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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ist dieses Forum sinnvoll?



hansgold
09.04.2005, 09:56
Moin Moin
Zuerst mal an Harald
Ich war im waremen Gewässern Sprich Karib uterwegs, war leider arbeit, da ich zwei Familien neureich ein bischchen spazierensegeln mußte und die Gäste leider eher -vorsichtig ausgedrückt- unsympatisch waren.
Zum Thema:
Was soll dieses Forum bezwecken? Sagen wir uns hier gegenseitig guten Tag oder was? könnten wir besser über E mail machen.
Als ich das Forum "entdeckt" habe dachte ich mir klasse, Erfahrungsaustausch, Tipps etc. Ist leider nicht.
Wünschen würde ich mir ein Disskusionsforum zum Thema SEgeln mit Handycap wo auch mal über inhaltlich disskutiert wird zb über Sinnhaftigkeit, auf anderer Ebene wie Queerposter ein paar Threads weiter unten.
Oder über Törns mit Infos zu Häfen etc( Ist ein echtes Handycap im Sommer mit Rolli oder so er 4. im Päckchen zu sein.
Dann immer noch interessant, was tun bei medizinischen Notällen auf dem Wasser.
Wo hört die No Risk no Fun Einstellung auf und wird es Leichtsinn?
Beruflich habe ich ebenfalls mit gehandicaptenLeuten zu tun, bin also bei Menschen mit Behinderung durchaus am Thema.
Lass uns mal über den Sinn dieses Forums disskutieren.
MFG
H-W

H-rald
11.04.2005, 07:52
Moin hansgold,

schwere Fragen auf leerem Magen.

Ich werd mal versuchen ein paar Antworten zu finden. An der Sinnhaftigkeit zweifel ich aber nicht, es hat schon Kontakte und materielle sowie finanzielle Unterstützung gebracht.

Ich melde mich später noch zum Thema.

Mast- und Schotbruch wünscht Harald

H-rald
11.04.2005, 09:51
Hallo hansgold zum zweiten,

ich stell Dir unser Konzept rein (Auszug):

