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  1. #1
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    Standard Jessica Watson Hintergrund

    Ich hatte im Jessica Watson thread schon einmal angefangen einen
    interessanten Artikel zu Jessica Watsons Hintergrund zu übersetzen. Das
    wurde aber schwieriger als zunächst gedacht, und so habe ich das
    noch unfertige Werk zunächst zurückgezogen, um es mit tatkräftiger
    Unterstützung lieber Forumsmitglieder in verbesserter Form fertigzustellen.

    Wie schon angekündigt, werde ich die überarbeitete und
    komplettierte Fassung jetzt hier einstellen, wenn mir das gelingt.
    Sie muss wohl wegen der Länge auf mehrere Posts verteilt werden.

    Da es hier nicht nur um Jessica geht, sondern auch darum wie es
    ihren Eltern dabei ging, mache ich ein neues Thema auf.
    Geändert von peter13 (15.03.2010 um 07:34 Uhr) Grund: TippEx

  2. #2
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    Standard Hintergrund - Teil 1

    12.Juni 2009 Was haben ihre Eltern gedacht? Als Jessica ankündigte, daß sie
    einhand um die Welt segeln wollte, waren viele Menschen bestürzt.Was haben ihre
    Eltern gedacht? Wie würde sie damit fertig werden?

    "Das war harte Arbeit, meinen Eltern-und auch allen anderen zu sagen, daß sie
    mich ernst nehmen sollten".

    "Ich will herausfinden wie ich mit acht Monaten Einsamkeit umgehe, mit den
    Herausforderungen, den Stürmen und auf dem Weg liegenden Meilensteinen."

    Sie ist 16, sie ist hübsch..... und sie hat WAS vor? Jessica Watson ist ein
    dünnes Ding von einem Mädchen: braungebrannt, geschmeidig, mit einer Mähne von
    sonnenverwöhntem Haar, für das die Stylisten der Teenager-Zeitschriften alles
    geben würden, um sie mal unter ihre Fittiche zu nehmen.

    Aber sie ist auch das Mädchen, welches tausende von Diskussionen an Bartresen
    und Esstischen in ganz Australien und darüber hinaus auslöste.

    Alle begannen mit den Worten: "Was müssen das für Eltern sein, die ihre
    16-jährige Tochter........" Man braucht sich nur fünf Minuten im organisierten
    Chaos des Hauses von Roger und Julie Watson in Bulderim an der Sunshine Coast
    aufzuhalten um zu erkennen, daß Jessica ein ungewöhnliches Mädchen ist, daß
    dies keine gewöhnliche Familie ist. Auf jeden Fall nicht so wie man sich das
    allgemein vorstellt.

    Normalität für die Watsons und ihre vier Kinder ist es, mehr als fünf Jahre
    lang auf einem 16-m Motorboot zu leben, oder einen gigantischen
    Doppeldecker-Bus auszubauen und damit den Birdsville Track entlang zu fahren.
    Das bedeutet Fernschule, Camping und Trekking. Und niemals ausgefahrene Wege zu
    gehen.

    Es wurde auch nicht gelacht und widersprochen als Jessica kurz nach ihrem
    zwölften Geburtstag ankündigte: "Hmm, ich will vielleicht-hmm...... alleine um
    die Welt segeln." Wenn Jessica das Wort "vielleicht" benutzt, heißt das, daß
    sie sich schon fest entschlossen hat. Und wenn Jessica einen Entschluss gefasst
    hat, dann hält sie nichts und niemand mehr auf. Nichts und niemand.

    Es fing vor ungefähr fünf Jahren an, mit einem Buch unter dem Titel
    "Lionheart", geschrieben vom Australier Jesse Martin.

    1999, mit 18 Jahren, war er der jüngste Mensch der einhand, nonstop, und ohne
    jegliche Hilfe von außen um die Welt segelte.

    Julie las daraus als Gute-Nacht-Geschichte für Emily (jetzt 17), Jessica, Tom
    (14), und die elf Jahre alte Hannah. Für die Geschwister war es eine
    aufregende, abenteuerliche Art einzuschlafen, während das Wasser an die
    Bordwand ihres schwimmenden Zuhauses plätscherte. Für Jessica war es wie ein
    Ruf zu den Waffen. Es wurde zu einer persönlichen Herausforderung für sie, der
    jüngste Mensch zu sein, der die Welt einhand umrundet - was sie ab Mitte
    September versuchen wird.

