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  1. #71
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    Hallo MichaelK, Kraft ist nicht gleich Leistung. Die Ankerwinsch ist so stark untersetzt, daß sie bei geringer Geschwindigkeit große Kräfte entfaltet. Dafür bringt die Hauptmaschine eine erheblich größere Geschwindigkeit zustande, Dem Anker ist es wurscht, ob er langsam oder schnell gezogen wird, allein die Kraft zählt. Und beim R/K Anlegen hat man die Heckleine schon fest und hat damit die nötige Gegenkraft.
    Viele Grüße
    nw
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    * Man kann nicht zweimal auf dem selben Fluß fahren.

  2. #72
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    Da hast du natürlich nicht unrecht, was Kraft und Leistung angeht.

    Ich habe mal ein bisschen recherchiert und gerechnet. Mal von meiner Hardware ausgehend:

    Lofrans Tigres ist mit einer Zugkraft von 1100 kg angegeben. Ja, ich weiß dass kg keine Kraft sind, aber so ist es verständlicher als wenn ich daN schreiben würde.

    Der Pfahlzug einer Segelyacht wird mit ca. 20kg / kW angegeben, das wären bei mir 800 kg. Das hängt natürlich stark vom Propeller ab. Ein Faltpropeller ist rückwärts weit weniger effektiv als mein Dreiflügler.

    Liegt also durchaus in der gleichen Größenordnung. Erst bei einer Maschinenleistung deutlich jenseits von 50 kW ist die Maschine überlegen. Das wird aber nicht für hochmotorisierte Motoryachten gelten. Deren Propeller sind ja eher auf Geschwindigkeit statt Schub ausgelegt.

    Insofern scheint es also tatsächlich egal zu sein, ob man die Winsch oder die Maschine zum einfahren nimmt, mit dem einzigen Unterschied, dass man es bei der Maschine vorher merkt, wenn er nicht hält und nicht erst, wenn der Anker unterm Bug baumelt.

    In diesem Zusammenhang noch ein paar andere Überlegungen:

    Die einwirkende Windkraft bei 8 Bft sind 25kg / m². Ich habe eine Frontalfläche von ca. 20 m². Damit wirken auf mein Schiff bei 8 Bft direkt von vorne ca. 500 kg ein. Durch Swojen wird sich dieser Wert beträchtlich erhöhen. Auch ist da noch nicht die Krafteinwirkung durch Wellen drin.

    Wenn ich also mit voller Leistung rückwärts einfahre, bin ich bis 8 Bft sicher. Bei 9 Bft sind es schon 39 kg / m². Das kann ich dann schon nicht mehr sicher testen.

    Mein Rocna 33 hat auf idealem Grund eine Haltekraft von ca. 5000 kg (extrapoliert von Tests mit dem Rocna 15, bei dem 2500 gemessen wurde in Sandgrund).
    Der macht das also noch lange mit (entsprechenden Grund vorausgesetzt). Passenderweise ist auch die Bruchlast meiner 10er Kette bei 5t.

    Vorrausgesetzt ich habe genug Kette draußen. Bei angenommenen 5m Wassertiefe und 40m Kette beginnt der Ankerschaft bereits bei 360 kg Krafteinwirkung zu steigen, bis zu einem Winkel von 7°. Da sinkt die Haltekraft des Ankers bereits um 25%.

    Es besteht also die reale Chance, den Anker bei weniger gutem Ankergrund mit der Winsch auszubrechen, während man schon an der Pier liegt.

    Ich stelle das lieber fest, wenn ich noch nicht alles festgetüdelt habe, achtern, aber da hat wohl jeder seine eigene Philosophie.
    Michael
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  3. #73
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    Hallo MichaelK, ja so sehe ich das auch. bei "Normalbedingungen" kein Unterschied. Ob man mit den "großen" Windstärken und da auch in der gefährlichen Richtung rechnen muß, zeigt ein Blick in die Gribfiles, auch wenn man im Hafen liegt. Ortskenntnisse helfen auch.
    In Kymi habe ich mal im Vorhafen geankert bei 6 Bft draußen, durch die Fallböen im Hafen erheblich mehr. Da mußte ich mehrmals in der Nacht den Anker wieder hochholen, zurückfahren und wieder neu ankern. War allerdings Kraut, der Anker jedesmal komplett zugestopft. Ob ein größerer Anker geholfen hätte, weiß ich nicht.
    Viele Grüße
    nw
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  4. #74
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    Zitat Zitat von MichaelK Beitrag anzeigen

    Die einwirkende Windkraft bei 8 Bft sind 25kg / m².
    Hallo Michael!
    Ich bin kein Physiker, aber bist du dir da sicher mit 25kg/m2 bei 8 Bft.?
    LG
    Handbreit
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  5. #75
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    https://rechneronline.de/barometer/winddruck.php

    Bei 20 m/s wirft der 240 N aus.

