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  1. #1
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    Standard Online Rechner für Ankerlast und minimal benötigte Kettenlänge

    Ankern ist ein sehr kontroverses Thema, ich weiß! Dennoch möchte ich hier ein kostenloses Tutorial-Tool vorstellen, welches mein Sohn und ich entwickelt haben und das es ermöglicht, die maximale Ankerlast und die minimal erforderliche Kettenlänge beim Ankern zu berechnen, nachdem man die Eingabeparameter für das Schiff sowie die See- und Wetterbedingungen (d.h. Schwell und Wind / Böen) eingegeben hat. Es arbeitet mit verschiedenen physikalischen Einheiten, wie daN (deka Newton), kp (Kilopond, was ungefähr einem daN entspricht), oder imperialen Einheiten von englischem Pfund und Fuß - mit den Knöpfen ganz oben rechts kann man umschalten. Je nachdem, aus welchem Land Sie kommen, wird das Tool versuchen, eine intelligente Annahme vorzunehmen, um die Standardwerte korrekt einzustellen. Das Tool kann im Basismodus und im Expertenmodus verwendet werden. Ich empfehle, im Basismodus zu beginnen und von dort aus weiterzuarbeiten.

    Schauen Sie sich die beigefügte Tabelle an, die die Ergebnisse für verschiedene Ankerszenarien zeigt. Wind und (großer) Schwell sind immer gleich und die maximal verfügbare Kette ist auf 50 Meter festgelegt. Ich habe drei verschiedene Ankertiefen gewählt (natürlich vom Bugroller aus gemessen): 3, 5 und 9 Meter. Schließlich habe ich die Qualität des Ankerstropps / Hahnepots (auf Englisch Snubber / Bridle) variiert - ich definiere die Qualität durch die Dehnung / Streckung des Ankerstropps bei einer bestimmten Windstärke. Bei einer Länge von 3 Metern und ohne Ankerstropp zeigt das Tool einen Fehler an, was bedeutet, dass die Kette alleine in meinem Modell die (große) Schwellenergie nicht absorbieren kann. Vergleicht man dann 5 und 9 Meter Ankertiefe, so stellt man fest, dass der Zugwinkel am Ankerschaft bei fester Kettenlänge natürlich leicht zunimmt, aber gleichzeitig sinkt die Ankerlast von 1322 daN auf 480 daN, also auf weniger als die Hälfte! Diese massive Verringerung der Ankerkraft gleicht die geringfügige Verringerung der maximalen Haltekraft durch den größeren Zugwinkel mehr als aus. Wenn Sie schließlich einen “Excellent snubber" verwenden, wird die Ankerkraft weiter auf nur 156 daN reduziert. Das ist weniger als 1/8 der Ankerlast bei 5 m Ankertiefe und ohne Ankerstropp. Was für ein Unterschied! Diese Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, vor allem in flachem Wasser ausgezeichnete Ankerstropps / Hahnepots zu verwenden. Die Verwendung von mehr Kette würde keinen großen Unterschied machen, da die Kette im flachen Wasser nicht wirksam ist.

    Ich bin hier davon ausgegangen, dass der Schwell bei allen Ankertiefen gleich (und ziemlich groß) ist, was sicherlich häufiger nicht stimmt. Wenn dem aber so ist, dann ist es auf jeden Fall sicherer bei großem Schwell*in tieferem Wasser zu ankern. (In meinem Modell wird die Schiffsgeschwindigkeit am Anker durch den Schwell bestimmt.) Alle Parameter bis auf einen zu fixieren und nur diesen einzigen zu variieren ist ein typischer wissenschaftlicher Ansatz, um die Auswirkungen dieses Parameters zu untersuchen. Verstehen Sie mich also bitte nicht falsch, wenn ich sage, dass der Schwell unabhängig von der Ankertiefe hier immer der gleiche ist. Das ist er i.A. ganz sicher nicht - nur in dieser Analyse ist es so angenommen!

    Entgegen der landläufigen Meinung ist es also nicht immer besser, den flachsten Liegeplatz zum Ankern zu wählen. Erfahrene Segler werden das wissen, aber zumindest ich wusste das nicht, als ich mit dem Segeln anfing - in meinen Segelkursen wurde das nicht erwähnt und die einfache Regel lautete: Verwende bei ruhigem Wetter ein Ketten-zu-Wassertiefe-Verhältnis von 3:1 und mehr, wenn es windig wird...

