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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Korfu/Athen/Rodos oneway?



Zeelandfan
07.06.2005, 15:31
Moin,

wir möchten nächstes Jahr im Mai/Juni mit einer erfahrenen Crew und schnellem Schiff(Lagoon 380) 14 Tage einen Oneway-Törn machen.
Alternativen sind Corfu-Athen oder Athen-Rhodos.
Wer hat sowas schon gemacht und mag Tipps geben (z.B. für Peleponnes aussenrum)?
Wir waren gerade in der westlichen Ägäis unterwegs und suchen noch ein paar Anregungen für den nächsten Törn!

Danke der Mühe!

Der fremdgehende Zeelandfan;-)

carpe_diem
08.06.2005, 15:38
Hallo Zeelandfan,

zur Ägäis kann ich nix sagen; die steht bei mir erst nächstes Jahr auf dem Programm; also fang ich mal mit Korfu – Athen an.

Bei 14 Tagen gehe ich davon aus, daß Du von Korfu kommend keinesfalls nach Sivota gehst, sondern gleich weiter nach Süden. Da wäre Lakka auf Paxos die erste Adresse. Geh nicht zu weit rein in die Bucht, da liegt Dein Anker nämlich auf einem schönen dicken und weichen Seegraspolster. Weiter draußen hast Du bei ca. 4 m Tiefe besten Sandgrund und glasklares Wasser; die Grenze zum Seegras verläuft etwa in Höhe der abgeteilten Badezone vor dem kleinen Kiesstrand am westlichen Ufer. Alternativen zu Lakka wären Gaios oder aber – am Festland - Parga (nicht so mein Fall) bzw. die Bucht neben der Acheron-Mündung (ebenfalls bester Sandgrund).

Mit schnellem Schiff und Schiebewind könntest Du anschließend außen um Lefkas herumsegeln nach Vasiliki auf der Südseite; Vorsicht mit den Fallböen, dafür läßt Dir die Auswahl beim Bäcker die Augen aus dem Kopf fallen. Alternative wäre die „Normalroute“ durch den Kanal von Lefkas; dort entweder in die Marina Lefkas-Stadt oder aber weiter nach Vlycho, durch das die Touristen meist nur durchfahren. Letzten Sommer wurde da das Ufer zur Pier ausgebaut; müßte mittlerweile fertig sein. Tips zu den weiteren Häfen und Buchten bis Zakynthos zu geben würde angesichts der Vielfalt zu weit führen; ohnehin wäre da Oldman der geeignetere Ansprechpartner, der kennt das Revier wie seine Westentasche.

Wenn Du den kürzeren Weg nach Athen nehmen willst, geht’s anschließend in den Golf von Patras; hier hast Du die Wahl zwischen Mesolongion auf der Nordseite, das Du über eine 4 Meilen lange gebaggerte Rinne erreichst, Patras, dem größten griechischen Fährhafen mit entsprechendem Ambiente, oder dem direkten Weg durch die neue Brücke zwischen Rion und Andirrion in den Golf von Korinth. Erster Hafen hier wäre Nafpaktos, wo Du aber höchstwahrscheinlich keinen Platz kriegst (schon gar nicht mit einem Kat), oder als nächstes Trizonia, das eine mit EU-Geldern begonnene, aber nie fertiggestellte Marina bietet (Betonstege und Poller sind da; aber Vorsicht im Dunkeln: die offenen Kabelschächte sind echte Fallgruben). Danach würde ich Galaxeidi anlaufen, wo zwar ein überpenibler Hafenpolizist regiert, wo man aber auch absolut sicher liegt. Ein Ausflug nach Delphi ist von hier aus ein absolutes Muß. Ob man dann weiter nach Korinth geht oder nach Kiato, nimmt sich nicht viel.

