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  1. #11
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    Zitat Zitat von supra Beitrag anzeigen
    Was für skurile Argumentationen.

    Die einzigen als Karten im engerem Sinne zu bezeichnenden digitalen Karten für den "Plotter im MFD" eines modernen Verkehrsflugzeuges sind die von Flughäfen.
    Nur dort , also on Ground , wird tatsächlich vom Runway z. Taxiway , z. Gate und umgekehrt "navigiert" , geplottet wie wir es Mehr oder minder machen.

    Die Sicherheit im Luftverkehr ist kein Verdienst der "Plotternavigation" .

    Das MFD hat ganz sicher mehr dazu beigetragen.

    Es steht der Anspruch und Wille im Raum bei der Yachtnavigation nachzuziehen, die Möglichkeiten des MFDs zu nutzen, auszuschöpfen.

    Nicht umsonst werden dahingehende Verbesserungen in der Berufsschiffahrt von den Herstellern und Nutzern zusammen erarbeitet.
    In der Sportschiffahrt hingegen bekommen die Kisten immer mehr Gimmicks.

    Die Möglichkeit z. B. nur relevante " Hilfsdaten" anzuzeigen., den Steuermann zu entlasten, ihn nicht permanent z. Blick auf das Display zu zwingen. Der Steuermann soll auch einmal vorrausschauen, seinen "inneren Kompass" und sein Popometer nutzen, diese mittels dafür relevanter und vor allem weniger(er) Daten v. Display zu "kalibrieren".
    Das MFD , und sein Plotter, soll nur eine Hilfe , eine Stütze sein/werden.
    " Lotse" ist hier wohl die treffendste Wortwahl.


    Es geht in diesem Thread nicht um die Sicherheit der Plotternavigation, deren Unverzichtbarkeit die sich angeblich auch durch deren Verbreitung zeigt, usw. usw.
    Vielleicht nochmals, oder überhaupt ersteinmal , den im Anfangspost gegebenen Link anklicken und den Bericht auch lesen !!

    Hier ist er nochmals :
    http://www.nmm.tu-berlin.de/fileadmi...__Dez_2015.pdf
    Der zitierte Artikel kritisiert die "Usability" (Bedienbarkeit) und die Tatsache, dass ein Bediener eines MFD (also Anzeigegerät welches neben Karte, auch noch Wind-, Kurs etc. Daten anzeigt, überfordert ist. Dadurch ist der genannte Bediener nicht mehr in der Lage die Realität (Rundumblick) mit den angezeigten Daten zu vergleichen.
    Die Autoren zitieren hierbei die Nachteile der Vektorkarten auf, u.a. dass die Sicherheitsrelevanten Daten erst dann angezeigt werden, wenn der Zoom so eingestellt ist, dass man die nähere Umgebung nicht mehr auf dem Bildschirm sieht. Sie bemängeln auch die Verwendung unüblicher Bezeichnungen, was die "User" verunsichert.

    Bedienbarkeit von MFD:
    Die Bedienbarkeit von MFD ist vor allem deswegen so schlecht, weil die Bedienungsanleitungen schlecht geschrieben sind und vor allem, weil sie auch nicht gelesen werden.
    Dann kommt hinzu, dass MFD's in der Sportbootschifffahrt leider nur kleine Displaygrößen haben. Dort kann man schlicht und ergreifend nicht alle Daten anzeigen, wenn man in der elektronischen Seekarte gleichzeitig navigieren will. Man muss dann Prioritäten setzen und sich nur das anzeigen lassen, was wichtig ist (die Seekarte).
    Nur, das Setzen von Prioritäten, die Fähigkeit zu erkennen, welche Daten wichtig sind und welche nicht, dass bringt man den Sportbootfahrern nicht bei.
    Und in der Tat ist es eigentlich ein Skandal, dass man sich bei MFD's in der Sportbootschifffahrt nicht auf ein Fachvokabular einigen konnte. Diese Problematik ist aber schon von den einzelnen Chartplottern bekannt.