    Hier ist der Link zum Online-Tool: https://anchorchaincalculator.com

    Wenn Sie das Tutorial nicht lesen wollen und auch das kurze Video nicht ansehen möchten, hier einige Anmerkungen zu den erforderlichen Eingaben: Vessel type bezieht sich darauf, ob es sich um ein Einrumpfboot, einen Kat oder ein Tri handelt und wie es gebaut ist: schlank, mittel oder wuchtig. Diese Informationen werden benötigt, um die Windangriffsfläche (Windage area) Ihres Schiffes zu schätzen. Die Ankertiefe (Anchor depth) ist in zwei Felder unterteilt, die Sie z. B. als Freibord und Wassertiefe verwenden können, aber auch jede andere Aufteilung ist möglich. Die Schiffsgeschwindigkeit vor Anker (Vessel velocity at anchor) ist die maximal beobachtete Geschwindigkeit über Grund vom Anker weg, während das Schiff vor Anker liegt. Es ist schwierig, diesen Wert genau zu bestimmen, da Kartenplotter nicht sehr genau sind, aber oft liegt er im Bereich von 0,1 bis 0,7 kn. Dieser Wert bestimmt zusammen mit dem Schiffsgewicht (Vessel weight) die Schwellenergie. Was die Ankerstropp-Qualität (Snubber quality) betrifft, so definiere ich sie im Basismodus qualitativ in einfachen englischen Worten. Nicht wissenschaftlich, ich weiß, aber die Namen haben eine Bedeutung - ein guter Ankerstropp ist ein guter Ankerstropp, und ein lausiger Ankerstropp ist ein lausiger Ankerstropp... Wenn Sie tiefer einsteigen wollen, verwenden Sie den Expertenmodus. Ein “Excellent snubber" erfährt zum Beispiel eine Streckung von 1,6 Metern bei einer Windstärke von 8 Beaufort oder 40,2 kn (ohne Schwell, welcher als Last hinzukäme). Wenn Sie das Datenblatt Ihrer Ankerstropp-Leine haben, können Sie auch einen einfachen Dreisatz anwenden, um die für das Tool erforderliche Eingabe zu berechnen. Wenn Sie die qualitativen Beschreibungen des Ankerstropps verwenden und feststellen, dass die vom Tool berechnete Streckung des Ankerstropps stark von dem abweicht, was Sie tatsächlich als Streckung beobachten, müssen Sie die Bewertung der Qualität Ihres Ankerstropps anpassen. Meine Beobachtung ist, dass viele Leute ihren Ankerstropp anfangs überbewerten - ich habe das jedenfalls getan, als ich damit anfing... Natürlich kann sich ein Ankerstropp von nur 2 Metern Länge nicht um weitere 1,6 Meter dehnen!

    Und wenn ich von Schwell spreche, meine ich alle Arten von Wellen, die auf das Schiff treffen.

    Dieses Online Tool ist nicht dazu gedacht, bei jedem Ankern verwendet zu werden, sondern eher als Hilfsmittel zum Ausprobieren / Lernen und um zu sehen, wie groß die auf den Anker wirkenden Kräfte in verschiedenen Szenarien sind. Zum Beispiel können Sie damit eine erste schnelle Einschätzung der Qualität des von Ihnen verwendeten Ankerstropps vornehmen. Ich hoffe, dass es Ihnen hilft, bessere Entscheidungen für das sichere Ankern zu treffen.

    Rückmeldungen sind herzlich willkommen!

    Cheers, Mathias

    PS: Wenn Sie die Physik und das Modell im Detail verstehen wollen es handelt sich, kurz gesagt, um eine klassische Kettenkurve mit einer daran gekoppelten elastischen Feder (den Ankerstropp) mit aufeinander abgestimmten Lasten. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: https://trimaran-san.de/die-kettenku...atiker-ankert/
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  2. #2
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    Hallo Mathias,
    besten Dank für Deine umfangreichen Berechnungen und die vielen Beschreibungen. I
    Ich habe die Webanwendung zum Kennenlernen ein bisschen durchprobiert. Ich habe dabei keinen so großen Einfluss der Ankertiefe gefunden jedenfalls nicht so wie in der Beschreibung vermutet.
    Einen großen Einfluß nimmt die Eigenschaft des Snubbers. Ich kann die schwer abschätzen. Ich habe an der 30 m Kette noch 40 m Nylontrosse dran. Die könnte dann der Snubber sein, oder es ist eine extra Leine an einem Teil der Kette. Nun müßte ich wohl wissen, wie sich die Trosse unter welchem Zug verlängert. Dann kann ich die Leinenlänge abschätzen, oder?