    Sollte sie die Reise von 22 000 nautischen Meilen auf einem 10-m Boot innerhalb
    der von ihr als Ziel gesetzten acht Monate erfolgreich beenden, dann wird sie
    einem sehr exklusiven Club angehören.

    Ihr Name wird im selben Atemzug genannt werden, wie der des Amerikaners Joshua
    Slocum, der 1898 die Welt alleine umsegelte, oder der des Francis
    Chichester-welcher 1967 der erste Mensch war, der die Reise einhand um die
    großen Kaps gemachte hat. Zwei Jahre später gelang dies Robin Knox-Johnston
    nonstop. 1988 wurde der Australierin Kay Cottee als erster Frau diese Ehre
    zuteil, und 2005 segelte die Engländerin Ellen McArthur die schnellste Zeit.

    Jesse Martin bleibt der jüngste Mensch der diese Reise ohne jegliche Hilfe von
    außen absolviert hat, aber der Westaustralier David Dicks, der nicht völlig
    ohne Hilfe von außen blieb, da ihm ein Ersatzbolzen von einem Hubschrauber
    abgeworfen wurde, ist der jüngste von allen. Er war zwar auch 18 Jahre alt,
    aber ein paar Tage jünger als Martin als er seine Reise 1996 beendete.

    Dicks hat nie mit Jessica gesprochen, aber alle Veröffentlichungen ihres
    Vorhabens genau verfolgt. "Sie wird es die erste Zeit sehr hart finden"sagt er.
    "Es ist ein kühnes Unterfangen, und sobald du den Hafen verlässt, mußt du nach
    anderen Schiffen Ausschau halten. Du fragst dich dann worauf du dich eigentlich
    eingelassen hast, aber nach der vierten Woche fühlte ich mich gut, hatte alles
    hinter mir gelassen, und alles wurde zur Gewohnheit. Wenn Du dann in der Mitte
    eines Ozeans bist, das ist manchmal schon ein schreckliches Gefühl." Der
    Amerikaner Zac Sunderland und der Brite Mike Perham, die beide 16 waren als sie
    ausliefen, sind beide noch auf See und noch im Zeitlimit um Dicks Rekord zu
    brechen. Jessica beschäftigt sich aber schon seit Jahren damit, diesen Rekord
    in Angriff zu nehmen.

    Während andere Mädchen im Teenager-Alter die Wände ihres Schlafzimmers mit
    Postern von Popstars und Ponies zukleben, verzierte Jessica die kleine
    Vorschiffskabine, die sie mit Emily teilte, mit Bildern von Riesenwellen,
    Stürmen und Segelbooten.

    "Ich hatte schon vorher ungefähre Ideen so etwas zu machen, aber erst durch
    Lionheart habe ich begriffen-WOW !-jeder kann alles schaffen" sagt Jessica.
    "Ich dachte mir, das ist cool. Kann ich das auch?"

    "Das war harte Arbeit, meinen Eltern-und auch anderen zu sagen, daß ich ernst
    genommen werden möchte."

    "Alle fragten immer wieder warum ich das tun wollte und ich wußte keine
    Antwort. Da gibt es für mich unzählige kleine Argumente. Ich wollte mich einer
    Herausforderung stellen; ich wollte etwas erreichen und den Namen eines
    Mädchens der Liste hinzufügen. Ich wollte sehen wie ich es acht Monate mit mir
    alleine aushalte und wie ich mit den Herausforderungen, den Stürmen und den
    Meilensteinen umgehen werde. Das tolle Gefühl erleben, wenn man Probleme gelöst
    hat, wie zum Beispiel einen Sturm überstanden, oder sonst irgendwas zu Ende
    gebracht hat."

    Aber dazu muß man erstmal etwas anfangen. Wie gelingt es einem jungen Mädchen
    andere von einem Vorhaben zu überzeugen, das sich wie ein Märchenfilm aus
    Disneyland anhört? "Das war harte Arbeit, meine Eltern und auch andere davon zu
    überzeugen, daß sie mich ernst nehmen sollten. Es war ziemlich eigenartig. Ich
    bestand nur noch aus-ich will, ich will, vielleicht will ich.........Ich habe
    oft vielleicht gesagt, aber ich habe niemals das "vielleicht" gedacht. Ich
    dachte immer: so und nicht anders.

