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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ankern



agrefrath
19.05.2005, 15:59
Hi,

wer hat Erfahrung mit Ankern?

Fahren in die Türkei und um ehrlich zu sein, habe ich noch nie geankert mit ner Yacht.

Wie macht man das am besten mit "Ankerwache"? Ich meine, doch nicht die ganze Nacht jemand Schicht am Anker, um zu sehen, ob das Ding sitzt, oder?

Auf wieviel Meter ankert man am besten? Bug- und Heckanker oder nur ein Anker über den Bug?

Danke Euch.

Segelmatt
19.05.2005, 17:52
Doch, wir machen das so. Die ganze Nacht sitzt jemand auf dem Anker und wacht darüber. Seit es diesen tollen Freediver gibt, kein Problem mehr. Wird erst gegen Morgen ein wenig kühl.
In der Türkei geht das aber nicht. Warum weiß ich auch nicht. War noch nie da.
Nur ein Anker über den Bug reicht übrigens nicht. Man sollte eine Kette dranmachen. Wenn die dann auch noch irgendwie an Bord fest ist, wird´s schon...

Stari
19.05.2005, 18:09
Servus!
Hast Dir das alles auch gut überlegt? Willst Du wirklich mit so wenigen Kenntnissen (also Ankerkenntnisse zumindest bei Null) Verantwortung über ein Schiff übernehmen? Wäre es nicht eine viel bessere Idee, einen Kurs oder ein intensives Skippertraining zu buchen? In der Türkei gibts auch nette Clubs, da kann man segeln (All inclusive) und brauch nicht ankern!
LG

[ Dieser Beitrag wurde von Stari am 19.05.2005 editiert. ]

skipklaus
19.05.2005, 18:41
Au weh. Mit NULL Ahnung gleich eigenverantwortlich in die Türkei losziehen zum Ankern. Wenn man`s kann, kommt es einem einfach vor. Es gibt aber einige Dinge zu beachten, die hier in der Schnellbleiche wahrscheinlich nicht komplett rüberkommen.

Aber es gibt genügend Literatur darüber:

http://www.digitalvd.de/dvd/42264.html


"Richtig ankern" von Joachim Schult. Das Standardwerk meiner Meinung nach.

Les dir`s gut durch und beherzige die Ratschläge. Dann wird`s schon klappen.

In der Türkei ist es zudem üblich, vor Buganker und Heckleine zu liegen, da a) der Schwojkreis oftmals begrenzt ist und b) der Grund oft steil abfällt. Da empfiehlt es sich, die nächtlichen Fallwinde einzukalkulieren und das Schiff entsprechend mit dem Heck zum Wind auszurichten.
--
Fair winds and clear skies

micha-unterwegs2
19.05.2005, 18:46
Original von Stari:
Servus!
Hast Dir das alles auch gut überlegt? Willst Du wirklich mit so wenigen Kenntnissen (also Ankerkenntnisse zumindest bei Null) Verantwortung über ein Schiff übernehmen? Wäre es nicht eine viel bessere Idee, einen Kurs oder ein intensives Skippertraining zu buchen? In der Türkei gibts auch nette Clubs, da kann man segeln (All inclusive) und brauch nicht ankern!
LG


Ich glaube segeln kann er schon und er wollte eigentlich nur was ueber ankern wissen.

Thema Ankerwache: Die meissten GPS haben eine Alert Funktion wenn das Boot einen definierten Radius verlaesst. Sicher nicht fehlerfrei aber besser als nachts aufzubleiben. Wetterbericht abhoeren sicher auch nicht unwichtig, denn im Gegensatz zum Hafenlieger kann der Ankerplatz bei drehenden Winden auch schnell ungemuetlich oder gar zur Falle werden.

kbrandes
19.05.2005, 21:08
Du solltest Dir

http://www.insidersegeln.de/freiwache/landlein.html


durchlesen

Auch der Rest der Website ist empfehlenswert wenn Du in die Türkei fährst.