    Gruß
    Manfred
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  3. #3
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    Zwei Anmerkungen:
    die ausgewählten Schaltflächen werden schwächer dargestellt als die optionalen Alternativen, wäre es nicht sinniger die ausgewählten hervorzuheben?
    das babylonische einheitenwirrwar zb in der selben Anwendung Wind einmal mit knoten und weiter unten mit BFT zu beschreiben löst sich doch nicht auf wenn man zwischen kp und dekaN umschalten kann, wiso benutzt du nicht ein geschlossenes einheitensystem wie MKS (Meter Kilogramm Sekunde)
    wenn Du selber Windstärken in einer anderen Einheit als dann m/s im Kopf hast könnte man ja weitere ausgabefelder dahinter schreiben...schwächer dargestellt

    ansonsten verstehe ich bisher auch nicht wiso eine zwischengelagerte Feder die Kräfte reduzieren möchte
    kettenlänge und Wassertiefe ergeben doch erstmal nur unterschiedliche Zugwinkel am Anker, sofern nicht ein Teil der Kette schon am Grund aufliegt... also ich würde da eher betrachten wo eine Kette anfängt und wie weit es sich um Seil handelt??? Seil Angaben hab ich aber gar nicht gefunden?
    Geändert von haribo (28.11.2021 um 08:21 Uhr)

  4. #4
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    Zuerst meinen Respekt für die geleistete Arbeit lieber Mathias!
    ABER mir ist das zu wenig praxisbezogen. Ich kenne auch andere Formeln zur Berechnung der Kettenlänge. Diese Modelle haben gemeinsam, dass man eine Menge an Daten eingeben muss, die man nicht kennt! Wettervorhersage? Zuverlässigkeit der Wettervorhersage? Grundbeschaffenheit? Grundform? Momentane Bruchlast der Kette? ...?
    Ich habe einmal für mein Buch eine Liste der Einflussfaktoren beim Ankern erstellt. Nach 100 Faktoren habe ich abgebrochen.
    Ich mache viele Skippertrainings und empfehle folgende Methode:
    Anker brechen am Grund aus, wenn der Ankerschaft ca. 8° angehoben wird.
    Das passiert, wenn die Kettenlänge unter dem 6-fachen der Wassertiefe beträgt und gespannt wird.
    Daher 6-fache Kettenlänge herauslassen und dann den Anker mit 1Min. Volldampf eindampfen. Hält der Anker, dann Maschine aus. Slipt der Anker dann mehr Kette geben, event. bis zum Maximum Kette bzw. Schwojkreis. Reicht das nicht neuen Platz ansteuern.
    Beim Ankern wirken zwei Kräfte auf unser Schiff und letztlich auf das Ankergeschirr:
    1. Winddruck: wer kennt schon den Luftwiderstandsbeiwert seines Schiffes? Wer kennt schon die genauen Windspitzen in BFT für heute Nacht?
    2. Welle: in seichten Gewässern sind die Wellen steiler (brechen) und treffen mit höherer Wucht auf das Schiff als in tieferen Gewässern.
    Die in den meisten „Fachbüchern“ und „Seefahrtschulen“ verbreiteten 3–5 fache Wassertiefe als Kettenlänge ist schlicht gedankenloses abschreiben von Blödsinn, wenn wir von anspruchsvolleren Bedingungen und nicht von spiegelglatter See bei Windstille sprechen.
    Handbreit
    Rud1
    ---------------------------------------------
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  5. #5
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    Zitat Zitat von haribo Beitrag anzeigen
    Zwei Anmerkungen:
    die ausgewählten Schaltflächen werden schwächer dargestellt als die optionalen Alternativen, wäre es nicht sinniger die ausgewählten hervorzuheben?
    das babylonische einheitenwirrwar zb in der selben Anwendung Wind einmal mit knoten und weiter unten mit BFT zu beschreiben löst sich doch nicht auf wenn man zwischen kp und dekaN umschalten kann, wiso benutzt du nicht ein geschlossenes einheitensystem wie MKS (Meter Kilogramm Sekunde)
    wenn Du selber Windstärken in einer anderen Einheit als dann m/s im Kopf hast könnte man ja weitere ausgabefelder dahinter schreiben...schwächer dargestellt