    Kritik an den Vektorkarten: Auf so einem Punkt beruht zum Teil auch der Unfall der VESTAS, wo der Navigator beim Kurs festsetzen in der großen Übersicht, dass berühmte Riff schlicht und ergreifend nicht sehen konnte.
    Auch bei der Berufschifffahrt hat das Display für die elektronische Navigation einen begrenzte Größe und dennoch werden sie erfolgreich eingesetzt, zumindestens übersehen sie keine Untiefen beim navigieren mit der elektronischen Seekarte. Ein Grund wird sein, dass die Nautiker gelernt haben mit so einem MFD umzugehen (Seekarte+Radaroverlay+ AIS + sonstige Informationen) und auch sehr geübt sind im Umgang mit der Profi-Software.

    Zusammengefasst:
    Die Bedienbarkeit der MFD's kann tatsächlich erheblich verbessert werden, sowohl im Hinblick auf die "Knöpfe", wie auch bei den verwendeten Begriffen. Das Problem der Vektorkarten ist jedoch im SpoBo-Bereich nicht zu beheben, es sei denn der Navigator kann am Navitisch einen 29" Bildschirm oder größer nutzen.

    Im Übrigen verweise ich darauf, dass die in der Sportbootschifffahrt eingesetzen Karten nur als Hilfsmittel, jedoch nicht als einziges, sicherheitsrelevantes Navigationsmittel genutzt werden dürfen (muss man ja beim Start des MFD's immer wieder quittieren).

    Was ich an der Studie (ist ja nur ein Anfang einer Studie) schade finde, ist die Tatsache, dass sich die Autoren nicht mit der Situation in der Technik (z.B. in Schaltwarten) befassen. Die MFD's dort werden u.a. unter den Aspekten der Bedienungssicherheit, des Arbeitsschutzes und der Ergonomie erst geprüft und dann eingesetzt. Auch in der Berufsschifffahrt nutzt man die Erkenntnisse aus Bedienungssicherheit, Arbeitsschutz und Ergonomie aus, warum nicht bei Sportbootgeräten ? (Vielleicht wäre es einfach zu teuer ?).

    P.S.: Die Argumente von Barracuda sind nicht skurril, sie belegen jedoch einfach nur, dass Profis, die permanent geschult werden, die "Tools" tagtäglich nutzen, auch weniger Bedienungsprobleme haben, wie ein unerfahrener Sportbootfahrer. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass für die Profis einfach bessere Software und Hardware bereitgestellt wird...
    Die Profis müssen Bedienungsanleitungen lesen, sich mit dem Umgang der Geräte vertraut machen, wir SpoBo-Fahrer, jedoch nicht. Wir verfahren da eher nach "try and error", was auch ein Weg ist !

  2. #12
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    Die Profis müssen vor dem Benutzen einer ECDIS mindestens 2 Kurse nachweisen; einen grundsätzlichen ECDIS Kurs und einen sogenannten Familiarisation Kurs, der die Besonderheiten der eingesetzten ECDIS auf des Modell bezogen abdeckt.
    Professionelle ECDIS müssen sich einem Zulassungsverfahren unterziehen, das durch einen "notified Body" durchgeführt wird. Dabei wir die Erfüllung der durch IMO, IEC und EU gesetzten Standards abgeprüft.

    Die Geschichte mit der VESTAS finde als Argumentation pro / kontra ECDIS skurril.
    Die Analogie zur Fehlbedienung des Plotters liegt z.B. darin, einen Übersegler zur Hafenansteuerung zu verwenden.
    Das hat in etwa die gleiche Relevanz als Beispiel zur Nutzbarkeit von Papierkarten zur Navigation.
    Jan

  3. #13
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    Zitat Zitat von 2ndtonone Beitrag anzeigen
    ..............

    Im Übrigen verweise ich darauf, dass die in der Sportbootschifffahrt eingesetzen Karten nur als Hilfsmittel, jedoch nicht als einziges, sicherheitsrelevantes Navigationsmittel genutzt werden dürfen (muss man ja beim Start des MFD's immer wieder quittieren).

    ........
    Bei der Bestellung von drei Schrauben muss auch die Kenntnis der All. Geschäftsbedingung quittiert werden. Beides ist unrealistisch.
    Der Vergleich Profi/Amateur hinkt. Während die Realität auf einem Berufsschiff mit großformatigen Geräten, ergonomisch angeordnet, auf der klimatisierten Brücke stattfindet, gibt der Zustand draußen nur ergänzende Informationen (So, leicht ironisch, ein Profi hier im Forum).
    Der Amateur verhält sich wie ein Profi, jedoch unter mangelhaften Umständen.
    So erkennt die Studie, dass der Blick des Sportschiffers bis zu 45% der Zeit auf das Display gerichtet ist, hat das die Verantwortung übernommen? Weiterhin wird dargestellt, dass die allgemeine Orientierung in erster Linie durch das Gerät gegeben ist. Die Wahrnehmung der Realität stumpft ab.
    Die Studie bestätigt alle Vorbehalte gegen die alleinseligmachende, ausschließliche Konzentration auf die Hilfsmittel.

    Bleibt die überspitzte Frage aus dem Nachbarforum: Macht Plotternavigation doof?
    Antwort: Ja, aber das macht nichts! Eine Navigation ohne die zahlreichen Helferlein wäre bei dem überwiegenden Teil der Sportschiffer erheblich unsicherer. Sorry für die sehr unwissenschaftliche Ausdrucksweise, nicht für deren Inhalt.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

  4. #14
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    Hallo Ihr, es gibt ja neben Straßennavigation, Schiffahrt und Luftfahrt noch andere Branchen, in denen navigiert wird. Vergleiche sind da sicher aufschlußreich. In der Medizin ist das sehr viel krasser, denn da ist das echt 3D (in der Luftfahrt gibt es das auch, allerdings ist die 3. Dimension da homogen, hat daher sehr viel weniger Bedeutung). Auch in der Medizin hat es da in den letzten Jahrzehnten durch die vielen neuen 3d-bildgebenden Verfahren eine Revolution gegeben, Allerdings sind Echtzeit-Verfahren nur in speziellen Bereichen gebräuchlich.
    Ähnliche Probleme wie in der nautischen Navigation kann ich da nicht sehen. Nach wie vor ist es üblich, daß die Anatomie (entspricht der Geographie) einen sehr breiten Raum in der Ausbildung einnimmt. Das bedeutet, bevor der Chirurg das Messer ansetzen darf, muß er perfekte Ortskenntnisse nachweisen. Nun ist die Anatomie, wie sie z.B. in den Atlanten abgebildet ist, ziemlich ungenau, so als gäbe es keine Hafenpläne. Der Chirurg ist daher stets darauf vorbereitet, in diesen lokalen, feinen Dimensionen auf Außergewöhnliches zu treffen. Daß es trotzdem eine effektive Mikrochirurgie gibt, ist daher der Vorbereitung und Übersicht zu verdanken.
    Genau da, so finde ich, liegt das Problem. Hat man eine gute Vektorkarte, so ist darauf sozusagen bis zum Kiesel am Strand alles dargestellt. Der Navigator verläßt sich darauf, daß ihm diese Infos bei Bedarf jederzeit in Echtzeit zur Verfügung stehen, er sieht daher keine Notwendigkeit, sich da vorher darum zu kümmern, geschweige denn, außerhalb seines Plotters mit MFD noch andere Informationsquellen heranzuziehen. Die Vestas-Havarie ist da ein gutes Beispiel. Hätte der Navigator vorher das Handbuch zu dem Seegebiet gelesen, hätte er sicher gewußt, daß er da nicht durchfahren kann, auch wenn es zunächst auf dem MFD nicht dargestellt ist.
    Es ist schon so, daß durch die moderne digitale Navigation viele Fähigkeiten verkümmern, die früher als selbstverständlich angesehen wurden.
    Viele Grüße
    nw
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  5. #15
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    @jannerich und sucher
    Der eingangs zitierte Artikel und auch ich diskutieren nicht das für und wider der Benutzung von MFD, sondern ihre Benutzbarkeit...
    Der Fall Vestas wurde von mir ins Spiel eingebracht, weil dort elektronisch navigiert wurde und, wie in der Studie beschrieben, die Details der Seekarte erst bei einem shr großen Zoom sichtbar werden.
    Jeder der Chartplotter einsetzt, weiß das....Das hat aber nix mit für und wider MFD´s, sondern weist nur auf eine ihrer Schwächen hin. Wer sie kennt, setzt auch immer noch auf Papierseekarten....

