Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1
    Registriert seit
    07.12.2013
    Beiträge
    18

    Standard Kupferhaltiges Antifouling auf Aluminiumrumpf

    Hallo Zusammen,

    ich habe mein Aluminiumschiff (Al Mg 4.5 Mn) vergangenen Herbst in einer Werft, die u.a. auch im Bereich der Berufsschifffahrt (Alu-Boote der Polizei, des Zolls,..) tätig ist und vom Germanischen Lloyd für Aluminim-Schweissen zertifiziert ist, Sandstrahlen lassen. Anschliessend wurde eine Schicht Intergard 269, vier Schichten Intershield 300, eine Schicht Intergard 263 und zum Schluss das Antifouling "Micron Extra EU" von International aufgetragen. Letzteres setzt sich wie folgt zusammen:
    - Kupfer (i)-oxid 25 - <50 Gewicht-%
    - Zinkoxid 10 - < 25 Gewicht-%
    - Pyrithionkupfer 2.5 - < 10 Gewicht-%.

    Nach Angaben der Werft ist das ihr üblicher Farbaufbau bei den Aluminium-Rümpfen der Berufsschifffahrt und völlig unbedenklich. Nach Angabe des Farbenherstellersn International ist die Verwendung von dem Antifouling "Micron Extra EU" eine absolute Katastophe bei Aluminiumrümpfen und sollte so schnell wie möglich runter geholt werden.

    Ich will mich im Sommer auf den Weg in die Karibik machen und bin nun ein wenig verunsichert. Wem von den beiden kann ich mehr vertrauen?

    Vielen Dank für Eure Hilfe!

    Gruss
    Christoph

  2. #2
    Registriert seit
    25.12.2013
    Beiträge
    209

    Standard

    Ich habe mir grade das Produktdatenblat angesehen. Da steht ausdrücklich nicht geeignet für Aluminium. Ich würde das auf Kosten der Werft wieder runtermachen lassen, da die Anwendung unsachgemäß war.

  3. #3
    Registriert seit
    24.04.2010
    Ort
    Ingolstadt, München, Bad-Tölz, Im Farchet
    Beiträge
    1.174

    Standard

    Hallo Christoph,
    lasse dich nicht von einer Hotline verrückt machen, wo eine Teilzeitkraft einen elektronischen Karteikasten bedient. Das Micron Extra enthält zuerst einmal Kupfer(I)oxide, Zinkoxide und das sind elektrische Halbleiter, somit nicht leitend im Wasser, daher auch keine Elektrolyse. Ich gehe davon aus, dass die Wassertemperaturen nicht über 200°C steigen, so dass zuerst einmal nicht das geringste passieren kann. Das einzige was nicht passt ist das Pyrithionkupfer, ist aber halb so schlimm da das Boot entsprechend grundiert wurde und das Micron Extra schnell verbraucht wird, bzw. die Trägerkomponente ausgelaugt wird. Es ist auch nicht viel davon im Micron Extra enthalten, so dass nach 4-6 Monaten nichts mehr vorhanden ist.

    Auf eine Aluminium-Yacht gehört aber kein Mikron extra, das in der Karibik nicht einmal 3 Monate einen Bewuchsschutz ermöglicht. Der Bewuchsschutz ist nicht ausreichend, das AF ist auch nicht tropentauglich.

    In Deinen Fall fahre das Micron Extra so weit wie möglich runter, da wird nichts passieren. Da erodierende Af alle eine schlechte Haftung haben was besonders bei mehreren Anstrichen immer zu Abplatzungen führt, schleife den Rest dann weitgehend runter.

    Dann streiche darauf eine PVC-Vinyl-Sealer der sich dann mit den Resten von dem erodierenden AF verbindet. Dann je nach gewünschter Bewuchsschutzdauer 3 - 4 Lagen ein SPC das auch Kupfer(I)oxide, Zinkoxide, Kolophonium und besonders noch Trikresylphosphat enthält. Diese Antifoulings enthalten auch mehr als 15 mal so viele Biozidanteile wie das Micron Extra, sind mehrjährig und werden von Blauwasserseglern benutzt und sind tropentauglich. Diese SPC sind weltweit mit anderen SPC auch kompatibel, so dass wir einen zum Beispiel auf den Philippinen sagen können, dass dort z.B. das Seaquantum Ulltra L passt, oder in Portugal das Oceanic 8490 K. Bei eine 80% Auslastung als Blauwassersegler, bekomst Du für ca. 12 - 18 Monate einen Bewuchsschutz je Anstrich. Da diese SPC bis zu 5 mal gestrichen werden dürfen, reicht das locker die nächsten 2 mal um den Globus. Im Zweifelsfall nimmt sich einer auch das AF mit, es ist nichts in den AF enthalten was nach 3 oder mehr Jahren kaputt gehen kann.
    mfg
    Geändert von Engel (29.01.2014 um 14:21 Uhr)

  4. #4
    Registriert seit
    07.12.2013
    Beiträge
    18

    Standard

    Hallo Engel und alle anderen, die sich mit der Materie auskennen,

    vielen Dank für Deine Ratschläge. Kannst Du mir konkret ein SPC-Antifouling empfehlen?

    Und dann noch eine andere Frage: Momentan ist nur ein dünne "Micron Extra EU"-Schicht vom letzten Herbst drauf. Sollte dieser Anstrich dann doch besser runter oder ist es auch okay den PVC-Vinyl-Sealer darüber aufzutragen und darüber dann das SPC-Antifouling?

    Nochmals vielen Dank für Eure Ratschläge!

    Gruss
    Christoph

  5. #5
    Registriert seit
    24.04.2010
    Ort
    Ingolstadt, München, Bad-Tölz, Im Farchet
    Beiträge
    1.174

    Standard

    Hallo Christoph,
    wenn die Micron Extra Schicht dünn ist, dann genügt ein sauberes anschleifen und dann mit einen Reles® Marine 470 Sealer 1 x streichen. Beim Rollen verbinden sich dann die Micronreste mit dem Sealer. Beim SPC-Antifouling würde für Deine Karibik-Reise das Relest® Marine 522 Ecoship (Suchbegriff im Google) passen, das auch das Segelschulschiff Gorch-Fock der Bundesmarine verwendet.

    Es gibt weltweit nur 9 Hersteller dieser Antifoulings, dazu gehören natürlich auch International, Hempel, Nippon, BASF usw. Diese AF werden aber nur in 20 Liter Gebinden geliefert und da muss einer entsprechende Mengen abnehmen. Du musst Dir im Grunde nur einen Umfüller suchen, der diese Großgebinde in passende Kleingebinde umfüllt und der Sportbootschifffahrt anbietet.
    mfg

  6. #6
    Registriert seit
    25.12.2013
    Beiträge
    209

    Standard

    Ist das Antifouling auch für Sportboote zugelassen? Da gibt es z. Bsp. in den Niederlanden strenge Bestimmungen.

  7. #7
    Registriert seit
    24.04.2010
    Ort
    Ingolstadt, München, Bad-Tölz, Im Farchet
    Beiträge
    1.174

