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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wie verhalten bei Killerwellen?



Johannes
19.12.2001, 09:32
Hin und wieder treten offenbar ungeheure Flutwellen durch geologische Verformungen des Meergrundes auf. Wie ist das Warnsystem? Hilft Navtex, oder wer verbreitet die Warnmeldung? Kündigen sich diese Riesenwellen auf offener See irgendwie an? Wie verhält man sich an Bord einer Segelyacht bei längerer Vorwarnzeit? Und wie, wenn man die Wasserwand erst im letzten Moment wahrnimmt? Hat jemand aus dem Forum so was schon selber erlebt?
--
cuagn @ Forum, Johannes

Eastsailor
19.12.2001, 10:17
Hallo Johannes,
diese Riesenwellen haben wir ständig an der Ostsee, da die tektonischen Verschiebungen der Erdkruste, also die Kollision der Dänischen Platte mit der Rostocker Platte hier besonders stark zu spüren sind. Wenn Hansa Rostock spielt neigt sich die Rostocker Platte so, daß sich die Dänische Platte wieder ein Paar Zentimeter über die Rostocker schieben Kann. Seit der Wende Hat sich somit der Falster-Kontinent dem Meck-Pom-Kontinent um ca. 1,35m genähert. Auf Grund dieser Kollision sind daraus entstehende Seebeben unvermeidlich. Diese Seebeben zeigen jedoch auf der offenen Ostsee für Segelboote keine Wirkung da die Wellen nur ca. 1-2m hoch sind, sich jedoch mit rasend schneller Geschwindigkeit der Küste nähern. Sobald dann der Meeresboden von den unglaublichen 22m Tiefe der Kadettrinne in Küstennähe auf ca. 2-3m ansteigt werden die Wellen hier abgebremst da aber die einmal dem Wasser zugeführte Energie nicht verschwindet steigt jetzt die Welle mit sinkender Geschwindigkeit proportional in der Höhe an. Somit entstehen die, von den einheimischen Mecklenburgern TSUNAMI (hochdeutsch Hafenwelle) genannten Riesenwellen. Diese zerstören dann mit Ihrer ungeheueren Kraft alles am Ufer befindliche (also Burgen ,Schlösser und Gräben am Strand).

Fazit: durch Seebeben ausgelöste Wellen sind auf der offenen See für Schiffe kein Problem bzw. sie werden durch Ihre große Wellenlänge oft nicht einmal bemerkt (laufen einfach sanft unter dem Schiff durch). Sobald aber der Meeresboden ansteigt und die hohe Geschwindigkeit abbremst richten sie sich steil auf und laufen weit ins Land hinein. Ein Problem sind somit nur Untiefen auf offener See und Landnähe.

Es kann sein das ich mich geographisch etwas vertan habe aber der physikalische Vorgang ist korrekt.

MfG Eastsailor

Sayang
19.12.2001, 12:39
Eastsailor hat im Prinzip recht. Etwas genauer zu den Fragen:

Warnungen ueber Navtex, VHF, Rundfunksender etc.
Die Wellen kuendigen sich auf offener See nicht an, denn sie sind sehr schnell unterwegs.
Verhalten bei laengerer Vorwarnzeit: Tiefes Wasser suchen – reicht die Zeit nicht, hohes Land suchen. Reicht die Zeit auch dafuer nicht: Beten.
Die “Wasserwand”, deren Hoehe im tiefen Wasser fast immer weniger als ein Meter betraegt, rast mit gut halber Schallgeschwindigkeit (je nach Wassertiefe). Man merkt von ihr nichts , oder einen Schlag, der das Gefuehl hinterlaesst, auf ein Riff gefahren zu sein.

Es sind in den Seekarten noch viele Riffe eingezeichnet, die es gar nicht gibt. Da hat dann ein Tsunami die Besatzung getaeuscht.

Holgere
19.12.2001, 13:53
Halbe Schallgeschwindigkeit? Im Wasser? Ich hab jetzt keine Tabelle da, aber da die Schallgeschw. in einem dichteren Medium höher ist als in Luft, müsste das schon SEHR schnell sein. Mir ist klar, dass nur der Impuls übertragen wird und nicht die Wassermoleküle, aber so ganz kann ich das trotzdem nicht nachvollziehen. Wo ist denn diese Info her?

Gruss Holgi

Bernd
19.12.2001, 14:16
moin und hallöleWas ist ein Tsunami?

