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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues von der Brennstoffzelle



tomberger
21.12.2001, 00:17
Interessante Neigkeiten. Eine neue Technologie ermöglicht die gefahrlose Lagerung und den Transport von Wasserstoff in einem geschlossenen Kreislaufsystem. Die Energiedichte des Trägers beträgt der von Benzin. Und Coleman wird in Kürze (angeblich noch dieses Jahr, aber da müssen sie sich schon beeilen) einen 1,2 Kilowatt-Generator auf Basis von Brennstoffzellen anbieten.


1. Wasserstoffkreislauf (Speicherung und Transport)

Millenniumcell Inc entwickelt das "Hydrogen on Demand" System, das Wasserstoff für Brennstoffzellen speichern, transportieren bereitstellen kann. Das System beruht auf NaBH4 (Natriumborhydrid), einem Salz, das in wässriger Lösung ungiftig (im Gegensatz zum stark ätzenden Salz selbst) und unbrennbar ist. In Gegenwart eines Katalysators läuft folgende Reaktion ab:

NaBH4 + 2 H2O --(kat)--> 4 H2 + NaBO2

Der dabei freigesetzte Wasserstoff stammt je zur Hälfte aus dem Natriumborhydrid und aus Wasser. Nimmt man den Katalysator aus der Lösung, so wird die Wasserstoffproduktion augenblicklich gestoppt. Die Energiedichte von Natriumborhydrid entspricht der von Benzin. Die Reaktion läuft schnell genug ab, um auch große Brennstoffzellen für den Betrieb von KFZs ausreichend schnell mit Wasserstoff zu versorgen, aber auch kleine recyclebare "Batterien" nach dem "Hydrogen on Demand" System befinden sich in der Entwicklung. Die Distribution von wässrig gelöstem Natriumborhydrid kann problemlos über das vorhandene Tankstellennetz erfolgen.

Das Reaktionsergebnis Natrium-Boroxid (NaBO2, auch als Natriumperborat oder Natriummetaborat bekannt) ist ein ungiftiges Salz, das in vielen Haushaltsreinigern enthalten ist. Es kann wieder zu Natriumborhydrid recycled werden.

Info aus http://www.millenniumcell.com/solutions/white_hydrogen.html



2. 1,2 kW Generator auf Brennstoffzellenbasis

Ballard Power Systems Inc (entwickelt u.a. die Brennstoffzellentechnologie für DaimlerChrysler und Ford) hat den Produktionsbeginn ihres Nexa Power Moduls bekannt gegeben, des ersten in Großserie hergestellten kommerziellen Generators auf Basis von Brennstoffzellen. Die Maße des Moduls sind 56 x 25 x 33 cm bei einem Gewicht von 14 kg. Das System ist kompatibel zu Millenniumcells "Hydrogen on Demand" System.

Das Modul wird nicht von Ballard selbst vertrieben, sondern von OEM Herstellern. Die auch in Seglerkreisen bekannte Firma Coleman hat einen Generator mit 1,2 Kilowatt Leistung auf Basis des Nexa Moduls angekündigt.

Info aus http://www.ballard.com/viewpressrelease.asp?sPrID=240

Rheinsegler
21.12.2001, 08:20
Hallo Tom,

meine Frau hat zwar einen Dr. phil. nat. aber ihre Berechnungen kommen trotzdem auf eine wesentlich geringere Energiedichte, als bei Benzin. Hast Du dazu weitere Informationen? Wird z. B. tatsächlich eine Lösung getankt oder ist es ein stark übersättigtes Gemisch der beiden Substanzen?

Danke

Alexander

tomberger
21.12.2001, 11:23
Original von Rheinsegler:
meine Frau hat zwar einen Dr. phil. nat. aber ihre Berechnungen kommen trotzdem auf eine wesentlich geringere Energiedichte, als bei Benzin. Hast Du dazu weitere Informationen? Wird z. B. tatsächlich eine Lösung getankt oder ist es ein stark übersättigtes Gemisch der beiden Substanzen?


Die Informationen zur Energiedichte stammen ausschließlich aus der Presseinformation der Fa. Milenniumcell, ist also nicht weiter abgesichert. Ich werde mich aber mal unter Chemikern umhören.

