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  1. #1

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    Jollen sind lebensgefährliche Geschosse,verzeihen keine Fehler und werden in ihrer Bösartigkeit oft unterschätzt.Diese Erfahrung mußte ich erst neulich wieder auf`m Baggersee machen.Da ich auf Dickschiffen gelernt und die Sache im Laufe der Zeit immer besser in den Griff zu bekommen schien,kam ich eines Tages auf die glorreiche Idee die Zeit zwischen den Törns mit Jollensegeln zu verbringen.Schaden konnte es ja nichts,alles war irgendwie vertraut.Alles schien einfach und übersichtlich.Mitunter konnte die Vorschot sogar aus der Hand gefahren werden und ich lernte viel Neues über Segelstellung.Die Leichtwindeigenschaften waren einfach phantastisch und da ich keinen Motor hatte,war ich auch erstmals gezwungen alle An-und Ablegemanöver auch wirklich nur unter Segeln zu machen.Toll,wäre ich damals von der Jolle zum Dickschiff gekommen,wäre alles viel einfacher gewesen und so manche Schrecksekunde wäre mir erspart geblieben.Ein super Segeltag näherte sich also dem Ende und bei ganz leichten Winden sollte das folgende Anlegemanöver kein Problem werden,dachte ich.Die leichte Brise stand achterlich und unter Vollzeug (Schmetterling)näherte ich mich ganz gemächlich dem Schwimmsteg.Dann geschah das Unerwartete.Zirka 100 m vor dem Steg schoss mir hinterhältig eine gewaltige Gewitterböe ins Gebälk.Um mich herum begann das Wasser zu gurgeln,blitzartig war Jolly am Gleiten und ich hatte den Tiger im Tank.Ich erstarrt vor Schreck.Mit einer affenartigen Geschwindigkeit kam der Steg näher,deutlich waren die Gesichter schon zu erkennen.Blieben manche mit weit aufgerissenen Augen wie angewurzelt stehen,ich konnte das "Weiße" erkennen,brachten andere mutig die Kinder in Sicherheit und flüchteten.Das Groß war nicht voll ausgebaumt und da ich den Druck aus dem Segel nehmen wollte,holte ich in meiner Panik irgendwie die Großschot dicht.Die Vorschot (backbordseitig) war weit außerhalb meiner Reichweite und der Affentanz begann.Verwundert stellte ich fest,daß das Groß nicht richtig killte und die Geschwindigkeit sich nicht wesentlich verringert hatte.In gewissen Abständen begann der Baum von einer auf die andere Seite wild zu schlagen.Das Groß stand jedesmal voll und ich nehme an der Grund hierfür war der weit aufgefierte Unterlieksstrecker.Alles war halt auf Leichtwind eingestellt und daran konnte ich nun nichts mehr ändern.Jolly begann sich wild zu schütteln und wollte mich abwerfen.Eine Hand am Ruder und mit der anderen tief ins Plastik gekrallt, wollte ich so schnell nicht aufgeben.Voraus und steuerbordseitig also der Schwimmsteg und backbordseitig gleich ein mit Netzen abgesperrter Badebereich für Kinder.Gleich würde ich also,nach einem großen Kracher, von meinem Steuermannsplatz aus wie ein Vöglein durch`s eigene Rigg flattern.Gedanken schossen mir durch den Kopf: blutrotes Wasser,Kindergeschrei,Unfallwagen,Polizeieinsatz,M örder,Handschelle,Ro llstuhl,Flüßignahrung....und danach Helmpflicht für alle.Ohhhh Gott, ich mußte die Welt retten!!!Der Bug muß in den Wind und in wahrhaft letzter Sekunde riß ich das Ruder herum.Bei voll angetackerter Großschot kam es wie es kommen mußte.Drei Arme müßte man haben oder könnte ich die Großschot vielleicht mit den Zähnen lösen??? Zu spät,just in diesem Moment erlebte ich eine, mir bis dato ungeahnte akrobatische Meisterleistung.Jolly legte sich bei halben Wind auf die Backe und ich stand wie Badman schräg in der Luft.Jetzt bloß nicht vorn über und das Gleichgewicht verlieren!Sie nahm richtig viel Wasser und ich sah wie mein Handy aus der Schlupfkajüte schwam.Deutlich konnte ich noch den Namen meines Netzbetreibers auf dem Display erkennen,es sollte das letzte Mal gewesen sein.Nach endlos langen Zeit stand ich dann endlich im Wind und legt diesmal also römisch-katholisch an."Nicht schlecht" sprach ein Ausflugsgast und klopfte mir breit grinsend auf die Schulter.


