Seite 2 von 4 ErsteErste 1234 LetzteLetzte
Ergebnis 11 bis 20 von 35
  1. #11
    Registriert seit
    06.06.2013
    Beiträge
    1.294

    Standard

    Zitat Zitat von Jannerich Beitrag anzeigen
    Mit etwas Flughöhe - womit kann man das Unglück vergleichen?
    Das ist ein sehr guter Ansatz! Prinzipiell ist das Geschäft des Skippers mit anderen Geschäften zu vergleichen - mehr oder weniger. Im Detail ist das Unglück kaum mehr zu vergleichen. Ein Busunternehmen, Bahnen, Fahrgeschäfte oder nur eine Weihnachstmarktbude arbeiten mit Dingen, die sher gut standardisierbar, parametrisierbar und messbar sind. Der Betrieb eines alten Schiffes mit Holzmasten ist hingegen völlig individuell. Überall sind Speziallösungen zu finden. Und mit pinibler Inegieursleistung ist sicher das gesamte System auf Herz und Nieren zu prüfen - der Ruin des Betriebs und der Verlust von Kultur.

    Man kann einfach nicht jedes Risiko abfangen. Der Skipper hat sich an die gesetzlichen Vorgaben gehalten, es ist dennoch passiert. Das meine ich mit: Shit happens. Wer 100%ig Sicherheit verlangt, gibt sich einer Illusion hin, die auschließlich zum Verlust von Freiheit führt.

    Bei einer Bestrafung, die keinen Schadensersatz mit sich bringt sollte stets der Sinn und Nutzen der Strafe beachtet werden und nicht aus "Fairness" gestraft werden. Raser und dieser Skipper sind in diesem Aspekt einfach überhaupt nicht vergleichbar.

    Gruß R.

  2. #12
    Registriert seit
    15.10.2010
    Beiträge
    4.790

    Standard

    Ich sehe es auch so wie tinthi:
    Die Prüfungen (zur Schiffssicherheit) wurden lax durchgrführt, die Überprüfungsintervalle einfach verlängert, es gab keine Wartungspläne.....und sichtliche Reparaturfehler wurden von Fachleuten nicht erkannt.
    Hier gibt es eine ganze Kette an Verantwortlichen, die mit dem Schiffsführer auf der Anklagebank hätten sitzen müssen.
    Kein holl. Richter spricht per se einen verantwortlichen frei, sieht eher so aus, dass die Aktenlage eine Verurteilung nicht zugelassen hat.
    Wer übrigens mal Fischkutter oder Traditionssegler besichtigt hat, hat sie schon beobachtet, die sagenumwobenen Windrisse....
    Werden solche Schiffe dann automatisch stillgelegt?

    Interessant ist, dass fehlende Wartungspläne bemängelt wurden. Ich bin mal gespannt, wann auch für uns Sportbootfahrer das Aufstellen von Wartungsplänen gesetzlich verpflichtend wird (wird wohl zuerst bei Traditionsschiffen eingeführt werden)....und dann sind wir auch ganz schnell beim Schiffs-TÜV...!

  3. #13
    Registriert seit
    17.02.2009
    Ort
    Raum Os / Ms
    Beiträge
    53

    Standard

    Zitat Zitat von Nichtraucher Beitrag anzeigen
    Moin,

    Mein Gerechtigkeitssinn sagt mir, dass solche Dinge nicht straffrei bleiben dürfen, ein wenig Abschreckung gehört meiner Meinung nach dazu.
    Wie ich hörte, sind die Niederländer, auch ohne dass irgendetwas passiert ist, mit saftigen Strafen schnell dabei wenn man mit dem Auto auch nur 5Km/h drüber ist, die Reifen blank sind, oder das Zugseil der Bremse nur über die Anhängerkupplung gehängt und nicht an einem festen Fahrzeugteil befestigt ist. Aber hier, bei tödlichem Pfusch passiert nichts?

    Passt irgendwie nicht.

    Willy
    Passt irgendwie doch!
    Wir haben uns in D zu sehr daran gewöhnt, daß nicht die Tat, sondern realen Folgen der Tat bestraft werden.

    Jeder, der mit 53 km/h an einer Schule vorbeifährt freut sich darüber, daß 3 km/h Toleranz abgezogen werden und kann auf der nächsten Feier noch glücklich verkünden, ohne Punkt und mit 40€ davongekommen zu sein.

    Nur bei dem, der, bei gleicher Geschwindigkeit und damit Tat, ein Kind anfährt, das etwas eilig 2 Minuten vor Unterrichtsbeginn die Straße quert, wird sofort eine Freiheitsstrafe gefordert!/?

