbar die Reportagen in der Yacht und in Segeln. Ziemlich ernüchternd! Eine Rettungsinsel sollte also nur die letzte Rückzugsmöglichkeit sein, wenn einem das Schiff unter dem Hintern wegsackt.
Die Schiffsicherungslehrgänge der Kreuzerabteilung vermitteln das Mindestwissen, um mit bedrohlichen Schadensereignissen an Bord umgehen zu können. Es wird immer wieder betont, dass die meisten Schiffe zu früh aufgegeben werden...
Genauso wichtig wie die Rettungsinsel ist eine EPIRB. Diese beiden Geräte gehören unbedingt zusammen. Es ist hilfreich, auf dem Container der Insel unübersehbar einen Aufkleber anzubringen, der an die Mitnahme der EPIRB erinnert.
Gruss, Helmut

HorstH
11.12.2001, 13:59
Genauso wichtig wie die Rettungsinsel ist eine EPIRB. Diese beiden Geräte gehören unbedingt zusammen. Es ist hilfreich, auf dem Container der Insel unübersehbar einen Aufkleber anzubringen, der an die Mitnahme der EPIRB erinnert.
Gruss, Helmut
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Mein erster Gedanke, wenn ich das lese, wäre die Insel und die EPIRB mit einer dünnen "Erinnerungs"-Leine miteinander zu verbinden. Sonst würde ich die in der Ausnahmesituation, wenn ich nämlich wirklich mein geliebtes Schiff aufgeben müßte, höchstwahrscheinlich dann doch vergessen. Ich weiß nicht, ob das aufgrund der unerschiedlichen Staumöglichkeiten für Insel und EPIRB wirklich machbar ist, aber vielleicht ist das einen Gedanken und ein Stück Leine wert.

Allzeit gute Fahrt
Horst

Michael43
13.12.2001, 18:34
Original von HorstH:
Genauso wichtig wie die Rettungsinsel ist eine EPIRB. Diese beiden Geräte gehören unbedingt zusammen. Es ist hilfreich, auf dem Container der Insel unübersehbar einen Aufkleber anzubringen, der an die Mitnahme der EPIRB erinnert.
Gruss, Helmut




Mein erster Gedanke, wenn ich das lese, wäre die Insel und die EPIRB mit einer dünnen "Erinnerungs"-Leine miteinander zu verbinden. Sonst würde ich die in der Ausnahmesituation, wenn ich nämlich wirklich mein geliebtes Schiff aufgeben müßte, höchstwahrscheinlich dann doch vergessen. Ich weiß nicht, ob das aufgrund der unerschiedlichen Staumöglichkeiten für Insel und EPIRB wirklich machbar ist, aber vielleicht ist das einen Gedanken und ein Stück Leine wert.

Allzeit gute Fahrt
Horst

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Hallo Horst,

alles was der sicherheit dient ist ein gedanke wert.
aber man geht ja auch nur in die insel wenn das schiff wirklich abtaucht.
den richtigen zeitpunkt zuerkennen , das werden viel segler nicht können.
es sind schon oft genug die boote wieder gfunden worden aber nicht die insel.
für die retter ist eine segelyacht schon schwer zufinden und eine insel die ca 8 mal kleiner ist na ja , auch wenn sie schön rot ist,
es ist schwer.
Flughöhe hubschrauber bei starker see 20 bis 50 meter sicht schlecht regen aufgepeitschtesee
Flughöhe suchflugzeuge ca 50 meter aber erheblich schneller wie
hubschrauber
Also wenn die kein funksignal oder sowas bekommen fas unmöglich einen zufinden.
deswegen handsprechfunkgerät mit in die insel nehmen kanal 10
an und warten und hoffen.
immer am schiff bleiben solange es schwimmt auch wennes nass ist
aber man überlebt whrscheinlich.
Auf lang törns ruhig imemr noch ein trevelreport abgeben es lohnt sich. Auch Schiffe ansprechen dun die eingen postition an geben mit der bitte um weiter leitung wenn man selber keine KW hat.

Gruß Michael

Sailin-Duo
15.12.2001, 19:08
Ahoy ‚Schiffbruechige’:

Als rescue pilot kann ich hier meine 2 cents einwerfen:

Einer Americanischen studie zufolge sterben mehr als 25% der ‚schiffbruechigen’ an
Hypothermia (unterkuehlung)
Suffocation (ersticken)
In ihren liferafts.

