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H-rald
10.07.2007, 11:42
Freitags Kurs
Ost – Süd – Ost

Von Wind kann man kaum reden, als wir kurz vor neun am Dümmer ankommen. Segler
beobachten bekanntlich ständig das Wetter – aber die Blätter in den Baumwipfeln bewegen sich nur wenig. Unten am Olgahafen, auf dem langen Holzsteg, ist es schon ein wenig besser. Knappe zwei Windstärken mögen es dann doch wohl sein. Vielleicht reicht die milde Brise für ein paar Schläge.

Jeden Freitag treffen sich etwa 15 beschäftigte Mitarbeiter der osnabrücker werkstätten in Dümmerlohhausen, um für zwei Stunden auf Niedersachsens zweitgrößtem Binnensee zu segeln. Dabei geht es nicht nur um Wassersport. Harald Hüsemann, Arbeitspädagoge in der Druckerei der Werkstatt Schledehausen, hat das Projekt wesentlich konzipiert und begleitet jeweils umsichtig die Crew: „ Natürlich geht es allgemein um Spaß und Freude. Hinzu kommen aber Erfahrungen, die im kognitiven, emotionalen, sozialen und motorischen Bereich vermittelt werden. Heute stehen uns zwei Boote der Segelschule Godewind zur Verfügung: der gleichnamige kleine S-Kreuzer, knapp acht Meter lang, mit Platz für etwa 18 Personen. Die „Oldenburg“ ist ein sog. „Auswanderer“, mit seinem schönen Gaffelrigg unterstreicht sie den historischen Charakter des Holzschiffes, das aus den 40ger Jahren stammt. Hier finden sogar 35 Personen Platz.

Ruckzuck sind die beiden Boote aufgetakelt. Die Mitfahrer kommen an Bord. Das dauert schon mal, denn die Angelegenheit ist durchaus wackelig. Das liegt in der Natur der Sache und ist auch nicht weiter schlimm. Mit uns sind übrigens sechs Gäste aus Twer an Bord, die sich zunächst einigermaßen überrascht zeigen, als sie die Einladung zum Segeln mit behinderten Menschen erhalten.

Los geht´s. Das Ablegen gelingt nur unter Motor, der Wind ist im Hafen zu schwach. Aber kaum sind wir auf dem offenen Wasser, blähen sich auch schon die beiden Segel und die Maschine wird abgestellt. Jetzt ist nur noch das leise Rauschen des Wassers zu hören, begleitet vom Knarren und Knirschen des Holzmastes und der Wanten. Ruhe. Unser Kurs ist Ost-Süd-Ost Richtung Hüde. Die ersten packen ihre Brote aus, die Gespräche werden kürzer und bestehen oftmals nur aus Drei-Wort-Sätzen. Hüsemann ruft Frank Bredenbröcker aus Schledehausen ans Ruder. Der lässt sich nicht lange bitten und übernimmt das Steuerrad. Sanft gleitet das Schiff durch das Wasser, wir segeln mit halbem Wind, fallen ein wenig zu weit ab. Unser Steuermann korrigiert selbstständig den Kurs, bis wir wieder gut am Wind sind und Fahrt aufnehmen.

Zu den Lernzielen des Segelprojektes gehören die Steigerung des Selbstbewusstseins und die Überwindung von Ängsten. Eva-Maria Willmann ist häufig ängstlich und sagt von sich, dass dieses Gefühl zu ihrem Leben gehöre. Aber auf meine Frage, wie es ihr beim Segeln ergehe, antwortet die Fünfzigjährige: „Das macht Spaß, die Ruhe ist gut. Anfangs habe ich immer Angst – aber dann geht´s,“ spricht sie ihr Gefühl aus. Der bereits zitierte Bredenbröcker, 60 Jahre alt, findet die Wellen und das Schiff einfach toll. „Das Steuern habe ich gelernt und ich kann das jetzt.“ Stolz und Überzeugung klingen aus seinen Worten. Friedrich Heimsath aus der Werkstatt Hilter ergänzt: „Ob sportlich oder gemütlich, mir gefällt beides.“

Vielleicht liegt ein Teil des Geheimnisses dieser durchweg positiven Resonanz darin, dass das Wasser, das Boot, der Wind und eben jeder einzelne mitentscheiden, ob die Segeltour gelingt. Die Bedingungen sind zunächst grundsätzlich für behinderte und nichtbehinderte Menschen gleich. Ob alles richtig läuft, spürt jeder sofort: an der Geschwindigkeit, am Geräusch der Wellen, an der Krängung des Schiffes.

Wir sind mit zwei Booten unterwegs. Der kleine S-Kreuzer zieht der großen „Oldenburg“ davon, liegt einfach besser im Wasser. Hüsemann schmeißt hin und wieder den Motor an, sonst haben wir keine Chance. Dafür tröstet uns die Sonne. Wir sind still und genießen. Ab und zu erreichen uns Grüße und ein paar Wasserspritzer von der „Godewind“. Dimitri aus Twer übernimmt auch einmal das Ruder, hat zuvor noch nie gesegelt. Die „Oldenburg“ verzeiht kleine seemännische Fehler, jedenfalls bei Schwachwind.

Jetzt geht es zurück, fast zwei Stunden sind schnell vergangen. Der Aufschießer beim Anlegen klappt nur mittelmäßig, was aber niemanden stört. Wir bleiben gelassen. Alles ist gut.

Bisher haben zwei Kollegen den Segelschein A gemacht, eine wichtige Voraussetzung, um dieses Projekt begleiten zu können. Vielleicht gesellt sich auch einmal ein beschäftigter Mitarbeiter hinzu. Denkbar ist das, möglich vielleicht auch. Ge

Lasst mal von Euch hören

M u S Harald