  6. #16
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    Hallo 2ndtonone, wenn man nur die Benutzbarkeit herausgreift, ist die Medizin ebenfalls ein gutes Beispiel. Etwa gab es im Mittelalter, als man noch glaubte, die ganze Medizin mit der Säfte-Theorie erschlagen zu können, den letzten Versuch, die ganze Anatomie in eine einzige Darstellung zu zwingen. Man hat das längst aufgegeben, und auch elektronische Anatomieatlanten blieben auf den Hobby-bereich beschränkt, weil es offensichtlich unmöglich ist, alles in ein Bild zu bekommen, so daß es noch lesbar und verständlich ist.
    Heutzutage gibt es Spezial-Atlanten, bei denen die gesamte Anatomie kreuz und quer unterteilt ist, nach Regionen, nach Schichten, nach Funktionen, nach Maßstab, es ist endlos (Die Verlage freuen sich, weil man viele dieser dicken, schweren, und teuren Bücher haben muß).
    Bei der nautischen Navigation ist es zwar nicht so krass, aber eine Steigerung der Informationsdichte führt nicht zur Steigerung der Information des Users, eher zum Gegenteil. Als (medizinischer) Verbraucher zieht man sich alle diese Informationen zeitversetzt rein, um die erforderliche Synthese dann vor Ort im Kopf zu bilden. Das bedeutet auch, daß die Qualität der Arbeit eines Chirurgen u.A. von dem Fleiß beim Sammeln der Infos abhängt. Jeder hat schon mal gehört, daß es bei den Ärzten den sogenanten "klinischen Blick" gibt. (Das wird z.B. bei Dr.House breitgetreten). Meine Erfahrung ist, daß diese Leute vor allem ungeheuer fleißig sind. (wird bei Dr. House nicht gezeigt).
    Daraus wird ersichtlich, wenn die Vorbereitung nicht stimmt, wird die Qualität der Navigation mit dem reichhaltigeren MFD eher schlechter!
    Ist es das was Du sagen wolltest?
    Viele Grüße
    nw
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  7. #17
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    Zitat Zitat von sucher Beitrag anzeigen
    Hallo 2ndtonone, wenn man nur die Benutzbarkeit herausgreift...
    ....
    Bei der nautischen Navigation ist es zwar nicht so krass, aber eine Steigerung der Informationsdichte führt nicht zur Steigerung der Information des Users, eher zum Gegenteil. Als (medizinischer) Verbraucher zieht man sich alle diese Informationen zeitversetzt rein, um die erforderliche Synthese dann vor Ort im Kopf zu bilden. Das bedeutet auch, daß die Qualität der Arbeit eines Chirurgen u.A. von dem Fleiß beim Sammeln der Infos abhängt. Jeder hat schon mal gehört, daß es bei den Ärzten den sogenanten "klinischen Blick" gibt. (Das wird z.B. bei Dr.House breitgetreten)......
    Daraus wird ersichtlich, wenn die Vorbereitung nicht stimmt, wird die Qualität der Navigation mit dem reichhaltigeren MFD eher schlechter!
    Ist es das was Du sagen wolltest?
    Viele Grüße
    nw
    In etwa ja, wobei das die Studie beschreibt und ich stimme mit ihr da überein.

  8. #18
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    Standard Und ewig grüßt das Murmeltier

    Zitat Zitat von supra Beitrag anzeigen
    Vielleicht nochmals, oder überhaupt ersteinmal , den im Anfangspost gegebenen Link anklicken und den Bericht auch lesen !!

    Hier ist er nochmals :
    http://www.nmm.tu-berlin.de/fileadmi...__Dez_2015.pdf
    In dem Bericht lese ich:

    Zwei der Geräte–das Raymarine e75s sowie das Tablet von Neptune mit der Appyacht navigator von Delius Klasing-wurden uns für die Untersuchungen von den Herstellern gesponsort. Im Gegenzug haben wir uns verpflichtet, diese Hersteller zwar in jeder Veröffentlichung zu erwähnen, andererseits keine negativen Ergebnisse ohne Rücksprache zu publizieren.

    Was ist denn das für eine Professorin, die nicht genug Geld hat, um die Geräte aus ihrem Lehrstuhletat oder durch Einwerben von Drittmitteln zu beschaffen, und sich statt dessen einverstanden erkärt, sich von den Sponsoren in die Ergebnisse ihrer Forschungen reinreden zu lassen. OK, ist Berlin. Die werden vom Senat kurz gehalten. Dann fragt man eben die DFG oder das Bundesministerium für Forschung & Wissenschaft um Unterstützung. Das sind doch Kleckerlesbeträge, die zahlt die DFG aus der Kaffeekasse. Wissenschaftliche Objektivität darf nicht in Frage gestellt werden, nur weil man zu bequem ist einen DFG Antrag zu schreiben. Viel ist wohl auch nicht rausgekommen, es gibt noch eine Tabelle aus dem Jahr 2016 wenn man Google bemüht. Weiter habe ich nicht gesucht.

    Ist ja auch nicht so wichtig, ich habe meine eigenen Erfahrungen, da brauche ich nicht noch psychologischen Rat.

    (1) Vor 9 Jahren habe ich meine erste (und wenn alles gut geht, auch meine letzte) Yacht gekauft. Den installierten Plotter habe ich durch einen Raymarine E80 MFD ersetzt, am Kartentisch ist eine Dockingstation für mein Notebook installiert. Darauf läuft die RayTech Software, die mit dem E80 verbunden ist. Damit habe ich ein Clone des E80 am Kartentisch. Ich habe von Anfang an nur mit dem Plotter navigiert (ausgenommen Ansteuerung von Häfen, Buchten, kritischen Durchfahrten etc., da schaue ich auch in Revierführer, den Reeds usw.). Mittlerweile bin ich ca. 15.000 sm mit meiner Yacht unterwegs gewesen, Ostsee (fast "rund"), Nordsee, engl. Kanal, Normandie, Betragne, über die Biscaya ins Mittelmeer, bis runter nach Sardinien. Es hat hat nie eine kritische Navigationssituation gegeben. Natürlich muß man mit so einem Gerät auch umgehen können und trotz Elektronik auch den eigenen Sinnen vertrauen. Und klar, Technik kann ausfallen. Deshalb habe ich auch Papierkarten an Bord, allerdings noch nie verwendet.

    Und dann lese ich in dem "Bericht":

    Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass die Nutzer zwar Usability-Experten, nicht
    jedoch Navigations oder Segelexperten waren. Die meisten brachten einen frisch absolvierten
    Sportbootführerschein See mit, keiner jedoch hatte mehr als die wenigen Projekttage an Bord einer
    Segelyacht verbracht.)


    Das spricht nicht für die Qualität des Forschungsvorhabens und die Aussagekraft der erzielten Ergebnisse.

    (2) Es gibt Segler, die wollen möglichst wenig Technik an Bord. Oder es macht ihnen einfach Spass mit Karte, Zirkel und Lineal zu arbeiten, den Og in die Karte einzutragen und beim Landfall zu schauen, wie gut ihre Navigation geklappt hat. Dagegen ist nichts zu sagen, ich jedenfalls finde das völlig OK. Und das beweist, daß es auch ohne Plotter geht. Man muß das natürlich können, das ist anspruchsvoller als die Plotternavigation. Sicherheitshalber sollte man auch ein GPS für Notfälle dabei haben, aber das hat ja heute (fast) jeder in seinem Smartphone.

    (3) Ich habe Segeln zu Zeiten gelernt, als es noch kein GPS, geschweige denn Plotter gab. Ich weiß also wie es ist, wenn man nach einer Nachtfahrt den Landfall macht und sich fragt: Ist das nun unsere gewünschte Ankerbucht, oder die nebenan mit den Unterwasserfelsen? Schön wenn es geklappt hat, heute brauche ich das nicht mehr. Aber ich könnte es wegen jahrelanger Übung noch. Hier sehe ich das einzig gravierende Problem bei der Plotternavigation: Segler, die schon mit GPS und Plotter aufgewachsen sind, haben zwar die Papiernavigation für ihre Scheine gelernt, aber was nicht durch extensive Praxis vertieft wird, wird mit der Zeit vergessen. Und dann segelt man jahrelang mit dem Plotter (oft auf Charteryachten) bis er unterwegs ausfällt und sich dann die entscheidende Frage stellt: Muß ich denn nun Abdrift und Mißweisung addieren oder abziehen? Wie war das denn noch mit den Peilungen? Und die Subtraktion negativer Zahlen ist auch nicht jedermanns Sache. Das beste wäre natürlich, jahrelang den Plotter nicht zu verwenden um die erforderliche Erfahrung zu sammeln, aber wer macht das schon? Wäre ich einige Jahrzehnte jünger, hätte ich auch dieses Problem. Dann würde ich mir einen Spickzettel zulegen, auf dem ich mir die wichtigsten Punkte für die Zirkel & Lineal Navigation aufgeschrieben hätte. Was besseres fällt mir nicht ein.

    PS: Eine kritische Navigationssituation gab es doch, letzten November. Ich bin in einem (mangels Touristen) verlassenen Hafen auf einen Felsen oder Stein aufgelaufen, zum ersten (!) mal. OK, lag nicht am Plotter, aber schön war es trotzdem nicht. Im Revierführer war die Tiefe mit 2.5m angegeben, das hätte eigentlich bei 1.9m Tiefgang reichen sollen. Schande über Rod Heikell! Das lehrt uns: Schiefgehen kann es immer, egal ob mit oder ohne Plotter.
    Gezeitenrechnung nach ATT => http://tidal-prediction-worksheet.jimdo.com

  9. #19
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    Zitat Zitat von CO2 Beitrag anzeigen
    .......

    (3) Ich habe Segeln zu Zeiten gelernt, als es noch kein GPS, geschweige denn Plotter gab. Ich weiß also wie es ist, wenn man nach einer Nachtfahrt den Landfall macht und sich fragt: Ist das nun unsere gewünschte Ankerbucht, oder die nebenan mit den Unterwasserfelsen? Schön wenn es geklappt hat, heute brauche ich das nicht mehr. .........
    Die Studie will nicht klären ob elektronische Navigation hilfreich ist, wie bei Dir, oder gar notwendig wie bei vielen anderen, sondern welche Begleiterscheinungen sie hervorruft und was sie bewirken.

    Die Erkenntnisse zur Halbzeit der Studie könnten uns zum Nachdenken anregen wenn wir nicht schon ideologisch festgebrannt sind.
    z.B. die Erkenntnis, dass ein Großteil der Aufmerksamkeit auf das Display verwandt wird hat mich beeindruckt. Daraufhin verstand ich die Verblüffung, das Erstaunen, hart am Entsetzen eines Seglernachbarn als ich ihm erklärte, dass ich das Gerät (zum Stromsparen) nur bei Situationen einschalte, bei denen ich früher zum Kartentisch ging) und es ansonsten auch nicht vermisse. Dieses Erlebnis deckt sich mit den Erkenntnissen der Studie.
    Von Vestas Wind bis Sperrgebiet kennen wir die Schwächen der Elektronikhörigkeit, verdrängen sie aber. Da ist eine solche Studie schon geeignet unsere Augen zu öffnen.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

  10. #20
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    Zitat Zitat von CO2 Beitrag anzeigen
    In dem Bericht lese ich:

    Zwei der Geräte–das Raymarine e75s sowie das Tablet von Neptune mit der Appyacht navigator von Delius Klasing-wurden uns für die Untersuchungen von den Herstellern gesponsort. Im Gegenzug haben wir uns verpflichtet, diese Hersteller zwar in jeder Veröffentlichung zu erwähnen, andererseits keine negativen Ergebnisse ohne Rücksprache zu publizieren.

    Was ist denn das für eine Professorin, die nicht genug Geld hat, um die Geräte aus ihrem Lehrstuhletat oder durch Einwerben von Drittmitteln zu beschaffen, und sich statt dessen einverstanden erkärt, sich von den Sponsoren in die Ergebnisse ihrer Forschungen reinreden zu lassen. OK, ist Berlin. Die werden vom Senat kurz gehalten. Dann fragt man eben die DFG oder das Bundesministerium für Forschung & Wissenschaft um Unterstützung. Das sind doch Kleckerlesbeträge, die zahlt die DFG aus der Kaffeekasse. Wissenschaftliche Objektivität darf nicht in Frage gestellt werden, nur weil man zu bequem ist einen DFG Antrag zu schreiben. Viel ist wohl auch nicht rausgekommen, es gibt noch eine Tabelle aus dem Jahr 2016 wenn man Google bemüht. Weiter habe ich nicht gesucht.
    Es ist heutzutage völlig normal, dass man sich bei seiner Forschung von der Industrie sponsern läßt. Nennt man Drittmittelforschung !
    Das die Ergebnisse erst mit "Sponsoren" besprochen werden, ist da üblich (In den Naturwissenschaften, werden in dem Drittmittelprojekt gemachten Erfindungen dann vom Drittmittelgeber patentiert..).
    Das ist nicht nur typisch für Berlin, aber absolut typisch für die Bundesrepublik !!
    Im Übrigen legt auch die Stiftung Warentest den Herstellern zuerst die Testergebnisse vor und bitte um Stellungnahme !

    Ist ja auch nicht so wichtig, ich habe meine eigenen Erfahrungen, da brauche ich nicht noch psychologischen Rat.
    Ist weder Zweck noch Sinn der Studie.. es geht um die Bedienungsfreundlichkeit, der Usability.

    Und dann lese ich in dem "Bericht":

    Bei der Bewertung der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass die Nutzer zwar Usability-Experten, nicht
    jedoch Navigations oder Segelexperten waren. Die meisten brachten einen frisch absolvierten
    Sportbootführerschein See mit, keiner jedoch hatte mehr als die wenigen Projekttage an Bord einer
    Segelyacht verbracht.)