Es folgt die Passage durch den sehenswerten, aber kotzteuren Kanal von Korinth, von wo aus ich erst mal nach Korfos gehen würde; da bieten ein paar Tavernen Muringliegeplätze an. Die groß angeschriebenen Wassertiefen sind zwar offensichtlich ohne die vor der Pier liegenden großen Steine gemessen, aber mit dem Kat ist das für Dich wohl nicht so wichtig. Als nächstes würde ich, sofern die Zeit noch reicht, nach Palaia Epidavros gehen und von dort aus (mit dem Taxi) das gigantische Amphitheater von Epidavros besichtigen; schließlich nach Ägina (zu dieser Jahreszeit vielleicht noch nicht so überfüllt) und dann nach Athen.

Bei einer Peloponnes-Umrundung wäre der erste Hafen Katakolon; als Anlaufhafen für die Kreuzfahrtschiffe, die ihre Passagiere von hier aus nach Olympia karren lassen, zwar reizlos, aber mit guten Liegeplätzen in einer neuen Marina. Dann kommt erst mal über knapp 60 Meilen nix gescheites und schließlich Pylos (mit Marina) bzw. die Bucht von Navarino, in deren Nordteil Du Dir den Platz über gutem Sand- und Schlickgrund auch in der Hochsaison mit kaum jemand teilen mußt. Von hier nur eine kurze Etappe nach Methoni mit der obligatorischen Besichtigung der riesigen Festungsanlage – ja, und dann mußt Du angesichts Deiner knapp bemessenen Zeit die kurzen Wege segeln, sprich, an der Südseite der Peloponnes nur die „Fingerspitzen“ berühren, was eigentlich schade ist.

Als nächstes wirst Du daher Kagio auf der Mani anlaufen; wildromantisch, aber nur mäßig haltender Grund auf relativ großen Tiefen (10 m und mehr) und brutale nächtliche Fallböen. Von dort empfehle ich, nicht durch die Düse am Kap Maleas zu segeln (egal bei welcher Windrichtung), sondern nach Kapsali/Kythira zu gehen; die Ansteuerung kann bei Starkwind aus W und entsprechender See ein wenig haarig werden, weil Du eine kurze Zeit quer zur Welle segeln mußt. An der Ostseite der Peloponnes fällt mir das allerseits beliebte und entsprechend frequentierte Monemvasia ein; wer’s ruhiger mag (wie ich), geht ein paar Meilen weiter nach Gerakas: klein, malerisch, super geschützt und trotzdem auch in der Höchstsaison relativ leer.

Wie’s dann weitergeht? Hm..., Ydra ist hoffnungslos überfüllt; aber Dir dürfte die Zeit schon verdammt knapp werden, so daß Du Dir Abstecher zu geeigneteren Plätzen kaum erlauben kannst.

Ohnehin – nach den Tips kommt jetzt mein großes „Aber“ – halte ich die Zeit für Dein Vorhaben für sehr kurz, sowohl für die Route durch den Kanal als auch und noch viel mehr unten um die Peloponnes rum. Mal ganz davon abgesehen, daß Du in dieser Zeit an viel zu viel sehenswertem vorbeisegeln mußt, darf Dir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen. Im Mai/Juni kannst Du in den Ionischen Inseln noch nicht so zuverlässig mit einem 5er Wind aus NW rechnen wie im Sommer, und zwischen Paxos und Lefkas gegenangehen zu müssen, kann ziemlich viel Zeit beanspruchen. Wenn Du im Golf von Patras oder Korinth Flaute hast wie so häufig, nervt Dich allenfalls das stundenlange Dieselbrummen; wenn Dir allerdings – insbesondere in der Düse von Rion – der Wind ins Gesicht steht, wird’s ein verdammt langwieriges Geschäft. Ganz haarig wird’s aber auf der südlichen Route. Wenn Du nämlich bei Kythira einen frühen Meltemi erwischst, wird’s übel; bei allem Respekt kann ich mir nicht vorstellen, daß Du da mit der Lagoon noch viel Höhe machst.