  3. #3
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    Standard Hintergrund - Teil 2

    "So begann ich Anderen darüber zu erzählen und sobald ich sie davon einnehmen
    konnte, machte ich die Erfahrung, daß dann alles wie von selbst weiterlief.
    Dann grübelte ich weiter, was machen wir konkret, was ist der nächste Schritt,
    wie erreichen wir unser Ziel? Das war der schwierigste Teil des Ganzen, wie
    erreiche ich konkret mein Ziel." Sie erstellte für sich einen Plan, schrieb
    Vorschläge, und nahm mit jedem Kontakt auf von dem sie annahm, daß er hilfreich
    sein könnte.

    Entweder war es ein Mechaniker, der an einem Boot in der Mooloolaba-Marina
    arbeitete, in der die Watsons auf ihrem Motorboot lebten, oder der
    Einhandsegler Bruce Arms, den sie über Freunde kennenlernte. Jessica stellte
    Fragen über Fragen, passte gut auf und lernte dabei.

    "Meine größte Sorge sind die großen Wellen, " sagt Julie.

    "Roger denkt, daß das größte Problem die Einsamkeit ist, aber Jessica meint daß
    sie am meisten Angst davor hat, daß etwas am Boot nicht mehr funktioniert und
    sie nicht in der Lage ist das wieder zu reparieren."

    "Sie hat versucht so viel zu lernen wie möglich. Als wir auf einem Boot lebten
    hat sie allen Beschäftigten der Marina gesagt: Wenn ihr etwas vorhabt,
    irgendetwas repariert, ruft mich bitte, daß ich kommen kann um euch zu helfen."
    "Immer wenn Roger am Auto gebastelt hat, war sie dabei, bis sie es selbst
    konnte." Die Leute denken daß das Projekt dann anfängt, wenn sie das Boot
    betritt und die Leinen löst. Für Jessica begann das aber schon vor drei Jahren,
    und sie hat sich immer und immer wieder selbst bestätigt."

    Sie hat sich den Medien gestellt, Kritikern geantwortet, Sponsoren geworben,
    Kurse in Sicherheit auf See und Reparatur von Dieselmotoren gemacht, und
    finanzierte sich ihre Rückflüge von Hochseetörns als Tellerwäscherin in einem
    Fischrestaurant. Nach zwei solcher Törns, nach Tasmanien mit Arms und nach
    Neuseeland mit Skipper Jim Hawke waren ihre Eltern davon überzeugt, daß sie es
    um die Welt schaffen könnte.

    "Sie hat uns bewiesen, daß sie mit extremen Situationen umgehen kann, "sagt
    ihre Mutter Julie. Jedes Hochseesegeln wurde nach strategischen Gesichtspunkten
    ausgesucht in Verbindung mit dem Wissen, welches ihr der entsprechende Skipper
    dabei vermitteln konnte.

    "Am Anfang waren Roger und ich immer die reinsten Nervenbündel, aber wir
    konnten einfach nicht anders. Wir haben die ganzen Aufgaben an Land übernommen,
    haben uns die Charaktereigenschaften der Menschen genau angeschaut mit denen
    sie segeln würde, und als sie dann zurückkamen haben wir den Skippern Löcher in
    den Bauch gefragt. Ich zog die Skipper zur Seite und sagte: Hör' zu, denkst Du
    sie hat nur Flausen im Kopf oder ist das eine reale Sache?"

    Und jeder von ihnen antwortete: Ja, sie hat es drauf, sie kann es. Sie macht es
    richtig. Damit hat sie sich drei Jahre beschäftigt, zwei Jahre davon
    ausschließlich. Sie hat sich das Wissen, die Erfahrung und Fähigkeiten
    angeeignet. Arms, ein Bootsbauer und Lackierer aus Mooloolaba war so überzeugt
    von ihr, daß er zwei Monate seiner Zeit geopfert hat um bei der Ausrüstung und
    Vorbereitung von Jessicas Boot zu helfen

    "Ich habe sie letztes Jahr im Juli kennen gelernt" sagt der 48-jährige. (Arms)

    "Da war das kleine Mädchen, kaum 15 Jahre alt, und erzählt mir daß sie alleine
    um die Welt segeln will und Du denkst Dir 'Na gut, klingt ja recht
    interessant'. Sie zeigte mir ihre Planungen die sie notiert hatte, und ich sage
    euch, das war erstaunlich! Sie war so jung, aber auch schon so erwachsen. Ich
    habe ihr einige eingehende Fragen gestellt und sie hat sie alle mit Bravour
    beantwortet.

