Aus zwei Jahren Marina Kastela ziehe ich folgende Schlüsse:
1. Die Werft ist unzuverlässig und die Ersatzteilpreise sind bis zu 30% überhöht. Der Werftchef ist sehr selbstgefällig, lässt kein Wort der Kritik gelten und geht schnell zum Gegenangriff über und wird frech. (Schuld ist der Kunde, weil ...). Das geht so weit, dass man sich schnell mal echt verarscht vorkommt. (s. auch die Erfahrungen von SY Stenella auf http://segelyachtstenella.wordpress.com/). Reparaturen müssen meist anbezahlt werden, sonst läuft gar nichts. Gewassert wird, wenn der Rest bezahlt wird, d.h. zahlt man nicht sofort, werden Standplatzkosten dazu verrechnet (!). Will man Reparaturen durch jemand anderen ausführen lassen (auch wenn es Garantiearbeiten sind) werden sie mit so hohen "Schutzgebühren" belastet, dass eine auswärtige Firma schon gar nicht kommen will. Nur schon kleine selbst ausgeführte Reparaturen werden vom Marinapersonal sehr misstrauisch beäugt und nachgefragt("Are you the owner..."). Dieser Protektionimus erinnert einem sehr an ihre kommunistische Vergangenheit, wo Konkurrenz gleich Feind war.

2. Die Liegeplatzpreise sind hoch, ein Jahresvertrag läuft vom 1.3. und eine andere Jahresperiode lässt sich nicht verhandeln. (Wer segelt schon ab 1.März!). Pikantes Detail: Charterfirmen können einen Vertrag ab 1.4. abschliessen!

3. Ein Vergütung - auch wenn es nur eine kleine wäre - wenn der Platz für eine längere Periode als frei gemeldet wird und selbstverständlich an Transitgäste weitervermietet wird (=doppeltes Einkommen), gibt es, wie in anderen Marinas üblich, nicht. Die Rabattstufen für mehrjährge Vertrage sind lächerlich klein. Diese unflexible Haltung zeigt sich jetzt schon in einer halbvollen Marina mit vielen offenen Plätzen, was ihnen ehrlich gesagt, recht geschieht.

4. Die Bora blässt wegen den nahen hohen Hügelkämmen beschleunigt und querseitig in den Hafen. (bis 50 kn) Ein An- und Ablegen ist manchmal schwierig bis gefährlich. Ungeübte Chartercrews führen oft haarsträubende An- und Ablegemanöver durch, wo man nur denkt, "zum Glück bin ich nicht das Nachbarschiff". Es hat schon Unfälle mit umgestürzten Booten an Land gegeben, weil sie nicht oder unsachgemäss befestigt waren.

5. Ein Segelladen mit einem annehmbaren Ersatzteilsortiment fehlt vollständig. Man mus in die Stadt Split fahren, was sehr zeitraubend ist.

6. Glaubt nicht, was der Vertrags-Rigger sagt! Er inspizierte bei uns das Rigg, justierte es und behauptete, die linke Hauptsaling hätte einen Riss, den man bei Gelegenheit reparierren müsste. Es war eine Dreckspur (!). So versucht man, sich Arbeit zu verschaffen.

Fussnote zu Punkt 3:
Wir waren 2012 den ganzen Sommer weg, wollten zurückkehren und mussten wegen einem (nicht selber verschuldeten) Kielschaden das Schiff in Korfu lassen. Schlussendlich konnten wir gar nicht mehr zurückkehren und hatten den Jahresplatz letztendlich nur einen Monat genutzt. Ein Entgegenkommen der Marina wurde mit "we are not obliged..." kommentiert. Nein, sie waren tatsächlich nicht verpflichtet gewesen, aber wenn man nur ein bisschen kundenorientiert denkt - was den Kroaten völlig abgeht - dann hätte man ja bei besonderen Umständen wie diesen über seinen Schatten springen können. (Verlust rund € 6'000)

Wunsch an die YACHT-Redaktion: Macht doch mal einen Bericht über die Qualität der Werften, nicht nur immer über die Marinapreise und Platzangebote.