Konzept arbeitsbegleitende Maßnahme: Segeln am Dümmersee
1. Zielgruppe:
Die Teilnahme steht allen Beschäftigten aus den Osnabrücker Werkstätten offen.
Das Angebot richtet sich in erster Linie an Beschäftigte mit erhöhtem Hilfebedarf und Verhaltensauffällige.
Voraussetzung ist selbständiges Sitzen über einen längeren Zeitraum.
2. Organisation:
Das Segeln findet seit 1999 von April bis Oktober wöchentlich freitags von ca. 8.00 Uhr bis 13.00
Uhr am Dümmersee statt.
Beteiligt sind die Werkstätten Sutthausen, Schledehausen und Hilter, von denen auch die Fahrzeuge
zur Verfügung gestellt werden. Bei eigener Anreise und nach Rücksprache wird das Angebot auch
auf die anderen Werkstätten bzw. OSNA-Techniken erweitert.
Es können max. 16 Beschäftigte und zwei Betreuer mitfahren, dabei ist es zwingend notwendig, dass
ein Betreuer im Besitz eines gültigen Segelscheines ist. Aus diesem Grund wurde von den
Osnabrücker Werkstätten im Jahr 2003 eine Segelausbildung finanziert. Zur Zeit stehen zwei Betreuer
mit einer entsprechenden Ausbildung zur Verfügung, dadurch ist auch gewährleistet, dass die
Maßnahme kontinuierlich angeboten werden kann.
3. Finanzierung und Technik:
Die Kosten werden hauptsächlich durch die teilnehmenden Beschäftigten getragen (3,50 Euro).
In sozialen Härtefällen wird kein Kostenbeitrag erhoben. Die Kosten für das Boot belaufen sich auf
41,- Euro pro Tag.
Unterstützt wird das Angebot von der Druckerei Scholten, Melle mit zuletzt 100,- Euro in der Saison.
Als Boot steht ein „S-Kreuzer“ der Segelschule „Godewind“ Dümmerlohausen zur Verfügung. Das
ist ein offenes Segelboot, welches rechts und links über je eine Sitzbank verfügt, auf denen bequem
Platz genommen werden kann.
Technische Daten:
Länge: 770 cm
Breite: 245 cm
Gewicht: 750 kg
Segelfläche: 24 qm
Spinnaker: 32 qm
Bei Flaute dient ein E-Motor als Antrieb.
4. Pädagogische Ziele:
Im Allgemeinen verbindet man Segeln mit Hobby und Freizeitgestaltung.
Doch Segeln bietet wesentlich mehr Ansatzmöglichkeiten, besonders aus therapeutischer und pädagogischer
Sicht. Auf einem Segelboot, als abgeschlossene räumliche Einheit, kann u. a. das weite
Feld sozialen Handels erlernt werden. Grundlage jeder praktische Arbeit ist die Bereitschaft zur
Kooperation. Ein Miteinander ist erforderlich, um das gemeinsame Ziel zu erreichen und jede Handlung
bekommt eine unverzichtbare Bedeutung.
Auf diesem Weg wird der Sinn des Einhaltens von Regeln und Strukturen deutlich. Diese Prozesse
tragen maßgeblich dazu bei, dass Fähigkeiten im Umgang mit Wind, Wetter und dem Schiff erlernt
werden und die eigene Leistungsfähigkeit, häufig gekoppelt mit Erfolgserlebnissen, gesteigert wird.
Selbsterfahrungen finden statt und steigern das Selbstwertgefühl. Auch Frustrationen werden durch
die Gruppe aufgefangen und kompensiert, denn auf einem Boot kommt es auf jeden an.
4.1. Kognitiver Bereich
Im Gegensatz zu theoretischen Lernsituationen werden auf dem Segelboot Fertigkeiten und Kenntnisse
praktisch vermittelt. Nicht das Lernen über den Kopf steht im Vordergrund, sodern das Lernen
über die Handlungen und Erfahrungen, die gemacht werden.
Einige Beispiele, in denen die Anwendbarkeit des erworbenen Wissens durch Erfahrungen direkt
erprobt werden kann:
- Seemännische Fähigkeiten (z.B. Segelmanöver und Regeln)
- Knotenkunde
- Handwerkliche Kenntnisse
- Allgemeine Umwelt- und Wetterkunde
- Förderung von Überblick über Handlungsabläufe, Einhalten von Arbeitsschritten und somit
Verbesserung der eigenen Handlungsplanung
4.2. Emotionaler Bereich:
- Förderung der eigenen Identität
- Steigerung des Selbstwertgefühls und Selbstbewusstseins
- Freude erleben und Motivation entwickeln
- Frustrationstoleranz entwickeln und vergrößern
- Mit eigenen Gefühlen (z.B. Angst) umgehen lernen
- Konfliktbewältigung erlernen und Kooperation/Kompromissbewusstsein bilden
- Sensibel werden für die Empfindlichkeiten der anderen
4.3. Sozialer Bereich:
- Verantwortung für sich und andere übernehmen und tragen lernen
- Ordnung und Regeln als Notwendigkeit erkennen lernen
- Zuverlässigkeit, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit als Bedingungen des gemeinsamen
Lebens erfahren und schätzen lernen
- Regeln als vereinfachend für das Zusammenspiel vieler erkennen
- Gemeinsame Arbeit erkennen können
- Kooperation und Verantwortungsbewusstsein entwickeln
- Vertrauensbildung und Kontakte herbeiführen und ermöglichen
- Kontaktmöglichkeiten, Kennenlernen anderer Segler etc. im Hafenumfeld
4.4 Motorischer Bereich:
Der Aufenthalt auf einem Segelboot stellt Anforderungen körperlicher Art an die Teilnehmer.
Die Eigendynamik eines Bootes, verlangt von jedem Teilnehmer, sich mit seinen Bewegungen entsprechend
einzustellen und anzupassen. Diese Anforderungen werden an das vestibuläre System und
an das Koordinationsvermögen gestellt. Für Menschen mit Koordinationschwierigkeiten bedeutet
das eine Herausforderung.
Ferner werden viele Sinneserfarungen ganzkörperlich wahrgenommen. Taktil aufgenommene Sinnesreize
wie z.B. Regen, Wind, verschiedenes Tauwerk und unterschiedliche Materialien können wahrgenommen
werden.
Das Halten, Ziehen und nachgeben von Schoten und Pinne sind propriozeptive Reize und verschaffen
eine Rückmeldung über den eigenen Körper, verbessern somit die Körperwahrnehmung und das
Körperbild. Ebenso sind diese wichtig zur Verbesserung von Muskeltonus, Druck- und Kraftdosierung.
Feinmotorische Fähigkeiten werden durch das Hantieren mit dem Tauwerk und das Stecken von
Knoten gefördert.
5. Schlussbemerkung:
Die arbeitsbegleitende Maßnahme „Segeln am Dümmersee“ stieß auf so große Resonanz, dass sie
im Jahr 2001 auf alle Werkstätten im Wechsel ausgedehnt wurde.
Höhepunkt war im Jahr 2002, zum 40-jährigen Jubiläum der Osnabrücker Werkstätten, ein Segeltörn
auf der Ostsee. Insgesamt 62 Beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legten auf den
Segelschiffen „Jonas von Friedrichstadt“ und „Petrine“ vom 1. bis 15. Juni insgesamt 475 sm (880
km) in dänischen und deutschen Gewässern zurück.

