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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : YACHT-ONLINE: Abzocke Türkei...



BuBu
05.08.2004, 17:55
Ich beziehe mich mit nachstehendem Kommentar, der als email an den verantwortlichen Redakteur dieses Artikels ging, auf den Artikel: Abzocke Türkei: Wochenendsteuer in Kas vom 5.8.2004
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Hallo Herr Fritsch,

ich bin erstaunt über Ihren "reißerischen" Artikel, den ich sofort nachrecherchiere, Infos dazu folgen.

Es ist jedoch leider gängige Praxis, daß Segler in großdeutscher Selbstherrlichkeit ohne die weltweit eigentlich üblichen Ausklarierungsprozedur in der Türkei die griechischen Inseln besuchen.

Man kann es predigen so oft man will: die griechisch-türkische Grenze ist eine Außengrenze der EU und die (insbesondere von deutschen Charterern!!) ständig und trotzig geübte Praxis, diese Grenze ohne Aus- bzw. Einklarierungsprozedur zu überqueren, ist schlichtweg illegal!

Daß dies von BEIDEN, griechischen wie türkischen Behörden, bislang gegenüber Toursten höchst easy gehandhabt wird, obwohl es z.B. ein offenes Geheimnis ist, daß viele in der Türkei ansässige (Fahrten-)Segler ebenfalls illegal zum "Einkaufen" nach Griechenland fahren, um dort die wesentlich billigere Alkoholika, teilweise sogar zur Versorgung örtlicher Freunde zu beschaffen (=Schmuggel!) , wird bei dem üblichen Geschrei in dieser Richtung gerne unterschlagen...

Ich möchte bei der Ihrerseits präsentierten "Horrorgeschichte" nur zu gerne vermuten, daß die betroffenen Segler in grenzenloser Naivität oder Selbstherrlichkeit (mir können die nix...) von Kekova kommend nach Kastellorizon gesegelt sind, um dann nach Kas zu laufen, wo man sie schon händereibend erwartet hat, denn daß den Behörden in Kas dieses Verhalten ein Dorn im Auge ist, weiß man doch seit Jahren, und es wird - insbesondere von mir auf diversen Türkei-Info-Seiten - dringend davon abgeraten,

a.) ohne Aus- bzw. Einklarierung die Grenzen zu übersegeln
b.) direkt von GR/Kastellorizon nach TR/Kas zu laufen....

Wer so doof ist, direkt vor der Radarfalle der Polizei innerhalb der Ortschaft auf 150 zu beschleunigen, dem kann man auch mit reißerisch aufgemachten, tendenziösen Artikeln nicht helfen!

Es wäre sinnvoller, einmal den tatsächlichen Sachstand ausführlich darzulegen, und die Charterergemeinde darauf aufmerksam zu machen, daß nicht etwa sie im Recht sind, sondern das Recht etwas anderes verlangt, als die Meisten machen...

Zurecht zu kritisieren wäre m.E. die Praxis, daß die Türkei bei Besuchen ausländischer (griechischer) Charteryachten nur den Besuch EINES Hafens erlaubt, und dann das sofortige Verlassen der TR-Gewässer notwendig ist. Will man z.B. von Kos kommend in Bodrum einklariern um dann die türkische Küste nach Marmaris zu besegeln, muß man als GR-Charteryacht die volle Jahrescharterlizenz zahlen.

Während diese Praxis (erhöhte Gebühren) bei den Griechen ein ebenso lautes "Geschrei" der "Abzocke" hervorrief, hat sich über diesen Umstand noch nie jemand beschwert... seit GR von in TR-"ansässigen" Charteryachten keine erhöhte Einreissteuer mehr verlangt, sondern nur noch jede Behörde 15 Euro (auch illegal, aber eben nur 15 Euro), schweigt man darüber.

Kurzum: etwas mehr Sachlichkeit täte der ganzen Sache gut, und auch der Aufruf, doch dort zu chartern, wo man segeln will, oder eine YACHT-Initiative ins Leben zu rufen, die es eventuell LEGAL möglich macht, daß die beiden Grenzregionen ganz offiziell wechselweise besucht werden können. Wäre ja auch im "natürlichen" Sinne, denn der Wind begünstigt ja das Segeln einen Tag GR den anderen Tag TR usw.

