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  1. #1
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    Standard Seenotfall der SY PINGUIN in der Nordsee im Jaht 2005, Gefangen in der Nordsee

    Seenotfall der SY PINGUIN in der Nordsee im Jaht 2005

    Erst mal eine Klarstellung:

    Nach einer solchen Angelegenheit finder sich in den Medien immer irgendjemand, der getrieben ist vom Wunsch, berichten zu wollen und aus Sensationskalkül die Realität verzerrt und Aussagen macht, die aufgrund halbherziger Recherche und durch Mangel an Vertrautheit mit dem Metier, zustande kommen:

    Hier das Paradebeispiel: http://www.welt.de/print-welt/articl...ein_Leben.html

    Uli Else trug keinen Kälteanzug, sondern einfache Regenbekleidung und Gummistiefel. Auch waren es keine 28 km Entfernung zur dänischen Küste, sondern mehr als 30 km.

    Desweiteren kann man als Eingeweihter kaum die Theorie unterstützen, daß es der eigenen Rettung förderlich sein kann, sich einfach nur treiben zu lassen. Gerade der Umstand, daß Uli Else aktiv schwamm und versuchte, sich an Sonnen- und Mondstand zu orientieren, hat ihn an die Küste Dänemarks zurückgeführt. Passivität hätte den Tod für ihn bedeutet!

    Hier sieht man einmal mehr, wie sehr Theorie und Praxis in Seenotfällen auseinanderklaffen können!

    Im ZDF wurde heute, am 18.12.2011 eine nachgestellte Filmsequenz sowie eine klarstellender Bericht Ulrich Elses veröffentlicht. Seine Aussagen waren informativ bis bewegend und haben das wahre Ausmaß des 25-stündigen Märtyriums in der Nordsee nacherleben lassen können.

    In der ZDF-Mediathek dürfte diese Reportage downzuloaden sein. Benutzen Sie den Veoh-Player unter www.veoh.com um den online-stream zu sichern! Nach meiner Erfahrung klappt es gut mit diesem tool; im Gegensatz zum VLC-Player.

    Ansonsten können Sie sich online den ZDF-Bericht ansehen unter: http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beit...in-der-Nordsee

    Kommentare erbeten!

  2. #2
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    Ich hab mir den nachgestellten Fetzen Film reingezogen.

    Nachdem der an Bord der Yacht verbliebene Segler den im Wasser schwimmenden
    Kumpel vergeblich an Bord zu ziehen trachtete (im Film sieht man, wie die beiden
    Segler sich die Hände reichen) fragte ich mich, warum dieser Einfaltspinsel an Bord
    des voll funkionstüchtigen Bootes keine Leine rüber gab und den MOB hinter sich
    her in Richtung Land zog, wo er ja auch tatsächlich ankam (er strandete das Kiel-
    boot unter Segeln und wollte Hilfe herbei holen, wo weit und breit keine Sau zu se-
    hen war). Darüber wurde es Nacht und man konnte sich weiter gruseln über so
    viel Doofheit.

  3. #3
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    Nun ja, ich habe den Betroffenen dieser kleinen Tragödie mit gutem Ausgang kennengelernt und leider berichtete er, daß der "Mitsegler" kein Segler war und es an Erfahrung mangelte. Die Szene, die den Versuch beschreiben sollte, den Bootseigner wieder an Bord zu holen, ist natürlich gekürzt. In Wirklichkeit versuchte der Eigner minutenlang hangelnderweise das Heck des Bootes zu erreichen, um die Badeleiter zu erreichen. Der Mitsegler war jedoch dermaßen geschockt, daß er weder Fahrt aus dem Schiff nehmen konnte (zum Beispiel durch loswerfen der Schoten), noch irgendwie sonst eine sinnvolle Aktion zur Rettung des Überbordgefallenen beitragen konnte, was ihm nach Ende der Geschichte mehr als peinlich war und ihm Schuldgefühle aufbürdete.

    Man sollte fair bleiben und persönliches Versagen nicht mit "Doofheit" umschreiben. Wir alle würden gerne Helden sein in solchen Situationen. Es gibt aber leider immer wieder Beispiele, daß selbst selbsterhöhte Großmäuler versagen in solchen oder ähnlichen Situationen. Wir alle sind fehlbar. Deswegen gibt es die "Sea and Air Rescue".

