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Thommy-s
06.01.2002, 14:34
Hallo zusammen,

ich beabsichtige in der zweiten Septemberwoche einen Segeltörn ohne Profiskipper auf den Kykladen zu unternehmen.
Unsere Crew aus 4 Mann ist noch nicht so erfahren( 2 Törns auf den Balearen). Wir suchen nun eine Route von Mykonos für eine Woche. Wer kann uns gute Tipps geben?

Sail_2_live
14.01.2002, 15:02
Hallo Thommy,

ich war schon mehrfach in diesem Revier und empfehle dir Folgendes: Kauf dir einen der zahlreichen Revierführer, die auf dem Markt sind. Du wirst sehen, die Inseln dort sind alle recht nahe beisammen. Mach nicht zu detailierte Törn-Pläne. Ich hab das auch jedes mal gemacht, und immer war der Wind gerade so, daß ich vor Ort den Plan über den Haufen geschmissen habe.
Schau dir lieber an, was es auf jeder der Kykladeninseln zu sehen und zu entdecken gibt. Dann bist du vorbereitet auch mal (wegen Sturm) irgendwo einen Tag lang zu bleiben. Plane nur für 3-4 Tage voraus und richte dich ansonsten nach dem Wind. Schau nur, daß du gegen Ende des Törns nicht zu weit weg bist und kalkuliere einen Tag Sicherheit ein. Wenn du dann einen Tag zu früh in Mykonos sein solltest, dann empfehle ich dir nicht in den Hafen zu gehen, sondern in der großen Naturbucht im Süden von Mykonos zu ankern. Ist wesentlich schöner und das Essen kostet in den Tavernen am Sandstrand nur halb so viel als in den Wucher-Pinten von Mykonos-Stadt. Wer doch unbedingt hin will, von dort aus kann man für ca. 1 Euro per Bus nach Mykonos-Stadt fahren. Diese Bucht ist auch ein Tipp, falls du am Übernahmetag spät dran bist und nicht mehr weit weg segeln willst. Auf keinen Fall (es sei denn das Wetter zwingt dich dazu) im Hafen bleiben. Für einen kurzen Schlag um die Insel rum sollte immer noch Zeit sein. Um die Bucht rum machen die Kneipen so viel Licht, daß du dort auch bei Dunkelheit ankern kannst.
Appropos ankern, falls du bisher nie in Griechenland oder der Türkei Segeln warst: du mußt überall, auch in den Häfen, ankern. Das war für mich bei meinem ersten Törn dort sehr ungewohnt, da ich das aus meiner damaligen Praxis (Südfrankreich und Balearen) nicht kannte. Anker legen, Festfahren und dann rückwärts in eine Parklücke, das ist schon gewöhnungsbedürftig. Vor allem bei Seitenwind. Kriegt man aber schnell Übung drin.
Ganz komisch fand ich zunächst, als mich ein Hafenmeister aufgefordert hat, vor dem längsseits Anlegen den Anker neben dem Vordermann auf dessen Masthöhe ins Wasser zu legen (nicht eingraben). Als der Wind am nächsten Tag gedreht hatte und die Boote an die Kaimauer drückte, wußte ich wozu das gut war. Es ersparte beim Ablegen das Eindampfen in die Vorspring. Ich konnte den Bug locker vom Gewicht der Kette in die richtige Richtung ziehen lassen und ganz entspannt Ablegen. Genial! Also ruhig mal auf die Tipps der Einheimischen hören. Vor allem was das Wetter angeht. Dort wirst du nicht jeden Morgen einen aktuellen Wetterbericht an der Tür des Hafenmeisters finden. Meistens gibt`s gar keinen. Dafür will dann auch niemand Liegegebühren kassieren. Wetterberichte gibt`s über Funk oder Kurzwelle. Meistens aber in Englisch, als mach dich schon mal mit den englischen Begiffen für Wettervorhersagen vertraut.
Noch ein paar Tipps zum Essen dort. Fisch ist relativ teuer. Da das Mittelmeer fast leergefischt ist, kommt der Fisch, wie in den Balearen auch, vorwiegend aus dem Atlantik. Meistens gefroren. Da es aufwendig ist beim Transport auf die kleinen Inselchen die Kühlkette aufrecht zu erhalten ist er entsprechend teuer. Oftmals wird einem Fisch vermeindlich preiswert angeboten. Doch Vorsicht! Das ist der Preis pro Kilo des rohen Fisches (incl. Kopf und Gräten). Die Überraschung kommt dann beim Bezahlen. So toll sind die Fische dort auch nicht zubereitet. Mein Tipp, falls es Meeresgetier sein soll: Oktopus in allen Variationen. An sonsten die tollen Schmorgerichte aus Kalb, Lamm oder Kanninchen. Stundenlang langsam gegart!
Falls ihr selbst Kochen wollt, seid euch bewußt, daß Fleisch in Griechenland anscheinend nicht abgehängt wird. Deshalb ist gerade Rindfleisch immer zäh. Deshalb entweder kleinschneiden (ab besten gleich als Hackfleisch) oder ewig bruzeln.
Ich bin zwar ein absoluter Gegener des "Essen-Mit-Ins-Ausland-Nehmen", aber beim Thema Wurst empfehle ich bei Griechenland und der Türkei eine Ausnahme zu machen. Dort wird traditionell kein Schweinefleisch verarbeitet und deshalb schmeckt die Wurst dort für unsere Essgewohnheiten außerst seltsam, um es mal diplomatisch auszudrücken. Deshalb, falls ihr Wurstfrühstücker an Bord habt: ein kleiner, in Folie eingeschweißter geräucherter Schinken, eventuell eine ganze Salami und pro Tag eine 400g Dose Wurst mitnehmen. Es gibt zwar dort auch abgepackte deutsche Wurst zu kaufen (Hertha & Co.), aber die ist sauteuer und oft mit abgelaufenem MHD.
An Bier gibts dort meistens Heineken, Amstel oder das einheimische "Mythos". Ist natürlich Geschmacksache, aber meiner Meinung nach ist Amstel, falls nicht superkalt, ungenießbar. Da es fast nirgends Landstrom gibt, ist superkaltes Bier an Bord eher selten. Heineken und Mythos sind ähnlich. Da Mythos einheimisch ist und oft billiger als Heineken, haben wir dem den Vorzug gegeben.
Noch was Allgemeines: Trinkwasser ist auf den Kykladen äuserst knapp. Oftmals regnet es dort ein- zwei Jahre lang nicht. Das Trinkwasser muß mit Tankschiffen vom Festland hergebracht werden. Deshalb sottet ihr mit dem Trinkwasservorrat, den ihr von Mykonos aus mitbekommt (prüfen, ob alle Tanks voll sind!) die ganze Woche lange auskommen. Das bedeutet z.B. Duschen mit Süßwasser ist gestrichen. Ganzkörper-Reinigung wird im Meer erledigt. Hinterher Wasser abstreifen und Haare ausschütteln wie ein Hund. Danach nur kurz das Salzwasser aus Haaren und Gesicht mit Süßwasser abspülen. Auf diese Art kommt man mit 1-2 l Wasser pro Person und Vollwäsche aus. Auch das Geschirr wird erst mit Salzwasser gespült und dann nur kurz mit Süßwasser entsalzt. Wer beim Zähneputzen das Wasser laufen läßt, wird Kiel geholt. Das Deck mit Süßwasser abzuspritzen ist natürlich absolut tabu.
Zum Kochen von Kaffee oder Tee genügend Flaschen-Wasser mitnehmen. Zur Körper-Reinigung empfiehlt sich entweder spezielles Seewasser-Schampoo oder eine seifenfreie Waschlotion (Typ Seba-Med). Mein Tipp: Die Waschlotion von Aldi tut`s auch (für Haut und Haar) und kostet nur ein Bruchteil des Preises für Salzwasser-Schampoo. Man muß nur etwa doppelt so viel nehmen wie unter der Süßwasser-Dusche zuhause.

So, ich hoffe die Tipps helfen dir.
Ich wünsche dir und deiner Crew viel Spaß in diesem herrlichen Revier.

Handbreit,

Thomas.

Buchtenbummler
31.01.2002, 18:14
also - das ist wirklich ERSTKLASSÌG!

Vielleicht noch folgender Hinweis: In Mykonos darf man seit 2001 nicht mehr in den Stadthafen, sondern muß ca. 1 sm weiter N-lich in die neue Marina.
Info und Skizze dazu auf www.holidaysailing.de/hellas/haefen/Mykonos.html

Von dort geht alle 20-30 Minuten ein Bus, man kann auch gut trampen

Leider liegen viele (alle..) längsseits, so daß man entweder im Päckchen (eine Weile jedenfalls) liegt oder etwas rangieren muß. Aber das Wasser ist überall ausreichend tief, nur ziemlich rechts muß man aufpassen, und hinten dürfen nur Fischer liegen!
Keinesfalls solltee man das Schiff im Päckchen unbeaufsichtigt liegen lassen...wenn der innen raus will, und ein Grieche ist, soll es vorkommen, daß einfach das außen liegende Schiff losgebunden wird...

Zur Routenwahl: gentleman don´t tack...wenn Ihr von Mykonos nach Athen müsst: Beileid! Wählt dann einen weiten Bogen sw-lich via Paros bis zum Peleponnes, und dann im Zick-Zack rauf...der "direkte" Weg ist nur was für "Meilenfresser" und "stahlharte Jungs"....(und solche, die meines, das zu brauchen - mit "Urlaub" hat es wenig zu tun!)

Ankern solltet Ihr unbedingt üben...und im Zweifel lieber nochmal fahreen...volle Kette (kostet nix extra), lang fallen lassen, und mit gut Rückwärtsfahrt einrucken (aber nicht durch zuviel Fahrt wieder rausreißen!) Etwas Gefühl gehört dazu, aber dann merkt man schon, wenn´s vorne rumpelt...und wenn das Schiff bei durchschnittlicher Marschfahrtumdrehung entsprechend dem Schiff rückwärts am Anker hängend "steht", hält auch der Anker in windigen Nächten (Fallböen!!!!). Auch empfiehlt sich das Legen eines 2.Ankers, bevorzugt Stockjanker, den hat nur fast kein Charterschiff.
35-45 Grad vom Buganker nach Luv, Vorlaufkette dran, möglichst lange Ankerleine.
Wünsche wohl zu schlafen!!

Viel Spaß auf Eurem Törn!

Ach ja...statt "heldenhaftem Mut", der ja auch schiefgehen kann, wäre im Zweifel das Engagieren eines revierkundigen und erfahrenen Skippers vielleicht etwas "teurer", aber mit einem erfahrenen "Coach" an Bord, auf den Ihr im Notfall zugreifen könnt, lernt Ihr mehr und entspannter, als bei lebensgefährlichen Manövern nach mehreren Tagen im Meltemi (da wird dann auch die warme Ägäis ziemlich ungemütlich...)

Denkt mal drüber nach!

Ciao
Hans
www.buchtenbummler.de
P.S: Nein, habe keine Zeit, das zu skippern...ist nur ein wohlgemeinter Rat!!!

gerd5
31.01.2002, 21:11
Hallo Thomas,

ich Danke Dir auch für Dein Info,

Das ist ja schon der reinste Revierführer, wir wahren bis jetzt nur in der Ägis unterwegs und wollen heuer das erste mal weiter runter.

Sammle deshalb alle Infos aus dieser Gegend

Grüße Gerhard
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Grüße
Gerhard