Ich werde dieses Schreiben auch im Yachtforum veröffentlichen, vielleicht haben Sie ja Lust, das mal mit der Seglergemeinde "öffentlich" zu diskutieren...

Schöne Grüße
Hans-J.Steiner
www.charterpartner.com
www.reviertips-tuerkei.de.vu
www.holidaysailing.de
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[ Dieser Beitrag wurde von BuBu am 05.08.2004 editiert. ]

BuBu
05.08.2004, 18:03
Nachtrag, das stand nicht in der 1.email an Herrn Frisch:

es ist stark zu vermuten, daß der türkische Hafenkapitän schlichtweg das getan hat, was formal auch korrekt ist: er hat nämlich das alte türkische Transitlog, welches durch das Verlassen der türkischen Staatsgewässer ungültig geworden war, eingezogen, um dann ein neues Transitlog auszustellen, denn formal musste die aus Kastellorizon kommende Yacht ja einklarieren.
Es ist gängige Praxis in allen Hafenämtern, daß Samstags und Sonntags tatsächlich erhöhte Gebühren für das Ausstellen der Transitlogs fällig werden, daher holen die Charterfirmen ja bereits VORHER mit der Crewliste das Transitlog ab!

Womöglich hat also der Hafenkapitän garnichts "abgezockt", sondern einwandfrei gehandelt....

GANZ genau genommen könnte jeder Hafenkapitän auch hergehen, und verlangen, daß ALLE auf der Crewliste genannten Personen in seinem Büro erscheinen, er dann die Pässe vergleicht und erst dann das Transitlog aushändigt... in Praxis wir den Charterfirmen "geglaubt", und vorab ein "Blanko"-Transitlog abgestempelt, welches dann niemand mehr kontrolliert, außer, man ist so doof... siehe oben...

Man möge vielleicht bedenken, daß die illegale Ausreise (in die EU) mit einer Yacht nebst illegaler Wiedereinreise (in die Türkei) auch ganz ohne Yacht ein nicht so harmloses Vergehen ist, wie Manche/r meint... theoretisch hätte die Hafenpolizei die illegal ausgereiste und wieder einreisende Crew erst einmal wegen Grenzverletzung festhalten können... Näheres dazu dürften Juristen ausführen können...
Grüße
Hans
--
www.sonnenkoenig.de.ms

[ Dieser Beitrag wurde von BuBu am 05.08.2004 editiert. ]

HANSJUERGEN
05.08.2004, 22:08
HAllo Bubu,
da kann ja noch vielauf uns zukommen!
Der Bodensee ist auch Außengrenze der EU.
Wenn da erst mal fleißige Beamte dahinterkommen!!!!
Au Backe!
--
Hansjürgen

gundel2
05.08.2004, 22:41
Wenns stimmt, was er schreibt ( was ich glaube ), hat der Bubu recht. Ich war 93 in dem Eck, und schon damals hieß es, Kas _ Kastellorizon geht zwar, aber nur , weil keiner kontrolliert.
Ob die Verfolgung des " Rechtes " sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

skipklaus
06.08.2004, 00:09
Original von HANSJUERGEN:
HAllo Bubu,
da kann ja noch vielauf uns zukommen!
Der Bodensee ist auch Außengrenze der EU.
Wenn da erst mal fleißige Beamte dahinterkommen!!!!
Au Backe!
--
Hansjürgen

Schon mal was von Kondominium gehört? Das ist Grundstoff fürs Bodenseeschifferpatent. Klarieren ist zwar nicht, aber der Zoll kann jederzeit kontrollieren. Sowohl auf dem See wie an Land. Hast du noch nie die neugierigen Fernstecher in manchen Häfen, z.B. Gohren, gesehen?

skipklaus
06.08.2004, 00:12
Bubu hat völlig recht. Da meinen manche, sie müssten sich über alles und jeden hinwegsetzen und wenn sie erwischt werden, laut lamentieren. Etwas sorgfältiger und objektiver Journalismus wäre da schon angebracht. Grenzen sind nun mal Grenzen und das Verhältnis Griechenland-Türkei seit vielen Jahrzehnten bedingt durch die Historie nicht das Allerbeste. Sobald dann einer dieser Beamten seine Pflichten einhält, geht das grosse Geschrei los.