  4. #4
    Ausgeschiedener Nutzer Gast

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    Zitat Zitat von trikita Beitrag anzeigen
    Deswegen gibt es die "Sea and Air Rescue".
    Ich kenne nur
    SAR--Search and Rescue.

    pogo

  5. #5
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    Zitat Zitat von trikita Beitrag anzeigen
    Wir alle würden gerne Helden sein in solchen Situationen. Es gibt aber leider immer wieder Beispiele, daß selbst selbsterhöhte Großmäuler versagen in solchen oder ähnlichen Situationen. Wir alle sind fehlbar.
    100% Zustimmung. Und Großmäuler gibt es hier mehr als genug.
    Handbreit - Ralf

  6. #6
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    wahnsinn!
    man muß sich das einmal vor die augen halten: du bist im wasser und das boot entfernt sich! du denkst: der muß mich doch noch sehen und rausholen! und das boot fährt weiter und weiter!!!
    grusel!
    http://www.earlywood.at/index.html

  7. #7
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    Das Problem war wohl in erster Linie, daß der an Bord verbliebene "Vorschoter" Bernd durch einen tiefen Schock handlungsunfähig war. Er wußte - mangels Erfahrung - nicht, was als nächstes zu tun sein würde, und der Verlust seines Skippers Uli lähmte Bernd so sehr, daß er nicht einmal mehr auf den Gedanken kam, einen Notruf über das an Bord befindliche UKW-Funkgerät abzusetzen. Stattdessen resignierte Bernd vollkommen, klemmte sich unter Deck in eine der Kojen und das Boot strandete Stunden später an einem Sandstrand der dänische Küste. Das Boot wurde ziemlich stark verwüstet, aber Bernd konnte sich retten und die Rettungskette in Gang setzen, wennauch viel zu spät! Denn die Dämmerung ließ nicht mehr lange auf sich warten. Das war der eigentliche Nachteil für Ulrich Else: Er hätte bessere Chancen auf seine Bergung gehabt, wenn die Suchaktionen vier oder fünf Stunden eher eingeleitet worden wären.
    Geändert von trikita (21.12.2011 um 18:57 Uhr)

  8. #8
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    @ trikita: wenn du dich mit dem Fall so gut auskennst, erzähl doch mal, warum der überhaupt in den Teich gefallen ist, bzw.gab es gute Gründe, warum der Kollege, insbesondere weil er mit einem Nichtsegler auf einem solchen Törn unterwegs war, nicht angeleint war.

    und was sollen wir deiner meiner nach aus diesem Seeunfall lernen.
    smooth sailing - und immer viele Blubberbläschen im Prosecco

    Wladi

  9. #9
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    Zitat Zitat von Wladimir Beitrag anzeigen
    @ trikita: wenn du dich mit dem Fall so gut auskennst, erzähl doch mal, warum der überhaupt in den Teich gefallen ist, bzw.gab es gute Gründe, warum der Kollege, insbesondere weil er mit einem Nichtsegler auf einem solchen Törn unterwegs war, nicht angeleint war.

    und was sollen wir deiner meiner nach aus diesem Seeunfall lernen.
    @ Wladi: Deine Sätze klingen in meiner Wahrnehmung ein wenig vorwurfsvoll. Niemand ist gezwungen, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Wer es dennoch tut, wird mit Sicherheit nur davon profitieren, weil ich ohnehin geplant hatte, noch mehr Informationen zu liefern, sodaß ein Überblick über die Gesamtsituation möglich ist und folglich auch eine faire Fallanalyse möglich sein dürfte. Uli Else würde das gefallen, denn er hat seinen Seenotfall nie verschwiegen; auch dann nicht, als er damit rechnen mußte, daß die Medien ihm möglicherweise nicht gewogen sein sollten. Ihm ist selbst klar, daß ihm Vorfeld ein paar Fehler unterlaufen sind, deren Fatalismus erst nach dem Sturz ins Wasser ihn in eine so ausweglose Situation gebracht hatten.

    Was jemand aus diesem Fall für sich herauspickt, ist jedem selbst überlassen. Der eine tut es, der andere eben nicht! Es soll hier niemand belehrt werden. Allein die Fakten sind allerdings lehrreich genug und wenn jemand Interesse genug hat, seine eigenen Sicherheitsrichtlinien an Bord einzuhalten oder zu verbessern, kann das der Seemannschaft an Bord nur zuträglich sein.

    Aber zurück zu dieser Geschichte.

    Man fuhr raus bei handigem Wetter und es war geplant, in nördlicher Richtung zu segeln. Geplant war ein Törn mit dem Schwerpunkt, später - in ruhigen Gewässern - die Angeln auszuwerfen.