Getankt wird die wässrige Lösung des Salzes, die Konzentration ist nicht angegeben. Wie die Wasserstoffausbeute aufrecht erhalten wird, wenn die NaBH4-Konzentration abnimmt, kann ich ebenfalls nicht sagen.

Tom Berger

tomberger
06.01.2002, 14:05
Original von Rheinsegler:
meine Frau hat zwar einen Dr. phil. nat. aber ihre Berechnungen kommen trotzdem auf eine wesentlich geringere Energiedichte, als bei Benzin. Hast Du dazu weitere Informationen? Wird z. B. tatsächlich eine Lösung getankt oder ist es ein stark übersättigtes Gemisch der beiden Substanzen?


Hallo,

hat etwas gedauert, aber jetzt habe ich weitere Infos dazu. Deine Frau sollte vielleicht noch mal nachrechnen, wenn das stimmt:

Ein auf E-Motor und Brennstoffzelle umgerüsteter Chrysler Minivan (->Link) (http://www.newswire.ca/releases/December2001/12/c6266.html) hat mit einer Tankfüllung NaBH4-Lösung 470 km zurückgelegt - mehr als jedes andere bisher mit Brennstoffzellen betriebene Fahrzeug. Die Daten des Versuchsautos: 35 kW Brennstoffzelle, Verbrauch 8 Liter NaBH4-Lösung auf 100 km, Beschleunigung 16 sec von 0 auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 130 km/h.

Die Fa. Novars hat übrigens die Serienfertigung einer Brennstoffzelle mit 3 kW Leistung bei 5,9 kg (!) Gewicht
angekündigt (->Link) (http://forum-brennstoffzelle.de/index.php?main=info&news=akt&akt=55).

Tom Berger

Ausgeschiedener Nutzer
06.01.2002, 18:08
Hm.. die Discussion Brennstoffzelle ist sicherlich spannend. Hab vorletztes Jahr ein solches Projekt mit durchgezogen. Schiffchen schwimmt und läuft auch gut.... aber... mit den Gewichtsangaben sah das da komplett anders aus. Neben dem Systemgewicht die Tanks, Befülleinrichtung ect... alles mit GL und BSBG Abnahme... lagen wir hinterher inkl. Batterien bei über einer Tonne Gewicht bei 4.5 kW Leistung an der Welle.....
Nicht gerade besonders toll, aber halt ein Anfang.

tschüß
Peter
derjanurmalmeint

tomberger
06.01.2002, 19:03
Original von wafi:
... Neben dem Systemgewicht die Tanks, Befülleinrichtung ect... alles mit GL und BSBG Abnahme... lagen wir hinterher inkl. Batterien bei über einer Tonne Gewicht bei 4.5 kW Leistung an der Welle.....


Wozu brauchst Du Batterien, wenn Du eine Brennstoffzelle hast? Infos über die 3kW-Brennstoffzelle findest Du auch bei http://www.novars.de. Dort ist auch der Prototyp eines Motorrollers zu sehen, der demnächst auch serienmäßig gefertigt werden soll. Der Wasserstofftank dafür wiegt befüllt knapp 5 kg.

Ein interessantes Antriebskonzept gibt es von Solomontechnologies (http://www.solomontechnologies.com/). Dort wird für den maritimen Einsatz ein wirklich sehr neuartiger Elektromotor vorgestellt, das "Electric Wheel" (an dem Namen könnte man noch etwas feilen, finde ich). Dieser Motor hat sozusagen das Getriebe integriert, da sind kaum mehr bewegliche Teile als ein Schreiner Finger an einer Hand hat. Während des Segelns funktioniert dieser Motor als Wellengenerator und lädt eine Batteriebank, die bei den vorgestellten Booten 5 Stunden Motorfahrt mit 80% der Rumpfgeschwindigkeit ermöglicht. Denkbar ist somit der Einsatz völlig ohne weitere Energiequelle, aber die meisten werden wohl noch einen kleinen Dieselgenerator als Backup an Bord haben wollen :-)