[ Dieser Beitrag wurde von skipklaus am 06.08.2004 editiert. ]

BuBu
06.08.2004, 09:54
Sehr geehrter Herr Fritsch,

unser türkischer Lizenzagent teilt uns zu Ihrem Artikel Folgendes mit:
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Die Sache mit den Überstunden der Zollbeamten in Kas sieht aus dem
rechtlichen Aspekt so aus :

Nach dem Zollgesetz 4458 Artikel 819 bis 823 wird jedes Jahr vom
Zollministerium eine Gebühr für Zollbehörden festgestellt, die ausserhalb
der öffentlichen Dienstzeiten (Montag bis Freitag von 09:00 bis 17:00)
faellig ist. Bei grösseren Haefen wie Bodrum, Marmaris, Datca, Fethiye, oder
Antalya wird diese Gebühr von den Marinas oder Werften ausgeglichen, so dass
sie von den Yachtsleuten nicht mehr einkassiert wird. Da es aber in Kas
keine Marina gibt, wird diese Gebühr von den Yachten einzeln verlangt. Diese
Gebühr wird direkt an das Zolldirektorat in Antalya geschickt und monatlich
pro rata an die Beamten ausgezahlt.

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Soweit zum Frage der "Abzocke" - es handelt sich um eine ganz normale
Gebühr, wie diese auch bei uns fällig wird, wenn man außerhalb der
Dienstzeiten etwas von einem deutschen Beamten möchte...

Vielleicht korrigieren Sie Ihren ja Artikel dahingehend... in Memoriam Ernst
Egon Kisch ;-)



Grüße
Hans-J.Steiner
www.charterpartner.com
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--
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P.S: Übrigens sorry, ich habe das Thema versehentlich im falschen Oberthema gepostet...war keine Absicht


[ Dieser Beitrag wurde von BuBu am 06.08.2004 editiert. ]

BuBu
06.08.2004, 14:28
Ich habe dieses Thema parallel mit dem verantwortlichen Yacht-Redakteur diskutiert.

Dabei finde ich es bedenklich, daß eine angesehene Branchenpostille es immer noch nicht für nötig befunden hat, eine fast schon beleidigende Artikelüberschrift über einen sachinhaltlich FALSCHEN Artikel zumindest umzuschreiben und in einer weniger polemischen Weise zu berichten! "Abzocke" ist ein ziemlich hartes Wort, vor allem, wenn es ja nicht zutrifft....

"Abzocke in der Türkei" ist m.E. eine Beleidigung der betreffenden Personen und Behörden sowie des Landes, vor allem, wenn man doch anhand der türkischen gesetzlichen Vorschriften nachgewiesen sieht, daß der Sachverhalt sich zumindest differenziert(er) darstellt, und nicht in der beschriebenen, schlichtweg falsch bewerteten Weise!

Denn die erhobene Gebühr ist eben NICHT "fadenscheinig begründet" und "erfunden", sondern findet ihre Grundlage in türkischen Gesetzen. Und es gelten halt immer die Gesetze des Gastlandes.

Insofern wäre es sicherlich im Sinne einer seriösen Berichterstattung, wenn man polemische Überschriften dieser Art spätestens dann gegen sachlichere austauscht, wenn man den WAHREN Sachverhalt kennt... daß man ihn NICHT kennt, kann man ja nicht behaupten... oben steht er ja, mit Quelle und Paragrafen... was will man mehr?

Warum ich mich "aufrege"?
1. ärgere ich mich prinzipiell über diese (leider sich extrem verbreitende) Art des oberflächlichen und effekthaschenden "Journalismus", der einen Sachverhalt nicht hinreichend recherchiert zum Anlaß nimmt, polemische Artikel zu veröffentlichen

2. ist es ein tatsächliches Ärgernis für die Charterfirmen vor Ort (und damit auch mich), wenn Chartergäste mit solchen Artikeln geradezu herumwedeln, und die eigentlich sehr legere Handhabung öffentlicher Verfahrensweisen damit unnötig verschärfen!

Wir müssen uns nicht wundern, wenn ein Hafenkapitän oder Immigration-officer zukünftig alle Mann einer Crew antraben lässt, um "Dienst nach Vorschrift" alle Pässe akribisch zu kontrollieren.... wir müssen uns nicht wundern, wenn demnächst Zollbehörden (wie man das von anderswo kennt!) nicht nur freundlich lächeln, sondern einen Besuch an Bord machen, BEVOR man das Schiff verlässt.... und das Warten auf den Beamten kann dauern!

Spätestens nachdem einige "oberschlaue" Crews mit dem Wort "Abzocke" im Mund aufgetreten sind, schlägt das (türkische) Imperium zurück - was das deutsche übrigens auch täte....

Daher, werte YACHT-Redaktion: erkennen Sie, daß Sie mit dieser Überschrift und dem Inhalt des Artikels über das Ziel hinausgeschossen sind, was einem aufgeregten, empörten Forumsteilnehmer möglicherweise als Privatperson noch nachgesehen werden kann, nämlich ab und zu etwas "zu harsch zu formulieren", sollte in einer professionellen Redaktion eigentlich nicht geschehen!

Und wenn man dann sieht, daß eine Meldung eine "Ente" (oder zumindest ein Entchen) ist, sollte man den Mut besitzen, das sofort zu korrigieren oder differenzierter darzustellen - online wäre das doch ein Klacks...

findet Euer
Hans, BuBu


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[ Dieser Beitrag wurde von BuBu am 06.08.2004 editiert. ]

Ausgeschiedener Benutzer
06.08.2004, 15:50
das wort "abzocken" wird derzeit in unserer gesellschaft sehr gern, sehr schnell, und vor allem sehr unkritisch benutzt. da kann ich fünf bis acht lieder singen...
es täte uns allen sehr gut, nachzudenken, bevor solche worte in den raum gestellt werden. auch wenn´s scheinbar begründet ist.[white]

[ Dieser Beitrag wurde von avivendi-3 am 06.08.2004 editiert. ]

MeisterEder
06.08.2004, 15:57
...sollte man meinen, aber wenn`s nicht auf der "to do - Liste"
steht ??
Nachbessern, Entschuldigen ...das kann dauern .....

"Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat!" (Wilhelm Busch)

Edelstoff
07.08.2004, 18:23
[quote]
Original von avivendi-3:
das wort "abzocken" wird derzeit in unserer gesellschaft sehr gern, sehr schnell, und vor allem sehr unkritisch benutzt.
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

Investigations- Journalismus sollte man denen überlassen, die
da besser recherchieren. oder ?

Veleta
08.08.2004, 12:53
Herzu kann ich nur sagen: Wer Reisen macht, soll sich an die landesüblichen Gepflogenheiten anpassen. Dasselbe erlebe ich täglich in den Klarierungsbüros in der Karibik. Hier geht es sowohl um die Immigration, wie auch den Zoll. Viele so genannt `Gescheite` versuchen an den Steuern und den Klarierungsgebühren vorbei zu kommen. Doch wenn sie dann mal erwischt werden, die breitbrüstigen Segler, dann geht das Geheule los. Beachtet mal den Sinn der `Q-Flagge`. Es geht wohl sehr vieles, auch illegales, doch eben, die Rechnung, schlussendlich geht selten auf, denn irgendwo sitz auch in der Hitze ein Beamter, der es leid ist, immer betrogen zu werden.
Mein Tipp: Haltet euch an die Hausregeln des jeweiligen Landes, oder setzt die Gepflogenheiten mal in eure nächste Umgebung um.
Gruss
Thomi


[ Dieser Beitrag wurde von Veleta am 08.08.2004 editiert. ]