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    Standard Griechenland 2012-Saronischer Golf

    ...in der aktuellen Yacht-Ausgabe findet sich ein Törnbericht über das Athener "Hausrevier". Wir waren in 2012 (und 2011) dort...hier unser Bericht zu diesem schönen Ecke.

    Samstag, 29.09.2012

    Schon lange,nämlich innerlich seit der Rückkehr vom letzten Törn Oktober 2011, haben wir uns auf diesen Tag vorbereitet. Zahlreiche ouzoluftgeschwängerte Abende beim heimischen Griechen dienten einer akribischen Törnvorbereitung und wir haben jemanden neues dabei,der auch endlich einmal dieses Wagnis eingehen möchte. Einige Kneipenabende dienten einer letzten Überzeugungsarbeit und so waren wir wieder in einer 4er-Truppe komplett. Der passende Zeitpunkt für die Reise war auch schnell gefunden: Die Saison hier beinahe vorbei,der Sommer in GR noch lange nicht zu Ende.

    Aus natürlich ökologischen Gründen hat sich also an unserem Anreisetag oben benannte Crew zu Fahrgemeinschaften zusammengeschlossen (der Neue bildete wegen der abgelegenen Lage in HH-Schnelsen eine eigene nur mit sich) und nachdem auch unser Mechaniker nach etlichen Hupaufforderungen aus den Federn und teilweise in die wichtigsten Klamotten gefunden hatte,treffen wir so ziemlich gleichzeitig gegen 8.30 h in HH am Flughafen ein. Die Herbstferien haben in HH gerade begonnen und so sind wir mal wieder nicht die einzigen,die zu so nachtschlafender Zeit hier herumlungern.

    Daß der Neue als Mitglied dieser exklusiven Reiseschicksalsgeminschaft ein absoluter Gewinn ist,zeigt sich schon beim CheckIn: Auf die Frage,wie wir wann wo einchecken müssen,bedeutet er uns,daß er schon alles von zu Hause erledigt habe und zückt die Bordkarten. Überhaupt zückt er im Verlauf der Reise so manches goody aus seinem Reisegepäck,aber davon später mehr. Mit den Bordkarten und als Anhängsel der FrequentSuperBusinessTravellerMemberVIP-Kollegen gelangen auch wir Gelegenheitsflieger ohne Probleme und rasch an der Gepäckaufgabe und der Security vorbei ans Gate.

    Der Flug startet pünktlich und kurze Zeit später landen wir in der heimlichen Hauptstadt einer globalisierten Welt,der Heimat des Geldes und Festung der Finanzverschwiegenheit.....Zürich. Wir haben ausreichend Zeit bei diesem Zwischenstop und während wir uns Gedanken machen,ob es sich lohnt,hier schon einmal politischen Asyl zu beantragen und an der notwendigen Begründung feilen,ereilt uns die Nachricht,daß unser Weiterflug verschoben wird. Nachtigall,ick hör dir trapsen...war da nicht schon einmal etwas im letzten Jahr ? Mhmmm...denknachdenknach...ach ja, München...Weiterflug nicht möglich wegen der defekten Datei "landeklappen.exe". Was es wohl dieses Mal ist ??? Wir erfahren nach kurzer Zeit den Grund: Das Radar in Athen ist ausgefallen und weder Starts noch Landungen seien möglich. Gerüchte machen die Runde: Wurde die Stromrechnung nicht bezahlt und der Stecker gezogen oder etwa das Radar abgebaut,weil der Flughafen Geld braucht um die Landebahn zu flicken ?

    Wir werden es nie erfahren,also warten wir geduldig und stromern durch diesen kleinen,aber natürlich sehr feinen Flughafen. Hier sind übrigens nicht nur die Lindt Verkaufsfläche und die Restaurants sehr schick,sondern auch die zahlreichen Raucherlounges. Diese sind sogar nach Marken unterteilt. Es gibt eine Camel-Lounge,Lounges von Winston,aber dummerweise keine von LuckyStrike.......so bleibt unserem einzigen Raucher nur die Ökumene mit diesen Schlaffi-Rauchern,die gar nicht wissen können,was 'ne ordentliche Zigarette ist

    Übrigens,wer meint,daß die Schweizer,bedingt durch die Lage ihres Winzstaates, ohne Einfluß von zerstörerischer Dekadenz,Anzüglichkeit und Frivolität aufwachsen würden,der sei eines Besseren belehrt. Subtil,kaum merkbar und nur dem geschulten Auge westlicher Betrachter offenbar,fordern sie vielmehr ihrerseits zu unmoralischem Verhalten auf: Süßigkeiten werden in liebevoll zusammengestellten Zellophantütchen als so genannte "Schlecksäckli" angeboten. Wer hätte das gedacht...der Schweizer als die Beate Uhse unter den Europäern...

    Der Weiterflug nach Athen verläuft reibungslos.Okay,ich will nicht lügen: Vor unsere Sitzreihe hatte es sich eine schweizer Gutmenschfamilie bequem gemacht. Wohlerzogene Kinder in ordentlicher Kleidung und aus gutem Hause mit ihren fürsorglichen Eltern,die darauf bedacht waren,daß kein Schatten auf die Waldorf'sche Erziehung fällt. Dialoge wie "Also Mama,ich bitte um Verständnis,daß uns vierstündiges Sitzen ebenso schwer fällt wie euch." oder "Bitte Bruder,es ist nicht gerecht,daß du ein Drittel mehr dieser Armlehne für dich beanspruchst.", gefolgt vom Kommentar der Mutter "Setzt euch bitte kontruktiv hierüber auseinander und findet gemeinsam eine Lösung für diesen Konflikt", begleiteten uns während des gesamten Fluges. Wie alt die Kinder waren ? Ungefähr sechs und acht Jahre ! Was soll bloß aus denen mal werden,wenn sie groß sind ? Gott 1 und Gott 2 ??? Uns allen lag ein kollektives "Könnt ihr euch nicht prügeln und kratzen und mit Tiernamen beschimpfen wie andere Kinder auch ?" auf der Zunge,aber da wir nicht wussten,ob nicht auch Swissair (eben wegen der Provokation und des erhöhten Gefährdungspotenziales,das von solchen Kindern ausgeht) Skymarshalls mitfliegen lässt,haben wir uns ruhig verhalten und weiterhin die Rückenlehne rythmisch auf die Kniescheiben krachen lassen. Wir sind eben auch keine schlechten Menschen

    Irgendwann haben wir aber auch das überstanden und landen gegen 20.30 h in Athen. Warme,nein,relativ betrachtet scheiß heiße Luft weht uns vor dem Terminal entgegen. Meine Güte, 23° C,das hatten wir an der Ostsee beinahe im Hochsommer nicht. Wie auch im letzten Jahr besteigen wir den Bus N96,der uns in einstündiger Fahrt vom Airport nach Kalamaki,unserem Starthafen, bringen soll. Die fünf Euro sind gut angelegt,denn die Fahrt verläuft klimatisiert,stressfrei und unaufgeregt. Und das sogar trotz der bereits erwähnten schweizerischen Rudolf-Steiner-Werbetruppe,die auch hier nicht von uns ablässt,aber zum Glück mittlerweile auch ermattet in ihren Sitzen hockt. Unsere Haltestelle finden wir ohne Probleme und so ziehen wir unser völlig überdimensioniertes Gepäck rumpelnd den kleinen Abhang zum Hafen hinunter. Wir machen erste Bekanntschaft mit der Rezession: Keine osteuropäischen Prostituierten mehr,die wir nach dem Weg fragen können und die uns gerne gezeigt hätte,wo es wirklich lang geht, und nicht einmal mehr die wilden Hunde,die uns letztes Jahr noch den Sinn der Tetanus-Impfung so bildlich vor Augen geführt haben, sind zu sehen.