Viel Erfolg

Kai

kbrandes
19.05.2005, 21:11
[/quote]

Thema Ankerwache: Die meissten GPS haben eine Alert Funktion wenn das Boot einen definierten Radius verlaesst.
[/quote]


Das wird Dir in den kleinen Buchten in der Türkei nicht helfen. Buganker + Landleine ist normal und wenn Dein GPS piepst bist Du schon aufgelaufen ...

Kai

carpe_diem
20.05.2005, 09:04
Original von micha-unterwegs2:
....
Ich glaube segeln kann er schon und er wollte eigentlich nur was ueber ankern wissen.

....


Wer im Mittelmeer nicht ankern kann, kann auch nicht von sich behaupten, er "könne segeln"; sorry, daß ich das so hart ausdrücken muß. Ein Skipper, der optimal mit Traveller, Cunningham und Co. umgehen kann, mag zwar noch das letzte halbe Grad an Höhe und den letzten Zehntelknoten Fahrt zusätzlich gewinnen - wenn er nicht ankern kann, kann er leicht sein Schiff verlieren, und das wiegt schwerer.



Original von kbrandes:


[quote]
Original von micha-unterwegs2:
....
Thema Ankerwache: Die meissten GPS haben eine Alert Funktion wenn das Boot einen definierten Radius verlaesst. Sicher nicht fehlerfrei aber besser als nachts aufzubleiben. Wetterbericht abhoeren sicher auch nicht unwichtig, denn im Gegensatz zum Hafenlieger kann der Ankerplatz bei drehenden Winden auch schnell ungemuetlich oder gar zur Falle werden.
...



... und wenn Dein GPS piepst bist Du schon aufgelaufen ...

Kai



Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wie oft hatte ich schon Stress in der Nacht, weil irgend so ein Spezialist abends reingekommen war in die Bucht, den Anker mit der Elektrowinsch so schön sachte ins Wasser gefiert hat, daß sich das gute Stück auch ja nicht wehtut, anschließend dreifache Wassertiefe Kette gesteckt hat, wie er`s mal gelesen hat, und das war`s. Wenn dann nachts die Fallböen reinfegen und der Trottel panisch versucht, seinen Kahn krampfhaft von meiner Reling abzudrücken, weil er natürlich auf Drift gegangen ist und erst durch mein Gebrüll was davon gemerkt hat, kommt mir regelmäßig der Kaffee hoch.

Sicheres Ankern gehört zum Handwerkszeug in punkto Seemannschaft; anders ausgedrückt: Ankern ist Pflicht, Cunningham ist Kür.

Gruß

Benno

[ Dieser Beitrag wurde von carpe_diem am 20.05.2005 editiert. ]

Segelmatt
20.05.2005, 09:49
Original von kbrandes:Das wird Dir in den kleinen Buchten in der Türkei nicht helfen. Buganker + Landleine ist normal und wenn Dein GPS piepst bist Du schon aufgelaufen ...

Moin Moin,

also jetzt `mal unabhängig davon, daß ich die Fragestellung nicht ganz ernst nehme (ist vermutlich deutlich geworden), möchte ich doch noch `mal kurz auf die GPS-Ankerwache zurückkommen: Man kann bei diesen Geräten, jedenfalls bei meinem, als maximale Empfindlichkeit 32m eingeben. Und Ihr meint nicht, daß das reicht, auch in den kleinen türkischen Buchten (in denen ich noch nicht war)?
Denn mit genügend Ankerleine/-kette bin ich ja schon über 32m Schwoikreis, und da merke ich als Mensch auch nicht schneller, ob ich drifte.

fragt sich

Matthias.

agrefrath
20.05.2005, 14:22
Hey, da sind ja viele Antworten zusammengekommen. Vielen Dank für Tips und Links. Ich habe natürlich mit "Sprüchen" gerechnet. Es gibt immer Leute, die es brauchen, sich auf Kosten der Anfänger (in diesem Fall lediglich "Ankeranfänger", Danke Micha-2 für deine Richtigstellung) lustig zu machen. Scheiss Seemannschaft solches Verhalten, aber das macht mir nix aus, man kennt ja die freundlichen Tippgeber beim Anlegen in jedem Hafen. Vielen Dank Euch allen!!!

