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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kutter segeln, geht wie?



Tilmann
15.08.2008, 21:10
So jetzt möchte ich mal die Experten kitzeln.
Wie segelt man eine kuttergetakelte Yacht(Langkieler)?
OK, am besten vorwärts, weiß ich auch.
Aber im Ernst. Ich vermute, da ich 2 Vorsegel habe, halte ich mich, bei zunehmendem Wind, zunächst nicht mit dem verkleinern eines Vorsegels auf, sondren nehme einfach eins weg. Doch welches zuerst? Das vordere(ist das nun die Fock oder der Klüver?) oder das hintere? Lasse ich zunächst beide stehen und reffe zuerst das Groß? Kann ich bei Starkwind oder Sturm auch nur mit dem hinteren Vorsegel segeln? Macht es Sinn bei wenig Wind zwischen Genua und Groß noch ein weiteres Vorsegel zu setzen(2.Düse)? Wie sind da die Erfahrungen von denen die schon mal mit so einer Takelungsart unterwegs waren?
Ich glaube jetzt muss ich mich erst mal eingraben bei so viel Unwissenheit ???
:confused:

round-world2
15.08.2008, 21:21
:)... ;)
du kannst auch rückwärts segeln, (zum einparken etc.)
mußt nur die pinne richtig festhalten,damit das ruderblatt sich nich quer-stellt ;) :cool:

Jollenkreuzer
15.08.2008, 21:33
Hallo Tilman, die Antwort auf Deine Frage lautet:
ja.


Im Ernst: Es hängt davon ab, was Du für ein Boot hast. Und was Dein Boot mag. Bei Slupgetakelten ist die Segelführung ja auch von Boot zu Boot verschieden, ein Freund mit P-Boot schwört darauf, bei Hack das Groß zu bergen und mit Vorsegel weiterzusegeln (auch an der Kreuz), ich muß das Groß stehenlassen, wenn ich sinnvol kreuzen will (kann aber bei Hack auf das Vorsegel verzichten) - nun, ein Kutterrigg hat da noch mehr Kombinationsmöglichkeiten....
Meine eigene Erfahrung mit Kutterrigg beschränkt sich auf Mitsegeln auf einem Botter in der Elbmündung und ein paar Tage skippern eines anderen, kleineren Plattbodens (Mietgurke) auf der Müritz: Bei viel Wind oder kurzen Kreuzschlägen wurde -mit Erfolg- der Klüver (das äußere Vorsegel) weggelassen.

avi
16.08.2008, 00:10
du meinst jetzt einen richtigen, echten kutter? nicht diese nachgemachten kuttertakelungen? die kannst du mit einem echten kutter überhaupt nicht vergleichen.
also:
erstmal vergiss das ding mit der düse. die gibt das nämlich nicht.

dann wird wie folgt gerefft:
zuerst wird das topsegel geborgen.
als nächstes das erste reff ins gross.
klüver verkleinern, nächstes reff ins gross.
sturmklüver, evtl. reff in der fock, 3.reff gross, nun sind wir etwa bei 7bft.
sturmklüver weg, evtl. gross weg.
dann: nur noch gereffte fock. aber dann ist es schon sehhhrrrr heavy.

sinn der übung ist es immer, den segeldruckpunkt da zu halten, wo er hingehört: nämlich ein stückchen vor den lateraldruckpunkt. das geht bei einem kutter wesentlich einfacher, als bei den modernen eimern, die artig nach vorne weg reffen, und sich den druckpunkt a) weit oben halten, und b) nach vorne schieben. schlechter geht´s eigentlich nicht.

anders der kutter: hier wird das segelsystem vollkommen intakt gelassen, das druckpunkt- oder schwerpunktsystem bleibt da wo es hingehört, der kutter wird also nie über gebühr luvgierig werden, der segeldruckpunkt wandert bei jedem reff weiter ´nach unten. damit wird der kutter auch weniger stark krängen wollen.

wenn so gerefft wird, liegt ein kutter immer sehr ausgeglichen auf dem ruder, er wird immer deutlich komfortabler segeln als die plastikeimer.

die drei segel bilden eine "vortriebseinheit", die sauber umströmt werden will.
wenn man nun z.b. als erstes reff topsegel wegnimmt und dann z.b. die fock, wird der kutter für die verringerte segelfläche sicher dankbar sein, aber nicht die segelleistung erreichen, als wenn gerefft wird wie oben beschrieben. auch nur den klüver wegzunehmen ohne auch das gross zu reffen ist nicht gut, weil der segeldruckpunkt nach achtern wandert und der kutter luvgierig würde. wie ich beschrieben habe, wird, so lange es geht, ein fleckchen klüver stehen bleiben, um das gleichgewicht der druckpunkte möglichst zu erhalten und das segeln angenehm zu machen.
genuas oder ander leichtwindsegel spielen da eigentlich nicht die rolle, weil sie mit zunehmendem wind eh gegen die arbeitssegel getauscht würden, und sie auch für die druckpunkte nicht die rolle spielen.

die angegebenen reffs beziehen sich auf einen echten kutter, mit echtem langkiel (also mit ausgeprägtem vorfuss) und langem klüverbaum.

Tilmann
16.08.2008, 08:36
@ AVI
Danke für die hilfreiche Ausführung. Im Prinzip hast du bestätigt was ich mir schon dachte. Vielleicht gibt es noch sinnvolle Ergänzungen wenn ihr wisst, dass es sich bei dem Schiffstyp den ich demnächst segeln werde um eine kuttergetakelte modernere Yacht(43ft, ohne Bugspriet) mit Langkiel handelt. Bei der Gelegenheit: das Ding hat einen Festprop und da stellt sich mir eine weitere Frage. Lässt man die Welle eingekuppelt damit der Prop steht beim Segeln, oder lässt man ihn mitdrehen? Sorry für die vielen Fragen aber in meinem Seglerleben bin ich bisher nur sloop- oder ketchgetakelte Yachten gesegelt.
@jollenkreuzer: wie man da sinnvoll refft weiß ich.
@ round world: Werde beim nächsten Badewannenbesuch deine Ausführungen beherzigen

avi
16.08.2008, 08:42
was für ein typ wird das sein?

PS: hilfreich waren die ausführen ja nun nicht wirklich, weil ich eben das reffen auf einem echten kutter beschrieben habe.
wenn du nun einen "modernen langkieler" fährst, wird die welt da schon etwas anders aussehen, denn da wird der vorfuss eben deutlich beschnitten sein, deswegen fehlt auch der klüverbaum, weil ja der segeldruckpunkt weiter nach achtern rutschen muss.

round-world2
16.08.2008, 10:58
@ AVI
Danke für die hilfreiche Ausführung. I...Sorry für die vielen Fragen aber in meinem Seglerleben bin ich bisher nur sloop- oder ketchgetakelte Yachten gesegelt.

@ round world: Werde beim nächsten Badewannenbesuch deine Ausführungen beherzigen
moin Tilmann,
nicht alle meine äußerungen basieren auf blanker ironie ;)

rückwärts segeln mit back gestellten segeln ist jahrtausende normal gewesen,
erst die motorkraft ersetzte diese art von manövertechnik (zum an und ablegen,den anker einfahren etc.)
also ruhig mal beim "lauen lüftchen" ausprobieren,
dann lernt man auch besser die feinheiten und eigenschaften eines schiffes kennen, :cool:

bei mir persöhnlich fing die segelei einige jahre vor meinem ersten kindergartenbesuch an,wobei ich mich noch erinnern kann ,
lieber draußen und auf dem wasser zu spielen als wie in einem umzäunten
Laufstall gefangen gehalten zu werden :eek:

schönes wochenende :)