Summa summarum: Kanalroute ist machbar, aber eigentlich schade wegen der vielen schönen Plätze und Sehenswürdigkeiten (im weitesten Sinne), für die man dann schlichtweg keine Zeit hat (unter diesen Bedingungen ist es m.E. völlig wurscht, ob man in Griechenland, um Korsika und Sardinien oder sonstwo segelt – dann werden die Reviere nämlich austauschbar). Südroute wird zeitlich evtl. zum Roulettespiel.

Gruß

Benno

Zeelandfan
10.06.2005, 09:37
Hi Benno!

Das sind Tips, wie ich sie mir gewünscht habe. Danke der Mühe!

Gruß Christian

Segelgrufti
10.06.2005, 10:40
Original von carpe_diem:
Hallo Zeelandfan,

zur Ägäis kann ich nix sagen; die steht bei mir erst nächstes Jahr auf dem Programm; also fang ich mal mit Korfu – Athen an.

Gruß

Benno



Au weia. Das ich das noch erleben darf. Endlich mal was interessantes zu lesen hier zudem mit sachdienlichen Hinweisen!!
Bedankt! Auch wenn ich eher weniger oft mit Dickschiff
in dieses Revier kommen werde. Aber anscheinend ist Ionesien
gerade Kultrevier hier im Jecken-Forum:-))

bisse Tage
Grufti

chili
10.06.2005, 13:04
Aber anscheinend ist Ionesien
gerade Kultrevier hier im Jecken-Forum:-))

bisse Tage
Grufti






*ggg*... jau, die wissen halt was schön is.......
yassas
chili

Charivari
10.06.2005, 13:49
Servus Zeelandfan,

der Beitrag von carpe_diem war schon sehr ausfürhlich, daher beschränke ich mich auf wenige Highlights. Wir sind Pfingsten von Korfu ausgehend rund Peloponnes (und dann quer durch die Ägäis) gesegelt.

Nach Korfu ist Lakka an der Nordspitze von Paxos als erster Anlaufpunkt unbedingt empfehlenswert.

Kanal von Levkas ist ganz nett, die große Bucht auf der Ostseite von Levkas würde ich eher auslassen und dafür in einer der Nordbuchten von Meganision ankern.

Zakynthos Ort hat zwar einen großen Hafen, der Bereich für Jachten ist aber klein. Ich schätze da mußt Du Glück haben, um in der Hochsaison eine Lücke zu finden.

Von Pylos schwärmen wir heute noch. Draußen tobt ein kräftiger Nordwest (35 kn), in der Marina merkst Du gar nichts. Die Marina war zu Pfingsten übrigens absolut unbewirtschaftet. Du kannst festmachen, das ist aber auch schon alles. Der Ort ist schön, das Lokal links oberhalb des Ausgangs der Marina sehr gut.

Porto Kajio (gleich nördlich Kap Tainaron) ist klein und fast ein wenig romantisch (zwei kleine Tavernen), bei Nordwest knallen aber die Böen dermaßen rein, daß es uns wie auch unseren Nachbarn nach kurzer Zeit den Anker rausgerissen hat und wir wieder ausgelaufen sind. Vielleicht hast Du ja mehr Glück. Ankergrund in der Bucht ist übrigens harter Sandgrund.

Zu Monemvasia kann ich nichts sagen, da wir wegen dem Nordwest nicht aufgekreuzt sind, sondern gleich weiter nach Milos gefahren sind.

Übrigens: die Strecke Pylos - Porto Kajio - Monemvasia ist bei entsprechendem Wind jeweils in Tagestouren möglich.

Wenn Du genügend Zeit hast, empfehle ich Dir den Abstecher nach Adamas auf Milos zu machen. Gut geschützter ruhiger Hafen, gute Lokale, Abstecher mit Bus / Taxi nach Plaka (auf dem Bergrücken schon beim Einlaufen in die Bucht zu sehen) lohnt auch. Wir sind gleich zwei Tage geblieben, so gut hat es uns gefallen.