Das Wort "Tsunami" stammt aus dem Japanischen und ist ein Fachbegriff für Wellen mit extrem großer Wellenlänge, die durch plötzliche Verdrängung von Wasser ausgelöst werden. Ein Tsunami kann verschiedene Ursachen haben: Erdbeben, Erdrutsche, Vulkanausbrüche, Nuklearexplosionen und Meteoriteneinschläge. Die bei weitem häufigste Ursache sind heftige Erdbeben, und daher wird auch der Zirkumpazifische Raum am häufigsten von ihnen heimgesucht.
Solange ein Tsunami den tiefen Ozean durchquert, beträgt die Entfernung von Wellenkamm zu Wellenkamm 150 km oder mehr. Die Amplitude erreicht lediglich wenige Dezimeter. Daher ist die Welle auf dem freien Ozean kaum wahrnehmbar. Ihre Geschwindigkeit kann 1000 km/h erreichen, so daß die Flutwelle innerhalb weniger Stunden den Pazifik überqueren kann. Erreicht der Tsunami die flacher werdenden Küstengewässer, so nimmt die Geschwindigkeit der Welle ab und die Amplitude vergrößert sich. Die Küstenform - vorgelagerte Inseln oder Flußmündungen und Buchten - beeinflussen die Gestalt des Tsunamis weiter. Er äußert sich als mehrere schnell ansteigende und wieder fallende Fluten, als eine Serie sich brechender Wellen oder in seltenen Fällen als eine einzige mächtige Flutwelle mit einer steilen, sich brechenden Front. In Ausnahmefällen können Tsunamis Höhen von 30 m erreichen und haben dann unvorstellbare Zerstörungskraft.

So, dat hab nich ich verfasst sondern steht auf folgender Page:
http://www.marioschumann.de/geo05.htm oder auch http://www.iaag.geo.uni-muenchen.de/sammlung/tsunami.html


Und tschüsss

bernd

Sayang
19.12.2001, 14:34
Die Geschwindigkeit von rund 700 bis 800 km/h (sie kann auch hoeher sein, wenn das Wassr tiefer ist) ist eigentlich in allen gaengigen Quellen angegeben, ich schau nochmal im Bowditch und The Mariners Handbook nach und kann dann Bescheid geben. Sollte im Intenet aber auch zu finden sein.

klala
19.12.2001, 15:49
Die Erklärung zu den Tsunamis leuchtet mir schon ein. Daß die Amplitude erst in Landnähe bzw. flacherem Wasser so gewaltig wächst, ist mir auch klar. Aber die MS Bremen ist auf hoher See von dieser Riesenwelle getroffen worden. Wie konnte die schon dort entstehen ?
--
Klaus

peter-blake
19.12.2001, 15:59
Original von klala:
Die Erklärung zu den Tsunamis leuchtet mir schon ein. Daß die Amplitude erst in Landnähe bzw. flacherem Wasser so gewaltig wächst, ist mir auch klar. Aber die MS Bremen ist auf hoher See von dieser Riesenwelle getroffen worden. Wie konnte die schon dort entstehen ?
--
Klaus



Die Erklärung ist ganz einfach:

Tsunamis sind Wellen die durch Erdbeben o.ä. ausgelöst werden. Diese sind auch so schnell und extrem gefährlich in Küstennähe.

Die MS Bremen ist dagegen in schwerer See auf einen sogenannten Kaventzmann (schreibt man den so?) gestossen. Dies sind Wellen die durch überlagerung von mehreren verschieden grossen Wellen entstehen. Erst durch diese Überlagerung der Frequenzen entstehen diese Monsterseen. Im Grunde kennt das jeder. Beim segeln kommt es immer wieder vor, dass man lange bei gleichmässigem Seegang segelt und plötzlich kommt eine Welle die erheblich grösser ist als die anderen. Dies hängt eben mit der Überlagerung der Wellen zusammen. Nur dass diese Wellen zwar für uns gross sind aber eben im grunde noch GAAAAAAnz klein. Die MS Bremen hat das ganze eben ein klein wenig vergrössert erlebt.

--
Blake

tomberger
19.12.2001, 16:16
Original von klala:
Die Erklärung zu den Tsunamis leuchtet mir schon ein. Daß die Amplitude erst in Landnähe bzw. flacherem Wasser so gewaltig wächst, ist mir auch klar. Aber die MS Bremen ist auf hoher See von dieser Riesenwelle getroffen worden. Wie konnte die schon dort entstehen ?


