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  1. #1
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    Standard Vom Fußgänger zum Einhandsegler - wie anstellen

    Hallo liebes Forum,

    Mein (Nach)Name ist Teewes und wie man daran erkennt, bin ich durchaus am Wasser groß geworden, und zwar an der Ostsee, die ich auch heute wieder vor der Haustür habe. Zur großen Schande meiner Familie sind wir jedoch eher Landratten. Das will ich nun ändern. Meine Erfahrungen sind gering. Bin als Jugendlicher ein paar mal mit einem H-Boot mitgesegelt, werden insgesamt so 10 Seetage sein. Der Skipper, mein kurzzeitiger Stiefvater, war allerdings von der Sorte "ich kann das schneller und besser", daher habe ich außer mal ne Stunde Kurs halten und paar Wenden fahren nicht so viel dabei gelernt. Also betrachte ich mich als Anfänger, das wird das beste sein um aufzubauen.

    Was will ich hier nun erfragen, nun, wo man lernen und Scheine machen kann weiss ich. Mich treibt was anderes um. Im Gegensatz zu den meisten mir bekannten Seglern strebe ich eigentlich weniger das Gemeinschaftserlebnis an. Ich ertappe mich eher dabei, wie ich mir vorstelle, mit einem kleinen Boot (bewohnbar, aber deutlich unter 10 Meter) einfach nur kleine Touren zu den schönsten Badebuchten, Inseln und Häfen meiner Heimat zu unternehmen, bei Laune vielleicht mal etwas weiter für ein Wochenende. Und zwar allein. Raus in die Natur, Wind und Wellen, stressigen Job vergessen. Ankern, was feines auf dem Trangia brutzeln, in der Sonne faulenzen oder schwimmen. Sozusagen als mein Refugium.

    Die Reaktionen sind gemischt. Roter Faden ist allerdings, dass Segeln im Grunde Mannschafts- und Familiensport ist. Dass man erst mal 2-3 Jahre als Gast mitfahren muss. Alleine ist gefährlich. Usw. usf. Wobei ich jetzt nicht naiv bin, ich weiß dass das grundsätzlich auch stimmt. Natürlich fängt der Weg in der Horde an, Segelschule, mehrköpfige Schulbootbesatzung, alles klar, ohne geht es nicht.

    Dennoch wollte ich hier mal ausloten ob es noch andere gibt die den entspannten Rückzug in bester eigener Gesellschaft lieben, und wie lange und welche Schritte Ihr ggf. gebraucht habt, um die nötige Erfahrung zu sammeln. Manche Leute lernen am besten durch eigenes Austesten, Rantasten und Machen. So welche wird es unter Seglern doch wohl auch geben?

  2. #2
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    Zitat Zitat von Teewes Beitrag anzeigen
    ... Manche Leute lernen am besten durch eigenes Austesten, Rantasten und Machen.
    So welche wird es unter Seglern doch wohl auch geben?
    Ich bin einer von den wenigen Autodidakten, sowohl auf dem Segelsektor als auch hier im Forum,
    und verstehe Sie deshalb gut. Es gibt für uns - die wir anders sind und uns nicht korrumpieren las-
    sen - nicht "DEN KÖNIGSWEG". So wie Sie sich hier beschreiben und ich sie einschätze, werden Sie
    Ihren eigenen Weg finden.

    Zu ihrem "roten Faden": den einzigen, den ich gelten lasse, ist das Wetter; seine Beobachtung ist
    essentiell. Die Frage "Gehe ich raus oder bleibe ich im Hafen?" klärt sich mit der Kenntnis der Groß-
    wetterlage und der Einfluss-Größen, ob ich ein gestecktes Tagesziel gesund und mit heilem Schiff
    erreiche. Lektüre macht schlau und gelegentliches "Hand-gegen-Koje"-Mitsegeln emfiehlt sich.
    Ziel dieser Herantasterei sollte sein, sich auf seinen Instinkt verlassen zu können.

  3. #3
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    Standard

    Um das zu können, was Du planst, Teewes, musst Du nicht erst 1000 Meilen auf der Nordsee gemacht haben. Aber Du musst Dich mit Deinem Boot allein sicher fühlen: Meine Idee: Bei einer ganz ordinären Segelschule mit Jollen, mit diesen gutmütigen Schulungsjollen, das "Fahren" lernen. Den SB-See musst Du machen wegen der Regeln und den Grundkenntnissen in Navigation. Dein Boot sollte dann sehr gutmütig sein, kurstreu, einfach zum An und Ablegen, handlich: ich denke da an Hallberg Rassy 29 z.B.
    Sie böte auch den gewünschten Basiskomfort, um mal drauf zu übernachten.
    Dann: Learning by doing. C.

  4. #4
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    Standard

    Ich kenne einige Segler, die nie eine Segelschule besucht haben. Ich kenne keinen Segler, der nicht von anderen gelernt hätte.
    Auch wenn es nur durch genaues Hinschauen war. In den meisten Fällen war das auch mit Kosten verbunden, die durch verpatzte Manöver entstanden.
    Alleine und Einhand setzt ja nun nicht unbedingt voraus, dass man die Grundbegriffe nicht lernen darf. Da gehört (gerade an der Küste) auch ein gutes Mass Theorie zu. Sicher kann man sich auch das selbst beibringen. Meine Erfahrung ist, dass es schneller und unkomplizierter geht, wenn jemand selektiert und Ihnen den roten Faden aufzeigt.
    Also fragen Sie mal nach einer guten Segelschule und erlernen Sie die Grundlagen durchaus in einer Gruppe. Aus deren Fehlern können Sie am schnellsten lernen. Eine Prüfung muss heute ja nicht mehr unbedingt sein.

  5. #5
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    Zitat Zitat von carsten.sauerberg Beitrag anzeigen

    Den SB-See musst Du machen wegen der Regeln und den Grundkenntnissen in Navigation.
    Dass man den machen sollte (aus den von Dir genannten Gründen) gestehe ich gerne zu. Aber wo steht, dass man muss?

  6. #6
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    Zur kleinen Kurskorrektur: ich habe nicht vor, alles autodidaktisch zu machen und strebe auf jeden Fall den SB an. Mir geht es eher um die Frage, wie schnell man dann flügge werden kann. Ich habe schlichtweg einige Bekannte im Ohr, die so tun als wenn mehrere Jahre seglerisches Hordenleben der einzig wirklich solide Einstieg ins Seegeschäft sind.

  7. #7
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    Nee, da hat der Maki schon recht. Mit einer soliden Grundausbildung und dem notwenigen Respekt vor Wind und Wellen lernt man schnell was man sich selbst zutraut oder auch nicht. Das Schiff kann in der Regel mehr aus die Crew.

  8. #8
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    Standard

    Kurzer Weg: kauf dir ein altes 6-7m Böötchen, setz dich rein und segel los. Bei dem einen oder anderen hat das gereicht und bei der Größe bist du mit AB unter 15PS unterwegs und brauchst gar keinen Schein. Zeit bis zum Ablegen - gefühlte 10 Minuten.

    Langer Weg: lass dir von hunderten selbsternannten Salzbuckeln, die im Jahr mindestens 10 Meilen mit einem Segelboot auf der Ostsee motoren, alles mögliche erzählen - vor allem das Scheine Scheisse sind. Dann mach deine ersten Erfahrungen, finde raus, dass die Salzbuckel Quatsch erzählt haben. Sei blöde und versuche den ganzen Scheinweg zu beschreiten von SBF-Binnen unter Segel bis zum SHS. Wenn du irgendwann vor lauter Lernen und der vielen Langeweile nicht zum Segeln gekommen bist, dann schaust du einfach auf deine Scheine in der Glasvitrine und freust dich dran.