    Am Liegeplatz der gecharterten Bav41 Holiday erwarten uns in der Dämmerung bereits unsere Vercharterer. Sie begrüßen uns wie alte Freunde und warten gleich mit einer immens wichtigen Nachricht auf. Allerdings keiner guten: Die Hafenpolizei habe das Auslaufen der Yacht verboten. Auf die genauen Gründe wolle man jetzt nicht so genau eingehen,wichtig sei aber,daß wir jetzt umgehend unsere Papiere zur Verfügung stellten damit man gleich noch einmal mit der Behörde sprechen könne. Eigentlich hat die Hafenpolizei schon geschlossen,aber das ist offensichtlich kein Problem,denn kurze Zeit später erscheint der private Vercharterer mit glücklichem Gesicht und der Rückmeldung,jetzt sei alles klar. Auf den bereits vereinbarten Charterpreis habe das aber keinen Einfluß. Wir fragen besser nicht....

    Wir haben top ausgeruht und mit faszinierender Gründlichkeit (Blödsinn,hundemüde sind wir und deswegen halbblind) inzwischen das Schiff inspiziert und festgestellt,daß sich der Zustand gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert hat. Etliche Neuteile (nach deutscher Definition) haben Einzug gefunden,eine neue Ankerkette wurde ebenso spendiert wie neue Batterien. Nach griechischer Definition unserer Vercharterin liegt vor uns allerdings deswegen mindestens eine Bav,die einem kompletten refit unterzogen wurde. Und auch in den Schapps wurde aufgeräumt,so daß wir uns auf den Beginn des Törns freuen.

    Bevor wir den Abend in einer Taverne ausklingen lassen möchten,steht noch die Organisation der Verpflegung an. Dummerweise hat wegen der verspäteten Ankunft kein Supermarkt mehr geöffnet und am morgigen Sonntag hat alles geschlossen. Man verspricht uns aber eine unkomplizierte und flexible griechische Lösung dieses wirklich nur sehr kleinen Problems...wir sind gespannt. "Unsere" Taverne Vassilis,der Treffpunkt zahlreicher Segler, etwas abseits der Hauptsraße enttäuscht uns dieses Mal auf ganzer Linie. Vorherige Gäste haben wohl ausgiebig die grundsätzlich recht einfachen,aber dennoch sehr schmackhaften Gerichte genossen,denn ca. die Hälfte der Karte steht nicht mehr zur Auswahl zur verfügung. Schlimmer noch,selbst der Wein geht zur Neige und wir müssen uns mit wenigen Litern für vier Personen begnügen. Das schont zwar die Urlaubskasse,aber sorgt für start up Verdruß.

    Gegen ein Uhr nachts machen wir uns auf den Rückweg,passieren noch den Nachtclub,in dem die Athener Schickeria offenbar unwissend ihrem Untergang entgegen feiert (Vorbild sind wohl die vor einiger Zeit in Börsenkreisen so populären amerikanischen
    Pleite-Parties) und fallen in die bereits vorher aufgeteilten Kojen. Sanft schaukeln wir im Schwell der Marina in den Schlaf,sehen uns schon Odyssos gleich den Herausforderungen eines süßen griechischen Herbstsegeltraumes entgegentreten, mit Circen flirten und das Leben genießen. Wir hoffen,daß es kein Traum bleiben wird

    ...Fortsetzung folgt....

  2. #2
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    Standard

    Sonntag,30.09.2012

    Aaah,was war das eine beschissene Nacht. Die griechische Partypromillenz hat uns keine Ruhe gelassen,die schweizer Waldorf-Eleven haben uns im Flieger zur Strafe über unseren lästerlichen Lebenswandel (von dem sie freilich nur eine Ahnung haben konnten oder in Büchern gelesen haben) mit irgendetwas angesteckt,was zu Schnupfen,Husten und Kopf- und Gliederschmerzen geführt hat und besoffen sind wir auch immer noch.