    "Dann habe ich sie mit aufs Wasser genommen und gemerkt, daß sie viel besser
    segeln konnte als eine Menge von Leuten, die schon viel mehr Erfahrung hatten.
    Vor allem mußte sie Seemannschaft lernen; wann man welche Segel setzt, wann man
    den Seeanker einsetzt damit man nicht die Wellen hinunterstürzt oder wenn man
    mal Schlaf braucht. Solche kleinen Dinge bedeuten viel bei einem Vorhaben, wie
    dem von ihr."

    Arms, der mit seiner Frau Suzanne zusammen Jessica als Co-Skipper mitnahm, als
    sie in ihrem 14-m Katamaran nach Hobart segelten fügt hinzu: "Meine Frau
    meinte, sie konnte nachts tatsächlich schlafen wenn Jessica am Ruder war. Das
    sagt schon viel. Es ist ein teures Boot, kostet ungefähr $600 000. Da denkst Du
    schon nach, wenn oben ein 15-jähriges Kind alleine ist, während man mitten in
    der Nacht vor dem Wind dahinjagt, so wie wir damals. Aber sie ist sehr gelassen
    und ruhig, auch wenn sie unter Druck steht."

    "Umso mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, umso weniger wollte ich glauben, daß
    ich es mit einer 16-jährigen zu tun hatte. Unter uns ist sie einfach nur ein
    Segler."

    Arms, der 2007 das Solo-Tasman-Yachtrace von New Plymouth, Neuseeland, nach
    Mooloolaba gewonnen hat glaubt, daß die größte Herausforderung für sie während
    der acht Monate auf See eine psychische sein wird. "Da ist diese Einsamkeit.
    Die mußt Du ertsmal verdauen. Wenn das Wetter schlecht ist fühlst du dich
    schlecht, und du willst nach Hause. Nächste Woche ist das Wetter vielleicht gut
    und du fühlst dich wohl, aber acht Monate alleine......... Das ist ein Umstand,
    mit dem wohl jeder zu kämpfen hätte. "Erst recht eine 16-jährige, die erst vor
    ein paar Wochen ihren Yachtführerschein gemacht hat und fast keine
    Einhand-Erfahrung hat." Ein solches Argument beeindruckt Jessica nicht. "Bald
    werde ich für zwei Wochen einhand segeln". Aber wie kann man sich dabei auf
    acht Monate einhand vorbereiten?

    Hat sie denn dadurch schon genügend Erfahrungswerte, schon alleine was den
    Zeitraum betrifft?

    Jessica erwidert: "Ich habe einige Jahre damit zugebracht mir vorzustellen wie
    es da draußen ist. Du fragst dich fortlaufend 'Wie wäre das wohl jetzt, wenn
    ich draußen wäre, und wie würde ich mich dabei fühlen? ' Für mich gab es immer
    nur eine große gerade Linie bis zu meiner Ziellinie.......

    Für alle anderen, für die ganze Welt um mich herum war es WOOWW !, es ist wahr
    geworden. Aber für mich war es nur ein weiterer Schritt vorwärts auf meinem
    Weg, weil ich immer wußte, daß ich an diesen Punkt kommen werde."

  4. #4
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    Standard Hintergrund - Teil 3

    Ein großer Durchbruch gelang Ende letzten Jahres, nachdem Jessica dem
    tasmanischen Abenteurer Don McIntyre ihre Pläne per e-mail geschickt hatte.
    McIntyre ist Einhandsegler und hat 1995 mit seiner Frau Margie ein Jahr in
    einer an Felsen angeketteten Box von 2,4 m mal 3,6 m auf Kap Denison in der
    Antarktis verbracht- dem stürmischsten Platz der Erde.

    Die McIntyres zeigten ein besonderes Interesse für Jessicas Anfrage, gaben ihr
    Ratschläge für die Segelpraxis, Hinweise auf die mentale Vorbereitung - und ein
    Boot.