Das war kein(e?) Tsunami, sondern einfach eine Interferenz von hohen Wellen. Anscheinend kommt so was öfter vor, als die Theoretiker bisher angenommen haben, aber dennoch trifft einen Seemann so was immer noch sehr viel seltener als ein 6er im Lotto.

Auch der Kapitän der Bremen, Aye, hat in seinem langen Seemannsleben bis kurz vor seine Pensionierung warten müssen, bevor er seiner 35-Meter-Welle begegnen durfte.

Ich würde mir als Segler nicht so viel Gedanken über diese Freak-Waves machen.

Tom Berger

Sailin-Duo
19.12.2001, 17:19
Ahoy Skipper:

Aus einen state der earthquakes und anderer geologischer besonderheiten meine 2 cents:

Wir hier in California haben einige `banks` etwa 100/150 SM offshore vor unserer coast. Diese `banks` sind (wie das auch schon Eastsailor beschrieben hat) geologische `mountains`. Wir nennen diese `banks` auch Sea-Mountain. Der Pacific als solches ist normalerweise sehr tief. An einigen stellen jedoch `wachsen` mountains aus der tiefe und reichen bis knapp unter die wasseroberflaeche (200/100/50 feet). Nun sind einige dieser sea-mountains wie ein plateau geformt und bilden diese `banks`.
Uebrigens sind diese `banks` und mountains nur zu ca. 15/20% gecharted (kartographiert). Will heissen, dass viele dieser `unter-wasser-berg` gar nicht bekannt sind hier im Pacific.

Unter bestimmten umstaenden (und auch jahreszeiten) entwickelt der pacific ein bestimmtes `wave-pattern` (wellen muster). Groessere wellen buendeln sich zu sog. `wave-trains` und machen sich westwaerts auf den weg. Diese wave-trains entstehen aus den windverhaeltnissen, die sich zwischen 0 und 30 grade lattitude aus der erd-rotation ergeben. Je naeher du dem aequator kommst, desto diffusser sind die wind-pattern. Anyways...

Diese wave-trains sind normalerweise kein problem offshore. Sie wachsen jedoch unglaublich wenn sie ueber einen sog. `sea-mountain` laufen. Sie wachsen unglaublich und atemraubend, wenn sie ueber eine `offshore-bank` laufen. Ihr habt alle die spectaculaeren bilder von offshore surfern gesehen, die diese monster surften hier in California oder Hawaii.

Natuerlich gibt es viele andere formen von diesen killer-waves und wir hier in Southern California haben die UCLA, die an diesen phenomenons forscht. Diese monster waves erzeugt von den `sea-mountains` oder `banks` sind aber ein erster "realer" schritt, um sie live zu erleben.

Well, keep`on surfin` ...

Cheers

--
"All full ahead" (http://www.geocities.com/bluepacificsailing)

Capt. U
Marina Del Rey, CA
United States of America

Eastsailor
19.12.2001, 17:53
sag ich doch, genau wie bei uns in der Ostsee. Ich wußte gar nicht das die Japaner auch das mecklenburgische Wort TSUNAMI benutzen ;-)

Hi Captn U.,
gibt es eigentlich irgend welche Aufzeichnungen oder Koordinaten dieser Unterwasserberge außerhalb der Seekarten?

Gruß nach Southern California
Eastsailor

[ Dieser Beitrag wurde von Eastsailor am 19.12.2001 editiert. ]

Penelope
19.12.2001, 22:47
Original von Holgere:
Halbe Schallgeschwindigkeit? Im Wasser? Ich hab jetzt keine Tabelle da, aber da die Schallgeschw. in einem dichteren Medium höher ist als in Luft, müsste das schon SEHR schnell sein. Mir ist klar, dass nur der Impuls übertragen wird und nicht die Wassermoleküle, aber so ganz kann ich das trotzdem nicht nachvollziehen. Wo ist denn diese Info her?

Gruss Holgi



Hallo Holgi,

1450m/s im Wasser. Gemeint war vermutlich die Geschwindigkeit des Schalls in der Luft (344m/s), dies würde auch zu den anderen Angaben hier in passen.