Tom Berger

Ausgeschiedener Nutzer
06.01.2002, 20:37
Hi Tom

wie gesagt mit BSBG Zulassung für Passagierboot. Probl. dabei ist schlicht, daß die Kiste auch an Land kommen soll, wenn das System ausfällt, ergo brauchst du ein bißchen Reserve.....
Dann zum zweiten brauchst du für Spitzen einen Backup als Reserve. Darfst nicht vergessen, daß es sich um ein gewerbliches Fahrzeug handelt. Der E-Mot. bringt 8.5kW Spitzenleistung an der Welle, Marschfahrt 4.5 kW = Brennstoffzelle. Aber bei über 4 ton Deplacement werden Ausweichsmanöver oder Notstop mit 4.5 kW nahezu unmöglich, deshalb die Notwendigkeit entsprechend Leistung "nachpowern" zu können.
Das nächste wirklich große Problem war, daß GL u. BSBG auf jedenfall bei Austritt von Wasserstoff nirgendwo Wasserstoffansammlungen haben wollten... ist ja auch verständlich. Auf nem Schiff nicht einfach zu realisieren.

Im Prinzip findd ich die Brennstoffzellentechnik schon interessant, aber steckt halt noch in den Kinderschuhen.

so what...
tschüß erstmal
Peter

Rheinsegler
06.01.2002, 22:04
Hallo Tom,

also hier ist die Rechnung:

in einem Liter Wasser lösen sich bei 25°C 550g NaBH4. Die Dichte von NaBH4 beträgt 1,07. Das bedeutet, daß in einem Liter des Treibstoffes ca. 390g NaBH4 enthalten sind.
Das Molekulargewicht von Wasser beträgt 18 g/Mol.
Das Molekulargewicht von NaBH4 beträgt 38 g/Mol.
390 g NaBH4 entsprechen also 10,3 Mol. Bei der Reaktion entstehen also aus einem Liter Kraftstoff 41 Mol Wasserstoff.
Ein Mol Wasserstoff hat einen Heizwert von 284 Kilojoule, d. h. ein Liter Kraftstoff enthält 11644 Kilojoule. Superbenzin (Dichte ca. 0,75) kommt auf 46000 Kilojoule pro Liter, Dieselöl (Dichte ca. 0,83) immer noch auf 42000 Kilojoule pro Liter. Erklär mir bitte wo der Fehler in der Rechnung ist.
Alle Zahlen wurden der Einfachheit halber gerundet. Die Quelle für die Daten sind die Chemical Abstracts.

Die Behauptung "gleicher Energiegehalt wie Benzin" stimmt dann, wenn man nur die an der Reaktion beteiligten Molekularmassen ansetzt und das benötigte Lösungswasser nicht berücksichtigt.
Bestätigt wird das durch die Verbrauchsangaben beim Versuchsfahrzeug. 8 Liter pro 100 km sind nicht gerade der Hit bei nur 35 kw Leistung. Dieser Verbrauch wurde vermutlich bei einer konstanten Geschwindigkeit von 55 mp/h (US Speed Limit) ermittelt.

Folgende technische Probleme sind noch zu bedenken:

Der Kraftstoff ist keine Primärenergie. Wieviel Energie ist notwendig um einen Liter herzustellen oder zu recyclen?

NaBH4 ist hochtoxisch. Die tödliche Dosis (LD50) beträgt bei oraler Einnahme 89 Milligramm pro Kilo Körpergewicht, d. h. 7 Gramm töten einen normalgewichtigen Menschen. Bei der gegebenen Konzentration genügt also ein Schapsglas des Treibstoffs. Beim Hautkontakt treten schwerste Hautverbrennungen auf. Das Tragen von Schutzkleidung beim Tanken wäre unverzichtbar, die Verwendung von Reservekanistern müßte verboten werden.

Der genannte Lösungswert gilt bei 25° C. Bei niedrigen Temperaturen liegt er niedriger. Aus Sicherheitsgründen muß also die Konzentration entsprechend nach unten korrigiert werden, was die Energiedichte negativ geeinflußt. In Berchtesgaden war übrigens am 22.12.01 die Tagestiefsttemperatur bei -48° C.