Moderene (und USCG approved) liferafts haben radar-reflectoren eingearbeitet. Damit koennen wir diese rafts mit unseren sensitive radar etwa 30/50 SM ‚sehen’.

Wer auch nur in coastal areas segelt, sollte sich ein EPIRB zulegen (mit oder ohne GPS locator). Wichtig ist, dass das EPIRB im wasser schwimmt, um seine maximale performance zu geben (wasseroberflaeche wirkt als antenna booster).

Wie solltest du dich verhalten bezogen auf ein ‚liferaft’?
Bleibe solange wie moeglich auf/am/bei deinem ‚distressed vessel’. Dein schiff gibt in den meisten faellen ein besseres radar echo und kann besser aus der luft geortet werden (Infra-red!! Engines geben ein fantastisches echo ueber stunden). Auch produziert dein schiff meistens einen oil strip, was sehr gut aus der luft geortet werden kann.
Signalfarbe (orange) ist fuer uns als piloten DER signalgeber. Aber: Erst verteilen, wenn du den chopper zweifelsfrei (!!) hoeren (!!) kannst. Wichtig auch, die farbe mit dem wind zu verteilen. Allzuoft hatten die rafts die farbe IM boot, wo sie nichts nuetzt, auch wenn alle insassen orange waren. Die signalfarbe verteilt sich wunderbar, wenn du die patrone im wasser leewise haelst.
Flares (raketen) werden von uns leider nicht so gut gesehen. Die meisten flares steigen etwa 50 bis 100 fuss (20 bis 30 meters). Unsere flughoehe ist aber mindestens 1500 bis 2000 fuss (500 bis 1000 meters). Sorry, no chance for us!

Wichtig zu wissen ist auch: Jedes fuss (ca. 30 cm) an hoehe kann 0.45 SM (also eine halbe seamile) gesehen werden. Es nutzt meistens nichts, flare by flare abzufeueren, wenn du ein schiff am horizont siehst. Da dein flare nur ca. 100 fuss steigt, kann dein rescue schiff dich theoretisch ca. 50 SM ‚sehen’. Die wirklichkeit aber ist, dass deine flare am horizont (was fuer dein rescue schiff die wasseroberflaeche ist) verpufft. Die beste entfernung fuer ein rescue schiff ist 15/10 SM or less! (bei tag, in der nacht sieht alles ganz anders aus).


Verhalten im liferaft:
Wichtig ist, dass ihr eine ‚survival box’ habt. Wichtig ist auch, das diese box trockene, warme kleidung und zig handtuecher enthaelt. Erst wenn alle crew-member an board des rafts ist, sollte einer anfangen, das raft ‚trockenzulegen’ (towel wirkt wie ein guter eimer!!). Erst wenn das raft kein (oder fast kein) wasser mehr am boden hat, anfangen, sich umzuziehen (von oben nach unten). Wichtig ist die kopfbedeckung. +60% der koerperwaerme geht durch den kopf verloren. Kinder auf den schoss nehmen und trockenreiben. Wichtig ist auch, die luke ein wenig offen zu lassen. Jeder adult ‚verbraucht’ mit jedem atemzug etwa 0.5 liters an oxygen volumen. Diese 0.5 liters koennen ungefaehr 16 mal ‚re-cycelt’ werden, dann ist die „luft raus’.
Kompetenzen und aufgaben klar im liferaft verteilen. Und: Besser entscheidungen treffen, als keine. Auch wenn sich die action spaeter als ‚falsch’ herausstellt, sie hilft die crew mitglieder busy zu halten (busy = life!)

Zum schluss: wenn ihr euch ein liferaft anschaffen wollt, achtet darauf, dass das raft „watercontainers“ (eine art balast tank) untendrunter hat. Viele crews ertrinken, weil ihre rafts in schwerem wetter dann kentern. Aeltere modelle der rafts haben nicht diese balast tanks, was sie kenter-gefaehrlich macht.

Ich hoffe, dass ihr nie dieses spiel spielen muesst.

And: sorry fuer meine lausige rechtschreibung.


Cheers

--
"All full ahead" (http://www.geocities.com/bluepacificsailing)

Capt. U
Marina Del Rey, CA
United States of America


[ Dieser Beitrag wurde von Sailin-Duo am 15.12.2001 editiert. ]