Mein Fazit ist: Ankerwache über GPS mache ich nicht, und weil ich ein "Ankeranfänger" bin, werden wir Nachtwachen schieben und ich Literatur studieren. Ich wette, nach dem dritten Ankerplatz habe ich es raus.

Insbesondere deshalb, damit ich mich nachts nicht mit solchen brüllenden Idioten auseinandersetzen muss, die sich für unglaublich klug halten.

Benno, Mr. Carpe Diem, hast Du auch einen Tip auf Lager für mich? Würde gerne auf deine Ankererfahrung zurückgreifen. Dein Gemecker hat mir nicht wirklich geholfen.

Viele Grüße, Alexander

carpe_diem
20.05.2005, 15:33
Original von agrefrath:
... Ich wette, nach dem dritten Ankerplatz habe ich es raus.

Insbesondere deshalb, damit ich mich nachts nicht mit solchen brüllenden Idioten auseinandersetzen muss, die sich für unglaublich klug halten.

Benno, Mr. Carpe Diem, hast Du auch einen Tip auf Lager für mich? Würde gerne auf deine Ankererfahrung zurückgreifen. Dein Gemecker hat mir nicht wirklich geholfen.

Viele Grüße, Alexander




Entschuldige bitte; da kam wohl etwas nicht ganz richtig rüber. Niemand will Dir zum Vorwurf machen, daß Du noch nie geankert hast, und ich will mich auch keinesfalls über Dich lustig machen; mein heftiger Beitrag bezog sich auf die (nicht von Dir) implizit geäußerte, aber sogar unter vermeintlich "alten Hasen" weit verbreitete Meinung, Segeln und Ankern seien zwei Paar Schuhe.

Du willst Konstruktives von mir; dann fang` ich mal an:
- auf den nach Karte, Handbuch und von Deck erkennbarer Grundbeschaffenheit ausgewählten Ankerplatz fahren
- in den Wind drehen
- achteraus einkuppeln
- sobald der Dampfer Fahrt achteraus aufnimmt, die Bremse der Ankerwinsch aufdrehen (=Anker fallen lassen, nicht nur fieren!)
- sobald der Anker auf dem Grund ist, Bremse so weit zudrehen, daß die Kette (unter Zug) weiter ausläuft, ohne den Anker wieder aus dem Grund zu reißen
- sobald mindestens die fünffache Wassertiefe (hängt von den Verhältnissen ab) an Kette raus ist, auskuppeln, Bremse dichtsetzen und den Dampfer von Anker und Kette aufstoppen lassen
- wieder achteraus einkuppeln (dabei darauf achten, daß Du im Wind liegst), bis die Kette wieder steif kommt, und dann die Drehzahl allmählich erhöhen bis mindestens Marschdrehzahl; den Motor ca. eine Minute mit dieser Drehzahl weiterdrehen lassen; während des ganzen Vorgangs mit Seitenpeilungen kontrollieren, ob der Haken trägt
- wenn er trägt, auskuppeln ud ggf. je nach Verhältnissen (zu erwartender Windstärke, Raum zum Schwojen usw.) weitere Kette stecken
- wenn er nicht trägt, das ganze wieder von vorn

So sieht der grundsätzliche Ablauf aus. Zu diesen Tips muß ich Dir aber leider sagen, daß sie Dir allenfalls vordergründig helfen werden: es sind schließlich Worte, mithin Theorie, und damit nicht besser als irgendein Lehrbuch. Und aus Büchern lernt man keine praktische Seemannschaft, zu der das Ankern nun einmal gehört. Deswegen - und das war der eigentliche Ausgangspunkt - muß ich Stari absolut recht geben: Lern` das Ankern in der Praxis, entweder durch Mitsegeln oder am besten bei einem guten Skippertraining; alles andere halte ich für zu riskant.