NaBH4 ist auch in Lösung relativ instabil (Elektronenmangel - das dreiwertige Bor muß 5 Bindungen halten). Eine Selbstzersetzung des Treibstoffes kann bei längerer Lagerung (Wenignutzer) nicht ausgeschlossen werden. Dabei wird jede Menge Wasserstoff frei. Der Druck im Tank steigt auf Werte für die er nicht gebaut ist - Bumm! Das gleiche Problem hat man wenn wegen Temperaturrückgang NaBH4 aus der Lösug ausfällt. Die Substanz reagiert dann auch ohne Katalysator mit dem Wasser - Bumm!

Das Reaktionsprodukt NaB02 lößt sich in Wasser eher zögerlich. Wie wird ein Verkrusten des Katalysators auf Dauer verhindert? Die Substanz ist wegen ihres Elektronenmangels instabil und neigt zu der Reaktion 4 NaBO2 + H2O = Na2B4O7 * 2 NaOH. Das so entstehende Natriumborat Na2B4O7 bindet 10 Mol Wasser pro Mol in seiner Kristallstruktur (d. h. ohne sich zu verflüssigen). Das bewirkt ein Verfestigen des Auffangtankinhaltes. Als Folge muß der Tank bei längeren Standzeiten vorbeugend entleert werden. Pannen und Reklamationen sind da vorgezeichnet.

Mal weg von der Wissenschaft:

In der Rubrik "Investor Relations" gibt die Firma auf ihrer WebSite an, daß sie beabsichtigt für die Herstellung des Kraftsstoffes Lizenzgebühren zu kassieren. Damit würde man sich beim Kauf eines solchen Antriebes der Firma finanziell ausliefern. Da sind mir die Ölscheichs immer noch lieber, die müssen auf den Markt und die Konkurrenz achten.

Trotzdem finde ich das Konzept echt interessant. Es ist endlich mal ein neuer Denkansatz - vielleicht lassen sich die Probleme ja beherschen.

Gruß

Alexander

Tamino
06.01.2002, 22:16
Danke Alexander für die fundierte Antwort.
--
Handbreit Jens (der alte)

tomberger
07.01.2002, 12:46
Original von Rheinsegler:
also hier ist die Rechnung:
[...] Liter Kraftstoff enthält 11644 Kilojoule. Superbenzin (Dichte ca. 0,75) kommt auf 46000 Kilojoule pro Liter, Dieselöl (Dichte ca. 0,83) immer noch auf 42000 Kilojoule pro Liter. Erklär mir bitte wo der Fehler in der Rechnung ist.

Danke dafür und die weiteren Darlegungen. Meine Chemiekenntnisse sind nur noch sehr vage, so daß ich Deine Rechnung nicht nachvollziehen kann, aber sie ist erst mal glaubhaft. Ist dabei auch berücksichtigt, daß der Wasserstoff zur Hälfte aus dem Wasser kommt?



Der Kraftstoff ist keine Primärenergie. Wieviel Energie ist notwendig um einen Liter herzustellen oder zu recyclen?

Das wird sich noch zeigen müssen. Ich habe nirgends etwas darüber gefunden, außer daß man bei MCEL auch daran arbeitet, das Borax lokal wieder zu NaBH4 recyclen zu können.



NaBH4 ist hochtoxisch. Die tödliche Dosis (LD50) beträgt bei oraler Einnahme 89 Milligramm pro Kilo Körpergewicht, d. h. 7 Gramm töten einen normalgewichtigen Menschen.

Das wiederum ist sehr interessant, denn sowohl MCEL als auch DaimlerChrysler sprechen auf ihren Webseiten sehr deutlich aus, daß es sich um ***ungiftige*** Stoffe handelt. Es wäre schön, den Leuten offensichtliche Lügen nachweisen zu können - hast Du einen Link dazu?

Andererseits befindet sich das Zeug in einem geschlossenen Kreislauf. Man müßte halt v.a. die Freisetzung bei Unfällen verhindern.



NaBH4 ist auch in Lösung relativ instabil (Elektronenmangel - das dreiwertige Bor muß 5 Bindungen halten). Eine Selbstzersetzung des Treibstoffes kann bei längerer Lagerung (Wenignutzer) nicht ausgeschlossen werden. Dabei wird jede Menge Wasserstoff frei. Der Druck im Tank steigt auf Werte für die er nicht gebaut ist - Bumm!

Nun, das wiederum wäre wirklich kein Problem. Eine kleine Entlüftung, und schon entweicht der leichte Wasserstoff gefahrlos nach oben.

Die anderen Probleme werden wohl auch MCEL bekannt sein. Anscheinend werden sie für lösbar gehalten. M.E. ist dieser Ansatz der bisher erfolgversprechendste bei der Problematik der Treibstoffversorgung der Brennsoffzellen.

Nach DaimlerChrysler ist ja nun auch PSA (Peugeot-Citroen) auf diese Technik aufgesprungen. Interessant ist auch das Handelsvolumen der MCEL Aktien - da hat es Mitte Dezember einen extremen Peak gegeben. Zu dieser Zeit wurde erstens die erfolgreiche Verwendung der Technik in einem Chrysler Minivan veröffentlicht und zweitens erfolgte da auch die Bekanntgabe des PSA-Einstiegs.

Gruß
Tom Berger

Rheinsegler
07.01.2002, 13:27
Hallo Tom,



Ist dabei auch berücksichtigt, daß der Wasserstoff zur Hälfte aus dem Wasser kommt?


Ja, selbstverständlich ist das berücksichtigt.



Der Kraftstoff ist keine Primärenergie. Wieviel Energie ist notwendig um einen Liter herzustellen oder zu recyclen.
Das wird sich noch zeigen müssen. Ich habe nirgends etwas darüber gefunden, außer daß man bei MCEL auch daran arbeitet, das Borax lokal wieder zu NaBH4 recyclen zu können.


Die Möglichkeit lokal zu recyclen ist sicher sehr interessant. Offen bleibt die Frage, wieviel Energie man dabei einsetzen muß.



Das wiederum ist sehr interessant, denn sowohl MCEL als auch DaimlerChrysler sprechen auf ihren Webseiten sehr deutlich aus, daß es sich um ***ungiftige*** Stoffe handelt. Es wäre schön, den Leuten offensichtliche Lügen nachweisen zu können - hast Du einen Link dazu?


Ja, den kann ich Dir nennen: die Chemical Safty Database der University of Oxford.
Http://physchem.ox.ac.uk/MSDS/SO/sodium_borohydride.html
Im Gegensatz zu den Chemical Abstracts sind diese Informationen kostenlos abrufbar.

Insgesamt hast Du recht: Der Ansatz wirkt recht erfolgversprechend, wenn man die Probleme wirklich in den Griff kriegt. Die Energiedichte ist auf jeden Fall besser als bei Druckbehältern, und die sind sicherheitstechnisch ja auch nicht ohne.

Gruß

Alexander

Klotzfisch
10.01.2002, 15:45
Moin,
Gut das es Leute wie dich gibt ( Tom ) die an einem Thema nicht lockerlassen mir fehlt leider echt die Zeit dazu etwas so konsequent erroieren.
Schätze die positiv energiewerte, werden in Bezug auf die verwendete Herstellungs Energie und Masse bei Transport berechnet
( wobei sich da ne menge schön rechnen läßt ). Weiterhin wird der Wirkungsgrad des Mediums Energie auf umgesezte Kraft wahrscheinlich berücksichtigt und der ist numal bei elktro eindeutig besser ( Im gegensatz zumn verbrener )
Aber wie dem auch sei, wir haben bereits in Deutschland ein 120 km langes Sauerstoff und Wasserstoff Pipeline Netz und wenn die das dort in den Griff kriegen, dann wohl auch dieses.
Was mich nochh interesssieren täte wär wieviel Benzin muß man verschlucken um zu sterben und wievviel niedriger wäre die Bronchial Erkrankungsrate in Ballungszentren wenn der Verkehr auf Wasserstoff umgerüstet werden würde ?
( Es wird zweifelos auf einen vergleich hinauslaufen, was ist langfristig gesehen schädlicher, Stickoxid oder die Verätzungsgefahr )
Aber das wichtigste ist doch, das es Hersteller gibt, die an dem Problem kommerziell arbeiten. ( Wir sind zwar wieder die dumpfbacken weil der Staat die Förderung des Projekktes eingestellt hat, aber ist eh wurscht ) Frauenhofer arbeiten ebenfalls an so einem Projekt ( Stiftungsmittel privat ) allerdings mit einem anderen Lösungsweg . Mal sehen was daraus wird ..

Also Tom sorry das ess so lang geworden ist aber halte uns auf dem laufendem ( jedenfalls mich )

Klotzfisch

Rheinsegler
10.01.2002, 16:10
Hallo Klotzfisch,



Schätze die positiv energiewerte, werden in Bezug auf die verwendete Herstellungs Energie und Masse bei Transport berechnet
( wobei sich da ne menge schön rechnen läßt ). Weiterhin wird der Wirkungsgrad des Mediums Energie auf umgesezte Kraft wahrscheinlich berücksichtigt und der ist numal bei elktro eindeutig besser ( Im gegensatz zumn verbrener )


Diese Erklärung kommt mir sehr plausibel vor.



Was mich nochh interesssieren täte wär wieviel Benzin muß man verschlucken um zu sterben und wievviel niedriger wäre die Bronchial Erkrankungsrate in Ballungszentren wenn der Verkehr auf Wasserstoff umgerüstet werden würde ?
( Es wird zweifelos auf einen vergleich hinauslaufen, was ist langfristig gesehen schädlicher, Stickoxid oder die Verätzungsgefahr )



Die tödliche Dosis (LD50) bei Benzin beträgt 28 Gramm pro Kilo Körpergewicht. Ein 75 Kilo Mensch muß also 2,5 Liter saufen um über die Wupper zu gehen. Dieser Wert gilt für Waschbenzin. Bei Motorenbenzin dürfte er wegen des Benzolgehaltes und anderer Zusatzstoffe niedriger liegen, Werte dazu habe ich aber nicht bekommen (Motorenbenzin wird so selten in Labors verwendet.


Bei allen positiven Aspekten sollte man sich bewußt sein, daß es sich bei Wasserstoff und auch bei NaBH4 nicht um Primärenergie handelt, sondern um einen Energiespeicher. Die Herstellung des Brennstoffes verbraucht mehr Energie als er enthält. Diese Energie muß irgendwo herkommen. Wenn dazu dann in einem Kraftwerk fossile Brennstoffe verbrannt werden, ist im globalen Maßstab nicht der geringste Vorteil da. Die Vorteile sind immer lokal (z. B. Abgasbelastung in der Innenstadt) dafür gibt es dann eben einige Großkraftwerke mehr.

Gruß

Alexander

Holgere
11.01.2002, 11:38
**** Quote ****
Die Serienproduktion von Wasserstoff- Brennstoffzellen als Energiealternative zu Diesel, Benzin oder Elektroantrieb wird es nach Angaben des Volkswagenkonzerns (VW)frühestens in 15 bis 20 Jahren geben.
„Die Brennstoffzelle selbst ist derzeit noch teurer als ein ganzes Auto“, sagte Ulrich Eichhorn, Leiter der Volkswagen-Konzernforschung vor kurzem bei der Präsentation des VW-Umweltberichts in Berlin. Auch Wasserstoff als Treibstoff sei mit Literpreisen über drei Mark noch zu teuer für einen breiten Kundenkreis.
Als realistischer bezeichnete Eichhorn die Einführung eines umweltfreundlichen Dieselkraftstoffs, der aus Biomasse gewonnen wird.
**** Quote, Quelle : Sueddeutsche Zeitung *****

Gruss Holgi

tomberger
11.01.2002, 14:08
Original von Holgere:
**** Quote ****
Die Serienproduktion von Wasserstoff- Brennstoffzellen als Energiealternative zu Diesel, Benzin oder Elektroantrieb wird es nach Angaben des Volkswagenkonzerns (VW)frühestens in 15 bis 20 Jahren geben.
„Die Brennstoffzelle selbst ist derzeit noch teurer als ein ganzes Auto“, sagte Ulrich Eichhorn, Leiter der Volkswagen-Konzernforschung vor kurzem bei der Präsentation des VW-Umweltberichts in Berlin. Auch Wasserstoff als Treibstoff sei mit Literpreisen über drei Mark noch zu teuer für einen breiten Kundenkreis.
Als realistischer bezeichnete Eichhorn die Einführung eines umweltfreundlichen Dieselkraftstoffs, der aus Biomasse gewonnen wird.
**** Quote, Quelle : Sueddeutsche Zeitung *****

Gruss Holgi


Klar, daß die das sagen - VW hält sich bei der Forschung ja auch vornehm zurück. Opel dagegen spricht von der Markteinführung im Jahr 2004, was m.E. schon sehr optimistisch ist. Schon für nächstes Jahr ist die Serienfertigung von Brennstoffzellen-Mofas und -Motorrollern angekündigt.

Das Hauptproblem für die Einführung stellen nicht die Brennstoffzellen dar, sondern ist die bisher ungelöste Frage der Treibstoffversorgung. Die Fa. MillenniumCell könnte die Lösung dafür gefunden haben. Infos findest Du unter http://www.millenniumcell.com.


BMW hat angekündigt, ab nächstes Jahr kleine Brennstoffzellen für die Stromversorgung in Autos einzubauen, die ansonsten ganz herkömmlich betrieben werden.

Klar sind Brennstoffzellen derzeit noch relativ teuer, was aber ausschließlich auf die geringen Stückzahlen zurückzuführen ist. Ballard spricht bei Serienfertigung in hohen Stückzahlen von US$ 100 pro kW, womit das komplette Antriebssystem (Tank, Reformer, Brennstoffzelle, E-Motor, Getriebe) in etwa der gleichen Preislage liegt wie beim Verbrennungsmotor.

Den Dieseltreibstoff aus regenerativen Quellen gibt es schon lange. Z.B. kann man den bei Aldi für 0,49 Cents pro Liter tanken (wird dort als Salatöl verkauft ;-)). Der Einsatz in den meisten Dieselmotoren ist nach geringer Modifikation (Erhöhung der Leitungsquerschnitte wg höherer Viskosität) unproblematisch, außerdem ist die Verwendung auch in steuerlicher Hinsicht völlig legal. Infos findest Du u.a. hier: http://mars.wiz.uni-kassel.de/agt/biodiesel/FAQ.html


Gruß
Tom Berger

Holgere
11.01.2002, 14:40
Hallo Tom,

ich hätte das vielleicht nicht unkommentiert reinstellen sollen. Mir ist klar, dass es sich bei der VW-Meldung um eine politische handelt. VW hat kein Interesse, die vielen Milliarden, die in den Verbrennungsmotor investiert wurden, einfach abzuschreiben. Opel macht sowieso Verluste...
Trotzdem zeigt diese Meldung für mein Dafürhalten die grösste vorhandene Hürde auf: Die vorhandene Infrastruktur. Bis es ganz selbstverständlich Wasserstoff in verwertbarer Form am Steg ( und das weltweit) zu kaufen gibt, wird mit Sicherheit noch einige Zeit vergehen.

Gruss Holgi

tomberger
11.01.2002, 15:48
Original von Holgere:
[...] Trotzdem zeigt diese Meldung für mein Dafürhalten die grösste vorhandene Hürde auf: Die vorhandene Infrastruktur. Bis es ganz selbstverständlich Wasserstoff in verwertbarer Form am Steg ( und das weltweit) zu kaufen gibt, wird mit Sicherheit noch einige Zeit vergehen.


Nicht nur nach Deinem Dafürhalten ist die Treibstoffversorgung das größte ungelöste Problem. Das Verfahren von MillenniumCell erfordert zumindest keine neuen Vertriebswege, das vorhandene Tankstellennetz kann mit relativ geringem Aufwand dafür umgerüstet werden. Aber selbst wenn dies in vielleicht 5 Jahren schrittweise bei uns passiert, dann werden wir mindestens noch weitere 10 Jahre abwarten müssen, bis der neue Treibstoff auch weltweit überall verfügbar ist.

Ich führe diese Diskussion nicht, weil ich glaube, daß die neue Technik schon in ein paar Jahren Alltag sein wird. Aber wenn ich mich demnächst nach einem neuen Antrieb für mein Boot umsehen muß, dann werde ich einen E-Motor ziemlich ernsthaft in Erwägung ziehen. Statt der Brennstoffzelle hab` ich dann halt erst mal einen Generator. FischerPanda stellt in Düseldorf diese Hybrid-Antriebe aus. Ich bin schon sehr gespannt.

Tom Berger