    Wie kann ich bei Dickschiffen achterliche Böen cooler abwettern oder plötzlich notwendige Kursänderungen wirklich richtig gestalten?Meist ist ja am Vorseglen nun auch noch der Spinnakerbaum angeschlagen und es gibt Wellen.Sorgen bereitet mir auch das oben beschriebene nicht-killen des Großsegels.Ist die gegebene Erklärung richtig oder stimmte einfach der achterliche Kurs nicht exakt???

    Danke und schönes Wochenende
    Gruß Tobsucht! *ggg*



  2. #2
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    13.06.2001
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    204

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    Mein Gott !!!
    Was für ein Künstler im Forum !!

  3. #3
    Fides Gast

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    [ Dieser Beitrag wurde von Fides am 10.10.2002 editiert. ]

  4. #4
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    12

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    [f3][red]Ein neuer Bestsellerautor wurde hier geboren.....[/f3][/red]

  5. #5

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    Ahoi Fides,

    mein alter Prüfungsskipper sprach immer von Dickschiffen und meinte damit wohl schwimmende Wohnwagen.Sowas mit Gashahn und Propeller im Wasser ,mäßiger Krängung ,Küche und Klo.Das An-und Ablegen wird in der Regel nicht mehr unter Segeln gemacht.Keine Ahnung wieviel Tonnen.Hier wissen andere sicher besser bescheid.Das ist wohl mehr ein Sammelbegriff und sollte nicht so ernst genommen werden.

    In den Mittelmeerländern legt man fast ausschließlich mit dem Heck zur Pier an.Der Bug ist mit Anker (oder Muringleine?) befestigt.Soweit ich weiß,nennt man das wohl römisch-katholisch.


    Love and Peace
    Tobsucht! *ggg*


    PS:Danke für Eure netten Zeilen!


  6. #6
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    Hi Tobsucht,

    köstlich!

    die reine Römisch-katholische Lehre fordert, mit Buganker und dem Heck zur Pier anzulegen (Mooring ist schon eine modernistische Verwässerung!).
    Das ist für Zuschauer oft fast so interessant wie Deine Einlage, allerdings wesentlich ungefährlicher (für die Zuschauer).

    Gruß
    Friedhold

  7. #7
    Registriert seit
    06.07.2001
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    217

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    Ahoy Tobi:

    kwel! Das ist ein super Beitrag! I love it!


    Ich denke, dass muss es gewesen sein, was er dachte,
    als der letzte Jollen Segler in meine Hull krachte.
    (wir haben einen Endtie (letztes Dock, Aussenliegeplatz)

    Ok, ich verpreche, das naechste Mal fuelle ich den Rettungsring mit Luft anstatt mit Cement. =;->

    Tobi: Keep going!



    --
    "All full ahead"

    Capt. U
    Marina Del Rey, CA
    United States of America

  8. #8
    Registriert seit
    19.06.2001
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    38

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    das erinnert mich doch stark an meinen onkel, der vor ca. 30 jahren in einer gewitterbö mit seiner europe (steckschwert !!!) mit vollspeed auf den travemünder strand rauschte. eine kursänderung hätte zur kenterung geführt und mit wind von achtern ist bekanntlich schlecht bremsen. der schwertkasten hielt, aber am schwert selbst wurden relativ umfangreiche laminierungsarbeiten nötig.

    wie ein großsegel allerdings killen soll wenn der wind von hinten kommt, hab ich nicht verstanden. oft habe ich schon skipper gesehen, die platt vor dem laken das groß sehr weit auffierten, den baumniederholen zu lose fuhren und durch die verwindung des segels im top ganz elegant nach luv umfielen. aber das hilft dir hier auch nicht weiter, glaub ich...

    mein lateinlehrer pflegte zu sagen:
    repetitio es mater studiorum

  9. #9
    Fides Gast

    Standard



    [ Dieser Beitrag wurde von Fides am 10.10.2002 editiert. ]

  10. #10

    Standard

    Ahoi Inspector,

    beruhigend zu wissen,daß es auch schon andere erwischt hat.*ggg*
    Das bei voll angedonnerter Großschot und fest durchgesetztem
    Unterlieksstrecker das Groß bei Platt vor Laken nicht killt,wußte
    ich eigentlich bisher nie so recht.Aufgrund einer ähnlichen Situation, glaubte ich mich an das Killen des Großsegels erinnern zu können und sah darin halt den ersten Ansatz zur Lösung meines Problems.Vielleicht waren die Winde schwächer und das Killen war doch mehr ein Schlagen,keine Ahnung mehr.
    Naja,jedenfalls fahre ich diesen Kurs seither mit gewaltigem Respekt.Das mit dem Baumniederholer werde ich mir auch gut merken,danke.

    Salute Tobsucht!





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