    ansonsten verstehe ich bisher auch nicht wiso eine zwischengelagerte Feder die Kräfte reduzieren möchte
    kettenlänge und Wassertiefe ergeben doch erstmal nur unterschiedliche Zugwinkel am Anker, sofern nicht ein Teil der Kette schon am Grund aufliegt... also ich würde da eher betrachten wo eine Kette anfängt und wie weit es sich um Seil handelt??? Seil Angaben hab ich aber gar nicht gefunden?
    Hmm, ok, ja, das ist etwas historisch gewachsen mit den Einheiten. Im Grunde sind es immer Knoten für Wind, aber für den Snubber hatte ich zur Charakterisierung mich auf 8 BFT eingeschossen gehabt. Das Ganze war recht mühsam für all die Browser zu schreiben und wir waren froh, als es so einigermassen ok war. Das war mir vorher nicht so klar gewesen, wie unterschiedlich die Browser web pages darstellen, und wie viel man da als Entwickler auf die Eigenarten der Browser Rücksicht nehmen muss. Vielleicht machen wir irgendwann mal ein 2.0

    Kombination Kette und Trosse kann das Tool nicht. Vielleicht mal irgendwann.

    Und zur Feder: Es dreht sich hier dabei, die Spitzenlasten abzufedern. Wenn Du keinen Snubber verwendest, kann es im flachen Wasser bei starker Welle oder starken Windstössen passieren, dass die Kette ruckartig vollkommen steif wird und viel Last am Anker und an der Bugklampe anliegt. Wenn Du einen Snubber dazwischen schaltest, dann dämpft der das und die Lastspitzen werden deutlich reduziert.

    Es ist halt ein dynamisches System und kein statisches System und ich berechne die Spitzenlasten wenn der Ruck maximal geworden ist...

    LG, Mathias
    Geändert von MathiasW (21.12.2021 um 04:17 Uhr) Grund: Zitat vergessen einzufügen

  6. #6
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    Zitat Zitat von Muckilein Beitrag anzeigen
    Hallo Mathias,
    besten Dank für Deine umfangreichen Berechnungen und die vielen Beschreibungen. I
    Ich habe die Webanwendung zum Kennenlernen ein bisschen durchprobiert. Ich habe dabei keinen so großen Einfluss der Ankertiefe gefunden jedenfalls nicht so wie in der Beschreibung vermutet.
    Einen großen Einfluß nimmt die Eigenschaft des Snubbers. Ich kann die schwer abschätzen. Ich habe an der 30 m Kette noch 40 m Nylontrosse dran. Die könnte dann der Snubber sein, oder es ist eine extra Leine an einem Teil der Kette. Nun müßte ich wohl wissen, wie sich die Trosse unter welchem Zug verlängert. Dann kann ich die Leinenlänge abschätzen, oder?

    Gruß
    Manfred
    Hallo Manfred, sorry für die späte Reaktion - ich habe irgendwie keine Nachrichten bekommen, dass jemand geantwortet hätte...

    Eine Kombi aus Kette und Trosse kann das Tool leider noch nicht. Vielleicht später einmal. Eine lange Trosse ist natürlich ein Super Snubber. Und ja, du müsstest wissen, wie sich Deine Trosse verlängert. Vielleicht hat der Hersteller dazu ja Angaben gemacht. Und dann ist es etwas Gefummel mit der Wassertiefe, in der die Kette auf die Trosse übergeht, um das mit dem Tool zu bearbeiten. Das ist denke ich etwas zu mühsam.

    Aber die Ankertiefe wird einen großen Einfluss auf die Kettenlänge haben. Nicht so sehr auf die Ankerlast. Wenn die Velocity at Anchor Null ist, wird der Einfluss sogar Null sein. Nur wenn es viel Schwell gibt, kann man die Ankerlast etwas reduzieren, wenn man ins tiefere Wasser ausweicht. Vorausgesetzt, dort ist nicht noch mehr Schwell...

    LG, Mathias

  7. #7
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    Zitat Zitat von Rud1 Beitrag anzeigen
    Zuerst meinen Respekt für die geleistete Arbeit lieber Mathias!
    ABER mir ist das zu wenig praxisbezogen. Ich kenne auch andere Formeln zur Berechnung der Kettenlänge. Diese Modelle haben gemeinsam, dass man eine Menge an Daten eingeben muss, die man nicht kennt! Wettervorhersage? Zuverlässigkeit der Wettervorhersage? Grundbeschaffenheit? Grundform? Momentane Bruchlast der Kette? ...?
    Ich habe einmal für mein Buch eine Liste der Einflussfaktoren beim Ankern erstellt. Nach 100 Faktoren habe ich abgebrochen.
    Ich mache viele Skippertrainings und empfehle folgende Methode:
    Anker brechen am Grund aus, wenn der Ankerschaft ca. 8° angehoben wird.
    Das passiert, wenn die Kettenlänge unter dem 6-fachen der Wassertiefe beträgt und gespannt wird.
    Daher 6-fache Kettenlänge herauslassen und dann den Anker mit 1Min. Volldampf eindampfen. Hält der Anker, dann Maschine aus. Slipt der Anker dann mehr Kette geben, event. bis zum Maximum Kette bzw. Schwojkreis. Reicht das nicht neuen Platz ansteuern.
    Beim Ankern wirken zwei Kräfte auf unser Schiff und letztlich auf das Ankergeschirr:
    1. Winddruck: wer kennt schon den Luftwiderstandsbeiwert seines Schiffes? Wer kennt schon die genauen Windspitzen in BFT für heute Nacht?
    2. Welle: in seichten Gewässern sind die Wellen steiler (brechen) und treffen mit höherer Wucht auf das Schiff als in tieferen Gewässern.
    Die in den meisten „Fachbüchern“ und „Seefahrtschulen“ verbreiteten 3–5 fache Wassertiefe als Kettenlänge ist schlicht gedankenloses abschreiben von Blödsinn, wenn wir von anspruchsvolleren Bedingungen und nicht von spiegelglatter See bei Windstille sprechen.
    Hallo Rud1,

    Ja, da stimmen wir schon einmal überein, dass die 3-5 fache Wassertiefe einfach Unsinn ist.

    Dies war auch meine ursprüngliche Motivation, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Und ja, es stimmt, es gibt noch viel mehr Parameter, als die, die ich verwende, aber ich denke nicht, dass mich jemand als praxisnah bezeichnen würde, wenn ich diese alle abfragen würde...

    Aber sind einige Dinge ziemlich sicher nicht relevant. Z.B. Bruchlast der Kette - solange sie keinen Schaden hat, wird sie nicht brechen. Es macht keinen Sinn, so einen Parameter aufzunehmen. Und zur Wettervorhersage - auch korrekt, aber man einfach noch ein paar Knoten auf die Vorhersage drauf tun und damit auf der sicheren Seite sein. Und wenn es doch noch ein paar Knoten mehr sein sollten, dann wird die Welt davon auch nicht untergehen, wenn man vorher alles ok hatte.

    Haltekraft am Grund - dies ist wichtig, aber ein ganz anderes Kapitel, und nur schwer numerisch zu traktieren, da man in der Tat den Untergrund nicht genug kennt, und auch die Anker sind zu unterschiedlich. Aber ist es nicht schon gut, wenn man weiss, welche Haltekraft ein Anker entwickeln muss, damit er hält? Wenn man dann in Sand ankert, kann man sich aus Erfahrung heraus vielleicht sicher sein, dass alles ok ist. Wenn man im Schlamm ankert, dann weiss man, ok, das passt nicht. Hier spielt einfach die Erfahrung eine Rolle, wieviel Last mein eigener Anker in verschiedenen Böden wegstecken kann. Das ist in einem Tool sehr schwer darstellbar. Mein Tool liefert nur den Input, was der Anker leisten muss. Ob er es tut, ist eine andere Frage...

    Aber für mich wichtiger ist, was man allgemein beim Rumspielen mit so einem Tool lernen kann - was einem auch nicht in der Segelschule beigebracht wird: Im flachen Wasser funktioniert eine Kette einfach nicht gut, man braucht da einen sehr guten Snubber, wenn man die Lastspitzen von Böen oder Welle wegstecken will. Der Snubber tut weit mehr, als nur lästige Geräusche am Bug zu reduzieren. Ich ankere hier gerade vor La Paz in Mexiko und die Hälfte der Schiffe hier hat einen lächerlichen Snubber von nur 50 cm. Und wir ankern auf 3-4 Metern, also flach. So ein Snubber ist so gut wie nutzlos. Er muss lang genug sein, sodass er sich auch deutlich unter Last dehnen kann.

    Zu den 8 Grad, ab dem Anker ausbrechen - das hängt extrem davon ab, welchen Anker man verwendet. Die neueste Generation kann da deutlich mehr ab.

