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Hybrid-Darstellung

  1. #1
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    Standard Marinisierung preiswert realisiert

    Hallo,

    ich möchte meine Erfahrung zum Thema Marinisierung kundtun.

    Wie schon in der Überschrift verfasst, geht es um eine kostengünstige Marinisierung, die ich in einer Dehlya 25 Bj. 1985 vor ein paar Jahren verwirklicht habe und die vollkommen zufriedenstellend arbeitet. Als Motor dient ein Kubota Z 482 mit 2 Zylindern, 479 ccm und 13 PS bei 3600/min.

    Kurze Zusammenfassung dessen, was unten detailliert erläutert wird:
    - Zweikreiskühlung, "fliegend" montierter Wärmetauscher (Seewasser/Motorkühlwasser).
    - Luftgekühlter Auspuffkrümmer,
    - Vermischung von Abgasen und See-Kühlwasser direkt nach dem Auspuffkrümmer in einem Edelstahl-T-Stück.

    Was bei einem kleinen Motor auf einem kleinen Boot klappt, sollte ebenso mit einem größeren Motor auf einem größeren Boot gehen. Ich jedenfalls stelle den üblichen Aufwand (mit einem wie mir scheint meist gusseisenen, rostenden) Auspuffkrümmer-Wäremtauscher doch sehr in Frage.

    Der Motor bekam eine Impeller-Seewasserpumpe, die an der Stirnseite des Motors an einen dafür vorgesehenen Anschluss montiert wird. Als "fliegend" montierten Wärmetauscher habe ich einen Edelstahl Wasser-Wasser Wärmetauscher (siehe Bild), den jemand für seinen Bootsmotor aus Edelstahl geschweißt hatte, aber nicht einbaute, sondern im Internet versteigert hat. Vielleicht ginge auch ein Edelstahl-Plattenwärmetauscher?
    1 Motor Kühler.jpg

    An diesen Wärmetauscher wird zum einen der Motor-Kühlkreislauf angeschlossen. Als Druckausgleichsgefäß dient ein beliebiges Behältnis dieser Art aus dem Kühlkreislauf eines PKW (der transparent Kunststoffbehälter, in dem man den Kühlwasserstand beim Auto sehen und auffüllen kann - preiswert vom Schrottplatz oder Internet).
    Im sewasserseitigen Kühlkreislauf wird das Seewasser über einen Seewasser-Kühlwasserfilter geleitet, dann durch die Impellerpumpe am Motor und weiter auf der einen Seite des Wärmetauschers hinein und auf der anderen heraus und weiter zum Auspuff ...

    Auspuff: Hier montierte ich an den Auspuffkrümmer ein 90° Knie aus dem Wasserinstallationsbedarf, ein Gussknie, feuerverzinkt mit beidseitigem Innnengewinde. Rohr-innendurchmesser ca. passend zum Innendurchmesser des Auspuffkrümmers. Das Knie wird mittels Schelle und zwischengelegter Dichtung auf den Auspuffkrümmer gedrückt und gegen Verrutschen mit Schrauben gesichert.

    Die Abgase kommen also durch den Auspuffkrümmer und durch das Gussknie und gehen dann weiter in ein daran angeschraubtes T-Stück mit passendem Gewinde (gibt es in Edelstahl V4A seewasserfest im Wasserinstallationsbedarf). An einem anderen Anschluss dieses T-Stücks wird das Seewasser aus dem Wärmetauscher eingeleitet. Die Abgase gemischt mit Seewasser gehen aus dem dritten Anschluss des T-Stücks hinaus, in einen angeflanschten Kühlwasserschlauch.

    Über ein 75er Abwasserrohr (Baumarkt) wird Kühlluft aus der Bakskiste angesaugt und mit einem dauerlauffähigen Gebläse direkt auf den Auspuffkrümmer geblasen. Sobald man den Zündschlüssel dreht, läuft der Lüfter.
    Bild: links-oben, unter der goldenen Schelle der Auspuffkrümmer, dann das Knie und das silbrige T-Stück. Der schwarze Schlauch ist der Auspuffschlauch, darunter das graue Kühlluft-Rohr. Rechst im Bild der Motor-Luftfilter (schwarzer Topf)
    2 Motor Auspuff.jpg

    Als Auspufftopf dienen zwei aneinandergeschraubte Kellerablauf-Siphone mit Anschluss für 75 mm Abwasserrohre aus Kunststoff.
    3 Auspufftopf.jpg
    50er Abwasserrohre (Baumarkt) dienen danach als Auspuff bis zum Borddurchlass, jeweils mit einer V4A-Schraube gegen Auseinanderrutschen gesichert.
    4 Aufspuffrohr.jpg

    Der Motor steht auf an den Schiffsrumpf einlaminierten Stahtstangen und daran verschraubten Holzklötzen.
    Die Gummi-Motorlagerung stammt aus dem KFZ-Kleinwagen(Kleinmotor)-Bereich von einer Versteigerungsplattform im Internet.
    Die Schalldämmung (auf den Fotos noch nicht zu sehen) besteht aus einer ausgedienten Latexmatratze, die ist etwas schwerer als Schaumgummi und dämmt wenigstens ein wenig, wobei ich so gut es ging den Motor eingepackt habe und weniger die Motorraumwände beklebt habe.

    Den Dieseltank habe ich direkt in den Bug des Bootes "einlaminiert" (siehe Bild), als Deckel eine feuerverzinkte Blechplatte, Füllstutzen im Ankerkasten.
    5 Tank.jpg

    Mein Saildrive (offenbar ein Uraltprodukt, jedoch vor dem Kauf noch nie im Einsatz gewesen) hat motorseitig eine Vielzahnwelle. Diese Vielzahnwelle hat außen die gleiche Verzahnung wie eine alte Mercedes Kupplungsscheibe innen. Somit wurde an die Schwungscheibe des Motors eine alte Kupplungsscheibe angeschraubt und dort die Vielzahnwelle des Saildrive eingesteckt. Mittels Distanzplatte wurde der Saildirve an die Kupplungsglocke des Motors geschraubt.
    (Die beiden Wellendichtringe an der Propellerwelle habe ich sicherheitshalber gegen neue getauscht.)

    Eine Motor-Fernbedienung hatte das Boot schon. Das Boot hatte ich mit einem 2-Takt Langschaft-Außenborder gekauft. Doch für längere Fahrten auf dem Meer musste etwas sichereres her, als ein zeitweiliger Luftquirl bei Seegang.

    Bisher hat der Motor mehrere Sommer gut seinen Dienst getan, ohne Hitzeprobleme oder sonstigen Schwierigkeiten. Der Motor läuft, da Vorkammer-Diesel, vom Schall her ruhiger als gedacht (etwas leiser wäre kein Fehler, geht aber auf einem Kleinstboot kaum), von der Vibration her ist er super.

    Im Seewasser-Kühlkreislauf habe ich ansaugseitig vor dem Filter einen zweiten Wasser-Anschluss. Dort wird im Herbst ein Gartenschlauch angesteckt und der Seewasser-Kühlkreislauf mit Süßwasser gespült. (Diesen Anschluss kann ich auch als Lenzpumpe benutzen, sofern im Fall des Falles der Motor noch laufen sollte ...)

    Ich weiß, dass die fertig angebotenen Motore eleganter sind. Doch in ein altes Boot einen Motor einbauen, der bald den Bootspreis übersteigt, konnte nicht die Lösung für mich sein.

  2. #2
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    Hallo Silencio, ja das könnte gehen, zumal Du es durch längere Betriebszeit schon bewiesen hast. Als einziges (Langzeit)Problem sehe ich die Stelle, an der sich die heißen Auspuffgase mit dem Seewasser mischen. Genau an dieser Stelle, wo lokal heißes oder sogar überhitztes Seewasser vorkommen, ist das chemisch sehr aggressiv. Da kann sich leicht in sonst unempfindliche Materialien ein Loch reinfressen. Du hast an dieser Stelle ein Gußknie, da wäre ich vorsichtig. Eine Verbindung von Metallrohren mit Schlauchschelle ist an einer Stelle mit maximalen Vibrationen anfällig, unverhofft abzufallen, auch das könnte Probleme machen. Ansonsten halte ich Abwasserrohre schon geeignet für (kalte!!!!) Mischungen aus Seewasser und Abgasen. Bedenke, daß die zugehörigen Verbindungen und Dichtungen nicht vibrationsfest sind, also vielleicht extra gesichert werden sollten.

    Bei einem kleinen Motor sehe ich noch eine andere Variante: Bei neueren Kfz-Motoren gibt es zur Abgasverminderung eine Abgasrückführung. Diese Rückführung läuft vor der Weiterverarbeitung durch einen Wärmetauscher, der die Abgaswärme in das Motorkühlwasser zurückgibt. Solche Wärmetauscher gibt es reichlich in der Bucht, in verschiedensten Konfigurationen. Wenn Du das Abgas statt Durch Dein Gußknie erstmal durch den Wärmetauscher laufen läßt, ist es schonmal abgekühlt und weniger aggressiv, wenn das Seewasser dazukommt. Wenn Du die Abwärme des Motors zum Heizen nimmst, verbessert es auch den Wirkungsgrad.
    Viele Grüße
    nw
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  3. #3
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    Natürlich kann immer etwas schief gehen oder anders laufen als geplant oder gedacht. Daher habe ich den Bericht auch erst nach längerer Erprobung verfasst, um so wenigstens auf eine gewisse Erfahrung zurückgreifen zu können.

    Die Vermischung von Abgas und Seewasser erfolgt nach dem Gussknie in einem V4A-T-Stück. Das V4A-T-Stück kann man mal inspizieren und wenn notwendig schnell und preiswert tauschen. Anfangs hatte ich ein Thermometer am Flansch, an dem der schwarze Auspuffschlauch steckt, dort wurden etwa 70°C angezeigt.

    Metallrohr und Schlauchschelle - diese Verbindung gibt es in jedem Motor im Kühlwasserbereich. Ich habe den Schlauch nicht auf ein glattes, sondern wie allgemein üblich auf ein gezahntes/geriffeltes Anschlussstück gesteckt und dann die Schlauchschelle darüber, das sollte länger halten als so manches andere am Boot.

    Wie erwähnt und auch auf den Bildern zu sehen, sind alle Verbindungen der Kunststoff-Abwasserrohre mit einer Schraube gesichert. Das hält wirklich sehr gut.

    Die Abgasrückführung im KFZ erfasst nur einen kleinen Teil der Abgase, müsste also für die gesamte Abgasmenge schon etwas größer werden und die Sache für mich unnötig verkomplizieren. Der Weg für die allemal noch ganz schön heißen Abgase wäre dann recht lang und umständlich - auch schwingungsmäßig kompliziert, da die Abgaskühleinheit starr an den Motor gekoppelt sein müsste.

    Ich fahre mit dem Boot nur im Sommer in Kroatien, da brauche ich keine Heizung. Und wenn ich heizen wollte, bräuchte ich nur die Kühlluft des Motors, statt in die andere Bakskiste und von dort weiter nach außen zu leiten, in den Innenraum zu leiten - was wegen unzureichender Abdichtung des Motorraums zum Innenraum des Bootes hin im ersten Sommer der Fall war. (Da der Motor - noch - öldicht ist, würde diese Art der Heizung bislang nicht den Innenraum verpesten.)

  4. #4
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    Zitat Zitat von Silencio Beitrag anzeigen
    Natürlich kann immer etwas schief gehen oder anders laufen als geplant oder gedacht. ...........
    Erstmal besteht kein Grund zum Pessimismus.
    Du hast mit Hirnschmalz und Menschenfett eine funktionierende Lösung geschaffen und das auch noch nachgewiesen, bravo.

    Skeptisch bin ich bei dem "V4A-Stück". Einen nicht näher spezifizierten Austenit einem Chlorid- und Temperaturangriff auszusetzen ist mutig, kann aber ewig gutgehen - muss aber nicht. Egal, schaunmermal.

    Zwei Zahlen fehlen mir bei Deiner gut verständlichen, ausführlichen Beschreibung: Geld und Zeit.
    Wieviel Arbeit (Menschenfett und Hirnschmalz) hast Du investiert?
    Wieviel Knete wurde reingesteckt.
    Ich kann mir vorstellen, dass das Projekt Dir Spaß gemacht hat, dann ist der Einsatz ohne Bedeutung.

    Weiterhin viel Erfolg
    Franz
    halber Wind reicht völlig

  5. #5
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    Moin,

    erst einmal willkommen im Forum und meinen Glückwunsch zu dem gelundenen Projekt!

    Mich würde mal interessieren, wie der Wärmetauscher innen aussieht. Aber da Du ihn gebraucht erstanden hast, war das wohl nicht möglich. Irgendwie genial, wie perfekt er vor die Maschine paßt.

    Was mir unklar ist, ist die Konstruktion des Abgaskrümmers. Warum mußte der aus mehreren Teilen bestehen? Bei meinem Bukh ist dies ein Gussteil mit ca. 45° Neigung nach unten. Nach dem Bogen wird dort das Kühlwasser (er hat noch Einkreiskühlung) eingespritzt. Das Original-Bukh Teil hat in unschöner Regelmäßigkeit alle 5 Jahre kurz vor der Einspritzung, dort wo die heißen Abgase auftreffen, seinen Geist aufgegeben.
    Bukh Krümmer.jpg
    Das Problem hat Volker mittels eines selbst geschweißten Krümmers aus VA gelöst. Ein weiß nicht, ob mir eine aktive Luftkühlung dort gehofen hätte. Solange Deine Konstruktion hält, würde ich nichts daran ändern. Bei Problemen mit dem Knie - nicht dem T-Stück - kannst Du das ja mal im Hinterkopf behalten.

    Auf dem Bild sieht es so aus, als ob der Auspufftopf (oder Wassersammler ?) 3 Anschlüsse hat: 2 vorn und einer achtern??

    Gegen HT-Rohr spricht meines Erachtens als Auspuffleitung wenig. Mir persönlich wären allerdings die vielen Verbindungen, obwohl perfekt gesichert, suspekt und ich hätte mir dort einen Abgasschlauch gegönnt. Allerdings teurer und ein beengten Platzverhältnissen schwierig zu montieren.

    Insgesamt hätte ich für die Abgasführung wohl eher auf Teile zurückgegriffen, die dafür gedacht sind (z.B. Vetus). Aber wie gesagt: wenn Baumarktteile (die müssen nicht zwingend von schlechter Qualität sein!!) funktionieren, warum denn nicht?
    Mast- und Schotbruch,

    Jürgen

  6. #6
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    Hallo Silencio, das Abgas fließ ja nicht schön gleichmäßig, sondern intermittierend und gerät dabei leicht in Schwingungen. Dabei kann mit Abgasen versetztes Seewasser schon ein ganzes Stück zurückgerissen werden, also Dein Gußknie doch erreichen.
    Die Vetus-Teile, also Wassersammler und Auspufftöpfe sind offenbar genauso wie HT-Rohre aus Polypropylen, Die Abmessungen der Rohrstutzen passen ganz exakt zu den üblichen HT-Rohren und ihren Dichtungen. So gesehen spricht nichts dagegen, diese Teile für den Auspuff einzusetzen. Nur sind die Verbindungen zwar dicht, aber verschiebbar, und auch nicht winkelstarr. Da kann man sich schon vorstellen, daß sich durch Vibrationen alles nach und nach auflöst. Weil die Teile nicht flächig, sondern nur durch die Dichtkanten der Gummidichtungen Linienförmig verbunden sind, hilft da auch kein Schlauchbinder oder ähnliches. Das Einzige, was mir dazu einfällt, über jede Verbindung zur Überbrückung ein passendes Stück Schlauch schieben und mit Schlauchbindern sichern.
    Viele Grüße
    nw
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