--
Penelope

Holgere
20.12.2001, 10:18
Hi Penelope,

700 Km/h entspricht 195 m/s, da hast du schon recht. Aber da frage ich mich doch, was hat die Schallgeschwindigkeit in Luft jetzt damit zu tun. Das ist ein ganz anderes Medium. Zumindest wäre es ein unsinniger Vergleich.
Was es mir ausserdem schwierig machte, den Ausführungen zu folgen, war die von mir vollzogene geistige Verbindung zwischen dem Vorfall mit dem Kreuzfahrtschiff und der Frage von Johannes. Jo fragte tatsächlich nach Tsunamis, ich hatte aber die Windseen vor Augen, und die wandern sicher nicht so schnell...

Gruss Holgi

Sailin-Duo
20.12.2001, 17:21
Original von Eastsailor:
sag ich doch, genau wie bei uns in der Ostsee. Ich wußte gar nicht das die Japaner auch das mecklenburgische Wort TSUNAMI benutzen ;-)

Hi Captn U.,
gibt es eigentlich irgend welche Aufzeichnungen oder Koordinaten dieser Unterwasserberge außerhalb der Seekarten?

Gruß nach Southern California
Eastsailor




Ahoy Eastsailor (and of course the rest of the gang)
Ahoy Killer - Skipper ...

Danke fuer die gruesse, sind angekommen (und herzlichst erwiedert/erwidert (sorry kein dictonary on hand. Ich verpreche, es 150 mal zu schreiben, um es richtig zu lernen =;->)

Well, ich habe ein wenig durchs web gestoebert und kann im moment das anbieten:



...But the waves at Mavericks are a mere 20 feet high. The really big waves lurk off the southern California coast, 100 miles out of San Diego at the Cortes Bank. Here, a 17-mile underwater mountain range comes to a head 3 feet below the surface at a spot called Bishop Rock. This place has been known to ocean-going ships and fishermen for years. The waves there signal danger on the underwater rocks and are so big they show up on radar.

To get the biggest waves at Cortes Bank, you need light winds, low tides, and big storm swells from the northwest all at the same time - a Pacific surfer`s version of the "perfect storm". When it happened on January 19, 2001, California big wave riders scrambled to test their skill against the biggest, baddest wave ever ridden.
...

Diese waves sind ungefaehr 30/50 feet high und laufen mit 40/50 mph uebers wasser. Jedes jahr, selbe zeit (fruehjahr).

Wer sein boat gegen "killer waves" testen will, hier ist die moeglichkeit. =;->

Dennoch, eastsailor, ich will versuchen, einige andere links zu finden, wo ueber diese "pacific sea-mountains" gesprochen wird.


Uebrigens, hier ist der link zur seite fuer den obigen articel... (http://gocalifornia.about.com/library/weekly/aa040201.htm?once=true&)

So long guys


--
"All full ahead" (http://www.geocities.com/bluepacificsailing)

Capt. U
Marina Del Rey, CA
United States of America

Sailin-Duo
20.12.2001, 17:51
Ahoy Guys:

Sorry, me again ...


Ok, as promised, here`re some link I think they worth to read:


Institute of Geophysics and Planetary Physics (http://igpp.ucsd.edu/)
verbuendet mit der UCSD (University of San Diego) erforschen geophysics and oceanography

Ein project ist Long-Period Surface Wave Dispersion (http://mahi.ucsd.edu/Gabi/surface.html). Eine art wglobale beobachtung von wellen und deren pattern.

Ein interessantes project wurde dieses jahr im Atlantic (Bermuda) von den durchgefuehrt: Underwater Mountaineering. (http://www.abcnews.go.com/sections/science/DyeHard/dyehard001115.html)
...Scientists from eight universities will spend a month aboard the ship, based at the Woods Hole Oceanographic Institution, in Woods Hole, Mass., searching for clues to a mystery. Their basic question: Why has a towering mountain risen from the ridges and hills along a fascinating geological structure called the Mid-Atlantic Ridge?
...
Die frage ist und war: Warum `wachsen` diese gigants so schnell und wo? Der bericht wurde von ABC gesponsort und hat tolle bilder.

Well ... interesting topic ...

