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  1. #1
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    Standard Ist der Kompaß noch zu retten?

    Hallo Ihr, ich bin nun seit einiger Zeit auf der Donau unterwegs und schon ziemlich weit gekommen. Binnen navigiert man ja nach Landmarken, geht eher sehr genau, und ich habe gelegentlich die Haube von meinem Kompaß hochgeklappt und nachgesehen, was der so macht.
    Der Kompaß gehört zur Orginalausstattung meines Schiffes, ist deshalb vermutlich über 40 Jahre alt, ist das Modell "Venus" von C. Plath, Hamburg, und sitzt oben auf der Whitlock-Steuersäule. Der Kompaß macht einen gediegenen Eindruck, hat weder Reibungsfehler noch Luftblase. Ich habe alles zwar schon mehrmals demontiert und wieder zusammengebaut, dabei jedoch besonders darauf geachtet, insbesondere die Schrauben zur Kompensation nicht anzurühren.
    Ich habe auch den Motor mal getauscht, der sitzt aber fast 2m unter dem Kompaß.

    Nun habe ich festgestellt, daß es gegenüber dem realen Kurs nach Karte genauso wie dem COG nach GPS Abweichungen von bis zu 30° gibt, daß kleine Kursabweichungen, die man an den Landmarken zweifelsfrei erkennt, am Kompaß überhaupt nicht in Erscheinung treten.

    Was ist die Ursache? Das widerspricht meinen bisherigen nautischen Erfahrungen, als Instrument zum Kurshalten ist das Ding offensichtlich nicht so recht brauchbar. Brauche ich einen neuen Kompaß, oder muß er nur neu kompensiert werden?

    Vielen Dank

    PS: Ich bin, was beim Reisen schon mal vorkommen kann, nur mit sehr schlechtem Internet ausgerüstet, und daher nur sehr sproadisch online, kann also nicht immer sofort antworten.
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  2. #2
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    Abweichungen von 30deg zwischen COG(GPS) könnte an einer magnetischen Ablenkung liegen. Hast Du mal nachgesehen, ob in Deinem Kompass Kompensationsmagnete seitlich eingesteckt sind?
    Dann würde ich Dir höflichst empfehlen, nach magnetischen und elektromagnetischen Störfeldern in unmittelbarer Nähe des Kompasses zu suchen!

  3. #3
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    Hallo, ja, da sind unter dem Kompaß seitlich in der Steuersäule 2 Schrauben, eine mit E-W, die andere mit S-N bezeichnet. Ich habe bisher vermieden, daran zu manipulieren. Ich habe Grund zu der Annahme, daß der Kompaß mal sachkundig kompensiert wurde. Rund um den Kompaß in mindestens 1m Abstand gibt es nur Niro, Messing, Kupfer und Alu, der Motor ist genau unter dem Kompaß aber 2m entfernt.
    Was mich am meisten stört, ist nicht die relative Abweichung, sondern die geringe Reaktion auf Kursabweichungen. Obgleich das Schiff sichtlich dreht, reagiert der Kompaß nicht, oder mit gewaltiger Verzögerung. In einem so engen Fahrwasser (2km) ist es unmöglich, nach Kompaß zu steuern!
    Vielen Dank
    nw

    PS: Ist es möglich, daß der Magnet im Kompaß mit den Jahren seine Kraft (Remanenz) verliert?
    Πάντα ῥεῖ (*)
    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  4. #4
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    Was du beobachtest ist ein Problem, das grundsätzlich alle Kompasse haben: Aufgrund der Trägheit des Kompassrose und der (erwünschten) Dämpfung der Bewegung durch die Flüssigkeit reagiert er verzögert auf eine Kursänderung. In dem Ausmass, wie du das beschreibst, ist das allerdings natürlich nicht mehr in Ordnung. Ich würde vermuten, dass entweder die Rose sich nicht frei bewegen kann oder tatsächlich die Magnetisierung verlorengegangen ist. Versuche mal, mit einem Permanentmagneten den Kompass um seine Achse zu drehen. Ist der Fehler in beide Richtungen gleich gross? Tritt er unabhängig von der aktuellen Lage der Kompassrose auf?
    Es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung.

  5. #5
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    Hallo,

    oder elektrische Gleichstromleitungen können auch ablenken.

    Oder frag mal in Kiel nach:
    https://www.deutsche-flagge.de/de/ba...steger-jr-kiel


    Peter

  6. #6
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    Bei Plastikbooten ist die Deviation i.d.R., ohne jede Kompensation, kleiner als 5-6°. Bei Störungen (Lautsprecher!, Bierdosen(!), Taschenlampen (die Batterien wirken), Werkzeug und anderem ferritischer Kleinkram, können leicht 30° erreicht werden.
    Die Wirkung schwindet mit dem Quadrat der Entfernung, der 2m entfernte Motor macht nicht viel.
    Störungen beseitigen, die Kompensationsschrauben entfernen (sie funktionieren offensichtlich falsch), dann bleiben um die 5° oder weniger. Deviationstabelle erstellen und feddich. Das feine Spiel mit den Kompensations-Eisen ist sehr delikat.