Gruß

Benno

P.S.: Ich brülle nachts nicht, weil ich mich für unglaublich klug halte; ich brülle auch dann nicht, wenn jemand sich selbst für so klug hält, daß er seinem verkorksten Ankermanöver vertraut. Ich fange erst dann an zu brüllen, wenn dieser Jemand aufgrund dieses verkorksten Manövers auf Drift geht und damit mein Schiff gefährdet, ohne es überhaupt zu merken, weil er pennt. Oder würdest Du ihn in diesem Fall solange schlafen lassen, bis Dir sein Heck in die Bordwand knallt? (Hab sogar schon Dank dafür geerntet, weil ich gebrüllt habe, obwohl "nur" das andere Schiff auf die Felsen zutrieb; ohne mein Gebrüll hätte er seinen Dampfer vergessen können. Aber das gehört wohl nicht mehr hierher).

carpe_diem
20.05.2005, 15:34
Original von agrefrath:
... Ich wette, nach dem dritten Ankerplatz habe ich es raus.

Insbesondere deshalb, damit ich mich nachts nicht mit solchen brüllenden Idioten auseinandersetzen muss, die sich für unglaublich klug halten.

Benno, Mr. Carpe Diem, hast Du auch einen Tip auf Lager für mich? Würde gerne auf deine Ankererfahrung zurückgreifen. Dein Gemecker hat mir nicht wirklich geholfen.

Viele Grüße, Alexander




Entschuldige bitte; da kam wohl etwas nicht ganz richtig rüber. Niemand will Dir zum Vorwurf machen, daß Du noch nie geankert hast, und ich will mich auch keinesfalls über Dich lustig machen; mein heftiger Beitrag bezog sich auf die (nicht von Dir) implizit geäußerte, aber sogar unter vermeintlich "alten Hasen" weit verbreitete Meinung, Segeln und Ankern seien zwei Paar Schuhe.

Du willst Konstruktives von mir; dann fang` ich mal an:
- auf den nach Karte, Handbuch und von Deck erkennbarer Grundbeschaffenheit ausgewählten Ankerplatz fahren
- in den Wind drehen
- achteraus einkuppeln
- sobald der Dampfer Fahrt achteraus aufnimmt, die Bremse der Ankerwinsch aufdrehen (=Anker fallen lassen, nicht nur fieren!)
- sobald der Anker auf dem Grund ist, Bremse so weit zudrehen, daß die Kette (unter Zug) weiter ausläuft, ohne den Anker wieder aus dem Grund zu reißen
- sobald mindestens die fünffache Wassertiefe (hängt von den Verhältnissen ab) an Kette raus ist, auskuppeln, Bremse dichtsetzen und den Dampfer von Anker und Kette aufstoppen lassen
- wieder achteraus einkuppeln (dabei darauf achten, daß Du im Wind liegst), bis die Kette wieder steif kommt, und dann die Drehzahl allmählich erhöhen bis mindestens Marschdrehzahl; den Motor ca. eine Minute mit dieser Drehzahl weiterdrehen lassen; während des ganzen Vorgangs mit Seitenpeilungen kontrollieren, ob der Haken trägt
- wenn er trägt, auskuppeln ud ggf. je nach Verhältnissen (zu erwartender Windstärke, Raum zum Schwojen usw.) weitere Kette stecken
- wenn er nicht trägt, das ganze wieder von vorn

So sieht der grundsätzliche Ablauf aus. Zu diesen Tips muß ich Dir aber leider sagen, daß sie Dir allenfalls vordergründig helfen werden: es sind schließlich Worte, mithin Theorie, und damit nicht besser als irgendein Lehrbuch. Und aus Büchern lernt man keine praktische Seemannschaft, zu der das Ankern nun einmal gehört. Deswegen - und das war der eigentliche Ausgangspunkt - muß ich Stari absolut recht geben: Lern` das Ankern in der Praxis, entweder durch Mitsegeln oder am besten bei einem guten Skippertraining; alles andere halte ich für zu riskant.

Gruß

Benno

P.S.: Ich brülle nachts nicht, weil ich mich für unglaublich klug halte; ich brülle auch dann nicht, wenn jemand sich selbst für so klug hält, daß er seinem verkorksten Ankermanöver vertraut. Ich fange erst dann an zu brüllen, wenn dieser Jemand aufgrund dieses verkorksten Manövers auf Drift geht und damit mein Schiff gefährdet, ohne es überhaupt zu merken, weil er pennt. Oder würdest Du ihn in diesem Fall solange schlafen lassen, bis Dir sein Heck in die Bordwand knallt? (Hab sogar schon Dank dafür geerntet, weil ich gebrüllt habe, obwohl "nur" das andere Schiff auf die Felsen zutrieb; ohne mein Gebrüll hätte er seinen Dampfer vergessen können. Aber das gehört wohl nicht mehr hierher).

skipklaus
20.05.2005, 15:43
Noch zwei einfache Tipps:

1) Immer genügend Ankerkette stecken. Vergiss die Regel mit der 3-fachen Wassertiefe. Mind. 5-fach bzw. ab 30m Kette aufwärts. Lieber zuviel wie zuwenig. Wenn`s nur einigermassen geht, werf ich immer alles = 60m, raus. Auch wenn das einige wg. dem Schwojkreis nicht so gern sehen. Sicherheit geht mir vor.

2) Anker gut einfahren. Nicht zu schnell rückwärts fahren beim Ausbringen, Schiff aufstoppen, Kettenbremse zu und dann wieder ganz langsam rückwärts. Wenn du merkst, dass der Anker greift und sich die Kette spannt, Gas weg, weiter Kette stecken und rückwärts weiterfahren. Wenn du alles draussen hast, dasselbe Spiel nochmals von vorn. Kettenbremse zu und langsam rückwärts fahren. Wenn sich dann die Kette wieder spannt, immer mehr Gas geben, bis zu Vollgas. Und das so 2-3 Minuten. Wenn sich dann an der Kette nichts mehr rührt, sitzt du erstmal bombenfest. Wenn die Kette die Spannung verliert, schliert der Anker und du musst nochmals von vorne anfangen. Und es ist keine Schande, ein Ankermanöver so oft zu wiederholen, bis der Anker gegriffen hat. Bennos Freunde kenn ich auch und bei denen musst du dich nicht einreihen

Keine Angst, nur vom Propellerschub kannst du einen richtig sitzenden Anker nicht rausreissen.

Und deine Anker-Nachbarn werden dein Manöver mit Freude beobachten. Auch Benno.
--
Fair winds and clear skies

skipklaus
20.05.2005, 15:49
Ach ja, die Tipps von Udo Hinnerkopf zum Thema Türkei http://www.insidersegeln.de/tips/a-z/a-z.html


und speziell zum Thema Landleinen http://www.insidersegeln.de/freiwache/landlein.html würd ich an deiner Stelle absolut beherzigen
--
Fair winds and clear skies

Laberbacke
20.05.2005, 15:51
Ich würde die notorischen Nörgler und Seemanschafts-Hochhalter mal nicht zu ernst nehmen. Das ist meist ein biologisches Problem und ergibt sich mit der Zeit automatisch.

Zum Ankern steht eigentlich in jedem Segel-Buch etwas und mit der Zeit ergänzt man das theoretische Wissen halt mit seiner Erfahrung. An Deiner Stelle würde ich mich auf jeden Fall nicht vom Ankern abhalten lassen, aber das tust Du ja eh nicht.

Bzgl. Ankerwache würde ich das Vorgehen situationsabhängig machen. Man sucht sich ja sowieso schon geschützte und ruhige Ecken zum Ankern aus, also sehe ich auch kein Problem darin, keinen zum Aufpassen hinzusetzen. Das ist in geschützten Buchten Quatsch und macht kein Mensch. Auf Legerwall macht`s dann schon eher Sinn.
Am Anfang des Urlaubs schlafe ich beim Ankern meist nicht besonders tief, insofern bekomme ich Wetteränderungen automatisch mit, oder werde alle 2 h mal wach und schaue herum. Mit der Zeit härtet man dann ab und schläft durch. Blindes Gottvertrauen ist aber auch nicht angebracht.
Die Ankerwache vom GPS ist ein gutes Mittel und direkt beim Ankermanöver sollte man halt gucken, dass der Anker auch wirklich eingegraben ist und hält. In klarem Wasser macht`s Spass, mal runter zu tauchen und sich den Anker anzuschauen.