    Irgendwo dazwischen liegt DEIN Königsweg. Ich empfehle meistens das Thema schrittweise anzugehen: als blutiger Laie erst einmal mitsegeln - bei jemandem der es wirklich kann. Du wirst bei der Suche entweder Glück haben, oder herausfinden, dass es gar nicht so einfach ist so einen zu finden. Nach den ersten "Gehversuchen" dann die Entscheidung treffen was für Scheine und was für ein Fahrtgebiet man ansteuern möchte. Die Bandbreite von WochenendSegelwohnwagenBesitzern, die gelegentlich auch mal ablegen, bis zu auf und mit der See lebenden Hardcore Hochseeseglern ist gigantisch (und glaube bloss nicht unter Weltumseglern wäre die Verteilung der beiden Sorten Sorte anders als in der Kieler Bucht).

  9. #9
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    Im Zweifelsfall in den Versicherungsbedingungen, falls Teewes seinem Boot eine Haftpflicht- und Kaskoversicheurng angedeihen lassen möchte - auch wenn der Dampfer möglicherweise (oder gar vermutlich) unter 15 PS motorisiert ist und somit neuerdings amtlicherseits führerscheinfrei gefahren werden darf.
    Also, SpoboSee sollte essentiell sein. Zumal einhand. Auf See ist man natürlich nur sich selbst verantwortlich, aber als noch relativ Ungeübter allein im Hafen zu manövrieren, erhöht das Rempel- und damit Haftpflichtpotenzial doch ziemlich exponentiell, darüber sollte man sich keine Illusionen machen.

    Aber davon auch nicht abschrecken lassen. Soviel dazu.

    Moin Teewes,

    ich persönlich bin kein großer Anhänger des Einhandsegelns, das vorweggeschickt. Kam aber durchaus schon vor.
    Man muss sich einfuchsen, für das jeweilige Boot ein paar Standardsituationen vor allem in Häfen bei An- und Ablegern unter unterschiedlichen Windbedingungen einüben.
    Die meisten kleineren Boote (so irgendwas um 7-8 Meter sollten völlig ausreichend sein) kann man auch allein beherrschen, obwohl sie nicht alle gleichermaßen gut dafür geeignet sind.
    Hübsch sind Langkieler oder zumindest gemäßigte Kurzkieler mit Skeg, weil die sauber eingetrimmt auch mal von allein geradeaus fahren, wenn Du unterwegs mal irgendwas verrichten musst. Das Gegenteil davon sind Boote mit angehängtem Ruder. Das ist sehr instabil, weil jede kleine Kursabweichung sich innerhalb weniger Sekunden selbst verstärkt. Hat mich selbst auf dem an sich gutmütigen Folkeboot geärgert. Trimmen nützte wenig, weil beim Turnen nach vorn sich der gewichtstrimm verändert und dann fährt die Karre eben doch nicht mehr geradeaus. Ein Pinnenfeststeller kann bedingt Abhilfe leisten. Besser ist ein Pinnenpilot. Beides kannst Du nachrüsten.
    Guck Dir ein Boot mit einem Cockpit aus, in dem Du mit der Pinnenverlängerung gut an alle Strecker und Winschen kommst.
    Achte auf ein Boot mit guter Übersicht aus der Rudergängerposition - Du hast ja keine Assistenz bei der Beobachtung des übrigen Verkehrs. Gut ist ferner ein Boot mit einer Standardbesegelung, die mit nur einem Vorsegel für (fast) alle Windbereiche auskommt => bessere Übersicht ohne überlappende Genua 1, keine Vorsegelwechsel unterwegs. Rollvorsegel nicht erforderlich, aber gern gesehen.
    Das Großsegel darf ruhig verhältnismäßig groß sein, sofern es unproblematisch aus dem Cockpit gerefft werden kann (Einleinenreff, ggf. nachrüsten).
    Du musst gelegentlich mal flink nach vorn laufen können - Boote ohne Seitendecks sollten außen vor bleiben.
    Du musst schnell mal Festmacherleinen vorbereiten können. Je mehr Klampen, desto besser. Eine Mittschiffsklampe für eine kurze Spring ist einhand ein Segen. Festmacher und fender sollten gut zugänglich im Cockpit gestaut werden können, und zwar so, dass man auch mit eingepicktem Pinnenpilot rankommt (häufig versperrt der den Zugang zur Backskiste, dumm gelaufen).
    Einbaumaschine vor Außenborder - nicht unbedingt der Zuverlässigkeit, sondern des Handlings wegen. Jedenfalls bei einem Boot mit Achterdeck. Wenn Du einen AB bequem aus dem Cockpit drehen kannst, ist das auch in Ordnung, in engen Häfen bist Du damit vielleicht sogar manövrierfähiger.
    Eine Reling ist Ansichtssache - ich halte die für verzichtbar. Eine gute Fußreling sollte aber vorhanden sein.