    Der Wind briste auf und der Wellengang nahm zu. Alles in allem Verhältnisse, die Uli erwartete und er glaubte, mit den Anforderungen an sein Können zurechtzukommen. Erwähnenswert ist, daß Uli jahrelang bei der ostdeutschen Marine tätig war und daß ihn seine Reisen selbst in die Karibik geführt hatten. Mit anderen Worten: Er hielt seine Erfahrung für vollkommend ausreichend und war navigationsmäßig bestens ausgestattet. Seine seemännische Erfahrung und die digitalen Seekarten sowie eine mehr als ausreichende Stromversorgung für das notebook gaben ihm Sicherheit genug, sich einen Törn dieser Art zuzutrauen. Er war mit Regenblekleidung und Gummistiefeln bekleidet und als der Wind zunahm, war sein erster Gedanke zu reffen. Hätte er diesem ersten Impuls sofort Folge geleistet, wäre es wahrscheinlich nicht zu diesem Drama gekommen. Die Wellenhöhe nahm jedoch binnen der nachfolgenden Minuten an Höhe und Gefährlichkeit zu, sodaß selbst ihm mulmig wurde, nachdem er begriff, daß er nun keine Wahl mehr haben würde und die Großsegelfläche durch zwei Reffs zu verkleinern hatte. Er überließ Bernd das Steuer, machte sich daran den Mast zu erreichen und hätte spätestens in dieser Phase des Geschehens einen Lifebelt anlegen und sich wähend des Reffvorgangs mit einer Leine am Mast sichern müssen.

    Ich selbst stehe auf dem Standpunkt, daß die allerbeste Lebensversicherung noch immer die über beide Gangboards gespannten Gurtbänder sind, an denen man auf der Backbord- oder Steuerbordseite eingepickt entlanglaufen kann und stets Verbindung zum Boot hat. Mit dem zweiten Ende der Lifeleine kann man sich bedarfsweise am Mast sichern.

    Uli hatte nichts davon installiert, aber er glaubte, die Reffarbeit schnell erledigen zu können. Eine Welle brach seitlich über's Boot, und er kann selbst nicht genau sagen, ob es ein Steuerfehler Bernds war, der womöglich das Boot quer zur See brachte, oder ob es eine überdurchschnittlich große Welle war. Wie dem auch sei: Die Folgen sind Euch ja bekannt. Er wurde über Bord gewaschen hielt sich aber im letzten Augenblick - außenbords hängend - am Seezaun fest. Ihn verließen recht schnell die Kräfte und der Vorschoter kam leider nicht auf die Idee, irgendeine Leine klar zu machen und ihn damit erst einmal zu sichern. Die Strömung am Boot ließ natürlich nicht nach, weil das Boot noch minutenlang in Fahrt war und Uli schätzte seine Chance nun immerhin realistisch genug ein, sich nicht mehr auf die Hilfe seines Reisepartners zu verlassen, sondern sich an der Fußreling zum Heckkorb des Bootes zu hangeln, um dort die Möglichkeit zu bekommen, in Reichweite der Heckbadeleiter zu kommen. Es half alles nicht, weil die Wellen zu hoch waren und das Boot leider noch immer Fahrt machte, obwohl es nur vertrieb, also driftete.

    Der Griff wurde schwächer und Uli durchzuckte die Erkenntnis, daß der Zeitpunkt, loslassen zu müssen, recht nahe war.

    Beim Loslassen des Bootes rief er seinem Partner zu, daß er versuchen solle, das Boot zu wenden. Bernd schaute ihm entgeistert entgegen und wußte scheinbar nicht, was er zu tun hatte, um das Boot durch einen Kreuzschlag wenigstens in die Reichweite des hilflos treibenden Uli zu bringen hatte.

    Auch kam ihm scheinbar nicht die Idee, den Motor zu starten; totales Versagen durch Schock, gepaart mit Unwissenheit und Mangel an Routine.

    Uli rief ihm noch zu, daß er Hilfe anfordern müsse, aber es ist anzuzweifeln, daß zu diesem Zeitpunkt weder akustisch, noch begriffstechnisch irgendein Rat oder Befehl in Bernds Bewußtsein gedrungen wäre.

    Uli war klar: Er würde schwimmen müssen, um eine Chance zu haben.
    Geändert von trikita (21.12.2011 um 22:08 Uhr)

  10. #10
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    Zitat Zitat von Makis Enefrega Beitrag anzeigen
    fragte ich mich, warum dieser Einfaltspinsel an Bord
    des voll funkionstüchtigen Bootes keine Leine rüber gab und den MOB hinter sich
    her in Richtung Land zog,
    Da gab's doch auch mal den Fall, wo eine Frau ihren Mann nicht aus dem Wasser ziehen konnte, stattdessen angeleint hinter dem Boot zum nächsten Hafen zog - wo er allerdings bereits ertrunken war.

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