Bzgl. der Wassertiefe gibt`s eigentlich nicht viel zu sagen. Das hängt vom Leinenvorrat des Boots ab. Theoretisch kannst Du auf jeder Tiefe ankern. Um nicht soviel Leine ausbringen zu müssen haben wir uns immer die flacheren Stellen gesucht (bei Tide aufpassen, dass man nicht aufsitzt ;o). 3x die Wassertiefe an Ankerleine (mit Kettenvorläufer) ist relativ knapp, 5x ist besser. Je flacher die Leine am Anker zieht, desto besser. Klar.

Beim "Werfen" des Ankers lassen wir das Boot langsam achteraus fahren und senken den Anker langsam ab. Damit legt sich alles schön ordentlich auf dem Boden aus. Wenn man den ganzen Krempel auf einmal `reinschmeisst gibt`s schonmal einen Wuhling.
Am Ende des Manövers die Ankerleine belegen und etwas mehr Gas achteraus geben, damit sich der Anker eingräbt. Fertig.

Zum Heben des Ankers langsam voraus fahren und dabei die Leine einholen. Manchmal schafft man es den Anker dann so `rauszuholen, manchmal muss man ihn aber auch "freibrechen". Das bedeutet voraus fahren bis die Leine senkrecht steht, sie dann belegen und über den Anker hinüber fahren. Alles schön ruhig und sachte. Darüber hebelt man die meisten Anker aus dem Boden, außer wenn sie sich hinter einem Stein verkeilt haben. Aber dann hast Du eh ein Problem.

Faszinieren finde ich immer, wie schwer es ist, den Schwojkreis einzuschätzen. Im Prinzip sind es ja nur Kreise um die Anker, die jedes Boot beschreibt, aber ich habe mich morgens nach einem 90° Winddreher schon öfter gewundert, wie sich all die Boote ohne Kollision neu sortieren konnten.

Die Leute, die in einem Ankerfeld andere anmotzen, weil sie auf Drift gehen oder ihnen bei einem Winddreher zu nahe kommen sind in meinen Augen dieselben, die in vollen Häfen keine Fender ausbringen, damit sich keiner bei ihnen in`s Päckchen legt. Schwierigkeiten beim Ankern können bei jedem mal auftreten.

segler089
20.05.2005, 15:52
Original von Segelmatt:
Doch, wir machen das so. Die ganze Nacht sitzt jemand auf dem Anker und wacht darüber. Seit es diesen tollen Freediver gibt, kein Problem mehr. Wird erst gegen Morgen ein wenig kühl.
In der Türkei geht das aber nicht. Warum weiß ich auch nicht. War noch nie da.
Nur ein Anker über den Bug reicht übrigens nicht. Man sollte eine Kette dranmachen. Wenn die dann auch noch irgendwie an Bord fest ist, wird´s schon...

<lach>


--
hang loose

segler089
20.05.2005, 16:02
oder du machst es wie manche gullets:
aus voller fahrt den anker raus, kette ausrauschen lassen, bremse feststellen und warten bis dich der anker einstoppt und deinen bug in richtung anker dreht (und dir hoffentlich nicht kiel und/oder ruder abreißt).
--
hang loose

Morski
20.05.2005, 16:23
Zunaechst finde ich dieses Thema auch fuer erfahrene Ankerhasen (und alle die sich dafuer halten) interessant; ich gebe ehrlich zu, dass es Einiges zu Lesen gab, das ich bislang so nicht bedacht habe. So gesehen finde ich Agrefrath`s Frage fuer uns alle hilfreich. Die persoenlichen Ansichten wer wann was auf dem Wasser tun soll oder &quot;darf&quot; werden wohl zu jedem Thema geaeussert, bringen aber nur weiter, wenn sie mit praktischen Vorschlaegen verbunden sind.

