Liebe Mittelmeersegler,
wir sind jetzt seit August im Revier zwischen Göcek und Kas unterwegs, teils auf türkischer Seite, teils auf den griechischen Inseln. Das Flüchtlingsproblem hat heuer erschreckende Ausmaße angenommen. Nachdem die gute Website "Insidersegeln" unverständlicherweise nicht mehr gepflegt wird, muss ich mir die Arbeit machen, etwas zu verfassen.
Am 13. September beobachteten wir ein Schiff der Sahil Güvenlik mit einer Segelyacht im Schlepp. Auf der Webseite der Coast Guard fanden wir den Bericht, dass die Yacht mit 40 in Worten vierzig Migranten an Bord 2 Tage vorher bei Bodrum aufgebracht wurde. Teilweise werden an einem Tag von der türkischen Küstenwache bis zu 600 Flüchtlinge gefasst. In einer Pressemitteilung der S.G. vom 9.9. wird beschrieben, wie rauh es manchmal bei der "Seenotrettung" zugeht. Die Webseite gibts in türkisch und englisch: https://www.sg.gov.tr/haberler.
Ich schreibe das hier, weil ich jeden Skipper davor warnen möchte, illegal von Land zu Land zu wechseln, was zugegebenerweise früher üblich war. Auch würde ich jeden abraten, auf eigene Faust "Seenotrettung" zu betreiben. Neben der Möglichkeit, dass man selbst im Bach landet und die Migranten mit der Yacht weiterfahren, dürfte man mit den Behörden Riesenärger bekommen, hier wie dort. Die Telefonnuummer der türkischen Sahil Güvenlik +90 312 158000 Kurzwahl 158, der griechischen CG +30 2610 341002 Kurzwahl 108. Beide hören auf CH 16. Offensichtlich wird der Seeraum inzwischen intensiv mit Radar, AIS und aus der Luft überwacht. Bei einer Sichtung von Flüchtlingsbooten oder verdächtigen Aktivitäten in einer Bucht sollte man nicht die Augen zumachen, sondern unverzüglich die Küstenwache verständigen, auch um echte Seenotfälle zu vermeiden.
Ich hoffe, Euch gedient zu haben
Martin Biller
S.V. VAMOS, DH 5927, MMSI 211461290
Tel. 0090544 3913511