Ich hoffe das war jetzt nicht zuviel Text.

Wäre nett, Deine Meinung zu hören.

Bin auch schon mit einer Varianta und zwei Rollifahrern gesegelt. Bei Interesse kann ich Dir berichten.

Gruß Harald

Nelson-III
11.04.2005, 10:51
Meinst Du Deine Frage in Bezug auf Behinderte, oder das ganze Forum?

Zu letzterem kann ich was sagen:

Es kommt zwar viel Quatsch 8und man trägt ja mit der Zeit selbst dazu bei), aber wenn man den Unfug ausfiltert, bleiben auch 10 % (oder so) wiklich Sinnvolles übrig!

Also auf Deine Frage: Ja, das Forum ist extrem sinnvoll, nur sollten die Leute manchmal disziplinierter sein!
--
Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

H-rald
11.04.2005, 11:25
Tach Nelson III,

ich glaube Hansgold meint das Handicap-Forum

Handbreit Harald

Nelson-III
11.04.2005, 12:02
Da ist wirklich so wenig los, daß das nebenher auch anderswo laufen könnte, oder?
--
Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

H-rald
11.04.2005, 12:23
Nö Nelson,
es gibt doch Foren in Yacht-online, da ist noch weniger los

findet Harald

Nelson-III
11.04.2005, 12:49
Aber schau, zwei Threads von Swappi, zwei von Hansgold und einer von mir, der Rest ist von Dir. Du führst Monologe!

Das könnte auch anderswo geschehen, da würdet Ihr nicht stören. Macht aber so auch nichts!
--
Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

H-rald
11.04.2005, 12:53
Hey Nelson,

in welcher Beziehung stören wir denn

frägt sich Harald

arno1
11.04.2005, 14:56
Ich finde es sehr Sinnvoll und woanders reingepackt würde es nicht so auffallen. Meine Meinung.

Nur das es wenig genutzt wird ist Schade. Aber der Segelsport eignet sich auch nicht wirklich für körperlich oder geistig behinderte.
Ich bin selber behindert ( oder halt anders "normal" ) . Wir haben jetzt eine Segelwoche mit einem Plattbodenschiff auf dem ostfriesischen Wattenmeer für Multiple Sklerose erkrankte organisiert. Das ist nicht so einfach. Weil nicht alle mitkönnen. Ab einem bestimmten behinderungsgrad ist es nicht mehr möglich so eine Fahrt über eine Woche zu meistern.

Deswegen interessiert es mich wie man was machen kann.

Ich finde es Klasse wie ihr das bei euch händelt und was ihr den schwerbehinderten alles bietet. Hut ab ! Keiner hat es sich ausgesucht. Alle würden lieber ein normales Leben führen, das könnt ihr glauben. Aber es ist so wie es ist, und wenn nicht ein paar Leute den Mut hätten etwas mit den Menschen zu unternehmen würden sie, wie es früher war, garnicht rauskommen und sich verstecken.

Dieses Forum ist so eine Art Öffentlichkeitsarbeit in punkto Segeln mit behinderten und deswegen tatsächlich wichtig.

Wie gesagt. Meine Meinung.

--
http://www.sailorsinn.net

H-rald
11.04.2005, 15:43
Hallo arno 1

du bringst es auf den Punkt

Lieben Gruß Harald

hansgold
12.04.2005, 09:32
Mon Moin
Ups da komt ja eine Menge Resonanz,
Leiderhabe ich gerade keine Zeit, melde mich morgen ausführlicher zum Thema,find ich nämlich gut
MfG
H-W

H-rald
12.04.2005, 09:40
Schön H-W,

freu mich drauf.