Zur Sache: vielleicht habe ich &quot;Laberbacke&quot; falsch verstanden, aber ich fahre beim Anker bergen nicht vorwaerts, sondern lasse (natuerlich mit laufender Maschine) alleine die Winsch arbeiten.

Guten Ankergrund
--
Morski Krastavac

Laberbacke
20.05.2005, 16:32
Zur Sache: vielleicht habe ich &quot;Laberbacke&quot; falsch verstanden, aber ich fahre beim Anker bergen nicht vorwaerts, sondern lasse (natuerlich mit laufender Maschine) alleine die Winsch arbeiten.


Wer andere hat, die für ihn arbeiten, kann sich glücklich schätzen. ;o) Ist bei uns aber alles Handarbeit.

Ich denke, dass es Deiner Winde und dem Stromverbrauch gut tut, wenn Du ein bisschen mit der Maschine nachhilfst. Könnte vielleicht auch zur Sicherheit beitragen. Bevor der Anker lose kommt weiss man damit sicher, dass Maschine und Propeller einsatzbereit sind.

agrefrath
20.05.2005, 17:20
Noch einmal danke!!!

Schön, wie viel Resonanz kommt. Fühle mich ja schon fast verpflichtet, hinterher zu berichten, wie es geklappt haben wird.

Gruß, Alexander

skipklaus
20.05.2005, 17:24
Berichte!
--
Fair winds and clear skies

adriaskipper
24.05.2005, 19:40
Hallo,

nach all den gutgemeinten Ratschlägen sollte eigendlich nichts mehr schief gehen.

Doch einen Ratschlag vermisse ich: Wenn du nach einen Ankermanöver der Meinung bist das der Anker hält, dann nehme die Taucherbrille und werfe einen Blick auf den Anker! (Safty first!) Ist der Anker richtig eingefahren, liegt er auf der Seite oder hält dich nur die Kette? Wenn nein, alles zurück und fahr das Manöver nochmals !

Sollte es dir nicht gelingen den Anker einzufahren, dann suche dir einen anderen Ankerplatz. Es liegt nicht immer am Können, nicht jeder Anker hält auf jeden Grund gleich gut.

Suche dir immer rechtzeitig eine Ankerbucht/-platz, am späteren Abend sind die besten Plätze meistens schon belegt.

Immer eine handbreit .....

kbrandes
24.05.2005, 22:44
Original von Segelmatt:


Original von kbrandes:Das wird Dir in den kleinen Buchten in der Türkei nicht helfen. Buganker + Landleine ist normal und wenn Dein GPS piepst bist Du schon aufgelaufen ...

Moin Moin,

also jetzt `mal unabhängig davon, daß ich die Fragestellung nicht ganz ernst nehme (ist vermutlich deutlich geworden), möchte ich doch noch `mal kurz auf die GPS-Ankerwache zurückkommen: Man kann bei diesen Geräten, jedenfalls bei meinem, als maximale Empfindlichkeit 32m eingeben. Und Ihr meint nicht, daß das reicht, auch in den kleinen türkischen Buchten (in denen ich noch nicht war)?
Denn mit genügend Ankerleine/-kette bin ich ja schon über 32m Schwoikreis, und da merke ich als Mensch auch nicht schneller, ob ich drifte.

fragt sich

Matthias.






32 Meter sind in den Buchten zuviel wenn Du mit Landleine ankerst. Hauefig hast Du keine 10 Meter Platz bis zum auflaufen.

Kai

skipklaus
24.05.2005, 22:54
Original von kbrandes:
32 Meter sind in den Buchten zuviel wenn Du mit Landleine ankerst. Hauefig hast Du keine 10 Meter Platz bis zum auflaufen.

Kai






Richtig! Manchmal sogar noch weniger. GPS Alarm nützt in diesem Fall überhaupt nichts
--
Fair winds and clear skies