    "Sie sagten immer wieder 'Du brauchst ein Boot, damit die Dinge ins Laufen
    kommen ' und ich immer nur 'Ich weiß, ich weiß '. Was ich nicht wußte war, daß
    sie einen Plan hatten. "Die McIntyres beschlossen eine Yacht und die Ausrüstung
    zu kaufen und an Jessica zu leihen. Wenn ihre Reise zu Ende ist, werden sie das
    Boot an einen anderen jungen Abenteurer weitergeben, von dem sie meinen, daß er
    es verdient hätte.

    Letzten Monat hatte sie die Yacht zu ihrer Verfügung.

    Die Yacht erweckte bei weitem nicht den Eindruck, daß man damit das
    Südpolarmeer, Kap Hoorn und überhaupt 32 Wochen auf See bewältigen könnte. Sie
    war 1984 gebaut und hatte offensichtlich schon einiges erlebt-aber in Jessicas
    Augen war sie perfekt. Es ist eine S&S 34, derselbe Schiffstyp wie Jesse
    Martins Lionheart und David Dick's Seaflight.

    "Das ist ein starkes Boot, wie ein Pit Bull", sagt Dicks. Es ist keine
    Rennyacht, aber sie übersteht alle Situationen der sie ausgeliefert ist.
    Jessica wird im Southern Ocean Stürme erleben, das erlebt dort jeder. Ich hatte
    drei knockdowns, bei denen der Mast auf das Wasser aufschlug, aber so lange sie
    sich nicht am Kopf verletzt, wird sie das schaffen. Ich sehe kein Problem wegen
    ihres Alters. Ich vermute, umso jünger du bist, umso wagemutiger bist du."

    Nachdem das Boot letzten Monat für drei Tage auf der Bootsausstellung in
    Sanctuary Cove an der Goldküste ausgestellt wurde, übergab es Jessica an Arms,
    um es in Mooloolaba zu überholen und auszurüsten.

    "Sie wird sich da draußen in rauhem Wetter aufhalten, und wir wollen nicht, daß
    sie sich verletzt "sagt Arms. "Wir entfernen alle scharfen Kanten und
    installieren Sicherheitsgurte an ihrer Koje.

    Wir machen es wasserdicht, wie ein Unterseeboot. Wir möchten, daß sie es warm
    und trocken hat."Er schätzt, daß wenn die Yacht- die im Moment
    youngestround.com heißt, aber für Angebote von Sponsoren offen ist--mit dem
    Neuesten an Kommunikations- und Satellitentechnik ausgerüstet ist, bis zu 200
    000 $ wert sein kann. Das meiste wurde von Sponsoren zur Verfügung gestellt.

    Es ist diese Ausrüstung- im Verein mit der Erfahrung des in Neuseeland lebenden
    Schotten Bob McDavitt, der als einer der besten Wetterrouter der Welt
    gilt--welche wesentlich zur Beruhigung der Watsons beiträgt wenn ihre Tochter
    zu dieser mutigen Reise startet. Jessica: "Ich möchte erleben wie ich mit acht
    Monaten Einsamkeit umgehe, mit den Herausforderungen und den Meilensteinen
    entlang des Weges."

    Es ist einfach zu verstehen wie Jessica schon in jungen Jahren zu der
    Überzeugung kam, daß alles möglich ist. Ihre Eltern stammen ursprünglich aus
    Neuseeland, heirateten 1986 und flogen ein Jahr später nach Sydney. Sie kauften
    sich einen Kombi von einem Autohändler in der Parramattastraße, fuhren Richtung
    Norden und erreichten 20 Stunden später Surfers Paradise in einer Qualmwolke....

    Roger begann als Installateur zu arbeiten und wechselte 18 Monate später in das
    Immobiliengeschäft. Im Alleingang betrieben sie für acht Jahre ein
    erfolgreiches Geschäft, und verkauften es dann zusammen mit ihrem Haus und
    anderem Besitz. "Wir verkauften alles, was für andere Menschen ein komfortables
    Leben bedeuten würde", erzählt Roger, 48 Jahre alt. "Aber wir waren niemals
    ganz normal. Und die Kinder hatten niemals einen Fernseher." Sie hatten die
    Idee einen Bus auszubauen und in Australien herumzufahren-aber irgendjemand
    schlug dann ein Boot vor.