    Das gilt für eine senkrechte Wand. Effektiv wird die Kraft abhängig von der Form der Windangriffsfläche geringer sein.
    Geändert von MichaelK (17.05.2020 um 08:58 Uhr)
    Michael
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  6. #76
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    Hallo Ihr, das r/k-Anlegen einhand habe ich mittlerweile mehrer Male durchgeführt, geht allerdings (zunächst) nur bei breiter Lücke und wenig Wind: Ich fahre den Ankerpunkt vorwärts an, und bringe das Schiff zum Stehen. Dort werfe ich den Anker mit reichlich Kette (auf einen Haufen). Dann drehe ich das Schiff an Ort und Stelle (Ruder ganz nach Steuerbord, abwechslen vor- und zurück), dabei sich langsam in die Lücke hineinbegeben. Am einfachsten mit Helfer am Kai, geht aber auch ohne. Erstmal eine Heckleine provisorisch festmachen, dann die Kette einziehen, bis sie etwas Zug aufnimmt. Dann die Position der Heckleine korrigieren, bis das Schiff schön senkrecht vor dem Kai steht. Dann die zweite Heckleine festmachen, und der Kette die richtige Spannung geben.
    Viele Grüße
    nw
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  7. #77
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    Zitat Zitat von sucher Beitrag anzeigen
    Hallo Ihr, das r/k-Anlegen einhand habe ich mittlerweile mehrer Male durchgeführt, geht allerdings (zunächst) nur bei breiter Lücke und wenig Wind: Ich fahre den Ankerpunkt vorwärts an, und bringe das Schiff zum Stehen. Dort werfe ich den Anker mit reichlich Kette (auf einen Haufen). Dann drehe ich das Schiff an Ort und Stelle (Ruder ganz nach Steuerbord, abwechslen vor- und zurück), dabei sich langsam in die Lücke hineinbegeben. Am einfachsten mit Helfer am Kai, geht aber auch ohne. Erstmal eine Heckleine provisorisch festmachen, dann die Kette einziehen, bis sie etwas Zug aufnimmt. Dann die Position der Heckleine korrigieren, bis das Schiff schön senkrecht vor dem Kai steht. Dann die zweite Heckleine festmachen, und der Kette die richtige Spannung geben.
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    nw
    Na, das wird doch.

    Bei viel Wind muß man jedoch einige Änderungen vornehmen:

    1. Man darf nicht zu langsam rückwärts fahren, weil dann das Schiff nicht steuerbar ist und auch mehr abtreibt. Dann ist es kaum möglich eine Lücke zu treffen.

    2. Wenn man nach der zügigen Rückwärtsfahrt das Schiff aufgestoppt hat, dann kann man in der Regel mit einem gekonnten Wurf die luvwärtige Heckleine über einen Poller werfen. Man hat dann etwas Zeit, denn bis das Schiff anfängt, abzutreiben, dauert es auch ein paar Sekunden. Dann dampft man in diese luvwärtige Heckleine ein: bei wenig Wind mit wenig Gas, bei viel Wind mit mehr Gas. Das kann man in aller Ruhe ausprobieren, denn das Schiff hängt ja fest und es wird nur die Ausrichtung das Schiffes eingestellt. - Nachdem das Schiff nun in der Spannung zwischen Achterleine und Schraubenschub stabil liegt, kann man die Kette mit Hilfe der Winsch einholen. Man hat dazu alle Zeit der Welt (wenn der Tank voll genug ist).

    3. Die "Position der Heckleine korrigieren" kann ich mir nicht vorstellen. Entweder man hat den richtigen Poller an Land getroffen oder man fährt ein neues Manöver. Denn was will man da korrigieren.

    Ich möchte nochmal darauf hinweisen, daß es ratsam ist, so viel Kette wie möglich zu strecken. Dann hat man größere Chancen, daß der Anker greift, bevor er kurzstag steht. Eine moderne, richtig ausgelegte Ankerwinsch ist immer stark genug, die Kette mit solcher Kraft anzuziehen, daß sich der Anker eingraben kann.

    Nach meiner Meinung wird die Option "Eindampfen in eine Leine" viel zu selten ins Kalkül gezogen. Dabei erweitert diese Technik die Manöveroptionen gerade für einen Einhandsegler ganz enorm.

  8. #78
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    Hallo Festlandssegler, wenn es eine breite Lücke ist (>Schiffslänge), dann ist die Position des Ankers zunächst nicht wirklich definiert. Und vom Wasser aus schaut das alles ganz anders aus als vom Kai. Man sieht zu daß die Heckleine erstmal irgendwo belegt ist, man hat meistens mehrere Poller oder Ring zur Auswahl, man nimmt den nächstbesten.
    Erst wenn man die überschüssige Kette eingezogen hat, wird klar, wo der Anker tatsächlich liegt, und damit das Schiff so wie es sich gehört, schön senkrecht zum Kai liegt, wählt man den Poller für die zweite Heckleine entsprechend.
    Und vergiß nicht: Einhand! Mit entsprechender Mannschaft nicht wirklich eine Kunst, auch bei viel Wind eine schmale Lücke anzufahren.
    Durchgezogen in Preveza, da gibt es nur Ringe, da hilft auch der geschickteste Wurf nicht weiter!
    Viele Grüße
    nw

    PS: Ebenda bin ich von diesem Kai im Frühsommer (längseits liegend) bei strammem Wind senkrecht auf den Kai abgefahren:
    Bis auf die luvseitige Heckleine(auf slip) alle Leinen weg, der Wind drückt weiter die Fender platt. Maschine vorwärts mit Ruder nach Lee, bewegt erst das Heck vom Kai, und rotiert das ganze Schiff nach Luv, weg vom Kai. Wenn genügend Abstand, dann die Heckleine loswerfen und einziehen.
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  9. #79
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    Zitat Zitat von sucher Beitrag anzeigen
    ...

    Ebenda bin ich von diesem Kai im Frühsommer (längseits liegend) bei strammem Wind senkrecht auf den Kai abgefahren:
    Bis auf die luvseitige Heckleine(auf slip) alle Leinen weg, der Wind drückt weiter die Fender platt. Maschine vorwärts mit Ruder nach Lee, bewegt erst das Heck vom Kai, und rotiert das ganze Schiff nach Luv, weg vom Kai. Wenn genügend Abstand, dann die Heckleine loswerfen und einziehen.
    Ja, das ist ein wunderschönes Manöver. Leider wird es in den Bootsfahrschulen nicht regelmäßig gelehrt. Mit einer Leine und etwas Maschinenkraft kann man viele Situationen elegant meistern. Seemannschaft eben.

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