    Cheers, Mathias

  8. #8
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    Zitat Zitat von haribo Beitrag anzeigen
    Zwei Anmerkungen:
    die ausgewählten Schaltflächen werden schwächer dargestellt als die optionalen Alternativen, wäre es nicht sinniger die ausgewählten hervorzuheben?
    das babylonische einheitenwirrwar zb in der selben Anwendung Wind einmal mit knoten und weiter unten mit BFT zu beschreiben löst sich doch nicht auf wenn man zwischen kp und dekaN umschalten kann, wiso benutzt du nicht ein geschlossenes einheitensystem wie MKS (Meter Kilogramm Sekunde)
    wenn Du selber Windstärken in einer anderen Einheit als dann m/s im Kopf hast könnte man ja weitere ausgabefelder dahinter schreiben...schwächer dargestellt

    ansonsten verstehe ich bisher auch nicht wiso eine zwischengelagerte Feder die Kräfte reduzieren möchte
    kettenlänge und Wassertiefe ergeben doch erstmal nur unterschiedliche Zugwinkel am Anker, sofern nicht ein Teil der Kette schon am Grund aufliegt... also ich würde da eher betrachten wo eine Kette anfängt und wie weit es sich um Seil handelt??? Seil Angaben hab ich aber gar nicht gefunden?
    Nachtrag zu den Einheiten... Ich habe dieses Tool auch auf einem englisch-sprachigen Forum vorgestellt und es kam prompt die Frage, ob es nicht auch eine "English version" geben könnte. Damit waren nicht die englisch-sprachigen Bezeichnungen gemeint, die ich eh verwende, zum Leidwesen der deutsch-sprachigen Nutzer, sondern die Einheiten. In UK und USA sind sie da recht stur... Intern verwende ich natürlich strikt metrische Einheiten.

    Cheers, Mathias

  9. #9
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    ja ist sich ein kreuz mit den einheiten, wie gesagt wenn du intern metrisch rechnest dann gib es doch auch metrisch aus?.... und alle anderen units dahinter/drunter/drüber, denn das sind ja nur feste faktoren dazwischen (und noch festere gewohnheiten im kopf des nutzers)

    fliegerei ist noch schlimmer mit flightlevel in 100fuss

  10. #10
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    Zitat Zitat von MathiasW Beitrag anzeigen
    Nachtrag zu den Einheiten... Ich habe dieses Tool auch auf einem englisch-sprachigen Forum vorgestellt und es kam prompt die Frage, ob es nicht auch eine "English version" geben könnte. Damit waren nicht die englisch-sprachigen Bezeichnungen gemeint, die ich eh verwende, zum Leidwesen der deutsch-sprachigen Nutzer, sondern die Einheiten. In UK und USA sind sie da recht stur... Intern verwende ich natürlich strikt metrische Einheiten.

    Cheers, Mathias
    Verehrter Mathias,
    die gesetzlichen Einheiten in GB sind wie im Rest der kultivierten Welt metrisch.
    Um eine weltgewandte Lebensart und seine Verbundenheit mit dem American Way off Life zu dokumentieren nimmt man allerdings gerne die gottlosen Ami-Einheiten.
    Also, liebe Leute, selbst wenn Ihr ständig transatlantisch unterwegs seid, haltet Euch trotzdem an die gesetzlichen Einheiten, auch wenn Eure Physik überwiegend durch amerikanische Bedienungsanleitungen geprägt ist.

    ... und wenn ein ewig gestriger Inselaffe dich auf "English version" anspricht, sag ihm, er soll sich an die gesetzlichen Einheiten halten.

    aus Wiki: "....seit dem EU-Beitritt Großbritanniens 1973 zunehmend durch das metrische Maßsystem ersetzt, jedoch nicht vollständig verdrängt...."

    Der alte Kappes ist allerdings bei uns auch nicht verdrängt. Unbelehrbare hantieren immer noch mit PS, kcal, ATÜ, kp, tSKE, ... .
    Wenn ich mal so reich bin wie Bill Gates werde ich sie alle verklagen. (Ende der Tirade)

    Nette Anekdote: Ein englischer Segelfreund, ehemaliger Entwicklungsingenieur bei RR, warf sich ironisch für die veralteten Einheiten in die Bresche und bezeichnete die gesetzlichen als "gottloses napoleonisches Zeug". Das bekräftigte er mit: Thanks heaven for 30 kilometers of water.

    Gruß Franz
    halber Wind reicht völlig

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