    "Als die Kinder jung waren, brachten wir sie zum Segelunterricht", sagt Julie,
    45. "Jessica war am Anfang nicht so begeistert. Sie war so winzig und dünn,
    aber letzlich war sie es doch leid nur am Ufer zu sitzen während die anderen
    draußen auf dem Wasser ihren Spaß hatten. Wir haben auf unseren Bus gewartet,
    als jemand im Yachtclub vorschlug-Warum besorgt ihr euch kein Boot und fahrt
    die Küste rauf und runter?-Und das haben wir dann gemacht. "

    Wenn das Wetter gut war, dann waren wir auf See, und wenn es schlecht war
    blieben wir im Hafen. Im Winter fuhren wir mit dem Bus umher. Die Kinder wurden
    durch eine Fernschule unterrichtet. "Eine Weile lang ging Jessica in die Schule
    ", sagt Julie, "aber Jessica meinte danach--Och Mama, das ist nicht mein Ding".
    Aber einhand um die Welt segeln, das ist ihr Ding....?

    "Ich bin überhaupt nichts besonderes, "erwiedert Jessica bestimmt. "Ich war
    immer das Mädchen, welches kein Selbstvertrauen hatte, aber man muß etwas
    anpacken und es wenigstens versuchen. Bevor wir mit dem Segeln begannen war ich
    diejenige die sich immer mit diesem und jenem beschäftigt hat, aber als wir
    dann konkret etwas erledigen mußten, habe ich immer mehr Selbstvertrauen
    entwickelt..... Du setzt dir selbst eine Herausforderung und lernst dabei damit
    umzugehen, und letztlich schaffst du das dann auch."

    Die Familie hat Anfang des Jahres ein Haus in Buderim gekauft. Es tat allen
    leid das Boot zu verlassen, aber sie nutzen es immer noch, sobald sie Zeit
    dafür haben. Das Haus mit dem Swimming-Pool und dem Blick auf das Wasser bietet
    genügend Platz für die Kinder und dient auch als Organisationszentrale für
    Jessicas Reise. Roger hat damit einen full-time Job, während Julie einige Tage
    in der Woche als Beschäftigungstherapeutin in Brisbane arbeitet.

    Von außen betrachtet scheint das alles irgendwie verrückt zu sein, aber
    verrückt in einem Guten Sinne. So sind halt die Watsons, und darin sind sie
    wirklich gut. "Ich meine schon daß wir anders sind als die anderen, aber dabei
    denke ich auch immer, so sind die Menschen einfach", sagt Jesse. "Wir haben das
    seit Jahren so gemacht, und ich war immer ein Teil davon, so daß es für mich zu
    einer Normalität wurde."

    Das gilt genauso für die Eltern. Sie haben sich all die Argumente angehört und
    dann zurückgewiesen, weshalb sie ihrer Tochter nicht erlauben sollten ihren
    Traum zu verwirklichen. Sogar der australische Familienverband hat sich
    eingemischt und betont, daß diese Reise zu riskant ist für ein Mädchen ihres
    Alters.

  5. #5
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    Standard Hintergrund - Teil 4 (letzter Teil)

    "Wir haben das wirklich nicht auf die leichte Schulter genommen "sagt Julie.

    "Wenn Andere meinen daß wir verrückt sind, dann gebe ich ihnen recht. Die
    meisten 16-jährigen wären dazu nicht in der Lage, aber die meisten 60-jährigen
    auch nicht-und Jessica ist nicht wie die meisten 16-jährigen." "Leute die
    erklären, daß Jessica dafür zu unreif sei, haben sie nie persönlich getroffen,
    "ergänzt Roger."Sie segelt keine Regatta, es gibt keinerlei Zeitlimit. Wenn das
    Wetter zu schlecht wird, dann kann sie einfach eine Pause machen. Und dann so
    Geschichten wie mit Piraten..... Vielleicht wenn sie um Somalia segeln würde,
    aber im Southern Ocean gibt es keine Piraten. Die Wahrscheinlichkeit daß einem
    etwas zustösst wenn man hier in Buderim in ein Restaurant geht ist sehr viel
    größer......" Jessica räumt ein, daß die ersten Tage auf See für sie hart sein
    werden.