    Na ja,dafür scheint die griechische Sonne um 8 Uhr bereits gnadenlos auf uns herab und wir bereiten das geräumige Cockpit für das Frühstück vor. Also,was brauchen wir..Kaffee...mhmmm...nicht da...gut,dann eben Milch...schade,auch nicht vorhanden...trockenes Müsli oder Kekse ? Fehlanzeige. Okay,Trinkwasser haben wir ja,dann gibt es eben ein petit déjeuner in der Sparversion. Vielleicht ist das ja ein kleiner Vorgeschmack auf die Versorgungslage auf den Inseln.

    Pünktlich mit ca. 2 h Verspätung erscheint Heinz mit seiner 31ft Dromor und schiebt sich mit der Nase voran neben unseren Liegeplatz um die Einzelheiten des Einkaufprozederes abzuklären.Damit hier nicht der Eindruck entsteht,wir hätten uns hier im Urlaub nicht auch an Regeln zu halten und um auch nachfolgenden Generationen den Umgang mit fremden Gebräuchen zu erleichtern,im Folgenden ein schematischer Ablauf für die Organisation eines Supermarktbesuches in Athen an einem Sonntagmorgen:

    1. Charterer (im weiteren Text "C" genannt) teilt Vercharterer (im weiteren Text "V" genannt) mit,er benötige Lebensmittel

    2. V. teilt empört mit,es sei Sonntag und alle Geschäfte hätten geschlossen,selbst in Griechenland

    3. C. insistiert jedoch auf die Beschaffung von Lebensmitteln,das solle doch möglich sein,vor allem in Griechenland

    4. V. überlegt eine Weile und teilt dann mit,daß es natürlich kein Problem sei,man sei ja schließlich in Griechenland

    5. V. telefoniert und kurze Zeit später erscheint ein Fahrer A,der mit seinem kaum fahrfähigen französischem Kleintransporter zwei Crewmitglieder zum Einsteigen auffordert

    6. Der Kleintransporter entschwindet um die Ecke...wir haben zwar kein Kennzeichen,aber dafür vielleicht wieder zwei Kabinen frei

    7. nach ca. 1 Stunde erscheint ein zweiter französischer Kleintransporter mit einem uns unbekannten Fahrer B

    8. B entlädt mehrere Paletten Bier,Wasser und Cola,aber keine Crewmitglieder....unser Griechisch reicht leider nicht aus um nach deren Verbleib zu fragen,dafür zahlen wir aber auch nichts für die Getränke

    9. wir verstauen die Getränke und teilen die beiden frei gewordenen Kabinen....Traurigkeit und Melancholie setzen ein

    10. wiederum ca. 1 h später erscheinen die bereits in der Taverne um die Ecke vermisst gemeldeten Crewmitglieder..sie schleppen Lebensmittel...Freude kommt auf...endlich Milch,Kekse & Co.

    11. wir feiern unser Wiedersehen

    Wir erfahren,daß der Einkauf wirklich etwas Besonderes gewesen sein muß,denn ein Angestellter des Supermarktes habe die Türen von innen aufgeschlossen und es wurde im unbeleuchteten Markt eingekauft. Abgerechnet wurde mit dem Taschenrechner und natürlich ohne Quittung. An solch einer flexiblen Lösung kann sich mein EDEKA um die Ecke mal ein Beispiel nehmen

    Soweit haben wir also den Sonntag schon einmal effektiv und sinnvoll begonnen...doch wie soll es weitergehen ? Wie wäre es mit Lossegeln ? Wir sind uns rasch einig,daß dies die Idee des Tages werden könnte und da wir bereits aus dem letzten Jahr mit dem Boot vertraut sind,bereiten wir alles zum Ablegen vor. Der Plotter wird noch rasch von GR auf D umgestellt,die IMRAY-Karten zurecht gelegt und kurze Zeit später ziehen wir uns and er mooring-Leine vom Liegeplatz,der dieses Mal tatsächlich nur von einem,nämlich unserem Boot,belegt ist..wir erinnern uns,in 2011 teilten sich fünf Boote drei Plätze

    Die Luxusyachten der griechischen und internationalen Eigner in der Marina Kalamaki sind uns ebenfalls noch vertraut. Wir grüßen per Handschlag während des Auslaufens eben noch Paul Allen,Larry Ellison, Roman Abramovich, Michael Douglas und Athina Onassis (hübsches Ding,die Kleine !),bevor wir uns auf den Weg Richtung Ägina machen.

    Der Wind meint es einigermaßen gut mit uns,immerhin 2 bft, und so lassen wir uns eine sanfte Brise um die Nasen wehen. Im Hintergrund wieder die Tanker-Reede von Piräus und das schöne azurblaue Wasser unter unter unserem Kiel (ja,es gibt ihn !). Wir sind gutgelaunt ob des gelungenen Tagesbeginns,des Wetters von ca. 30° C und im Überschwang mediterraner Gefühlsduselei entscheiden wir auf halbem Weg,daß wir eigentlich auch gleich nach Poros,unserem Ziel,das erst für den zweiten Tag vorgesehen war,abzubiegen.Gesagt,getan. Kurswechsel um 30° und ab nach SSW. Vor uns liegen 30 sm,die wir heute aber locker schaffen.

    Die Zufahrt nach Poros durch die Bucht von Methana ist immer wieder schön und so lassen wir uns auch von den um uns herumdröhnenden Megayachten nicht stören.Bevor wir in die ca. 2 sm lange Ansteuerung Richtung Stadthafen Poros einbiegen, müssen wir aufgrund des Überflusses an Windmangel jedoch die Segel bergen. Alles kein Problem mit der leicht laufenden Rollgenua und dem Rollgroß. Daß das Groß nicht wirklich gut steht,korrigieren wir im Laufe des Törns. Alles in allem sind wir aber sehr zufrieden mit den Segeln und den Leistungen,die wir hier herausholen.


    Trotz des schönen Wetters ist der Hafen nicht überlaufen. Wahrschau jetzt noch nach den kreuzenden Fähren,den Flying Dolphins und Flying Cats der griechischen Staatsreederei und schon haben wir eine passenden Anleger erspäht. Unser Neuer möchte den Anlager fahren und trotz eigenem Pinnenkreuzer und Wellenantrieb hat er keinerlei Schwierigkeiten mit Rad und Saildrive. Kette runter (Katia hat dieses Jahr 10 m zusätzlich spendiert,jetzt fahren wir 70 m durch die Gegend) und zentimetergenau rückwärts an die Pier. Bilderbuchmanöver,chapeau ! Das sehen andere auch so.

    Das Applaudieren der ukrainischen Crew im Kat nebenan nehmen wir dankend zur Kenntnis. Ebenso,daß uns kurze Zeit später die mitreisenden Frauen,die wir gestern im Park noch so schmerzlich vermisst haben,zusammen mit einer Flasche Wodka angeboten werden. Daß wir dazu aber nicht mehr kommen,liegt an unserem Plan anderweitige fleischliche Genüsse wahrzunehmen...na ja,und weil wir natürlich alle an so etwas niemals nicht Interesse haben ;-)

    Nachdem das Anlegebier aus der riiiieesigen Kühlbox seinen Weg aus der Dose in unseren durstigen Schlund gefunden hat,erkunden wir den Ort und machen uns am Abend auf den Weg in das Lokal,das uns beim letzten Mal so ungaublich leckere Gerichte wie beef stifado,grilled and stuffed feta,fried squid und roasted spicy chicken serviert hat. Die Wirtin des am Ende des Poros-Kanales gelegenen kleinen Lokals erkennt uns wieder und freut sich aufrichtig uns zu sehen. Weder hier noch irgendwo sonst sind wir übrigens auf irgendeine Form von Unfreundlichkeit, Ablehnung oder Mißgunst gestoßen. Überall begegnete man uns mit offener Freundlichkeit und Gastfreundschaft.

    Wir lassen und das Essen und den Wein schmecken und finden erst spät am Abend den Weg wieder zurück zum Boot. Nein,nicht,weil wir vielleicht zu tief ins Glas geschaut hätten,sondern weil einer von uns die zahlreichen Treppen des an den Hang gebauten Ortes als persönliche Herausforderung zum Bezwingen betrachtet und wir ihn natürlich nicht alleine das Fremde erkunden lassen wollen. Da wir offensichtlich nicht einmal wissen,wie das Wort "Konsitio..",ich meine "Konsutitio",also,ähh körperlich Fitneß geschrieben wird,brauchen wir auch kein schlechtes Gewissen zu haben,daß der Voraussprinter schon nach wenigen Metern in der Dunkelheit vor uns verschwunden ist. Verdammt,so viel weniger Bauch hat er doch auch nicht..wie macht er das bloß ???

    Irgendwann haben wir ihn eingeholt,weil er mit dem Stativ seiner Kamera kämpft...merke,nicht immer bringt dich Technik voran Angekommen am Boot gibt es noch einen Absacker und wir gehen gegen Mitternacht schlafen. Die Nacht ist bedingt durch den Schwell nicht die ruhigste,aber dafür liegen wir sicher und unbehelligt bis zum nächsten Morgen.

  3. #3
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    Standard

    Also hier macht das Lesen sichtlich Spass...
    Moderator YACHT-Forum

  4. #4
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    Montag,01.10.2012

    Römtöm,knatter,knall,zisch,palaver,palaver...der Tag beginnt exakt,wie nur ein Tag an einer südländischen Ortsdurchfahrt beginnen kann,die sich mangels Platz in die Höhe dicht an der Hafenmole entlangschlängelt. Unser Liegeplatz römisch-katholisch (mit dem Hintern voran....wer ist bloß auf diese Bezeichnung gekommen,tsetse) liegt direkt an der Stadtmauer an der nach Westen hin recht offenen Bucht. Dank der vorherrschenden N-NW-Winde liegt man aber recht gut geschützt. Nur die etwa 300 m weiter nördlich anlegeneden Schnellfähren können für Schwell sorgen. Wir haben aber das Gefühl,daß die Kapitäne hier recht rücksichtsvoll ihre Anleger fahren.

    Nach der allgemeinen Aufweckprozedur und dem Erscheinen im Cockpit in der nahezu immer gleichen Reihenfolge starten wir gegen 8 h den Tag erst einmal mit einem Kaffee aus der bootseigenen 1 Sterne-Pantry. Der Coffemaker (dieses Ding zum Durchdrücken.bei dem immer noch Satz im Kaffee verbleibt,den man nachher so schön zwischen den Zähnen wiederfindet) ist zwar immer noch viel zu klein für die mögliche max. Belegung des Bootes mit 8 Personen,aber für uns ist es okay und so blinzeln wir kollektiv zufrieden in die Morgensonne.

    Am Abend vorher haben wir uns leider nicht an eine dieser blauen Versorgungszapfstellen anschließen können. Das heißt, anschließen schon,nur gab es weder Strom noch Wasser. Der kommunal betriebene Stadthafen wird von zwei Hafenmeistermädels betreut,die sich aber weder per angegebener Telefonnummer noch per Ausguck herbeizaubern lassen. Wir haben aber eh vor unser Frühstück im direkt gegenüber liegenden Yachting Cafe,einem sehr sympathischen kleinen Lokal,das es dort seit 15 Jahren gibt,einzunehmen. Die Wirtin ist auch `ne Nette und so verleiben wir uns Omelette für 6 €, Sandwiches für 4 € und griechischen Kaffee für ca. 0,80 € ein. Hier stehen uns auch ein kostenloser PC mit Internetanschluß zur Verfügung und die Toiletten sind ebenfalls sehr sauber,sieht man einmal von denen für uns nach wie vor unüblichen Eimern für das benutze Toilettenpapier ab. Es gibt Anblicke,an die mag man sich einfach nicht gewöhnen.

    Auch das schönste Frühstück geht zu Ende und unser heutiges Tagesziel heißt Hydra. Dank ausgebrachter Tripleine und Fender,den ein Fischer für herrenlos gehalten hatte und gerade seinem Besitzstand zuführen wollte,gelingt wenig später auch das Ankeraufholmanöver ohne Probleme. Mit etwas Übung braucht man also vor Ankermanövern selbst im Mittelmeer keine Sorgen zu haben. Wir haben im letzten Jahr Fähren gesehen,die selbst bei 7bft unter Anker noch auf einen halben Meter genau rückwärts an der Mole angelegt haben.

