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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Flüchtlinge Boat People in Seenot- Was dann?



Catweasel
08.03.2004, 17:23
Hi,

segle im April durch die Straße von Otranto.
Wüßte gerne mal was Ihr in folgender Situation tun würdet:

Stellt Euch vor, nachts, Menschenschmuggler werden aufgespürt und schmeißen die armen Typen über Bord, Ihr seht einen oder mehrere treiben.
Klarer Fall, Menschen in Lebensgefahr, also helfen. Doch dann? Wohin? Wie macht man den Behörden klar das man nicht selbst der Menschenschmuggler ist?....

Usw.

Wie ist die Rechtslage?

Zugegeben unwahrscheinlich aber nicht ganz unmöglich.

Bin auf Eure Meinung gespannt!

Kaspar

BuBu
08.03.2004, 17:43
als ich vor Jahren nächtens die italienische Küste langschipperte, um die Flexen Hex´n zu überführen, wurde ich von einem Coast Guard Boot mit furchterregender Kanone umkreist... Megaphonbefragung... mulmig war schon...

im beschriebenen Fall würde ich sofort per Funk Notrufe absetzen und die Situation schildern, keinesfalls weitersegeln, sondern abwarten, bis die Küstenwache kommt, und die Sache klärt.
Menschenleben retten geht vor, aber man sollte (in eigenem Interesse) vermeiden, in eine zweideutige Situation zu kommen - vorscihtshalber würde ich mir die Telefonnummern der lokalen Behörden besor´gen und der Botschaft, so daß ich vom Handy aus parallel Dritte und Behörden (in meiner Sprache!) informieren kann, was los ist abgesehen davon: diese Boat People sind evtl. auch nicht so ganz "ungefährlich"... hoffe, daß das Dir (und mir) nie passiert (in TR haben wir das Problem ja auch!)

Grüße
Hans



--
www.sonnenkoenig.de.ms

Nelson
09.03.2004, 12:38
Wirf die Rettungsinsel rein, laß das Dinghy zu Wasser, aber nimm niemanden an Bord! Es könnte auch eine Falle sein. Funke Hilfe an und bleibe in sicherem Abstand!
--
Und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel

loopo
09.03.2004, 20:50
hallo kaspar,

selbstverständlich sind wir in solchen situationen im rahmen unserer möglichkeiten zur hiflefleistung verpflichtet.
ich rate dir auch auf jeden fall per funk die (italienischen) behörden zu informieren, wenn nötig beiboot und / oder rettungsinsel zu wasser lassen und auf unterstützung warten.

keinesfalls würde ich einen oder gar mehrere schiffbrüchige an bord nehmen und mich damit einer gefährlichen situation aussetzen.

deine beiträge hier lassen darauf schliessen dass du jegliches risiko für dich und deine crew ausschliessen willst. ich bin da voll auf deiner seite. vorsicht war schon immer besser als nachsicht.

zu deinem beitrag `albanien - sicherheit?` habe ich noch folgende infos für dich:

http://www.bmaa.gv.at/view.php3?f_id=2180&LNG=de&version=&dv_staat=2


viele grüsse

georg alias loopo

yassou
10.03.2004, 17:30
Hallo Kaspar

Wenn es über UKW nicht klappt, gibt es für ganz Italien eine Handynummer die man im Notfall wählen kann. Die Nummer ist für genau solche Notfälle eingerichtet und mit jemanden der Englisch spricht besetzt.

Leider habe ich meine Unterlagen an Bord. Aber vielleicht kann jemand aus dem Forum die Nummer nennen.

Ansonsten wünsche ich uns diese Situation wirklich nicht, ich glaube da kann man sowieso kaum helfen. Ich hab mal versucht in der Türkei ein paar Urlauber kurz hinter dem Hafen von Knidos aus dem Wasser zu ziehen - das war schon bei Windstille eine schwierige Prozedur. Ich glaube, Rettungsmittel ins Wasser werfen ist erst mal ok, und dann kann man je nach Lage der Dinge sehen was möglich ist.

Michael43b
10.03.2004, 18:00
Original von loopo:
hallo kaspar,

selbstverständlich sind wir in solchen situationen im rahmen unserer möglichkeiten zur hiflefleistung verpflichtet.
ich rate dir auch auf jeden fall per funk die (italienischen) behörden zu informieren, wenn nötig beiboot und / oder rettungsinsel zu wasser lassen und auf unterstützung warten.

keinesfalls würde ich einen oder gar mehrere schiffbrüchige an bord nehmen und mich damit einer gefährlichen situation aussetzen.

deine beiträge hier lassen darauf schliessen dass du jegliches risiko für dich und deine crew ausschliessen willst. ich bin da voll auf deiner seite. vorsicht war schon immer besser als nachsicht.

zu deinem beitrag `albanien - sicherheit?` habe ich noch folgende infos für dich:

http://www.bmaa.gv.at/view.php3?f_id=2180&LNG=de&version=&dv_staat=2



viele grüsse

georg alias loopo



Hallo,

ich glaub es ja nicht, ihr macht unterschiede in der hilfe von im wassertreibenden personnen, macht ihr vorher auch noch einen deutsch test.
mensch gebt eure scheine und schiffe wieder ab.
helfen und retten ist in seenot die erstpflicht, ich hoffe das ihr dan auch mal in not kommt,einer kommt und sagt oh deutsche, ihr könnt euch ans heck hängen aber nicht weiter.
ich hoffe dann nur das einer sich euren schiffsnammen merkt und ihr euch dann vorm seeamt wieder findet.
also wenn euch das gebiet zu gefährlich, fahrt eben nicht in das gebiet ,aber wenn ihr da fahrt bitte auch in aller konsequens.
aber imwegschauen sind wir ja weltmeister.

Michael

moganero
10.03.2004, 19:07
Original von Catweasel:
Hi,

segle im April durch die Straße von Otranto.
Wüßte gerne mal was Ihr in folgender Situation tun würdet:

Stellt Euch vor, nachts, Menschenschmuggler werden aufgespürt und schmeißen die armen Typen über Bord, Ihr seht einen oder mehrere treiben.
Klarer Fall, Menschen in Lebensgefahr, also helfen. Doch dann? Wohin? Wie macht man den Behörden klar das man nicht selbst der Menschenschmuggler ist?....

Usw.

Wie ist die Rechtslage?



Hallo, Kaspar,

Deine Fragestellung ist nicht korrekt, obwohl ich begreife, was Du sagen willst - nicht Flüchtlinge in Seenot, sondern schlicht Menschen in Seenot muss es heissen.

Der Begriff Seenot ist ganz einfach und völlig eindeutig definiert und kennt keine Abstufungen etwa nach dem Schema

- Seeleute in Seenot
a) aus westlichen Industrienationen
b) Philipinos u.a.
- Sportbootfahrer in Seenot
- Flüchtlinge in Seenot

Seenot ist ein Fall von Leben und Tod und unverzüglich ist jede mögliche Hilfe zu leisten.
Unsere von uns allen so heissgeliebte und stolz vorgezeigte DGzRS demonstriert, dass dies auch unter Einsatz der eigenen Unversehrtheit geleistet wird. Freiwillig zwar, aber ohne jedes Zaudern. Von bezahlten und von freiwilligen Rettern.

Ich lese Deinen Beitrag so, dass Du dies auch nicht wirklich infrage stellst?

In dem von Dir geschilderten Fall gälte es also ohne zu Zögern alles zu tun, um den oder die Leute aus dem Bach zu ziehen. Das meint nicht nur Rettungsmittel werfen und im übrigen abwarten!
Auch im MM (im April!) kann man an Unterkühlung, an Schock, an Schwäche und Erschöpfung sterben.
Diese Rettung kann bereits schwierig genug werden.

Eine zweiter Schritt, wenn möglich zeitgleich, ist es, über UKW auf jeden Fall eine Securité-Meldung "An alle Schiffe in der Umgebung ..."(Position)herauszugeben, um bei der Aktion gegebenfalls Hilfe zu haben. Womöglich braucht jemand einen Arzt oder schnellere Versorgung, als wir in der Lage sind zu gewährleisten.
In jedem Fall würden wir dann gleich um Information der staatlichen Behörden bitten, was der Grossschifffahrt mit ihren professionellen Seefunkanlagen (nicht alle Yachten haben GW-Geräte)problemlos möglich ist.

Und im dritten Schritt können wir unsere funktechnischen oder Handy-Möglichkeiten nutzen, um alle möglichen Stellen, z.B. auch ein deutsches Konsulat, wenn`s sonst Sprachprobleme gibt, über den Vorfall zu informieren.

Ich halte die Fehlinterpretation durch staatliche Stellen in dem Fall für eher unwahrscheinlich.
Eine mögliche Gefährdung durch die Geretteten ebenfalls, selbst wenn es mehrere sind.

Die Flüchtlinge sind in der Regel keine Kriminellen, sie sind verängstigt und verunsichert. Wenn sie im Bach gelegen und mit knapper Not lebendig davongekommen sind, werden sie physisch kaum in der Lage zu Gewaltakten sein. Zudem ist ihnen ein Segelboot eine Buch mit sieben Siegeln: nie könnten sie navigieren, nie sicher an Land kommen; sie hängen völlig von dem Transporteur ab.

Abschliessend:
was Du für die Strasse von Otranto annimmst, kann Dir ebenfalls an den Südküsten Siziliens, in der Strasse von Gibraltar, an der ganzen MM-Küste Andalusiens bis Almeria und im Ostteil des kanarischen Reviers passieren.
Sooo unwahrscheinlich ist es also nicht und wird von Jahr zu Jahr wahrscheinlicher. Es ist also sicher richtig, sich mit dem möglichen Fall auseinanderzusetzen.

Aber bitte im Sinne von Michaels Botschaft (so schrecklich seine Orthografie auch wieder war): die gegenseitige Hilfe in Seenot bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens ist wohl das älteste und höchste Gebot der Seemannschaft und der maritimen Tradition.
Wer dies nicht wahren will, sollte seine "Seefahrt" auf Foren beschränken.

Dennoch wünsche ich Dir, dass Du diese Situation nie erleben magst und wünschte uns allen, dass es sie bald nicht mehr geben möge.

Gruss
W.

elkeh
10.03.2004, 19:26
Hallo W

hast ja recht aber wenn ichmich aufrege het es eben mit mir durch
und die orthographie leidet dann zum schluß noch mehr.
aber so ist es menschen aus seenot zuretten ist unsere
erste pflicht wen der fall eintritt.


Michael

Catweasel
11.03.2004, 17:05
Hey W,

klar ist mir das im Prinzip vollkommen egal wo die Leute herkommen.

Es geht nur rein um die Frage: Was dann, wenn Sie an Bord sind.

Evtl. ist das mit dem Rettungsboot (hab ich nicht!) und Funknotruf am besten.
Oder nach Albanien zurück, wollen Die armen Teufel aber aus nachvollziehbaren Gründen wohl nicht.

Schon mal von diversen Schiffen auf Irrfahrt mit dem Problem gehört?

Ich schon, zum Beispiel auch vor der Australischen Küste.

Gruß,

Kaspar

Catweasel
11.03.2004, 17:22
Noch was lieber W.

war etwas schnell mit meiner Antwort, Deine Antwort trifft es doch ziemlich gut!

Gruß

Kaspar

7seas
13.03.2004, 20:20
Original von moganero:[quote].....Eine zweiter Schritt, wenn möglich zeitgleich, ist es, über UKW auf jeden Fall eine Securité-Meldung "An alle Schiffe in der Umgebung ..."(Position)herauszugeben, um bei der Aktion gegebenfalls Hilfe zu haben. Womöglich braucht jemand einen Arzt oder schnellere Versorgung, als wir in der Lage sind zu gewährleisten.....

dem möchte ich nur noch korrigierend anfügen, dass wenn leute im bach liegen, es mit einer "securité"- meldung nicht getan ist. mob erfordert immer eine "mayday"- meldung.
--
Segler über 7seas

Nelson
13.03.2004, 20:53
Und für Micha der Hinweis: Mit dieser Methode wurdenschon Schiffe gekapert. Klar, man kann erst vor Ort entscheiden. Aber ein schwimmender Untersatz, Rettungsinsel, hilft sicher erst mal.
--
Und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel

moganero
13.03.2004, 20:58
Original von 7seas:


Original von moganero:[quote].....Eine zweiter Schritt, wenn möglich zeitgleich, ist es, über UKW auf jeden Fall eine Securité-Meldung "An alle Schiffe in der Umgebung ..."(Position)herauszugeben, um bei der Aktion gegebenfalls Hilfe zu haben. Womöglich braucht jemand einen Arzt oder schnellere Versorgung, als wir in der Lage sind zu gewährleisten.....

dem möchte ich nur noch korrigierend anfügen, dass wenn leute im bach liegen, es mit einer "securité"- meldung nicht getan ist. mob erfordert immer eine "mayday"- meldung.
--
Segler über 7seas


nun, Segler über die Meere, wenn ich mit eigenen Mitteln den oder die "Leute im Bach" herausholen kann, braucht es wohl tatsächlich keine Mayday-Meldung. Dann gebe ich eine Sicherheitsmeldung, um auf die Aktion aufmerksam zu machen und eventuell Hilfe für die weitere Versorgung zu finden (und gleichzeitig alle Welt und eben auch behördliche Stellen in Alarmbereitschaft zu versetzen).

Sollte ich jedoch auch den geringsten Zweifel haben, dass ich mit der Rettung allein fertig werde, dann werde ich sicherlich Mayday geben.

Ich war mal vom günstigsten Fall ausgegangen.

Gruss
W.

moganero
13.03.2004, 21:12
Original von Nelson:
Und für Micha der Hinweis: Mit dieser Methode wurdenschon Schiffe gekapert. Klar, man kann erst vor Ort entscheiden. Aber ein schwimmender Untersatz, Rettungsinsel, hilft sicher erst mal.
--
Und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel


...es sind auch in den mehr als hundert Jahren des Bestehens der DGzRS eine Menge guter Rettungsmänner umgekommen. Doch niemand macht diese Rechnung auf, wenn ein Notfall gemeldet wird.
Gerettet wurden in all diesen Jahren viele Tausend Menschenleben.


Und wenn wir vom Mittelmeer reden: es ertrinken jedes Jahr Hunderte von Flüchtlingen auf dem Weg zu den Küsten der europäischen Anrainerstaaten, die Zahl der bekanntgewordenen Fälle ist erschreckend.

Mir ist im Moment jedoch kein Fall aus den letzten Jahren geläufig, der eine unter solchen Umständen im MM gekaperte Yacht betrifft.

Gruss
W.