Mast- und Schotbruch wünscht Harald

Nelson-III
12.04.2005, 10:52
Ihr stört überhaupt nicht Harald. Aber eben die paar Leute könnten überall kommunizieren.
--
Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Nobody_1
12.04.2005, 11:34
Original von Nelson-III:
Aber eben die paar Leute könnten überall kommunizieren.

Und warum sollten sie das machen?

Punkt 1: Ich denke stören tun in YF ganz andere Leute!
Punkt 2: Wer hier nicht mitlesen will, kann es bleiben lassen!
Punkt 3: Man könnte stattdessen den "Klönschnak" schließen!

Ich persönlich finde es toll, daß jemand soviel Engagement aufbringt wie Harald, für Menschen, die von der s.g. "Gesellschaft" gerne ausgeschlossen werden bzw. das Wort Handicap in erster Linie mit Golf in Verbindung bringen.

Gruß
--
Mundl

H-rald
13.04.2005, 10:17
Kommt keiner?

hansgold
13.04.2005, 10:43
Moin Moin
Hab gar nicht gedacht, das dieses Forum so viele Mitleser hat.

Zu Arno : ich steh fast immer auf dem Standpunkt behindert ist auch normal. Wenn sich Menschen egal mit oder ohne Behinderung eine Sache hier, segeln gehen ausprobieren möchten und Spaß daran finden, dann:wo ein Wille, da ein Gebüsch (oder so ähnlich)
Ich weiss, das klingt jetzt ziemlich flappsig und ich bin mir durchaus auch der praktischen Schwierigkeiten bewußt,aber meistens funktioniert das.
Harald, euer Konzept find ich gut.
Sind zwar für mich ein paar selbstverständlichkeiten eingebaut, aber ist ja ein Konzept und muß Menschen überzeugen. Ihr habt ja so gut wie nix ausgelassen.
Zur Zeit arbeite ich in einer Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung und stelle mir gerade auch aus ähnlichen Überlegungen heraus eine Segelgruppe vor.
Würde dafür gerne aus eurem Konzept das eine oder andere "klauen"
Habt ihr damit Probleme?
Bevor das bei uns an den Start gehen kann muß ich allerdings erst noch ein paar praktische Probleme klären.
Meine "Führerscheinagenda" fängt blöderweise erst beim BR Schein an,dadurch fehlt mir die Qualifikation ein Segelboot auf unseren Binnenpfützen(hier der Baldeneysee in Essen)zu leihen!!!??
Außerdem muß noch die Geschäftsführung überzeugt werden, das mE kleinere Problem, nach der Versicherung ,Haftung etc.
Bis jetzt habe ich, wenn ich mit Menschen mit Behinderung unterwegs war jedenfalls nur positive Erfahrungen gemacht.
Ich bin Eigner eines 8m älteren Segelbootes(ich weigere mich Yachten,auch wenn sie seegängig sind als Schiff zu bezeichnen)und bin beruflich und privat schon öfters mit geistig und oder körperlichbehinderten Menschen unterwegs gewesen.
allein die Steigerung des Selbstwertgefühls ein soooo großes Fahrzeug zu steuern und das hat geklappt ersetzt meiner Erfahrung nach etliche therapeutische Interventionen.(neben anderen Effekten siehe euer Konzept)
Privat bin ich oft mit einem jungen Mann der geistig und körperlich schwer mehrfach behindert ist unterwegs.Auch hier sehe ich viele Vorteile für ihn aber auch für mich.
Ich könnte jetzt dazu einen Menge über Homoöesthase, Vorteile des geringen Tempos, Sinneswahrnehmung,gesundheitliche Aspekte,wohlfühlerfahrungen,etc schreiben, aber brauch ich hier glaub ich nicht .
Ich habe mein Boot allerdings ein bisschen umgebaut. Ursprünglich einrichtung raus, für uns sinnvoll im Wohnwagendessin neu gebaut, hat den Vorteil,das ich die einrichtung relativ locker mit Säge und Hammer neu designen kann, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt.An Deck ein "paar" zusätzliche Augen für Taljen und Gurtzeug angeschweißt, mein Baum ist in kurzer Zeit als "Ladekran" (Rollstuhl im Tidenhafen) zu benutzen und son Krams mehr.
Wir sind viel auf dem IJsselmeer unterweges, ebenso im Watt und bei stabilen Wetterlagen auch auf der Nordsee.Küstentörns, "kleinere" Seetörns( England, Helgoland, Dänemark so in der größenortnung)
Natürlich gibts dabei auch Probleme die aus der Behinderung resultieren (möglichkeit eines Status epilepti.,höhere Krankheitsanfälligkeit ,die nicht vorhandene Möglichkeit der Selbstrettung bei meinem "Maat" etc)allerdings auch technische Schwierigkeiten wie "wo zum Teufel bekomme ich eine Rettungsweste die mit Sitzschale funktioniert, warum sind die Türen in den Sanitätsgebaüden in den Häfen so eng etc".
Und ja es gibt erhöhte Restrisiken die man nicht abstellen kann, mit denen man dann einfach leben muß.(wir mußten zb.in 03 drei Tage lang einen Weststurm auf der Nordsee abwettern, weil die Seegatten unbefahrbar waren,bei einem med. Notfall in der Zeit glaub ich nicht,das ich zb noch eine spritze hätte vernünftig setzen können)
Wie auch immer,trotzdem glaube ich, das die positiven Erfahrungen, die evt möglichen Kathasstrophen die vielleicht auftreten könnten, deutlich überwiegen,außerdem haben wir immer viel Spaß auf unseren Törns und das doch erhöhte Restrisiko ist tatsächlich unter "no risk no fun" zu verbuchen, auch wenn hier die gute Seemannschaft laut aufschreit.
So das zu meinen "Behinderten"segelerfahrungen.
Meine Frage im Trööt, ob dieser sinnvoll ist,hat sich aufgrund der Antworten schon fast erledigt.Als Sprachrohr hab ich ihn eigentlich nicht gesehen, aber ja unter diesem Gesichtspunkt ist er sinnvoll. Habe mir gerade mal vorgenommen unter diesem Gesichtspunkt mal eine Törnbeschreibung in 05 hierhinzustellen,dauert wohl noch etwas "dick seufz" Boot ist wegen Antriebsüberholung noch nicht im Wasser.
MFG
H-W