    Davon ausgehend, daß das Gericht die persönliche Schuld des Skippers zutreffend gewürdigt hat, möchte ich einmal folgende provokante These formulieren:

    Wären bei diesem Unglück nicht tragischer weise Menschen gestorben, sondern wäre der Mast bei unruhiger See im Hafen gebrochen und dann das Deck durchschlagen, hätte sich bei dem Sachverhalt gar eine facebook-Gruppe gebildet, um dem armen Skipper eines Traditionsschiffes, der nun “eigentlich nichts falsch gemacht“ hatte, unter die Arme zu greifen?

    LG

  4. #14
    Registriert seit
    29.11.2007
    Ort
    Wien, Tulln
    Beiträge
    468

    Standard

    Na und? Regt sich doch auch keiner über den Auto-TÜV auf, obwohl eine ordnungsgemäße Instandhaltung aller Fahrzeuge selbstverständlich sein sollte.
    Aber wer ist noch nie mit schadhaften Bremsen gefahren, hatte noch nie bei Schneelage Sommerreifen?

    Ich möchte nicht wissen wie viele Privatkähne mit den größten Sorglosigkeiten herumgondeln. Aber trifft ja nur die Ehefrau, Kinder oder Freunde.
    Herzliche Grüsse aus Wien
    Peter

  5. #15
    Registriert seit
    16.03.2017
    Beiträge
    81

    Standard

    Zitat Zitat von Jugocaptan2 Beitrag anzeigen
    Na und? Regt sich doch auch keiner über den Auto-TÜV auf, obwohl eine ordnungsgemäße Instandhaltung aller Fahrzeuge selbstverständlich sein sollte.
    Aber wer ist noch nie mit schadhaften Bremsen gefahren, hatte noch nie bei Schneelage Sommerreifen?
    Ja, ich denke auch, dass es an der Zeit ist, gewisse Sicherheitsnormen auch in Deutschland vorzuschreiben. Rechtlich gibt es ja keinerlei Sicherheitsvorschriften für Boote in privatem Gebrauch. Eine Strafe nur für den Fall, dass etwas passiert, funktioniert einfach langfristig nicht, da zuviele Leute das ausnützen - in 99% der Fälle geht das ja auch gut, aber das eine Prozent führt dann zur Katastrophe. Das ist genau gleich wie im Strassenverkehr, sowohl bezüglich technischer Mängel als auch bezüglich des Fahrverhaltens.

    So eine Prüfung ist unbeliebt und kostspielig, aber niemand sagte, unser Hobby ist billig...
    Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung.

  6. #16
    Registriert seit
    06.06.2013
    Beiträge
    1.294

    Standard

    Ich denke, Peter hat es andersherum gemeint: Trotz HU kann man problemlos 1,5 Jahre mit gravierenden Sicherheitsmängeln unterwegs sein.

    Du schreibst es selbst: in 99% der Fälle gehts gut. Für ein selbstreguliertes System eine hervorragende Quote.

    Für Menschen, die das Segeln als selbstverständlich teuer und selbstverständlich verantwortungslos bezeichnen fehlt mir das Verständnis. Wie kann man eine für 99% der Segler unnötige und kostspielige Auflage wünschen, statt sich darüber zu freuen, noch einen gewissen freiheitliche Handlungsbereich zu haben? Kommt mir irgendwie krank vor.

    Gruß R.

  7. #17
    Registriert seit
    03.07.2009
    Beiträge
    419

    Standard

    Zwischen gewerblicher und privater Nutzung sehe ich einen deutlichen Unterschied.
    Jan

  8. #18
    Registriert seit
    15.10.2010
    Beiträge
    4.790

    Standard

    Zitat Zitat von Jannerich Beitrag anzeigen
    Zwischen gewerblicher und privater Nutzung sehe ich einen deutlichen Unterschied.
    Jan
    Das ist erstmal richtig. Man muss aber im Hinblick auf die Sicherheit auf See deutlich machen, dass Sicherheit eben nicht nur die gewerblichen Schipper betrifft. Auch die Privaten sollten sich umfangreichen Vorschriften beugen, damit wir alle gemeinsam Sicherheit produzieren können!

  9. #19
    Registriert seit
    04.06.2012
    Beiträge
    1.146

    Standard

    Ich kann der "Shit happens"-Sichtweise letztlich einiges abgewinnen.

    Insgesamt ist das Segeln eine ziemlich sichere Sache. Jedenfalls wenn man es mit Skifahren, Bergsteigen, Mountainbikefahren, Reiten oder gar Motorradfahren und Fallschirmspringen vergleicht.

    Bei Segeln in deutschen Gewässern kommen im Schnitt null bis fünf Menschen pro Jahr ums Leben. Das ist sehr überschaubar im Vergleich zu den oben genannten Sportarten (es sterben zum Beispiel jedes Jahr rund 20 Menschen durch Reitunfälle). Natürlich muss man alles dran setzen, dass diese Zahl so klein bleibt, aber völlig verhindern lassen sich Unglücke einfach nicht.