    Diese Insel Hydra ca. 15 sm südlich zwischen dem Saronischen und Argolischen Golf verheisst lt. Törnführer zwar Einöde und Trockenheit,soll aber dennoch eines der beliebtesten Ziele in dieser Region darstellen. Künstler und Intellektuelle fühlen sich hier angeblich wohl. Da wir vier auch zu diesem Kreis gehören,besuchen wir natürlich gerne die Kollegen ;-)

    Die Fahrt nach Hydra verläuft beinahe unspektakulär. Bis auf den Umstand,daß wir wie die armen Kreaturen aus „I am legend“ mit Will Smith beständig versuchen den Sonnenstrahlen auszuweichen und Schutz unter dem Bimini suchen. Aber das ist gefühlt viel zu klein,umspannt es doch nicht das gesamte Boot, sondern nur das Cockpit.

    Irgendwie überleben wir dennoch die wieder fast 30° und den nicht viel Erfrischung bringenden lauen Wind. Eine Gefahrensituation müssen wir jedoch überstehen,als die Entscheidung ansteht,ob wir dicht unter der Küste zwischen zwei vorgelagerten Inselchen hindurchfahren oder doch den Weg aussen herum wählen wollen. Es entstehen,wir spüren den Einfluß von Hydra, deutliche Reibungsverluste an der Diskussionskante,die dazu führen,daß wir kurz vor einer der Inseln das Ruder vehement bei ca. 1,5 kn nach stb herumreissen müssen,um nicht bei 50 m mit dem Tiefkiel auf Grund zu laufen.

    Die weiter abnehmende Wassertiefe, an der flachsten Stelle 16m, treibt uns Schweißperlen auf die Stirn und wir tasten uns vorsichtig durch die Enge zwischen den beiden Inselchen. Aber dann ist die 50m lange Durchfahrt überstanden und wir können einen Anleger auf Hydra setzen. Hey,wer hat da gelacht ? Hallo,immerhin bewegen wir uns üblicherweise in diesem Revier bei Wassertiefen um die 250 – 350 m,da darf man schon einmal nervös werden. ;-)

    Nach nur noch wenigen Meilen erblicken wir die weißen Häuser des gar nicht so kleinen gleichnamigen Hauptortes. Wie immer in unbekannten Häfen schieben wir die Nase des Bootes langsam durch die Hafeneinfahrt. Mhmmm,wir werden stutzig. Vor uns an der Hafenmole,neben einer fetten Motoryacht und einer SY ist noch ein Platz für uns frei. In exponierter,aber sehr exklusiver Lage. An der Nordmole,genau gegenüber,liegen bereits ca. 16 Yachten in 2. Reihe vor Anker. Sind die alle blind ? Erwarten wir Sturm aus Nord ? Oder liegen die dort nur alle,weil mittlerweile auch das schwimmende ukrainische Freudenhaus,das schon in Poros neben uns lag,seinen Weg hierher gefunden hat und dann der Weg für die ausgehungerten Yachties kürzer ist ?

    WIR sind clever,wegen intellektuell und so,ihr wisst schon, und machen folgerichtig neben der Motoryacht fest. An der Mole palavert eine kleine Gruppe von Hafenpolizisten und beobachtet uns. Jetzt ja nichts falsch machen und bloß nicht fragen,ob wir das Liegegeld in Drachmen oder Ouzu bezahlen sollen. Aber es droht kein Unbill. Lächelnd zieht vor allem die Hafenpolizistin von dannen....jetzt weiß ich auch,warum manche so auf Uniformen stehen....

    Nicht nur wir mit unserem obligatorischen leckeren Anlegebier Mythos (wahlweise auch Fix),sondern auch der griechische MY-Besitzer beäugen skeptisch die Anlegemanöver weiterer hereinströmender Crews. Das nimmt gar kein Ende hier..Hafenkino at its best ! Am Ende des Abends liegen 25 Yachten rk an der Nordmole.

    Haben wir doch etwas falsch gemacht ? Na ja, zumindest die SY neben uns wohl. Erst jetzt entdecken wir die kaum sichtbare rote Markierung an der Mole,die wohl bedeutet,daß man hier nicht liegen dürfe. Aha,daher weht also der Meltemi: Diese Plätze sind den Fischern vorbehalten. Wir liegen immerhin zur Hälfte im roten Bereich. Da wir aber keinen Katamaran bewegen und folglicherwiese auch nicht einfach einen Schwimmer abtrennen können,verlassen wir uns auf unser Verhandlungsgeschick mit der mittlerweile zurückgekehrten Uniformschönheit. Trotz des Sabbers und des Stotterns einiger von uns scheint unser Englisch verständlich und wir erreichen,daß wir bleiben dürfen,wenn wir uns bitte nur noch um wenige Zentimeter verholen würden. Kein Problem,aber bei uns bleiben möchte sie trotzdem nicht.

    Die Erkundung des Ortes hat es in sich. Wir treffen auf wunderschöne Aussichtspunkte mit Blick auf den Hafen,Spetsai und die Südküste des Peloponnes,traumhafte Buchten,terrassenförmig angelegte Liegeplätze und Badebuchten am Fuß des Berges und eine absolute Postkartenidylle. Einen der Badeplätze nehmen wir in Beschlag und genießen das warme Wasser. Ein weiteres Highlight bahnt sich mit dem Anlegemanöver einer schnellen Motoryacht außen an der Mole an. Hier fällt der Grund stark ab. Nur wenige Bootslängen von der aufgeschütteten Steinmole ist es bereits über 60m tief. Ankern ? Hier ? Unmöglich ! Der russische Freund mit seinem fünfköpfigen leicht bekleideten Harem möchte aber beeindrucken und versucht es dennoch. Das sieht nicht nur gefährlich aus,es ist es auch. Das Heck stampft und es wäre ein Wunder,wenn das ohne beträchtlichen Schaden bliebe. Bis zum späten Abend versuchen sie es wohl,denn als wir Stunden später vom Essen wieder an unserem Boot erscheinen, laufen sie gerade ein und verziehen sich verschämt in die hinterste Ecke des Hafens neben ein Versorgungsschiff. Das sie auf diese Weise einen Fischer blockieren,ist ihnen nach dieser Aktion wohl egal.

    Hatten wir beim Anlegen noch das Gefühl,daß wir wirklich Glück mit unserem Platz haben,so verkehrt sich das später ganz schnell ins Gegenteil. Die riesige Yacht neben uns lässt die gesamte Nacht den Generator laufen und pustet sowohl Abgas als auch Kühlwasser gegen unsere bb-Seite. Die Crew im Vorschiff bekommt davon zwar wenig mit,kommt dafür aber nicht zur Ruhe,weil das Wasserversorgungsschiff,das mehrere Inseln in dieser Gegend anläuft,seine Pumpen bis zum frühen Morgen laufen lässt. Was für eine Horrornacht für uns alle. Da tröstet es auch nicht,daß Hydra bis auf die Müllfahrzeuge autofrei ist und die Versorgung und alle Transporte behäbig und mit stoischer Ruhe mittels Esel und Maulesel bewerkstelligt wird. Welche Idylle für uns als Touristen,aber wie anachronistisch in einer Zeit,in der Kommerz und Schnelllebigkeit das Leben zu bestimmen scheinen. Vielleicht zieht Hydra aus eben diesem Gegensatz ihren Reiz....

  5. #5
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    Wie ironisch, eine mit Trockenheit belegte Insel die Hydra heißt....

  6. #6
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    Warum gehts hier eigentlich nicht weiter? Habe ich was verpasst? Wurde der Rest zensiert weil doch die scharfe Polizistin zurück gekommen ist?

    Fragen über Fragen aber keine Antworten :-(


    Grüße
    Oliver

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