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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kasko-Versicherungen



Mieken
14.01.2002, 12:58
Nachdem mir die grosse "P-Liner" eine 20 %ige Erhöhung ankündigte wegen allgemein gestiegener Kosten (auch der 11.9.) musste herhalten, habe ich mir mal verschiedene Angebote eingeholt. Donnerwetter, gibt das Prämienunterschiede! Hat einer von Euch Erfahrungen mit der holländischen Versicherung EERDMAN bei Schadensabwicklungen?

juerg1811
14.01.2002, 17:21
Hallo,
seit 1985 war ich bei Eerdmanns versichert, da mein Schiff in den Niederlanden liegt.
Ich habe die Versicherung nie in Anspruch nehmen müssen.
Aufgrund Einbau von reichlich und teurem Zubehör habe ich dann im Jahr 2001 bei Eerdmanns mein Schiff dem tatsächlichen Marktwert anpassen lassen wollen. Es kam ein Gutachter, der von Eerdmans bestellt worden war. Das Schiff wurde wohlwollend taxiert und für in Topzustand befunden. Meine Vorstellungen waren, den Dampfer für 200000,- HFL (realistischer Marktwert)zu versichern. Überaschung kam, als Eerdmans sich partout weigerte, das Schiff höher als mit 170000,--HFL zu versichern.
Ich habe geschluckt und akzeptiert.
Ein interessanter Schadensfall bei uns im Hafen zwischen 2 Deutschen Eignern, die beide bei Niederländischen Versicherungsmaklern (zum einen EERDMANS und zum anderen KUIPER) versichert waren, hat dann einigen Leuten bei uns im Hafen die Augen geöffnet.
Das Drama fing schon an, einen niederländischen Advokaten zu finden, der gegen den größten , nämlich KUIPER, prozessieren sollte.
Es würde den Rahmen sprengen, hier in Details zu gehen.
Fakt ist, der Deutsche geschädigte Eigner hat gottseidank den finanziellen Background, den niederländischen Zivilprozeß durchzustehen, von seiner Versicherung ist er schnöde im Stich gelassen worden.
Fakt für mich: ab dieser Saison bin ich bei PANTAENIUS, zahle bei höherer marktgerechter Versicherungssumme zwar DM 250,-- mehr,
habe aber eine "TATSÄCHLICHE FESTE TAXE". Die hatte ich bei Eerdmans nach gründlichem Studium aber nur auf dem Papier.
Ob mein Schritt letztendlich richtig ist, kann ich heute nicht beurteilen, ich hoffe auch weiterhin, dass ich keinen Schaden regulieren muß. Ich habe nur aus dem obigen Schadensfall gelernt, dass es nichts schlimmeres gibt, als in den Niederlanden mit einem anderen Deutschen einen Schaden zu regulieren, wenn beide bei niederländischen Versicherungen oder besser Maklern versichert sind.

MfG Jürgen


[ Dieser Beitrag wurde von juerg1811 am 14.01.2002 editiert. ]

[ Dieser Beitrag wurde von juerg1811 am 14.01.2002 editiert. ]

Buchtenbummler
14.01.2002, 17:40
Original von juerg1811:
sich partout weigerte, das Schiff höher als mit 170000,--HFL zu versichern.

[ Dieser Beitrag wurde von juerg1811 am 14.01.2002 editiert. ]



Hallo ....es hätte vermutlich wenig genutzt, höher zu versichern, weil ja die Versicherung dann ggfls. "Übervrsicherung" hätte geltend machen können...und anteilig weniger zahlt...

Da muß man sehr genau überlegen und vergleichen, vor allem hinsichtlich der persönlichen Situation und Zielvorstellung....ich glaube kaum, daß man dazu hier per "Paukenschlag" was sagen kann.

Im "Fall" entscheidet es sich... tja...und ich hatte im Mai 2001 eine dramatische Geschichte, bei welcher ein griechisches Ausflugsschiff meine Yacht in einem Sturm mangels (deren) haltendem Anker (wir lagen nebeneinander in Lindos/Rhodos hinter der Steinschüttung/Mauer)
erheblich beschädigte. Die dramatischen Einzelheiten sparen wir uns.
Meine Versicherung jedenfalls hatte sofort einen Gutachter parat (erfreulicherweise nicht in GR, sondern einen Deutschen in TR)

Obwohl WIR die Geschädigten waren, sah es so aus, daß aufgrund der juristischen "Spitzfindigkeit" der Griechen (...) die Sache Jahre gedauert hätte (durchschnittliche Prozessdauer in ähnlichen Fällen in GR nach übereinstimmender Auskunft 10-12 Jahre..., mit allen nervtötenden Folgen wie Zeugen einfliegen lassen, plötzlich taucht (ganz überraschend...) ein (gegnerischer) Zeuge auf...usw.usw.
Die Gefahr einer "unendlichen Geschichte" mit höchst ungewissem Ausgang...(Vergleich? Oder wer weiß nach 10 Jahren noch, woher WIRKLICH der Wind kam...glaubt man meinen 16 (!!!) Zeugen, oder glaubt das griechische Gericht lieber dem armeen Griechen...)

Daher wurde die Sache als "Kaskoschaden" abgewickelt, zwar blieb ich dadurch auf gut 3.000 DM Eigenanteil sitzen, aber es erfolgte keine Rückstufung der Versicherung, und auch keine (bei Schäden mögliche!) Kündigung!
Das war das kleinere Übel...
Jedenfalls fand ich das Handling den Umständen entsprechend ok...Versicherung WüBa, Agentur Ako in München-Grünwald.

Informieren kostet nur ein wenig Zeit.

Ciao
Hans
SY Flexen Hex´n






--
Hans Steiner
www.holidaysailing.de
SY Flexen Hex´n /Marmaris -Türkei

juerg1811
14.01.2002, 18:00
Hallo Hans,
es lag mir fern, irgendeinen "Paukenschlag" loszulassen.
Dies ist ohnehin ein Thema, bei dem sehr wohl persönliche Erlebnisse nicht überbewertet werden sollten und immer das Vertragsrecht im Auge behalten werden muß.
Mein Beitrag sollte nur dazu dienen, bei den vielen deutschen Eignern in den Niederlanden, die bei den nachweislich preiswerteren niederländischen Maklern versichert sind, einen Denkanstoß zu bewirken.
Nicht nur ich, wie sich später herausstellte, auch etliche andere Hafenlieger waren doch über die Entwicklung bei dem anfangs zitierten Schadensfall ziemlich baff.
Letztendlich soll nicht unerwähnt bleiben, daß bei allen deutschen Übersetzungen immer der Satz drunter steht, daß letztendlich die Originalfassung in niederländisch gilt.
Deutsches Zivilrecht ist schon vom Feinsten, in den Niederlanden gibt es noch größere Feinheiten.

Mfg Jürgen

Buchtenbummler
14.01.2002, 18:14
Original von juerg1811:
, daß letztendlich die Originalfassung in niederländisch gilt.
Deutsches Zivilrecht ist schon vom Feinsten, in den Niederlanden gibt es noch größere Feinheiten.

Mfg Jürgen


..ich bin ja eigentlich kein Fußballfan, aber vielleicht haben die einfach zu lange an den Details gefeilt, und dann...*kicher*

Grüße
Hans
P.S: "Paukenschlag" war nicht gegen Dich oder jemand anderen gerichtet, sondern eine eher allgemeine Aussage zur Problematik

Rheinsegler
14.01.2002, 18:52
Hallo,

nach ausführlichem Studium von Versicherungsbedingungen habe ich nur eine Versicherung gefunden, deren Bedingungen fair sind: Pantaenius. Bei allen anderen sind Fallen für den Kunden eingebaut.
Typische Beispiele:

1. Leistungsausschlüsse wegen
"anfänglicher Seeuntüchtigkeit" Was ist das und wie wiederlege ich das bei einem untergegegangenen Schiff?
"Ankern ohne Ankerwache" Das läuft auf ein generelles Ankerverbot hinaus, weil man nichtmal zum Essen in die Kneipe gehen kann ohne den Versicherungsschutz zu verlieren.
"fehlen von Befähigungsnachweisen" Völlig unnötig, da die Versicherung bei grober Fahrlässigkeit ohnehin nicht zahlen muß. Wenn keine grobe Fahrlässigkeit vorliegt, sollten solche Argumente nicht benutzt werden, um die Leistung zu verweigern.

2. Schlechtere Versicherungsbedingungen für die Maschinenanlage. Wenn z. B. durch ein Leck Wasser eindringt und die Maschine zerstört, das Schiff aber nicht sinkt, zahlen 90% aller Versicherungen nicht.

3. Die "Feste Taxe" ist alles andere als fest. Es finden sich Klauseln wie "Der Versicherungswert darf nicht höher liegen als der Zeitwert". Wie beweise ich den Zeitwert eines untergegegangenen Schiffes? Da ist der Rechtsstreit doch vorprogrammiert.
Oft findet sich auch ein Verweis auf den §87 VVG. Das VVG hat der Kunde natürlich genau studiert und weiß dshalb was er unterschreibt.
Pantaenius ist da eine positive Ausnahme. Die versichern bis zum Wiederbeschaffungswert (Neuwert) des Schiffes. Der ist bekannt und es kann keinen Ärger geben. Persönlich habe ich natürlich nur den Zeitwert versichert um nicht unnötig Geld für Prämien auszugeben.

Pantaenius ist zwar nicht der billigste, aber die Preise sind ok. Außerdem gibt es Sonderkonditionen für Mitglieder der Kreuzerabteilung (Halbierung der Selbstbeteiligung), das macht bei mir 50 Euro p.a. Preisvorteil, da ich natürlich den doppelten Selbstbehalt versichert habe.

Gruß

Alexander

Johannes
14.01.2002, 21:34
hallo alexander,

hast du auch die bedingungen der gruppenversicherung des trans-ocean angeschaut? ich werde mich zwischen dieser und pantaenius entscheiden müssen.
--
cuagn @ Forum, Johannes

Rheinsegler
15.01.2002, 00:18
Original von Johannes:
hallo alexander,

hast du auch die bedingungen der gruppenversicherung des trans-ocean angeschaut? ich werde mich zwischen dieser und pantaenius entscheiden müssen.
--
cuagn @ Forum, Johannes



Hallo Johannes,

nein, die Transocean kenne ich nicht. Meine Untersuchungen umfassen sicher nicht alle Anbieter am Markt. So ungefähr nach Nummer 10 hatte ich die Schnauze voll und bin zu Pantaenius gegangen.

Gruß

Alexander

michaelr
15.01.2002, 00:38
Hallo Leute,
hat jemand schlechte Erfahrungen mit Schomacker gemacht ?

Siehe: http://www.schomacker.de/


Bis demnächst,
Michael

Rheinsegler
15.01.2002, 10:44
Original von michaelr:
Hallo Leute,
hat jemand schlechte Erfahrungen mit Schomacker gemacht ?

Siehe: http://www.schomacker.de/



Bis demnächst,
Michael



Hallo,

Erfahrungen mit Schomacker habe ich keine. Der Blick auf die Kaskobedingungen zeigt aber einige typische Punkte die mir gar nicht gefallen:

Zu 1. Geltungsbereich

"Überschreitungen der Fahrtgrenzen sowie Transporte aller Art, sofern nicht in der Police genannt, sind eingeschlossen, sind aber zwecks Berechnung einer eventuellen Prämienzulage anzuzeigen."

Bedeutet im Klartext, daß die Versicherung für Überlandtransporte Prämienzulagen verlangen kann, ohne daß die Höhe solcher Zuschläge genannt wird.

Zu 4. Ausschlüsse:

"4.2.für Schäden durch Regen, Schnee, Hitze, Frost, Eis, durch Rost und Oxydation, Osmose, Elektrolyse, durch Fäulnis, Ungeziefer, Ratten und Mäuse, durch Bearbeitung und Reparatur und durch mittelbare, indirekte Schäden (z. B. Wertminderung und Beeinträchtigung der Rennfähigkeit)."

Bedeutet, daß die Versicherung nicht zahlt, wenn z. B. Frost ein Seeventil sprengt und das Schiff deshalb sinkt oder das Rigg runterkommt, weil ein Want korrodiert ist. Hier fehlt der Zusatz "an den unmittelbar betroffen Teilen" weshalb sich der Ausschluß auch auf solche Folgeschäden bezieht.

"4.4. für Diebstahl des Bootes auf dem Trailer, wenn dieser nicht durch Kastenschloß, Radkralle oder gleichwertige Vorrichtung gesichert ist.Gleiches glit für den Trailer selbst, sofern dieser gemäß Ziffer 2.4. mitversichert gilt;"

Bedeutet, daß Du nicht auf die Toilette darfst, wenn Du ein Trailerboot am Haken hast, ohne vorher eine Radkralle zu montieren.
Auch da ist Pantaenius deutlich kundenfreundlicher.

"4.7. für Schäden, weil der Führer des versicherten Fahrzeuges nicht im Besitz eines für das Fahrzeug und/oder für das Fahrtgebiet amtlich vorgeschriebenen Führerscheins ist."

Typischer Ausschluß, der sich bei fast allen Versicherungen findet. Bedeutet, daß die Versicherung nicht zahlt, wenn jemand ohne Führerschein das Boot stiehlt und dann damit strandet. Die Leistung wegen Diebstahl entfällt,weil das Boot ja wieder da ist, und die Leistung wegen Strandung entfällt, weil der Schiffsführer keinen Führerschein hatte.

Zu 17. Entschädigungsleistung

"17. Jede Partei dieses Vertrages kann verlangen, daß die Schadenhöhe durch Sachverständige festgestellt wird, wobei jede Partei die Kosten ihres Sachverständigen trägt, die Kosten eines evtl. Obmannes beide zur Hälfte. Die Feststellung der Sachverständigen ist verbindlich, wenn nicht nachgewiesen wird, daß sie offenbar von der Sachlage erheblich abweicht."

Da ist er wieder, der Fluchtweg aus der "Festen Taxe":
Die Versicherung hat das Recht die Schadenshöhe durch Sachverständige feststellen zu lassen. Bei einem untergegangenen Schiff ist da der Rechtsstreit vorprogrammiert, besonders wenn das Fahrzeug ein älteres Baujahr hat, und aufwendig restauriert wurde. Der Sachverständige der Versicherung wird sich am Baujahr orientieren und zu unglaublich niedrigen Werten kommen. Der Gegenbeweis ist so gut wie unmöglich, weil das Schiff ja nicht mehr da ist.


Allgemein:

Es wird immer wieder auf das VVG verwiesen, daß der Kunde nicht kennt. Damit sind dem Kunden die wahren Bedingungen in der Regel nicht bewußt. Klare Vereinbarungen ohne solche Verweise auf andere Bestimmungen sind vorzuziehen.


Gruß

Alexander

tomberger
15.01.2002, 12:05
Original von Johannes:
hast du auch die bedingungen der gruppenversicherung des trans-ocean angeschaut? ich werde mich zwischen dieser und pantaenius entscheiden müssen.


Die Entscheidung wird Dir leicht fallen, wenn Du dies hier liest: http://www.bluewater.de/masson.htm


Die Agentur "Siegfried Preuss Inh. Fr. Masson", mit der der TO den Gruppenvertrag hat, scheint es nicht mehr zu geben, denn die bestehenden Verträge wurden gekündigt (an die Heimatanschrift der Versicherungsnehmer!), und die Agentur reagiert nicht mehr auf Nachfragen.

Tom Berger (bei Pantaenius versichert)

Johannes
15.01.2002, 16:52
ja tom,

genau so ist es. ich habe die story heute früh ebenfalls gelesen und mir dabei überlegt, wie einem dabei wohl zu mute ist, als versicherter. letztes jahr, bei meinen vorabklärungen war diese agentur noch voll im rennen. die bedingungen waren tatsächlich nicht schlecht, in einigen punkten sogar unschlagbar. so zum beispiel versicherungsschutz (Kasko) auch bei einhandetappen und auch das unbeaufsichtigte ankerliegen war drin.
trotzdem vielen dank tom, für deinen hinweis. für solches ist das forum hier einfach unschlagbar. wir sollten es pfleglich behandeln.
--
cuagn @ Forum, Johannes

michaelr
19.01.2002, 18:05
Hallo Alexander,
vielen Dank für die ausführlichen Informationen. Diese Punkte waren sehr interessant und haben dazu geführt, das ich die Versicherung jetzt gewechselt habe.

Michael