    Deviationstabelle erstellen:
    - Eisenfreien Ort suchen, Holzsteg oder so.
    - Objekte in der Ferne peilen und die Werte notieren
    - Schiff in der Nähe (kommt auf´n Meter nicht an) auf die entfernten Objekte ausrichten. Pappe in Mastdicke am Stag befestigen und vorbeipeilen.
    - Kompass sorgfältig ablesen
    - Die Differenzen den gepeilten Richtungen zuordnen
    - 0/360° interpolieren
    - Mit Excel eine Kurve erzeugen
    - Es wird ca. eine Sinuskurve entstehen. (Die Mitte der Kurve liegz nicht bei 0) Beulen egalisieren. Die Gradzahlen von 0-360 über die Kurve legen und die 20er Schritte in eine Liste bringen.


    Viel Erfolg
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    halber Wind reicht völlig

  7. #7
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    Meines Wissens nach ist bei C+P die Kompassnadel auf einem Rubin gelagert. Offensichtlich hat sich die Nadel schon ziemlich eingegraben wodurch sich der Schleppfehler erklären könnte.


    ….und wenn bei einer Deviationstabelle Werte wie bei Grauwal herauskommen, kannst du den Zettel vergessen, außer mir kann sowieso keiner so genau steuern...….
    Herzliche Grüsse aus Wien
    Peter

  8. #8
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    Zitat Zitat von Jugocaptan2 Beitrag anzeigen
    ……………...


    ….und wenn bei einer Deviationstabelle Werte wie bei Grauwal herauskommen, kannst du den Zettel vergessen, außer mir kann sowieso keiner so genau steuern...….
    ….Du und der Autopilot
    Stimmt, wir haben verlernt genau zu steuern weil uns die Helferlein auf den Pfad zum Ziel zurückbringen. Wir brauchen nicht nur keine Deviationstabelle, wir können nicht mal mehr einen Kurs beschicken. Terrestrische Navigation ist zum Hexenwerk hoch stilisiert. Die Augen fest auf dem Mäusekino dient die Umgebung nur noch als Information verstärkend. (Hiesige Kollegen sind natürlich ausgenommen)

    Unser erster Plotter hat uns mal reingelegt, als er die schlechte Fahrbahn als schnelle Kursänderungen interpretierte. Der Kursstrahl zuckte um bis zu 60° über den Bildschirm. Wir waren froh einen ordentlichen Kompass zu haben und wir haben ihn auch beschickt.
    Ein anderes Mal hat uns die GPS-Anzeige (Vorplotterzeit) genarrt weil der Vorbesitzer das Gerät auf "mag" gestellt hatte und wir in einem Gebiet mit 6° Missweisung unterwegs waren. Ein Rat hier aus dem Forum hat mich auf diese Möglichkeit hingewiesen, ich hätte so´n Schwachsinn nicht für möglich gehalten.

    Du siehst, so eine Glaskugel ist gar nicht sooo schlecht und Deviatsionsausgleich ist auch bei nur drei Grad sinnvoll.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

  9. #9
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    Mein Post sollt nicht die Notwendigkeit einer Feststellung der Deviation eines Schiffes verneinen. Aber bei so regelmäßigen Werten wie in der von dir gezeigten Tabelle reicht sicherlich das einmal festzustellen. Täglich den Kurs umzurechnen ist zweitrangig.

    Wichtiger wäre wirklich mal in die Karte zu schauen um allfällige Missweisungen festzustellen (die man dann bei älteren Karten auch noch umrechnen sollte (wenn man es denn kann)).
    Herzliche Grüsse aus Wien
    Peter

  10. #10
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    Zitat Zitat von Jugocaptan2 Beitrag anzeigen
    Mein Post sollt nicht die Notwendigkeit einer Feststellung der Deviation eines Schiffes verneinen...…….
    Täglich den Kurs umzurechnen ist zweitrangig.
    Schon gut, wurde auch nicht so verstanden.

    Täglich? Manchmal zig mal täglich. War in Fleisch und Blut.

    Einen Fehler von zwei, drei Grad sollte man nicht ignorieren. Er kommt zu den anderen Fehlern noch obendrauf. Nach Mc Murphy addieren sich Fehler immer in eine Richtung.

    Aber wie schon gesagt, Schnee von gestern

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

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