    Das spricht nicht für die Qualität des Forschungsvorhabens und die Aussagekraft der erzielten Ergebnisse.
    Da ziehst Du leider einen falschen Schluß.
    Wären die Probanden Navigationsexperten, würden sie die Testergebnisse verfälschen, da sie ihre "Navigationserfahrung" nutzen würden, um die mangelnde Bedienerfreundlichkeit zu überwinden. Das war, ist und wird nicht der Zweck der Untersuchung sein.
    Das navigatorische Greenhorn will einfach lossegeln. Er erwartet von der Elektronik, dass sie ihm beim Segeln hilft. Ist die Bedienungsfreundlichkeit gut, kann er sich sofort 'dransetzen, den Kurs einprogrammieren und z.B. prüfen ob er zu dicht an einer Untiefe vorbeifahren wird. Er kann das MFD im Handumdrehen so einstellen, so dass es nur die Info anzeigen wird, die er meint nutzen zu müssen !
    Das konnten sie nicht, da die getesteten MFD's eben nicht bedienerfreundlich sind. Das wurde im ersten Teil der Studie herausgefunden. (Hätten wir denen aber auch so schon sagen können)
    Jeder kann Heute einen PC, Mac, iPad oder whatsoever benutzen, warum wohl ?? Weil die Betriebssysteme dieser Geräte eben sehr bedienerfreundlich, intuitiv zu bedienen sind (Kennt Ihr noch die Zeiten vor dem WYSIWYG (What you see is what you get ) ? Da war selbst das Verfassen eines kleinen Briefes mit einem gewissen Programmieraufwand verbunden.
    Die MFD's der Hobbynavigatoren sind halt noch auf dem vor "WYSIGWYG" Status, die Revolution wird halt noch kommen müssen.

    [QUOTE]
    (2) Es gibt Segler, die wollen möglichst wenig Technik an Bord. Oder es macht ihnen einfach Spass mit Karte, Zirkel und Lineal zu arbeiten, den Og in die Karte einzutragen und beim Landfall zu schauen, wie gut ihre Navigation geklappt hat. Dagegen ist nichts zu sagen, ich jedenfalls finde das völlig OK. Und das beweist, daß es auch ohne Plotter geht. Man muß das natürlich können, das ist anspruchsvoller als die Plotternavigation. Sicherheitshalber sollte man auch ein GPS für Notfälle dabei haben, aber das hat ja heute (fast) jeder in seinem Smartphone.
    [\QUOTE]

    Es gibt auch Segler, die wollen Technik an Bord, müssen aber verbittert feststellen, dass sie mit diesen Geräten z.T. nicht umgehen können: Handbücher unter aller Sau, schlecht übersetzt etc.
    Ist mir mal vor zig Jahren (um 2001) passiert. Ich war dabei meine Strecke für den nächsten Tag in meinen Plotter einzutippen, als mich 2 freundliche, ältere Stegnachbarn um Hilfe baten (wir verwendeten die gleichen Geräte). Die kamen mit dem Handbuch nicht zurecht. Da ich grundsätzlich nur die englischsprachigen Handbücher lese, kannte ich einige der Features, die sie am Suchen waren. Der Erfahrungsaustausch war klasse, da wir uns in unseren Kenntnissen nahezu perfekt ergänzten.

    Die Papierkartennavigation ist mit Sicherheit nicht anspruchsvoller als die "Chartplotternavigation" ! Bei der klassischen Methode(Papier) muss man sich nämlich gar nicht erst durch schlecht gemachte Bedienungsanleitungen durcharbeiten, Fehler erkennt man sofort (WYSIWYG, der Bleistift-Strich lügt nicht) und den Überblick hat man auch zu jeder Zeit, wenn man die Papierkarte nutzt.

    P.S. Bei meinem VDO WP7i (Software von C-Map), wird der gesegelte Kurs (track) mitgeschrieben und angezeigt ! Ich habe bis heute noch nicht herausgefunden, wie man diesen Track auslesen und die gesegelte Strecke in Seemeilen ablesen kann (Im Handbuch steht nix darüber; VDO gefragt, die wussten es nicht; C-Map gefragt, die wussten es auch nicht; Meine Frau, die immer alles weiß, gefragt, die weiß es auch nicht).

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