    Von diesen wenigen fatalen Unglücken passieren zudem die allermeisten durch menschliches Versagen und/oder Naturgewalten, aber nicht wegen technischer Mängel. Ein TÜV könnte bestenfalls technische Mängel dezimieren, aber nicht verhindern, dass jemand beim Pinkeln ins Wasser fällt, oder den Baum an den Kopf bekommt.

    Die Zahl der Todesopfer auf privaten Segelbooten und auch auf Traditionsseglern, die durch vermeidbare technische Mängel oder unzureichende Ausrüstung verursacht werden, ist vermutlich in den allermeisten Jahren Null.

    Vor daher gibt es für den Gesetzgeber eigentlich keinen Druck, hier regulierend einzugreifen (und ich bin ganz froh darüber).

    Es scheint also im Umkehrschluss so zu sein, dass diejenigen, die ein Segelschiff betreiben (privat oder kommerziell), insgesamt durchaus verantwortungsbewußt handeln, und ihre Schiffe in einem brauchbaren, angemessenen technischen Zustand halten. Sonst würde mehr passieren.

    Trotzdem gibt es natürlich schwarze Schafe, die verantwortungslos, skrupellos oder auch ahnungslos handeln.

    Das Gericht hatte letztlich darüber zu urteilen, ob der Skipper in diese Gruppe der schwarzen Schafe gehörte. Das wurde offenbar nicht so gesehen. Das Gericht kam zu dem Schluß, dass der Skipper durchschnittlich vernünftig gehandelt hat - nicht zu hundert Prozent richtig, aber dennoch so wie die meisten in seiner Branche. Und das reicht erwiesenermaßen aus, um Todesfälle nahezu immer zu verhindern.
    Geändert von Barracuda (20.12.2018 um 04:06 Uhr)

  10. #20
    Registriert seit
    14.03.2005
    Beiträge
    10.417

    Standard

    Zitat Zitat von Barracuda Beitrag anzeigen
    ………………...

    Vor daher gibt es für den Gesetzgeber eigentlich keinen Druck, hier regulierend einzugreifen (und ich bin ganz froh darüber).

    ……………...
    Ganz schön sachlich, was Du da so schreibst, Barracuda,
    nahezu unverantwortlich. Wo kommen wir hin, wenn fehlende Bestimmungen und lasche Urteile eine Inregressnahme verhindern. Wir brauchen einen Schuldigen und Institutionen, die verantwortlich sind. Andernfalls müssen wir selbst die Verantwortung und das Risiko übernehmen.
    Dreißig Reitunfälle nur weil die Pferde keinen TÜV haben, tragische Stürze, weil die Downhill-Rennstrecken nicht zertifiziert sind die Folge der Lässigkeit
    Wie man endlich mehr Ordnung, die Voraussetzung für Sicherheit, in unsere Passion bringen könnte steht im Positionspapier ( http://www.bwvs.de/fileadmin/user_up...ionspapier.pdf ) Voraussetzung ist eine Registrierung, für die bietet sich ausdrücklich der ADAC an. Eine Pflicht für eine Jahreshauptuntersuchung lässt sich dann auch leichter durchsetzen. Die würde uns aus der Verantwortung für den ordnungsgemäßen Zustand des Bootes entlassen.
    Wollen wir mehr gesetzliche Vorschriften, Verordnungen und Bestimmungen und vor allen Dingen gnadenlose Urteile? Die Lobbyisten sind sehr auf unsere Sicherheit bedacht (Wem zum Nutzen?). Wenn jetzt noch der Wähler in das gleiche Horn tutet lässt der Gesetzgeber sich nicht lumpen.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

Ähnliche Themen

  1. Was gilt als Eigner als Fahrlässigkeit?
    Von Tiger75 im Forum Fragen, Antworten & Diskussionen
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 24.01.2013, 14:53
  2. Unterschied "Fahrlässigkeit" und "grobe Fahrlässigkeit"
    Von Michael60 im Forum Fragen, Antworten & Diskussionen
    Antworten: 46
    Letzter Beitrag: 11.09.2009, 18:10
  3. TR & GR - Tödliche Fische
    Von charterpartner im Forum Mittelmeer
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 27.07.2009, 14:03
  4. Was ist keine grobe Fahrlässigkeit
    Von deepdish001 im Forum Fragen, Antworten & Diskussionen
    Antworten: 68
    Letzter Beitrag: 14.01.2005, 18:04
  5. Tödliche Geschosse!!!!
    Von Tobsucht im Forum Fragen, Antworten & Diskussionen
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 07.08.2001, 08:03

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •