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    Ich habe mein Schiff in Griechenland stehen, eben im Ionischen, und bin normalerweise an die 6 Monate unterwegs. Ich kenne die Gegenden des Ionischen, des Golfes von Patras/Korinth, Peleponnes und die Ägäis und denke ebenfalls hier meine 2 cent reinwerfen zu können.

    Dieses Jahr hatte sich der Medicane "Iannos" wie er in Gr. genannt wurde bereits angekündigt, nachdem sich im Westlichen Mittelmeer ein Höhentief gebildet hatte und mit der Westströmung über das teilweise 28°C warme Wasser richtung Osten gehend, langsam einen tropischen Wirbel aufbaute. Später dann über die S-Spitze Italiens rüber zur W-Küste Griechenlands. Bis kurz vor dem Eintreffen war nicht ganz klar wo genau das Zentrum des Sturms auf Land treffen würde, die diversen Wettermodelle wie ECMWF, ICON, und GFS waren sich da nicht ganz einig. Später stellte sich ECMWF als ziemlich treffsicher heraus, während etwa ICON quasi den Weltuntergang prophezeite mit Windstärken von über 110kn, in den Böen.
    Raufgeknallt ist der Sturm dann in In Kephalonia, Zakynthos und Lefkas. Dort wurden die stärksten Windstärken gemessen und es entstanden auch die meisten Schäden. Dannach ist der Mist entlang des Peleponnes Südwärts abgezogen und ist schlussendlich zerplatzt.

    Ich hielt mich zu diesem Zeitpunkt im Lakkonischen Golf auf und entschloss mich von Astrous nach Porto Heli zu verholen um dort in der vom flachen Land umgebenen Bucht mit bestem Ankergrund aus Schlick, die angekündigte Katastrophe zu empfangen und dort vor Anker abzuwettern. Ein Platz an einer Mole kam für mich nicht in Frage. Zu diesem Zeitpunkt wusste natürlich noch niemand wie sich der Medicane weiterentwickeln und vor Allem weiterziehen würde. Wir bereiteten uns also vor so gut es ging, wir nahmen das Bimini ab, rollten die Genua ganz eng ein und wickelten noch Leinen darüber so hoch wir konnten. Wir steckten 70m 10mm Kette an einem 25kg Rocna auf 5m Tiefe und sprachen uns mit den Liegenachbarn ab um die Schwojkreise ungefährlich zu lassen. Weniger als 70m steckte kaum wer. Auch wurden die Fender ausgebracht und der reserve- Anker an einer 100m Leine zurechtgelegt. Die Bucht hat auch den Vorteil, dass sie erstens recht geräumig ist und auf 2 Seiten flach ausläuft und selbst wenn der Anker ausbricht und das Schiff auf Drift geht, man schlimmstenfalls im Schlick stecken bleibt und man später rausgezogen werden muss. Jedenfalls sind so schwere Schäden unwahrscheinlich.
    Und so kam es dann, oder besser gesagt eben nicht. Bloß ein paar Böen mit 25 kn aber das ist hier ohnehin üblich und eigentlich als laues Lüfterl zu bezeichnen.
    Im Ionischen war es aber anders. Ein Kumpel stand mit seiner 40er Ocean in Vathi auf Ithaka und sein Windmesser war auf 60kn als der Anker slipte während er mit 5m Sicherheitsabstand an der Mole stand. Er musste mit voller Wäsche in die Leinen motoren und entschloss sich dann später, als der Wind nur noch 45kn bließ, doch abzulegen. Das war mit dem Ankerauf aber gar nicht so einfach, weil die Kralle immer wieder griff und mann dann mit viel Gas dagegen motoren musste. Nach einer gefühlten halben Stunde waren sie dann frei und legten sich dann etwas weiter aussen nach der Tankstelle in die Einbuchtung und ließen bei 15m Wasser den Anker mit 80m Kette fallen und das hat glücklicherweise gehalten bis der Spuck vorüber war.
    Ein anderer Kumpel war mit seiner Island Packet in der Vlycho Bucht auf Lefkas. Die Bucht macht grundsätzlich einen sehr sicheren Eindruck, quasi wie ein Hurricane- Hole, wären da nicht die hohen Berge drum herum. Diese verwandeln den Ort in einen Hexenkessel bei Starkwind, da gibt es Videos auf Youtube.... Der Anker von der Island Packet hat gut gehalten, aber drum herum gingen jede Menge Yachten auf drift. Da kann man sich noch so sicher vorbereiten, wenn einem ein anderes Schiff reinrauscht ist man machtlos. Mein Kumpel hatte Glück, allerdings sind dort einige Yachten im Süden der Bucht in den Schlamm getrieben worden und blieben dort stecken. Das ist wohl der größte Vorteil der Vlycho, weil einmal im Schlamm ist man quasi sicher.
    Aber nicht allen erging es so gut, eine Italiener verlor sein Ankergeschirr und fuhr sage und schreibe an die 24 Stunden Kreise mit aufgesetzter Tauchermaske, anlegen war nicht möglich.

    Ich habe Zorbas 2018 mehr miterlebt. Da habe ich mich in die neue, damals noch unfertige Marina Preveza gelegt. In der Marina waren dann Böen mit 35kn zu spüren, an der Stadtmole war das Liegen nicht möglich. In Pylos war ein Kumpel in der "wilden" Marina. In der Marina stand bei 60kn Wind eine Welle von einem halben Meter und auch manchmal mehr. An der Stadtmole zerrieben sich ein Aluschiff und ein Stahlschiff gegenseitig, oder besser, das Aluschiff war nachher Schrott.

    Was ist nun die Moral aus diesen Hiobs-Berichten? Segeln in GR ist auch im Herbst sehr schön, genau gesagt schöner als im August wo die Massen und die Ferragosto-Italiener in großer Anzahl das Revier überschwemmen. Auch die Hitze ist nicht jedermanns Sache. Ab Mitte September muss man sich natürlich auf Wetterkapriolen, vor Allem im Ionischen, einstellen. Relativ unwahrscheinlich einen Medicane in voller Härte abzubekommen ist man in der Ägäis, noch weniger im Dodekanes, dort ist auch der Meltemi abgeschwächt. Letzterer ist aber auch ein Miststück und kann eine Segelreise schon mal für 2 Wochen in ein Abenteuer verwandeln. Besonders Charterer sind dann vielleicht nicht so angetan, wenn der geplante Törn nicht wie ausgemalt stattfinden kann und wenn, dann nur unter eher unangenehmen Bedingungen.
    Der Meltemi ist überhaupt eine Sache für sich. Dabei sollte man sich nicht alleine auf die Windstärken konzentrieren, denn 30 kn sind da oft fast schon normal, aber der Seegang, der mitunter eine gute Anlaufstrecke hat, ist wahrlich nicht zu unterschätzen. Auch im Lee von Inseln sollte man vorsichtig sein, denn da lauern oft Fallböen, welche ein Vielfaches der Stärke des Grundwindes haben. Aber das gilt eh das ganze Jahr über.
    Was ist also zu tun, bei Ankündigung eines Medicanes? Ich will hier niemanden belehren und kann nur für mich sprechen. Ich würde gründlich rescherschieren welche Orte in der Vergangenheit bei derartigen Verhältnissen besonders hart getroffen wurden. So etwa wäre es möglich gewesen zu vermeiden, sich dieses Jahr nach Ag. Effemia auf Kaphalonia zu stellen, wo Zorbas schon 2018 ein Bild des Schreckens hinterlassen hat. Das hätte man leicht auf Youtube nachforschen können. Aber es haben sich wieder zahlreiche Schiffe dorhin gestellt und es wurde ein Ort der Verwüstung mit massiven Schäden wie gesunkenen und an Land gespülten Yachten. Auch an der Mole haben sich manche zerrieben.
    Für mich gibt es nur eine "sichere" Marina oder einen Platz vor Anker in einer brauchbaren Bucht. Gemeindehäfen oder sonstige Molenplätze sollten vermieden werden. Nahezu alle Schäden an den Yachten fanden bei Molenliegern statt, wenn man von der Driftschäden absieht.

    Ob sich in Zukunft wieder solche Kapriolen ergeben, hängt meist von den Wassertemperaturen im Spätsommer ab und da sind 27°C der Knackpunkt. Aber wir wollen ja warmes Wasser zum Baden, und nicht kühles Nordatlantiknass. Der Dodekanes ist hier wieder im Vorteil, weil da die Wassertemperaturen im Schnitt um 2° kühler sind.
    Ich werde jedenfalls im Revier bleiben und mich, wenn es soweit kommt, wieder vorbereiten....

    Yippie

  2. #32
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    Hallo Yippie,
    danke für den interessanten Beitrag. Ionisches Meer war ich noch nicht. Aber ich schwanke gerade für den nächsten Törn Ende September 2021 zwischen Sardinien und Griechenland.
    Gruß
    Wolfgang

  3. #33
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    komme soeben von Kroatien zurück. Eine super Woche bis 20°C im Schatten. Das Meer war etwas frisch. Gefühlte 18°C.
    Guter Wind 2-4 Bft.
    Eine Saison für Selbstversorger, da die meisten Konobas schon geschlossen sind.
    Handbreit
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    https://sailing.czaak.at

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