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  1. #1
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    Standard Motorkrise Perkins 4.108M

    Ich erlebe eben einen Motorschaden und möchte um Meinungen zur Diagnose bitten.

    Es geht um einen Perkins 4108M Baujahr 1984.

    Seit 10 Jahren mit dem Schiff lief der Motor immer quasi sorgenfrei.

    Seit etwa 200 Motorstunden hatte ich weissen Rauch nach dem Starten, der nicht roch. Im Motoröl gab es keine Wasserspuren, im Kühlwasser keine Ölspuren. Das Rauchen hörte nach 10 Minuten Betrieb auf.

    Eine befreundeter Mechaniker meinte, der Rauch käme sehr wahrscheinlich durch die Einspritzdüsen, die seit Jahren nicht mehr eingestellt wurden.

    Der Motor jedenfalls lief bis gestern zuverlässig ohne Kühlwasser- oder Ölverbrauch.

    Gestern laufe ich aus dem Hafen aus, fahre 200 Meter mit ca. 1500 Touren.

    Plötzlich dreht der Motor auf geschätzte 4000 bis 5000 Touren hoch, obwohl ich sofort den Gashebel auf Leerlauf stellte.

    Ziehen am Dekompressionsseilzug stoppte den Motor auch nicht: der Motor lief weiter mit dieser so hohen Umdrehungszahl, die ich absichtlich (also mit normalem, bewussten Auskuppeln und Hochdrehen) gar nicht einstellen könnte.

    Das am Heck austretende Kühlwasser war rabenschwarz von Öl.

    Ich bin runter, habe gesehen, dass aus der Abdeckung des Zylinderkopfes und aus dem Luftfilter auch Öl spritzt.

    Ich habe darauf die Dieselleitung zugeschraubt.

    Während der kurzen Zeit (1 Minute etwa) bis zum Motorstop habe ich massig Öl in den Motor nachgefüllt. Dann ging der Motor leise aus (also geschätzt ohne Kolbenfresser, sondern so, als ob er eben keinen Diesel mehr bekommt.


    Nach Anker Fallen ging ich auf Fehlersuche.Es lag nicht an den Seilzügen, denn diese waren gut und machen das, was sie sollen.

    Ich tippe (und hoffe), dass die Einspritzpumpe fehlerhaft ist.

    Vor dem Schaden konnte ich den Hebel, der in die Pumpe geht und der die Dieselmenge regelt, bei ausgeschaltetem Motor klappen und er federte zurück. Das geht jetzt nicht mehr, sondern er bleibt in der Stellung, in die ich ihn drücke.

    Wenn ich aber den Dekompressionshebel gezogen halte, dann federt er zurück wie gehabt.

    Sowohl der Gashebel als auch der Dekompressionshebel führen in das gleiche Bauteil der Einspritzpumpe. Ich hoffe nun, das ich mit einer neuen Einspritzpumpe das Problem löse und hoffe, dass der Motor selbst keinen Schaden genommen hat.

    Diesbezüglich bitte ich um Meinungen.

    Herzliche Grüsse,

    Hansjörg

  2. #2
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    Hallo Hansjörg,
    hatte mal so ein Problem. Die Dieselrücklaufleitung war eingeklemmt und ist dann abgerutscht. Der Diesel von der Rücklaufleitung lief in den Ansaug und führte zu ungeahnter Motorleistung mit gewaltigem Schwarzrauch. Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass Schmieröl in den Ansaug kommt. Zum Beispiel wenn der Ölstand zu hoch ist und überschüssiges Öl aus der Kurbelkastenentlüftung in den Ansaug gedrückt wird, dann treten gleiche Symptome auf.
    Viel Glück
    Horst, SY Tutunui

  3. #3
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    Wenn Diesel unkontrolliert hochdrehen fallen mir zwei Verdächtige ein:
    Aus irgendeinem Grund saugt er seine eigenes Motoröl in die Brennräume. Passiert oft bei Turbomotoren, wenn der Turbo eine Lagerschaden hat und das Öl in die Ansaugluft gerät. Aber auch auf Grund von anderen Defekten z.B. Kurbelgehäuseentlüftung oder Fehler an Dichtungen die Ölkreislauf vom Ansaugluftbereich trennen. Das ist meist das Todesurteil für den Motor, wenn man es nicht schafft ihn unmittelbar abzuwürgen. Lehrweise der Feuerwehren bei sowas ist, eine CO2 Löscher in die Ansaugung zu entleeren. Such mal im Netz nach "runaway diesel" da findest du genug.
    Oder halt wie von dir vermutet ein Fehler an der Einspritzpumpe, der aber eigentlich seltener sowas verursacht.

    Was du als Deko-Hebel beschreibst ist wahrscheinlich eher die mechanische Betätigung des Diesel-Absperrventils an der Einspritzpumpe bzw. der Hebel um die Pumpe auf Null-Förderung zu stellen.
    Ein Echter Deko-Hebel müsste ihrendwo an den Zylinderkopf bzw. Nockenwelle gehen und entweder die Ein- oder Auslassventile in offen Position arretieren oder ein zusätzliches Ventil je Zylinder öffenen. Wenn Deko alle Zylinder des Motors betrifft, wäre der Motor dann, egal ob er Öl ansaugt oder ein Fehler in der Karfstoffpumpe hat, auf jeden Fall ausgegangen, da er keine Kompression mehr hat.

    Mehr kann man so per Ferndiagniose schwer sagen. Der Motor muss wahrscheinlich aufgemacht werden um den Fehler zu finden.
    Bevor man viel Zeit in die Fehlersuche investiert sollte man erstmal prüfen, ob der Motor nicht durch das Durchgehen einen mechanischen Schaden erlitten hat (lässt er sich noch durchdrehen? wie ist die Kompression? Stand während des Ganzens immer genug Öl zur Lagerschmierung zur Verfügung, wie war Ölstand danach?).

    Viele Erfolg
    Daniel

  4. #4
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    Wie Dani schon vermutet sieht das sehr nach einen durchgehenden Motor aus; darunter versteht man einen Diesel, der sein eigenes Motoröl verbrennt und damit nicht mehr durch die Einspritzpumpe gesteuert wird. Normalerweise liegt das an ausgelaufen Kolbenringen. Eine andere Quelle ist der Turbolader, wenn vorhanden. Grund ist also immer ein größerer Motorschaden. An den Düsen bzw der Einspritzpumpe dürfte es kaum liegen
    Die Situation ist gefährlich, weil das Ding irgendwann sich selbst zerstört. Ein Abstoppen geht immer in dem man ein Brett (nicht die Hände!) vor das Luftfilter hält.

    Das nurallegmein zum Problem, weil ich den genannten Perkins Motor nicht kenne.

  5. #5
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    Danke vielmals soweit für die Infos.


    Dass das Motoröl verbrannt würde, käme mir komisch vor, denn kurz nach Zudrehen des Dieselabsperrhahnes ging der Motor aus. Wie ist Eure Meinung dazu, bitte?

    Während des engine runaways habe ich, nachdem ich den Dieselabsperrhahn zudrehte, noch Motoröl nachgefüllt um die Schmierung sicherzustellen. Check heute, also nach dem gsnzen Desaster: Motorölstand gut

    Ich habe heute den Motor kurz orgeln lassen: hört sich an wie immer (springt natuerlich nicht an, denn die Einspritzpumpe habe ich heute zum Mechaniker gebracht.

  6. #6
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    Prüfe mal die Kurbelkastenentlüftung. Wenn das Motoröl von dort in den Ansaug gelangte, sollten Spuren sichtbar sein. Es stellt sich dann natürlich die Frage, warum das Öl durch die Kurbelkastenentlüftung gedrückt wurde. Hier ist es möglich, dass ein Kolben defekt ist. Die Ringe könnten gebrochen sein, oder der Kolbenboden ist durchgebrannt.

  7. #7
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    Was mich stutzig macht ist, dass du schreibst, dass er im Bereich Ventildeckel / Zylinderkopf Öl rausgedrückt hat. Davon kann genauso auch was im Ansaugtrackt gelandet sein, die Kurbelgehäuseentlüftung endet nämlich da.
    Das kann, wie von safarovic vermutet, durch zu hohem Druck im Kurbelgehäuse passiert sein, der dann über die Entlüftung und Ventildeckeldichtung entweichen muss. Die Deckeldichtung ist für den Druck der sich aufbaut, wenn Kolbenringe weg sind oder ein Kolbenboden durchgebrannt nicht ausgelegt.

    Kannst du den Motor per Hand durchdrehen? Wenn ja fühlt sich die Kraft die du brauchst um die Kompression zu überwinden bei allen allen Zylindern gleich an? Es ist unwahrscheinlich, dass gleich alle Zylinder gebrochene Kolbenringe oder Löcher im Kolbenboden haben, zumindest vor dem Durchgehen.
    Genauen Aufschluss über Kolbenringe und -böden würde eine Kompressionsmessung geben...
    Geändert von Dani (27.05.2019 um 21:19 Uhr)

  8. #8
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    Beim Golf 1 haben versprödete Schaftdichtungen dazu geführt,dass der Motor sich am eigenen Öl bediente. Das passt aber nicht zu dem starken Überdruck im Zyl. Kopf, also Kurbelgeh. prüfen

  9. #9
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    Ich kenne da Einen, der hat seinen Golf D Motor in einer Reinke genau so gehimmelt, weil der Ölpumpenantrieb defekt war. Hochgejubelt, 2 Minuten später Totalschaden.

    Bei den beschriebenen Symptomen könnte auch ein Kolbenhemd abgerissen sein.
    LG Thomas

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