H-rald
13.04.2005, 11:10
Hallo H-W,

du bist ja sehr aktiv und wenn ich das richtig interpretiere, machst du das privat in deiner Freizeit. Hut ab - alle Achtung!

Ich bin auch in meiner Freizeit damit angefangen. Früher bin ich surfen gegangen, dann Familie, Kinder - schluß mit surfen. Viele Jahre später Kanadier geliehen, war begeister, Boot gekauft. Ich hab selbst zwei autistische Kinder (Fim "Rain Man" mit Dustin Hoffmann) total zappelig, die hab ich dann ins Boot gesetzt, und sie waren plötzlich ganz ruhig. Bin ein paar Jahre später durch Zufall an eine Varianta 65 gekommen. Kinder mitgenommen, gleiches Ergebniss - toll. Bekannte arbeitet in einem Wohnheim für Behinderte Menschen, fragte, ob ich die mal mitnehmen könnte zum segeln, klar, gemacht, vielleicht zwei drei mal. So ist das bei mir angefangen - wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man es kaum glauben. Meine Überzeugung war, man muß das Segeln mehr Behinderten anbieten. Nun mach ich es als arbeitsbegleitende Massnahme beruflich einmal in der Woche mit behinderten Menschen aus unserer Werkstatt. Der Erfolg hat uns Recht gegeben.

Mast- und Schotbruch Harald

hansgold
13.04.2005, 11:31
Hi Harald
Kurz nur, die Arbeit ruft
Klar bin ich viel privat mit meinem Maat unterwegs, ist aber mein Freund (Begriff bewusst gewählt) insofern keine Belastung sondern Bereicherung.
Segeln mit autistischen Menschen, na klar kommt zwar immer auf den Menschen an aber eigentlich immer gut.
Wenn ich autismus als Wahrnehmungsverarbeitungstörung sehe, können Erfahrungen auf einem Boot nur sinnvoll sein (wenig außenreize,Körperwahrnehmung möglich ohne selbstimulation möglich...wem erzähl ichs
MFG
H-W

Michael43b
13.04.2005, 15:30
Original von hansgold:
Moin Moin
Hab gar nicht gedacht, das dieses Forum so viele Mitleser hat.