    "Ich werde seekrank sein und mehr oder weniger unter den Stürmen zu leiden
    haben, denen wir unterwegs irgenwo begegnen, aber ich muß das einfach hinnehmen
    und damit umgehen." Wenn es etwas gibt, was sie auf die Palme bringt, dann ist
    es die Behauptung von Leuten ihre Reise wäre Leichtsinn.

    "Das ist komplett daneben. Diese ganzen Jahre der Vorbereitung und wir alles so
    sorgfältig wie möglich gemacht haben. Das ist auf keinen Fall Leichtsinn. Man
    hört auf die Meinungen anderer, aber für jeden der dir erklärt daß dies keine
    gute Idee ist, gab es unzählige andere die erwiderten 'Hör denen nicht zu. Mach
    dein Ding Jess.'"Sie findet, sie sei kein besonders gläubiger Mensch, aber das
    könnte sich während der langen Monate auf See ändern.

    Sie ist ein Mädchen welches ihre Freunde und Familie vermissen wird, und einen
    iPod mitnimmt, auf dem genügend Songs aufgespielt sind, daß sie keinen zweimal
    hören muß, dazu noch DVD's (Seifenopern und Girliegeschichten), und Bücher von
    Seglern, die sie inspiriert haben-Jesse Martin, Kay Cottee und Ellen McArthur.

    Sie weiß, daß auch sie Menschen inspirieren wird-und dies ist auch tatsächlich
    schon geschehen. "Ich hab e-mails gekriegt von Leuten die schrieben daß sie
    schon immer ein Boot haben wollten, oder von etwas anderem geträumt haben, und
    jetzt, wegen mir, da tun sie das auch."

    Es gab auch Briefe von jenen, die niemals eine solche Unterstützung wie Jessica
    erfahren haben-und das sind die welche Julie betroffen machen. Julie: "Da sind
    welche von älteren Menschen dabei, die schreiben daß sie eigentlich immer etwas
    unternehmen wollten, aber ihre Eltern haben ihnen nicht geholfen, und das ist
    für mich unendlich traurig."

    "So etwas gibt mir die Stärke meine Kinder zu unterstützen." Es muß zwar nicht
    unbedingt eine Einhand-Weltumrundung unter Segeln sein, die sich Julie für ihre
    Kinder aussuchen würde."Da gab es am Anfang Zeiten, in denen Jessica von einer
    Weltumrundung unter Segeln sprach und ich meinte 'Natürlich kannst du das' und
    habe gleichzeitig zutiefst gehofft daß sie es nicht tun würde.

    Ich antwortete dann, "Schau mal, wenn du irgendetwas umsegeln willst, warum
    segelst du denn nicht um Old Woman Island, oder Birbie?" Und Jessica erwiderte
    immer wie es jede andere 16-jährige tun würde: "Oh Mama, du kapierst es
    einfach nicht "

  6. #6
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    Standard

    @peter13:

    Ein großes DANKESCHÖN für die tolle Übersetzung.
    Steckt viel Arbeit drin.

    Gruß
    Vorsty

  7. #7
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    Standard Hintergrund-Information zu Jessica Watson's Weltumrundung

    Gratuliere zu der gelungenen Übersetzung des australischen Textes; seine
    Kenntnis macht uns zu Zeitzeugen eines bisher einmaligen Ereignisses, in
    dessen Zentrum eine junge, mutige und schöne Frau steht, die Segel-Ge-
    schichte schreibt.
    Danke dafür, Carl

  8. #8
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    Standard Verständnisfördernd

    Seitdem ich diesen Hintergrundartikel gelesen habe, verstehe ich vieles über und von Jessica Watson eigentlich sehr viel besser (nicht zuletzt ihr Hinweis auf Jesse Martin in einem der letzten Blogs).

  9. #9
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    Standard @ sagnix

    merci pour les fleurs !
    je peux rire un peu ???
    Geändert von peter13 (19.03.2010 um 00:22 Uhr) Grund: tippex

  10. #10
    SOPHIE Gast

    Standard

    Zitat Zitat von peter13 Beitrag anzeigen
    merci pour les fleurs !
    je peux rire un peu ???
    Qui hanno adunato i addetti ai lingue.

    SOPHIE.

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