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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gebrauche Stahlyachten. Worauf muss man achten?



Alex_x
04.01.2002, 00:35
Wir sind auf der Suche nach einer gebrauchten Yacht und wollen uns jetzt mal mit Stahlyachten näher befassen.
Wer kann uns da Tipps geben a) zur Stahlyacht im allgemeinen und B) zur Gebrauchten im Besonderen?
Wie steht es mit der Pflege (Zeitaufwand), wie mit der Korrosion? Stimmt es, daß Stahlyachten weniger für´s Mittelmeer taugen? Sollte man V4A Stahl nehmen? Und wie kann man Korrosion in der Rumpfinnenseite diagnostizieren? Ne Menge Fragen.... und überhaupt: welche Werft würdet Ihr empfehlen?
Bin schon mal auf Eure Rückmeldungen gespannt.
Alex

Strandpirat
04.01.2002, 09:44
Kurz & knapp. Leiste Dir einen Gutachter, wenn Du keine Ahnung hast. Ist im Zweifel immer billiger (siehe den Yachtverkauf von felixfelix).
Der Strandpirat

WalterLD
04.01.2002, 11:12
Hi Alex,
ich habe eine Vanguard (20 Jahre) der (ehemaligen) Bootsbauwerft Klein und liegt in Italien vorher in Spanien. Du weißt sicherlich das Für und Wider zum Stahl eine Grundsatzdiskussion, fast schon ein Lebensphilosophie ist. Als erstes solltest du folgende Punkte klären:
0.) Neu oder gebraucht. Wenn gebraucht dann weiter sonst zu Ende, zu einem neuen Stahlboot kann ich dir nichts sagen.
1.) Welcher Gattung der Segler gehörst du an ? Stahlyachten sind meist keine Renner. Sie sind bedeutend schwerer als die GFK-Boote.
2.) Typ des Bootes, Langkieler (die meisten Stahlyachten) Kurzkieler
3.) Langfristigkeit. Ein gebrauchts Stahlboot mal eben für ein oder zwei Jahre, das lohnt sich nicht.
4.) Werft-oder Selbstausbau.Die meisten Stahlyachten sind ein Selbstausbau und oft dahingeschustert.
5.) Land: Niederlande, die meisten und schönsten Stahlboote.
So jetzt zu meinen Erfahrungen:
Korrision und Pflegeaufwand. Hoch, wenn du die Optik magst. Ein Solltest du keine Zeit haben, lasse die Finger vom Stahlboot. Ein Jahr ohne Pflege am Boot, dann leidet sie enorm. Stahl wird bei einer minimalen Pflege zwar nicht durchrosten und bekommt keine Osmose, doch Rostnasen treten immer wieder auf. Ich streiche das Oberdeck alle zwei Jahre. Ovantrol und Rostumwandler sind ständiger Begleiter. Viel Zinkanoden im Unterwasserbereich !
Rost am Rumpinnern. Starke Taschenlampe, leichter Schaber. Das Rumpfinnere sollte gut isoliert (harter Schaum) und grundiert sein. Kleine Rostflecken an Schweißnähten sind unproblematisch. Es darf kein Schwitzwasser auftreten. Es dürfen natürlich keine Rostlöcher vorhanden sein. Ein frisch gestrichenes Rumpinnere ist auffällig !
Der/die Vorbesitzer ist wichtig. Bei mir war es der Erstbesitzer ein Rentner, der jeden Rostfleck sofort behoben hat.

Oberdeck. Immer kritisch HOLZ auf STAHL. Dort wird es immer rosten. Die Feuchtigkeit am Holz wird den Stahl immer angreifen. KEIN STAHLSCHIFF MIT TEAKDECK. Finger weg, dort hast du sehr viel Rost.
Schau dir gespachtele Veränderungen an, wahrscheinlich ist darunter Rost.