    Standard

    Hallo Großbaum,

    es gab bis 2002 Einschränkungen für Sortboote unter 25 m Wasserlänge. Nur da wurde noch Trybuthylzinnoxid verwendet. Solche AF werden weltweit nicht mehr hergestellt. Es gibt aber in verschiedenen Ländern für bestimmte Gewässer eine Schwermetallverordnung, wie z.B. Bodensee, Schweden, Kanada. Holland hatte sich 2004 an der Schwermetallverordnung beteiligt und es wurde die Anwenung von allen Kupferantifoulings verboten. Da aber der Grenzüberschreitende Verkehr international nicht geregelt ist, wurde diese Bestimmung nach 2 Jahren wieder aufgehoben. Holland hat aber eine Exportbestimmung für die Einfuhr von AF für den gewerblichen Bereich. Da aber die führenden AF-Hersteller in solchen Ländern auch Produktionsanlagen haben, werden die Exportbestimmungen umgangen. In Holland ist es nicht eine Zulassungsbestimmung, sondern eine Exportbestimmung. In Holland streicht keiner wegen den schwierigen Bewuchsproblemen ein homöophatisches Antifouling. In Schweden, Kanada ist der Export grundsätzlich verboten, aber nicht der private Verkauf. Der grenzüberschreitende Verkehr ist aber nicht geregelt. Für den Bodensee ist eine Sonderzulassung erforderlich für alle Beschichtungen auch Farben. Die kostet dann jährlich 30000,-€ je Produkt was sich wegen der paar Boote wirklich nicht rentiert. Da auch da der grenzüberschreitende Verkehr nicht geregelt ist, auch nicht kontrolliert werden kann mit Ausnahme eines Marinero in der Marina der sieht was einer streicht, kann diese Vorschrift niicht durchgesetzt werden. Es gibt auch keine Kontrollmöglichkeit, kein toxilogisches Labor und daher auch keine Kontrollen, nicht einmal für die Schweiz gibt es Einfuhrbeschränkungen.

    Seit 2005 ist aber eine neue Schwermetallverordnung geplant, verlängert auf 2010, nochmals verlängert 2015 mit Übergangsfristen von 5 Jahren. Die führenden AF-Hersteller haben da schon länhst reagiert. Anstelle Kupfer wird Kupfer(I)oxid verwendet, neue Biozide wie Zineb, Methylisobutylketon, oder in hochwertigen Af das Trikresylphosphat machen zunehmend Kupfer überflüssig. In den SPC werden bereits seit einigen Jahren Fasersilikone und Nanos verwendet. Die Industrie ist also da schon lange weiter als die Gesetzgebung. Für die Sportbootschifffahrt wird es aber in der Zukunft eng werden, da alle AF eine Auslastung von mehr als 15 Knoten erfordern die bei den Segel-Skippern nicht möglich ist. Da aber die Bedarfsmengen für den Bereich zu gering sind, besteht da auch kein Interesse für solche Kleinabnahmen, so dass das Bewuchsschutzproblem bei der Sportbootschifffahrt erheblich zunehmen werden.

    Es gibt aber bereits neue AF die z.B. für die U-Boote der Bundesmarine verwendet werden. Das sind 3 K. Systeme, funktionieren in allen Geschwindigkeitsbereichen mit erheblich besseren Gleiteigenschaften als Teflon. Diese Systeme sind im Grunde auch für die Sportboote erhältlich, nur da macht sich kein Umfüller die Mühe die Gebindegrößen den Abnahmemengen der Sportbootskipper anzupassen. Ähnliche Systeme gibt es bereits für die großen Motoryachten, wo das System angepasst wird. Da sind aber die Preise ca. bei 100,-€ und mehr je Liter Antifouling. Da haben wir es mit den zur Zeit hochwertigsten Af zu tun die hergestellt werden. Wie auch immer, Bewuchsschutz wird für den Sporbootskipper richtig teuer werden, nur im Vergleich wenn einer schnell mal für seinen Flohhüpfer 60 Liter Benzin durch den Auspuff bläst, ist der Bewuchsschutz immer noch zu preiswert.
    mfg
    Geändert von Engel (02.02.2014 um 11:00 Uhr)

Ähnliche Themen

  1. Kupferhaltiges Antifouling auf Aluminium-Rumpf
    Von meersegler im Forum Selbstbau
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 29.05.2012, 00:23
  2. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 21.04.2009, 08:27
  3. Kupferhaltiges Antifouling in Holland wieder zugelassen
    Von debull im Forum Segelreviere allgemein
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 05.04.2004, 18:20
  4. Antifouling
    Von wittekind im Forum Fragen, Antworten & Diskussionen
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 03.02.2004, 16:38
  5. Aluminiumrumpf schweißen
    Von TAHOWA im Forum Fragen, Antworten & Diskussionen
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 23.12.2002, 10:42

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •