Sorry, aber wenn des Nachts auf einmal das Heck gegen den Kai bollert, dann hast du am Tag das Ankermanöver versaut, weil du den Anker eben NICHT eingefahren hast. Und ja, das macht man nicht erst mit dem Heck 1m von der Pier entfernt, das macht man vorher, wenn man weder sich noch andere gefährdet.

Es kommt natürlich immer auf die Umstände an, aber in diesem Fall, dann darauf zu vertrauen, dass der Anker des Nachbarn hält ist entweder recht blauäugig oder rücksichtslos und resultiert evtl. nicht in einem sondern zwei Problemfällen.

Ich habe schon mehr als eine Yacht gesehen, bei der der Anker slippte. Sei es weil der Ankergrund (bekanntermaßen !) bescheiden war oder weil viel zu wenig Kette gegeben wurde und dann auch noch nicht einmal die Kette vernünftig dicht genommen wurde aus Angst, der Anker könnte ausbrechen.

Dann tut man als Nachbar was machbar ist ohne das eigene Schiff zu gefährden. Ich habe schon zweimal (in Abwesenheit der Problemcrew) einen zweiten Anker ausgebracht, habe eigene Fender ans Heck gehängt (ebenfalls in Abwesenheit) oder zusammen mit den anderen Nachbarn das Schiff (weil Platz da war) längsseits umklappen lassen und abgefendert.
Ein gleich großes oder gar größeres Schiff mit auf den eigenen Anker zu nehmen ist in solch einer Situation sicher das letzte. Wenn da 3t neben 15t liegen, mag das Risiko noch vertretbar sein, normalerweise aber nicht.

Und wenn man damit rechnen muss, dass der Motor nicht anspringt, dann sollte man nicht auf Törn gehen sondern zum Mechaniker fahren.

BTW... noch etwas, was gegen die Methode spricht, erstmal alles an Kette ins Wasser zu werfen und dann hinterher auszusortieren: Bei Seitenwind braucht es dann recht lange, bis die Winsch die Kette wieder dicht genommen hat (wenn der Anker denn greift und nicht aufeinmal wieder vorne am Bug baumelt - auch oft genug erlebt). Eventuell zu lange um zu verhindern, dass der Bug mit der Seitenwand des Nachbarn (wenn da eine größere Lücke ist) busselt. Ja, man kann in die Achterleine eindampfen, aber oft dauert es, vor allem bei unerfahrenen Crews, bis die festgetadelt ist. Oder das Manöver ist dem Skipper gänzlich unbekannt. Auch alles schon erlebt.