Für Stahl und Langkieler, herrliches Seegangsverhalten auch bei Seegang, ich habe enormes Vertrauen in den Rumpf und die Riggverbindungen. Alles solide und stark. Wunderbare klassische Linien die sich aus der Masse der geglätten Plastikbooten hervorhebt. Schöner wohnlicher holzverkleideter Salon.

So jetzt sind meine Finger wund, möchtest du mehr wissen, dann maile mir einfach.

Gruß Walter.

Alex_x
04.01.2002, 11:25
Hallo Walter,
ganz herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort!! Das war doch sehr aufschlussreich für´s erste. Ich habe da ein V4A Schiff im Angebot, das angeblich nicht rosten soll. Ob es damit dann anders ist? Auf jeden Fall werden wir Deine Hinweise und Ratschläge sehr beherzigen, wenn wir in dieser Richtung weitergehen. Das Hauptargument mit der "Zeit" ist vermutlich wirklich ausschlaggebend. Denn hat man die, dann kann man auch ruhig ein bisschen Rostumwandeln gehen...
wenn ich weitere Fragen habe komme ich gerne auf Dich zu. Allerdings kann ich keine Emailadresse von Dir finden.
Gruß Alex

[ Dieser Beitrag wurde von Alex_x am 04.01.2002 editiert. ]

WalterLD
04.01.2002, 11:51
Sorry....habe ich vergessen.

walterld@gmx.de, mail mich mal an, dann kann ich dir meine website mit den bildern von der Shanty geben.


gruß wlater.

Holgere
04.01.2002, 13:53
Hallo Alex,

zu dem, was Walter geschrieben hat, ist wenig hinzuzufügen. Ich habe mir auch ein Stahlschiff in NL gekauft und es nicht bereut. Es ist unverwüstlich, aber Arbeit.
Zu Niro: Vorsicht! Es hat seinen Grund, warum es fast keine Niro-Schiffe gibt. Das Hauptproblem wird wohl die elektrolytische Korrosion sein. Alle Metallschrauben, Alumast usw. müssten elektrisch isoliert montiert werden. Das ist nicht zu schaffen.
Ich bilde mir ein, bei Bobby Schenk mal was über das Thema gelesen zu haben, vielleicht fragst du ihn mal...
Warum nicht Alu?

Gruss Holgi

FBrinken
04.01.2002, 14:07
Holger,
das von Dir geschilderte Problem existiert bei Aluschiffen.
Bei einem Schiff aus V4A kannst Du ohne Probleme mit V4A
Schrauben beliebig durch dein deck bohren. Ich denke, dass
die anspruchsvolle Schutzgas - Schweisserei und mechanische Bearbeitung neben den höheren Materialkosten der Grund ist,warum V4A nicht sehr verbreitet ist. Wegen Korrosion ( da ist nix zum korrodieren ) kann es wohl nicht sein, festigkeitsmässig ist
V4A ebenfalls den Schiffbaustählen überlegen. Wartungsmässig dürfte ein V4A Schiff jedem GFK überlegen sein.

Alexx,
das Thema V4A Schiff ist aus technischer Sicht hochinteressant. Bitte halte uns hier auf dem Laufenden ( Typ, Grösse, Preis ).

Handbreit

Frank

--
Wer Tippfehler findet darf sie behalten !

skegjay
04.01.2002, 14:12
Moin Alex,

steht das V4A Schiff eventuell in BARTH??

Dann melde dich mal.

Gruß

Jörg

Tamino
04.01.2002, 14:44
Hallo Alex,
nach meiner Kenntnis ist V4A zwar als Decksmaterial geeignet, nicht aber im Unterwasserbereich. Muß aber nochmals nachlesen. Die verschiedenen Korrosionsarten und -bedingungen kannst Du gut im Buch Korrosion auf Yachten von Nigel Warren (Delius-Klasing) nachlesen (antiquarisch).
--
Handbreit Jens (der alte)

WalterLD
04.01.2002, 21:57
Hallo Holgere,

was hast du für einen Typ und wo liegt sie ?
Welche Mittel nimmst du zur Rostbehandlung ?

Gruß Walter

UliM
04.01.2002, 22:01
Hallo Alex,

es gab einmal vor längerem einen Report über einen französischen Weltumsegler im Fernsehen, der sein Boot ganz aus Niro gebaut hatte. Ich habe von damals mitgenommen, daß Niro entgegen aller Erwartungen gegenüber ST42 oä. folgende Nachteile hat:
1. Geringeres Elastizitätsmodul (vielleicht tolerierbar)
2. Komplizierter zu ver- und bearbeiten (der berühmte Schweißer an jeder Ecke der Welt kann dann hier wohl nicht viel helfen)
3. Extreme Neigung zu Lochfraß - das ist dann wohl das Entscheidende

Hierzu noch ein Auszug aus Scharping, Konstruktion und Bau von Yachten, 2. Aufl. 1994, S.310ff :
"Die Verwendung rostfreier Stähle hat für Beschläge in den letzten Jahren stark zugenommen;.... Die Beständigkeit dieser Metallsorten gegen Rost verleitete einige Segler dazu, trotz der immensen Kosten, Rümpfe aus Niro bauen zu lassen. Überraschungen blieben nicht aus; an den Rümpfen bildeten sich Anfressungen und einige Nirobeschläge brachen unmotiviert."
Im Folgenden beschreibt er dann erst die Probleme mit Schweißkorrosion bei Niro und geht weiter auf die Lochfraßkorrosion ein:
".... geht der Oxidfilm verloren und das darunterliegende Metall kann korrodieren. Dies paasiert z.b. bei Bewuchs und in dem Zwischenraum von Außenhaut und Verschraubungsflanschen. Das ungeschützte Metall ist unedler als die Nachbarschaft und wird abgetragen. Diese Erscheinung wird Spaltkorrosion genannt.
Die Lochfraßkorrosion tritt auf einer glatten Fläche auf, wenn die Umgebung, z.B. durch einen höheren Salzgehalt, korrosionsfördernd ist. Der Oxidfilm in den Vertiefungen wird beschädigt, und das darunterliegende Metall liegt frei. Es wurde festgestellt, daß die Legierungen mit Molybdänanteilen (Werkstoff-Nr. 1.4401) weniger anfällig gegen Lochfraßkorrosionen sind. Das Problem ist für den Bereich Bootsbau noch nicht endgültig gelöst; neue Legierungen werden erarbeitet."

Also, ehe ich mir noch die Finger beim Tippen breche: meine persönliche Schlußfolgerung: FINGER WEG VON NIRO-RÜMPFEN.

Mit Gruß,

Uli

PS.: Werften für Yacht-Stahlbau: die Niederlande sind die Größten auf diesem Gebiet. Adressen bei der HISWA http://www.hiswa.nl/ zu bekommen.

Alex_x
04.01.2002, 23:00
Hallo Uli,
das Forum der Yacht ist doch ein Segen! 1000 Dank für Deine Ausführungen. Ich war früher mal Zahntechniker, da haben wir mit Legierungen aller Art zu tun gehabt. Von daher kann ich Deinen Ausführungen gut folgen. Falls Du Deine Finger mal beim Schreiben brechen solltest (oder sonst was) empfehle ich zusätzlich zur Medizinischen Versorgung "Symphytum D 6 Globuli 3 x 5 Tropfen/täglich". Die Brüche heilen doppelt so schnell! (Bin Heilpraktiker /Klass Homöopathie) ;-)
Und wenn Du mal ein gutes Mittel gegen Seekrankheit brauchst sag Bescheid. Da gibt´s was sehr Gutes.

Ahoi
Alex

Alex_x
04.01.2002, 23:03
Hallo Jörg,
weiss nicht wo Barth ist. Es soll in der Nähe von Karlsruhe schwimmen.
gruß Alex