Cheers


--
"All full ahead" (http://www.geocities.com/bluepacificsailing)

Capt. U
Marina Del Rey, CA
United States of America

Johannes
22.12.2001, 20:32
vielen dank, sportsfreunde, für eure beiträge. sie kommen also vor, heissen in japan gleich wie in der ostsee und ich zitiere:

``In Ausnahmefällen können Tsunamis Höhen von 30 m erreichen und haben dann unvorstellbare Zerstörungskraft.``

diese riesenwellen können aber auch ganz andere ursachen haben, wie ebenfalls erwähnt wurde. die entstehung ist an und für sich ein äusserst interessantes thema, hauptsächlich aber jetzt und in reichweite des warmen ofens.

wie aber verhalte ich mich auf offener see, wenn ich solch eine wasserwand vor mir sehe oder durch irgendwen davor gewarnt wurde.
beten, wie auch schon erwähnt, wird sicherlich nicht schaden. was kann man sonst noch unternehmen und in welchem winkel soll man so etwas nach möglichkeit ansteuern?




--
cuagn @ Forum, Johannes

Rheinsegler
22.12.2001, 22:12
wie aber verhalte ich mich auf offener see, wenn ich solch eine wasserwand vor mir sehe oder durch irgendwen davor gewarnt wurde.
beten, wie auch schon erwähnt, wird sicherlich nicht schaden. was kann man sonst noch unternehmen und in welchem winkel soll man so etwas nach möglichkeit ansteuern?




Hallo Johannes,

also mit meinem Achtmeterschiffchen würde ich noch nicht mal versuchen, eine Welle von mehr als 30 m Höhe anzusteuern. Ich würde schleunigst unter Deck verschwinden, das Einstiegsschott schließen und die Durchkenterung in Kauf nehmen (sofern mir für dieses Manöver überhaupt noch die Zeit bleibt). Anschließend wird repariert, was übriggeblieben ist. Beten ist sicherlich ein guter Tip.

Frohe Weihnachten

Alexander

Ulonska
23.12.2001, 02:15
Beten ist sicherlich ein guter Tip.


Yes, Sir.

Ich könnte (Konjunktiv) auch viel darüber sagen, was ich täte (Konjunktiv), wenn so eine Monsterwelle entstünde und mich träfe(Konjunktiv). Es ist wohl keiner hier, der es erlebt hat und sagen kann, wie es wirklich war.

Hoffentlich heißt das nicht, das in dem unwahrscheinlichen Fall, dass einen Segler so ein Ding erwischt, es absolut unwahrscheinlich ist, dass der Segler hinterher noch darüber berichten kann.

Und wenn doch...

???

Gruß
Friedhold

Rheinsegler
23.12.2001, 09:53
Es ist wohl keiner hier, der es erlebt hat und sagen kann, wie es wirklich war.



Hallo Friedhold,

Gott sei Dank! Womit wir wieder beim Beten send.

Frohe Weihnachten

Alexander


PS: Ohne Denken im Konjunktiv kann man sich kaum auf zukünftige Gefahren vorbereiten.

Johannes
23.12.2001, 09:56
ich zitiere captain u

.....Ich habe solche killerwaves (60/80 feet) schon bis zu einem gewissen grad erlebt. Mit der richtigen technik hast du es mit einem cruiser einfacher als ein handels/containerschiff, dass moeglicherweise falsch zum `valley` steht.

Nichts zum verharmlosen, kein `show-off`. Die sind dead-dangerous und mit allem respect zu begegnen....

wer also kann mir etwas zur richtigen technik sagen. müsste doch möglich sein. so 3 m querab des warmen ofens. vielleicht war das jetzt grammatikalisch nicht korrekt. im gegenzug akzeptiere ich auch umgangssprachliche antworten.


--
cuagn @ Forum, Johannes

babs77
23.12.2001, 10:37
Original von Johannes:
ich zitiere captain u

.....Ich habe solche killerwaves (60/80 feet) schon bis zu einem gewissen grad erlebt. Mit der richtigen technik hast du es mit einem cruiser einfacher als ein handels/containerschiff, dass moeglicherweise falsch zum `valley` steht.

Nichts zum verharmlosen, kein `show-off`. Die sind dead-dangerous und mit allem respect zu begegnen....

wer also kann mir etwas zur richtigen technik sagen. müsste doch möglich sein. so 3 m querab des warmen ofens. vielleicht war das jetzt grammatikalisch nicht korrekt. im gegenzug akzeptiere ich auch umgangssprachliche antworten.


--
cuagn @ Forum, Johannes

selbst wenn die welle noch nicht bricht, motorleistung wird füt ein gegenan und durch wohl bei solchen höhen und winkrln nicht ausreichen..........vielleicht hilt noch ablaufen vor der welle und in der hoffnung, das sie sich verformt oder gar verliert..bricht sowas....dann würd ich es wie alexander machen, vielleicht segelschoten noch loswerfen......

trotzdem...frohes weihnachten, skipper....
gruß albert





[ Dieser Beitrag wurde von babs77 am 23.12.2001 editiert. ]

Sailin-Duo
23.12.2001, 20:57
Original von Johannes:
ich zitiere captain u

.....Ich habe solche killerwaves (60/80 feet) schon bis zu einem gewissen grad erlebt. ...

wer also kann mir etwas zur richtigen technik sagen. müsste doch möglich sein. so 3 m querab des warmen ofens. vielleicht war das jetzt grammatikalisch nicht korrekt. im gegenzug akzeptiere ich auch umgangssprachliche antworten.


--
cuagn @ Forum, Johannes



Ahoy Jahannes,
Ahoy Gang,

Nachdem du mir den ball nun zuwirfst, muss ich ja was sagen =;->

Ich muss in 2 level antworten: 1) selbst erlebte waves 2) aus dem helicopter gesehene

ad 1)
Ihr muesst mit mir auf eine landkarte schauen. Ich hoffe, ihr habt einen guten atlas zuhause (ich glaube nicht, dass ihr seacharts von dieser gegend der welt habt). Westcoast, von San Francisco bis Acapulco. Wenn ihr die karte genauer anschaut, seht ihr eine reihe von "Cape"s oder "Point"s. Die bekanntesten (und damit gefaehrlichsten) sind "Point Conception" (California), Cabo San Lucas/Cabo Falso (Mexico) und Cabo Corrientes (Mexico) und weiter suedlich „Gulf of Tehuantepec“. Wer sich die wetterkarte des Pacifics in motion anschaut (www.weather.com) wird feststellen, dass der jetstream sich teilt. Ein teil wird bei „Point Conception“ nach norden gedrueckt, waehrend der suedliche teil ueber ‚Cabo San Lucas’/’Cabo Corrientes’ verlaeuft. Die entstehenden winde am boden kommen in diesen bereichen somit aus 270/290/300 und verlaufen mit der kueste.
Ich muss dieses ‚Big Picture’ erklaeren, damit ihr nun versteht, warum an diesen Capes nun passiert, was ich zu erklaeren versuche:
An ‚normalen’ Tagen entsteht an diesen Capes eine art ‚funel-effect’ (Trichter). Der wind startet am morgen S/W und dreht im laufe des tages zu W und spaeter zu N/W. Du kannst deine uhr danach stellen. Durch die geografische exposition dieser capes wird der wind (venturi effect) stark beschleunigt. Im durchschnitt blaest der wind hier 25/30/35 knoten. An besonders windigen (KEIN STURM, just wind!!) tagen kannst du durchschnittliche gusts von 35/40 knoten erleben. Und nun kommst:
Die wave-pattern an diesen Capes wird hauptsaechlich offshore bestimmt(kommt vom offenen Pacific). Innerhalb dieser Capes wird das wasser jedoch von Capewind mitgeformt, der etwa 20/30 grad offset zum „generellen“ wind ist. Was entsteht, nennen wir ‚Cross-Sea’, eine art von interference die nun folgendermasse auswirkung hat:
Die wellen vom offen pacific laufen in einer langen amplitude. Die vom offset wind erzeugten Cape-wellen laufen in einer relativ kurzen amplitude ungefaehr 30/35 grad offset. Die wellen vom pacific gruppieren sich zu so called „wave-trains“ (3er gruppen), die sich mit den Cape-waves in bestimmten intervallen ‚verbuenden’. Da der pacific eine sehr tiefer ocean ist (ich glaube, der tiefste ueberhaupt), haben auch relativ ‚flache’ (15/20 feet) wellen eine ungeheuere engergy gespeichert.
Anyways: Diese wellen (vielleicht erzeugt durch einen hurricane) treffen nun auf die Cape-wellen und laufen auf die flachere kuestenregion (250 bis 100 fuss). Diese wellen koennen (und haben sich) bis zu 30/50 fuss leicht aufbauen. Laufen die dann noch ueber unsere vielzaehligen ‚sea-mountains’, dann habt ihr sehr leicht 50/60 fuss an wellen hoehe. (siehe Cortes Bank/San Diego).

Anyways. Ungluecklicherweise wurde ich einmal in einer solchen constellation gefangen. Anfaenglich versuchte ich, diese wellen in ‚good old sailing school’ zu nehmen: 45 grad zum wellenkamm. Nachdem die wellen aber anfingen, sich 8 fuss vom top zu brechen (called ‚top surf’), wurde unser schiff (50 feet, sloop) oefters komplett unter wasser gedrueckt/washed. Die hoechsten wellen waren etwas 2/3 von unserem mast (73 feet). Es war nun nicht so, dass jede welle diese dimension hatte, ich wuerde heute sagen, etwa jede 3.
Die wellen-neigung war etwa 40 grad und wie gesagt, mit top-surf. Nachdem wir einige ‚dramatische’ hits hatten, entschlossen wir uns, die tatic zu aenderen: Wir ‚surften’ diese monster (??) im 45/50/60 gradwinkel zur laufrichtung wie wir das mit unseren surfboards tun. Unser schiff hatte stellenweise eine groundspeed von 15/20 knoten. Unsere boatspeed war aber nur 5/10 knoten. Anyways (wie auch immer?): Diese tatik war viel besser und bewaehrte sich auch, als uns ‚der riese’ „verfolgte“: Auf dem radar konnten wir die wellen sehr gut beobachten. Eine davon schien besonders gross zu sein. Als sie uns folgte, dachten wir alle: „Thats it!“ Sie hatte die hoehe unseres mastes. Vielleicht haben wir die hoehe auch ueberschaetzt, da wir uns vieleicht in einen valley befunden haben. Anyways: Das ding war hughe! Gluecklicherweise brach sich der top-surf, bevor wir unseren ‚take-off’ hatten. Ich glaube unsere groundspeed wuchs zu 25 knoten, wir konnten den pacific wie von einem frachter sehen. Der unterschied war: Hinter uns war ein abgrund. Wer einmal hier in L.A. in Magic Mountain (ein vergnuegungspark) war, der weiss, wie der schnellste rollercoster anfaengt: ein sturtz von 50 grad, 250 feet.
Wir mit unserem boat fielen am ende dieser wellen: Unser groundspeed war zero, aber unser boatspeed war pleotzlich 25 knoten. Instinctiv liess wir das ruder freii (rudder force). In diesem moment dachten wir, dass das rudderblade brechen muesste (tat es aber nicht). Well, needless to say: 2 stunden spaeter war die sea glatt. No waves, no nothing.

Ob dieses ding, was uns begegnete, als „Killer Wave“ zu bezeichen ist/war, I don’t know. Ich weiss nur, dass das ding hughe, fast and deadly war. Unsere tactic, die wellen zu ‚surfen’ hat sich als richtig erwiesen. Ich weiss nicht, wie sich unser trip entwickelt haette, wenn der top surf uns erwischt haette. Alles in allem denke ich, dass der winkel eine rolle spielt. Wer versucht, diese riesen ‚heads-on’ zu nehmen oder broadside“ erwischt wird, hat sehr schlechte cards.

Anyways: Diese geschichte hat sich dieses jahr vor ‚Cabo Corrientes’ (Mexico) abgespielt. Wie uns spaeter fishermen erzaehlten, fahren viele von denen mit kleinen ‚pangas’ (5/6 mann boats mit EINEM aussenboarder) 30/50 miles offshore, um auf solchen sea-mountains zu ankern und zu fischen.

Also lautet die math:
Cape
+high winds offshore
+strong winds around the cape
+uncharted sea-territory
+wrong time
+interference (wave-trains)
=what happened.

Ich vergass zu erwaehnen: Natuerlich haben wir durch den Andreas-Graben unterwasser vulcanos und sea-earthquakes. Die helfen natuerlich auch, um diese RIESEN zu erzeugen.

Zu punkt 2 ein andermal. Loooong posting again, breakfast is ready.

Good bless us at sea,
cheers


--
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Capt. U
Marina Del Rey, CA
United States of America

Johannes
23.12.2001, 22:41
hallo captain

für mich total begeisternd, deine schilderung. ich könnte es x-mal lesen. also, entgegen der lehrmeinung von 45 grad gegen die wellen, bist du im winkel von 45 bis 60 grad mit den wellen gesurft. genau das wollte ich wissen. beten ist sicher auch gut, aber deine methode macht (von der warmen stube aus gesehen) bestimmt mehr spass.

PS: mittlerweile haben wir ca 20 cm schnee. ich wohne auf 500 m ü M.
--
cuagn @ Forum, Johannes