Zu Arno : ich steh fast immer auf dem Standpunkt behindert ist auch normal. Wenn sich Menschen egal mit oder ohne Behinderung eine Sache hier, segeln gehen ausprobieren möchten und Spaß daran finden, dann:wo ein Wille, da ein Gebüsch (oder so ähnlich)
Ich weiss, das klingt jetzt ziemlich flappsig und ich bin mir durchaus auch der praktischen Schwierigkeiten bewußt,aber meistens funktioniert das.
Harald, euer Konzept find ich gut.
Sind zwar für mich ein paar selbstverständlichkeiten eingebaut, aber ist ja ein Konzept und muß Menschen überzeugen. Ihr habt ja so gut wie nix ausgelassen.
Zur Zeit arbeite ich in einer Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung und stelle mir gerade auch aus ähnlichen Überlegungen heraus eine Segelgruppe vor.
Würde dafür gerne aus eurem Konzept das eine oder andere "klauen"
Habt ihr damit Probleme?
Bevor das bei uns an den Start gehen kann muß ich allerdings erst noch ein paar praktische Probleme klären.
Meine "Führerscheinagenda" fängt blöderweise erst beim BR Schein an,dadurch fehlt mir die Qualifikation ein Segelboot auf unseren Binnenpfützen(hier der Baldeneysee in Essen)zu leihen!!!??
Außerdem muß noch die Geschäftsführung überzeugt werden, das mE kleinere Problem, nach der Versicherung ,Haftung etc.
Bis jetzt habe ich, wenn ich mit Menschen mit Behinderung unterwegs war jedenfalls nur positive Erfahrungen gemacht.
Ich bin Eigner eines 8m älteren Segelbootes(ich weigere mich Yachten,auch wenn sie seegängig sind als Schiff zu bezeichnen)und bin beruflich und privat schon öfters mit geistig und oder körperlichbehinderten Menschen unterwegs gewesen.
allein die Steigerung des Selbstwertgefühls ein soooo großes Fahrzeug zu steuern und das hat geklappt ersetzt meiner Erfahrung nach etliche therapeutische Interventionen.(neben anderen Effekten siehe euer Konzept)
Privat bin ich oft mit einem jungen Mann der geistig und körperlich schwer mehrfach behindert ist unterwegs.Auch hier sehe ich viele Vorteile für ihn aber auch für mich.
Ich könnte jetzt dazu einen Menge über Homoöesthase, Vorteile des geringen Tempos, Sinneswahrnehmung,gesundheitliche Aspekte,wohlfühlerfahrungen,etc schreiben, aber brauch ich hier glaub ich nicht .
Ich habe mein Boot allerdings ein bisschen umgebaut. Ursprünglich einrichtung raus, für uns sinnvoll im Wohnwagendessin neu gebaut, hat den Vorteil,das ich die einrichtung relativ locker mit Säge und Hammer neu designen kann, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt.An Deck ein "paar" zusätzliche Augen für Taljen und Gurtzeug angeschweißt, mein Baum ist in kurzer Zeit als "Ladekran" (Rollstuhl im Tidenhafen) zu benutzen und son Krams mehr.
Wir sind viel auf dem IJsselmeer unterweges, ebenso im Watt und bei stabilen Wetterlagen auch auf der Nordsee.Küstentörns, "kleinere" Seetörns( England, Helgoland, Dänemark so in der größenortnung)
Natürlich gibts dabei auch Probleme die aus der Behinderung resultieren (möglichkeit eines Status epilepti.,höhere Krankheitsanfälligkeit ,die nicht vorhandene Möglichkeit der Selbstrettung bei meinem "Maat" etc)allerdings auch technische Schwierigkeiten wie "wo zum Teufel bekomme ich eine Rettungsweste die mit Sitzschale funktioniert, warum sind die Türen in den Sanitätsgebaüden in den Häfen so eng etc".
Und ja es gibt erhöhte Restrisiken die man nicht abstellen kann, mit denen man dann einfach leben muß.(wir mußten zb.in 03 drei Tage lang einen Weststurm auf der Nordsee abwettern, weil die Seegatten unbefahrbar waren,bei einem med. Notfall in der Zeit glaub ich nicht,das ich zb noch eine spritze hätte vernünftig setzen können)
Wie auch immer,trotzdem glaube ich, das die positiven Erfahrungen, die evt möglichen Kathasstrophen die vielleicht auftreten könnten, deutlich überwiegen,außerdem haben wir immer viel Spaß auf unseren Törns und das doch erhöhte Restrisiko ist tatsächlich unter "no risk no fun" zu verbuchen, auch wenn hier die gute Seemannschaft laut aufschreit.
So das zu meinen "Behinderten"segelerfahrungen.
Meine Frage im Trööt, ob dieser sinnvoll ist,hat sich aufgrund der Antworten schon fast erledigt.Als Sprachrohr hab ich ihn eigentlich nicht gesehen, aber ja unter diesem Gesichtspunkt ist er sinnvoll. Habe mir gerade mal vorgenommen unter diesem Gesichtspunkt mal eine Törnbeschreibung in 05 hierhinzustellen,dauert wohl noch etwas "dick seufz" Boot ist wegen Antriebsüberholung noch nicht im Wasser.
MFG
H-W