Viel Spaß und guten Wind,


Frank
SY Charivari
--
... und immer eine Handbreit Rotwein im Glas!

[ Dieser Beitrag wurde von Charivari am 10.06.2005 editiert. ]

Charivari
10.06.2005, 14:13
Noch ein kleiner Nachtrag: wir (Ehepaar + 14 jähriger Sohn) haben die Strecke Korfu - Kos ganz bequem in 10 Tagen geschafft. Mit dem Wind hatten wir überwiegend Glück (von hinten oder Flaute), aber wir hatten auch noch zwei bis drei Tage Reserve, die wir in Milos bzw. Amorgos länger geblieben sind bzw. für einen Abstecher nach Santorin genutzt haben. Ich glaube daher schon, daß sowohl Korfu - Athen als auch Korfu - Rhodos ohne weiteres in zwei Wochen (auch rund Peloponnes) zu schaffen ist. Allerdings solltest Du Dich darauf einstellen, daß Du am Anfang nicht bummeln darfst (auch wenn es schwer fällt) und daß Du eventuell auch mal eine oder zwei Nachtfahrten einlegen mußt, damit Du in der Zeit bleibst.

Wenn Deine Crew allerdings auf ausgedehnte Landerkundungen steht oder ein Problem mit Nachtfahrten hat, solltest Du wirklich durch den Kanal von Korinth fahren (Ist aber teuer!). Nach meiner bisherigen Erfahrung würde ich möglichst flexibel bleiben und kurzfristig anhand der Wetterverhältnisse entscheiden, welche Route Du nimmst.

Übrigens: Kap Malea war für uns auch nicht schlimmer als Kap Tainaron (7-8 bft), man muß also nicht unbedingt unten um Kithira rum, es geht oben rum auch. Wichtig ist jedoch rechtzeit Segelfläche zu verkleinern, selbst wenn man meint es wäre nicht nötig, weil es 4 sm vor dem Kap noch einen dreier Wind hat.

Frank
SY Charivari
--
... und immer eine Handbreit Rotwein im Glas!

Zeelandfan
10.06.2005, 19:23
Hi Frank,

auch Dir vielen Dank der Mühe! Genau sowas will ich hier lesen, und sonst nix...

@segelgrufti
ja, erstaunlich und sehr lobenswert, dass bei all dem sonstigen Geschreibsel hier auch mal eine ordentliche Antwort kommt, offensichtlich sind diese Infos selbst ersegelt und nicht, wie in anderen Threads(Dich meine ich ja gar nicht) erklugscheissert oder aus einem Buch abgeschrieben, und dann wird sich auch noch seitenweise darüber beharkt...Mir ist meine Zeit zu schade für sowas, da gehe ich lieber segeln...

@chili
Treffer!! Komme gerade von einem einwöchigen Törn Athen-Kea-Kithnos-Serifos-Kithnos-Kea-Athen (im Osten der Inseln südwärts, im Westen nordwärts) zurück, und sage offen-mein schönster Törn!!! Habe mich total verknallt in die Inselchen und Häfelchen!!! Und BILLIG!!!! Hauptsächlich an Bord fürstlichst verpflegt und, ähemmm..., nicht gerade wenig getrunken-75 Euro/Woche/Person...versuch das mal woanders...keine Hafengebühren, den fünften Festmacher direkt in der Backskiste versenkt, 1 min. lauwarm duschen an Bord reicht, Herz, was willst du mehr??? Ich komme wieder, und soviel anders kann das in Ionien eigentlich nicht sein, oder???


Gruß an alle vom zum Zeelandfan(meine gaaanz große Liebe) zum Greece-Fan mutierenden
Christian

sydie
21.06.2005, 17:58
Hi.
Im Jahr 2000 habe ich mal Athen-Rhodos in 14 Tagen gemacht. Solltest Du noch Infos brauchen, krame ich mal das Logbuch raus von damals.
Gruß, Stefan