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  1. #1
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    Standard Sogwirkung bei geringer Wasertiefe im Kanal

    Ich habe heuer den Vogesenkanal befahren, das Boot eine Horizon hatte 1 Meter Waterdraft.
    Mir ist aufgefallen, dass der Wasserstand unter Normal war, das konnte man an den Marken am Ufer erkennen.
    Ich hatte mehrfach das Problem das Boot auf Kurs zu halten, mit anderen Worten es ist mir sehr oft aus dem Ruder gelaufen.
    Als wir dann auf der Saone waren, die wesentlich mehr Tiefgang hatte war das aus dem Ruder laufen kein Problem mehr.
    Kann mir das jemand erklären?
    Geändert von Skipper4712 (12.12.2020 um 16:45 Uhr) Grund: Ergänzung
    Dies war meine bescheidene subjektive Meinung.

    Have a nice day
    Bemoostes Haupt

  2. #2
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    Ja , das ist erklärbar ,
    ich gebe einen Link :

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Squat

    Dass dein Schiff mehrmals außer Kontrolle geriet kann an vorlicher Trimmung liegen - ein höher liegendes , teilweise ausgehebeltes Ruder wirkt weniger ,
    es kann aber auch an ( zeitweise) zu geringer Distanz zum steil abfallenden Ufer liegen ( Stichwort " Kanalprofil " ) ,
    oder beides .
    Erste Abhilfe : fahre langsamer .
    Letzteres ist für abgeladene Frachter auf vielen Flüssen, Kanälen und auch bei engen Begegnungen zwingend , deshalb oft auch Vorschrift .
    Geändert von supra (12.12.2020 um 17:21 Uhr)
    O.K., wir haben sie jetzt da wo sie uns haben wollen.

  3. #3
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    Herzlichen Dank für die Hilfe!
    Dies war meine bescheidene subjektive Meinung.

    Have a nice day
    Bemoostes Haupt

  4. #4
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    Aus der Praxis,
    Reisebericht einer Reise vom Süden der NL nach Berlin 2019
    "...........In der Veenvaart sinkt die Geschwindigkeit bei gleicher Drehzahl um mehr als ca. 1km/h, ist die Schraube verkrautet? Der Skipper schließt das durch einen Tauchgang aus. Hätte man in Physik doch besser aufgepasst. Bei so geringen Wassertiefen (1,5m) wie hier geht’s eben nicht so schnell voran………………………….Auf dem Dortmund-Ems-Kanal, bei normaler Wassertiefe stimmt auch die Geschwindigkeit wieder. ....)

    Mit dem Wissen von Tuck, Dand, Führer und Römisch hätte ich mir den Tauchgang sparen können. Tauchen war einfacher

    Gruß Franz
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    halber Wind reicht völlig

  5. #5
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    Lieber Franz, auch besten Dank für diesen Beitrag.
    Ich denke auch für die Tunnelfahrt gelten diese Regeln, denn dort hatte ich auch mehrfach die Tunnelwand touchiert.
    Ich lerne also: Langsam fahren bei geringer Wassertiefe!
    Dies war meine bescheidene subjektive Meinung.

    Have a nice day
    Bemoostes Haupt

  6. #6
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    Auf Kanälen grundsätzlich langsam fahren !

    * wegen der Uferbebauung, damit die Heckwelle keine Schäden anrichtet !
    * aus den zuvor genannten physikalischen Gründen
    * falls Boote am Ufer liegen - aus Rücksicht
    * damit dem vor sich hindösenden Skipper das Boot nicht aus dem Ruder läuft und in die Böschung macht

    aber man soll darauf achten - wenn ander Boote und Schiffe einem begegnen,
    dass man genügend Speed zur Steuerkraft am Ruder bzw. ausreichende Steuerfähigkeit hat.
    Denn auch die (z.B. Binnenschiffe) haben Sog- und Druckzonen beim passieren.

    Gute Fahrt
    QUERULANT = https://blog650.wordpress.com
    HORIZONTE = https://blog35215.wordpress.com

  7. #7
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    Zitat Zitat von Nachtsegler Beitrag anzeigen
    Auf Kanälen grundsätzlich langsam fahren !
    ........
    Sag das mal den Frachtschiffen im NOK.
    Um die tristen Kanalfahrt erträglicher zu machen, hat man die Möglichkeit die Strecke an einer lauschigen Liegestelle am Gieselaukanals bei Oldenbüttel zu halbieren. Man liegt in Sichtweite der Schleuse und hört den Kukuck schreien, malerisch.
    Ürplötzlich senkt sich der Wasserstend in ca. 5s um bis zu 60 cm. Wohl dem der sorgfältig festgemacht und das Ruder festgestellt hat. Wir hatten das beim ersten Mal nicht. In der Nacht glaubte ich wir seien gerammt worden, Die Schleusentore scheppern bedrohlich. Nach hektischem Spurt in die Plicht - nichts, Ruhe. Nur die Skipper einiger anderen Yachten schauten ebenfalls ratlos. Die das Phänomen kennen haben sich nur auf die andere Seite gedreht.
    Die im 600m entfernten NOK fahrenden große Schiffe ziehen bei hoher Fahrt dermaßen viel Wasser aus dem Kanalstummel, dass einem Hören und Sehen vergeht. Wir haben bei fast jeder Passage (25-30?)den Liegeplatz "Sportbootwartestelle nach § 53 SeeSchSt"* genutzt" und mindestens 10-15 mal gestaunt.

    * das dämliche Schid wurde vor Jahren entfernt

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

  8. #8
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    Zitat Zitat von grauwal Beitrag anzeigen
    Die im 600m entfernten NOK fahrenden große Schiffe ziehen bei hoher Fahrt dermaßen viel Wasser aus dem Kanalstummel, dass einem Hören und Sehen vergeht. Wir haben bei fast jeder Passage (25-30?)den Liegeplatz ... ..... genutzt" und mindestens 10-15 mal gestaunt.



    Gruß Franz
    Es ist nicht die angeblich hohe Geschwindigkeit , es ist vornehmlich das Ratio des Frachtervolumens zu der des Kanalabschnittes in dem sich der Frachter just befindet
    Füllt der Frachterrumpf ordentlich viel des Fluss- oder Kanalprofils aus , saugt er auch bei niedriger Geschwindigkeit viel weg, wirft anschließend
    eine höhere Welle ans Ufer , den Hafen , den Nebenfluss.
    Momentan hat Venedig unter diesem Phänomen zu leiden . Auch die auf dem recht breiten Canale Grande , langsamst fahrenden Kreuzfahrtschiffe saugen rd. 30cm weg , werfen 50cm zurück , mehrmals am Tage . Für diesen Angriff sind die auf Pfählen stehenden Häuser , deren gemauerte " Böschungen " nicht gemacht .
    Selbiges Problem zeigt sich just an der Unterelbe nach deren letzter Vertiefung . Die Frachter müssen zur Vermeidung von Grundberührung durch den Squateffekt immer noch langsamer fahren , diese Riesen werden aber auch immer größer . Es ist also die Größe die für ordentlich Sog und Welle sorgt.
    Flussanrainern von Ems , Weser und Elbe ist das Phänomen seit schon immer bekannt , auch Wattfahrer kennen es . Am drastischsten betroffen sind jedoch die Nebenflüsse , Nebenarme , Stichhäfen usw. Siehe auch Gieselauschleuse .
    Auf einigen Nebenflüssen ist bei bestimmten Wasserständen der Sog eines langsam an der Flussmündung vorbeifahrenden großen Frachters noch einige Kilometer flussaufwärts zu beobachten .
    In der Nähe der Mündung ist die nachfolgende Welle mitunter rd. einen 3/4 Meter hoch , und steil !

    Mit dem Squateffekt haben diese Phänomene übrigens nichts zu tun.

    Wichtig is aber auch zu wissen dass ein squattendes Schiff mehr saugt und eine dementsprechend größere Welle aufwirft.
    Als pragmatische Konsequenz für den Uferschutz limitiert man deswegen auf Kanälen die Geschwindigkeit für alle Schiffe , auch für jene die beim Squatten nicht der Gefahr der Grundberührung ausgesetzt sind .
    Es gilt Wechselwirkungen von Bootsrumpf und Kanalboden zu vermeiden , weil diese immer zu höherer Welle führen .
    Anders ausgedrückt , ein mäßig schnell , sagen wir 8kn fahrendes 12m Schiff, mit einem Tiefgang von 1m wird in einem 3m tiefen Kanal zwar nicht squatten , vertrimmen , gar Grundberührung haben , dennoch passiert da unter Wasser etwas .
    Der Bodeneffekt beginnt für ein 12m Schiff bei rd. 5m Wassertiefe .
    Die Welle wird größer , und das unbemerkt vom Schiffsführer , der ja allermeist auf seine 8kn f, weil Rumpfgeschwindigkeit fixiert ist . Das er für diese 8kn auch mehr Gas geben muss registriert er nicht. *
    Man will mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung also oftmals auch die Schiffe von den Auswirkungen des Bodeneffekts fernhalten .

    Ein weiteres nicht durch eine Geschwindigkeitsbeschränkung abgedecktes Problem wirft das oben beschriebene Phänomen auf.
    Große Frachter saugen auch bei geringsten Geschwindigkeiten . Die Binnenfrachter werden auch immer größer .
    Was will man machen ?

    Noch ein paar Sätze zu Begegnungen und Fahren längs einer Kaimauer bei/mit geringer Distanz.
    So ein Frachterrumpf ist ja ein Kasten . Wird nun dessen Bordwand ( in Fahrt ) nahe an eine Kaimauer manövriert , passiert das selbe als wie wenn ( hahaha ) der Schiffsboden nahe dem Kanalboden passiert .
    Das Heck wird von der Wand angesaugt , Kontrollverlust , das Heck rammt gar die Mauer.
    Ich denke genau das ist dem TE passiert.
    Selbiges geschieht auch bei zu engen Begegnungen , oder zu engen Überholmanövern zweier Frachter. Schiffer und Lotsen lernen das aber , trotzdem....

    Als Sportbootfahrer, insbesondere als Führer eines kastenförmigen Motorbootes auf engen , und /oder flachen Kanälen , kann man mitnehmen :
    Langsamer und Abstand.

    Ich denke wenn man um die dahinter stehenden Umstände weiss , sie versteht , fällt das nicht nur leichter, man setzt es gezielter , also wenn notwendig ein , man verinnerlicht es dann auch .



    *
    Bodenefekt
    Um bei Werftprobefahrten ( Geschwindigkeitstest ) den Bodeneffekt auszuschließen, testet man Kreuzfahrtschiffe , große , schnellere Frachter , oft vor der norwegischen Küste . Dort ist es mit einigen hundert Metern tief genug .
    Geändert von supra (13.12.2020 um 18:53 Uhr)
    O.K., wir haben sie jetzt da wo sie uns haben wollen.

  9. #9
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    Standard

    P.S.

    *
    Bodenefekt
    Um bei Werftprobefahrten ( Geschwindigkeitstests ) den Bodeneffekt auszuschließen, testet man Kreuzfahrtschiffe , große , schnellere Frachter , oft vor der norwegischen Küste . Dort ist es mit einigen hundert Metern tief genug .
    Diesen Umstand, vielmehr die für große Schiffe benötigte Wassertiefe kann man dann in Bezug zum Canale Grande bringen . Dort passieren die Kreuzfahrtschiffe allerlangsamst mit einer Distanz von hundert, zweihundert Meter zum Ufer , trotzdem .....
    panta rhei
    O.K., wir haben sie jetzt da wo sie uns haben wollen.

  10. #10
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    Standard

    Charybdis treibt auch auf andere Art ihr Unwesen.
    Bei Kanalfahrten begegnet man ab und zu Frachtschiffen die in Schleichfahrt vor uns her zuckeln, etwas langsamer als unsere Reisegeschwindigkeit. Nicht dass ein km/h weniger tragisch wäre, aber in der Abgaskeule hinterher zu kriechen ist frustig. Überholen ist aber oft auch nicht möglich. Von der Mitte des Frachtschiffs an fährt man die Bugwelle bergauf, das macht mehr als ein km/h zunichte, man kommt bei schmalen Kanälen nicht vorbei.
    Man fährt also noch langsamer um wenigstens dem Qualm zu entgehen.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

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