Hallo H-W,

schreibe mich dochmal an ich gleube ich kann dir helfen.

Michael.

Michael43b
13.04.2005, 15:31
Original von Michael43b:


Original von hansgold:
Moin Moin
Hab gar nicht gedacht, das dieses Forum so viele Mitleser hat.

Zu Arno : ich steh fast immer auf dem Standpunkt behindert ist auch normal. Wenn sich Menschen egal mit oder ohne Behinderung eine Sache hier, segeln gehen ausprobieren möchten und Spaß daran finden, dann:wo ein Wille, da ein Gebüsch (oder so ähnlich)
Ich weiss, das klingt jetzt ziemlich flappsig und ich bin mir durchaus auch der praktischen Schwierigkeiten bewußt,aber meistens funktioniert das.
Harald, euer Konzept find ich gut.
Sind zwar für mich ein paar selbstverständlichkeiten eingebaut, aber ist ja ein Konzept und muß Menschen überzeugen. Ihr habt ja so gut wie nix ausgelassen.
Zur Zeit arbeite ich in einer Wohnstätte für Menschen mit geistiger Behinderung und stelle mir gerade auch aus ähnlichen Überlegungen heraus eine Segelgruppe vor.
Würde dafür gerne aus eurem Konzept das eine oder andere "klauen"
Habt ihr damit Probleme?
Bevor das bei uns an den Start gehen kann muß ich allerdings erst noch ein paar praktische Probleme klären.
Meine "Führerscheinagenda" fängt blöderweise erst beim BR Schein an,dadurch fehlt mir die Qualifikation ein Segelboot auf unseren Binnenpfützen(hier der Baldeneysee in Essen)zu leihen!!!??
Außerdem muß noch die Geschäftsführung überzeugt werden, das mE kleinere Problem, nach der Versicherung ,Haftung etc.
Bis jetzt habe ich, wenn ich mit Menschen mit Behinderung unterwegs war jedenfalls nur positive Erfahrungen gemacht.
Ich bin Eigner eines 8m älteren Segelbootes(ich weigere mich Yachten,auch wenn sie seegängig sind als Schiff zu bezeichnen)und bin beruflich und privat schon öfters mit geistig und oder körperlichbehinderten Menschen unterwegs gewesen.
allein die Steigerung des Selbstwertgefühls ein soooo großes Fahrzeug zu steuern und das hat geklappt ersetzt meiner Erfahrung nach etliche therapeutische Interventionen.(neben anderen Effekten siehe euer Konzept)
Privat bin ich oft mit einem jungen Mann der geistig und körperlich schwer mehrfach behindert ist unterwegs.Auch hier sehe ich viele Vorteile für ihn aber auch für mich.
Ich könnte jetzt dazu einen Menge über Homoöesthase, Vorteile des geringen Tempos, Sinneswahrnehmung,gesundheitliche Aspekte,wohlfühlerfahrungen,etc schreiben, aber brauch ich hier glaub ich nicht .
Ich habe mein Boot allerdings ein bisschen umgebaut. Ursprünglich einrichtung raus, für uns sinnvoll im Wohnwagendessin neu gebaut, hat den Vorteil,das ich die einrichtung relativ locker mit Säge und Hammer neu designen kann, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt.An Deck ein "paar" zusätzliche Augen für Taljen und Gurtzeug angeschweißt, mein Baum ist in kurzer Zeit als "Ladekran" (Rollstuhl im Tidenhafen) zu benutzen und son Krams mehr.
Wir sind viel auf dem IJsselmeer unterweges, ebenso im Watt und bei stabilen Wetterlagen auch auf der Nordsee.Küstentörns, "kleinere" Seetörns( England, Helgoland, Dänemark so in der größenortnung)
Natürlich gibts dabei auch Probleme die aus der Behinderung resultieren (möglichkeit eines Status epilepti.,höhere Krankheitsanfälligkeit ,die nicht vorhandene Möglichkeit der Selbstrettung bei meinem "Maat" etc)allerdings auch technische Schwierigkeiten wie "wo zum Teufel bekomme ich eine Rettungsweste die mit Sitzschale funktioniert, warum sind die Türen in den Sanitätsgebaüden in den Häfen so eng etc".
Und ja es gibt erhöhte Restrisiken die man nicht abstellen kann, mit denen man dann einfach leben muß.(wir mußten zb.in 03 drei Tage lang einen Weststurm auf der Nordsee abwettern, weil die Seegatten unbefahrbar waren,bei einem med. Notfall in der Zeit glaub ich nicht,das ich zb noch eine spritze hätte vernünftig setzen können)
Wie auch immer,trotzdem glaube ich, das die positiven Erfahrungen, die evt möglichen Kathasstrophen die vielleicht auftreten könnten, deutlich überwiegen,außerdem haben wir immer viel Spaß auf unseren Törns und das doch erhöhte Restrisiko ist tatsächlich unter "no risk no fun" zu verbuchen, auch wenn hier die gute Seemannschaft laut aufschreit.
So das zu meinen "Behinderten"segelerfahrungen.
Meine Frage im Trööt, ob dieser sinnvoll ist,hat sich aufgrund der Antworten schon fast erledigt.Als Sprachrohr hab ich ihn eigentlich nicht gesehen, aber ja unter diesem Gesichtspunkt ist er sinnvoll. Habe mir gerade mal vorgenommen unter diesem Gesichtspunkt mal eine Törnbeschreibung in 05 hierhinzustellen,dauert wohl noch etwas "dick seufz" Boot ist wegen Antriebsüberholung noch nicht im Wasser.
MFG
H-W





Hallo H-W,

schreibe mich dochmal an ich glaube ich kann dir helfen.

Michael.

H-rald
14.04.2005, 10:19
Moin hansgold,

ich habe kein Problem wenn Du unser Konzept übernimmst, ich kann Dir das Ganze auch als PDF-Datei senden.

Gruß Harald

H-rald
21.04.2005, 07:58
Moin zusammen,

keine Fragen mehr?

Mast- und Schotbruch - morgen geht es wieder los!

Harald

Selliner
21.04.2005, 15:12
Original von H-rald:
Moin zusammen,

keine Fragen mehr?

Mast- und Schotbruch - morgen geht es wieder los!

Harald





Viel Spaß wünsch ich euch.
Das Wetter soll ja gut werden.

--
http://groups.msn.com/SY-Shanty/pictures

dictator2
22.07.2005, 18:46
richtig Arnold ,habe jetzt etwas in älteren Beiträgen gestöbert und deinen gefunden ,sollten im Gespräch bleiben nuessisegel

IrrX
23.07.2005, 09:29
Das hier ist ein Segelforum (oder täusche ich mich da? ;)) und deshalb ist es gut, dass hier auch behinderte Menschen ihren Platz haben.
Ich finde es schon irgendwie aberwitzig, dass man sie hier ausgrenzen sollte, verstehe deshalb auch die Frage nicht.

Wenn diese Forums-Plattform von den behinderten Seglern (noch) nicht so angenommen wird, dann ist das deren Sache, aber vlt ändert sich das auch mit der Zeit.

Ich erwarte von einem Forum einen regen Austausch, egal mit wem. Und oft können wir von behinderten Menschen auch viel lernen. Sie meistern ihr Leben z.T. besser und pfiffiger als mir "Nicht"-Behinderten.

Gruß
IrrX

Giftmischerin
26.07.2005, 19:11
Hallo

ich lese hier regelmäßig mit und finde dieses Forum sinnvoll. Sicher könnte es manchmal mehr Informationen geben.

Gruß Birgit

H-rald
15.08.2005, 09:24
Hallo

ich lese hier regelmäßig mit und finde dieses Forum sinnvoll. Sicher könnte es manchmal mehr Informationen geben.

Gruß Birgit


Moin Birgit,

worüber würdest Du gern Informiert werden?

Mast- und Schotbruch wünscht Harald