    Beliebig zu erweitern.

    Ach ja, das Handling: Bootsbeherrschung ist natürlich erste Bürgerpflicht. Wenn es da noch hakt, besuche einfach einen Kurs z. B. beim DHH in Glücksburg. Die üben mit Folkebooten. Da bist Du schon nah dran.

    Grüße
    Andreas
    Geändert von Andreas120 (22.05.2013 um 12:47 Uhr)

  10. #10
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    Moin,
    bei mir war es ähnlich wie du es beschreibst. Ich war mal auf nem Großsegler ne Woche uterwegs, hab mich ins Segeln verliebt und mir irgendwann ein kleines Segelbot gekauft und damit geübt. Es gibt 3 wichtige Lernfelder. Am meisten habe ich gelernt wenn Freunde die Segelerfahrung hatten mit auf meinem Boot gefahren sind. dann habe ich viel mit den Augen geklaut, wie stehen die Segel bei den anderen, Hafenkino etc... und aus meinen eigenen Fehlern (und ich habe wenig ausgelassen) habe ich gelernt. Ich segel jetzt seit ca 17 jahren und mindestens die Hälfte der Zeit alleine. Einhand ist für mich ganz wichtig. Ich bin kein Mensch wenn ich nicht wenigstens 2-3 Wochen im Jahr einhand unterwegs bin.Gerade in der Vollkaskowelt um uns ist es eine Zeit ohne Netz und Doppelten Boden alleine unterwegs zu sein, niemand dem man die Schuld geben kann wenn was schief läuft, keiner der einen stützt wenns brenzlich wird, du triffst deine Entscheidungen ohne die Möglichkeit andere Meinungen einzuholen und lebst mit den Konsequenzen. Meine erste Einhandtour und meine erste einhand Nachtfahrt, waren prägende Erlebnisse, die mein Leben sehr bereichert haben. Man kann die Zeit sehr gut nutzen um sich seiner selbst zu vergewissern (und natürlich zum entspannen, nicht vollgequatscht werden, baden furzen, grillen etc...) Eine Segelschule habe ich nie besucht, aber einen Sportbootführerschein gemacht, 10 Jahre nach den Anfängen. Das Navigieren und die Regeln habe ich mir selber angeeignet (eine Frage des Selbsterhaltungstriebs). Dazu gibt es Bücher.
    Wenn du eine Jolle segeln kannst, kannst du auch eine Yacht segeln, das Prinzip ist das Gleiche. Vereinfacht gesagt, das Einzige was einhand schwieriger ist als mit crew ist das Anlegen bei Schietwetter. Da hilft üben, Manöver gut vorbereiten und durchdenken, sich Zeit nehmen, nicht hektisch werden, in den Foren die einschlägigen Tricks abzapfen und am Steg ungehemmt Leute ansprechen ob sie nicht mal gerade......
    Eine Rassy 29 ist optimal, eine Maxi77 oder Albin aber ebenso und die sind an der Ostsee für kleines Geld zu haben.
    Viel Spaß beim Einhandsegler werden wünscht Jürgen

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