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  1. #1
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    Eine Vielzahl von Anbietern beschäftigen sich mit der Marinisierung von Dieselmotoren. Das Ergebnis sind mehr oder weniger zuverlässige, fast immer aber unverhältnismässig teure Aggregate, die zudem oft heikel im Betrieb und aufwendig zu warten sind (Stichworte: Korrosion im Salzwasserkreislauf, Impellerverschleiss, gerissene Keilriemen, zugesetzte Wärmetauscher, Rückfluss von Kühlwasser durch den Auspuff in die Zylinder usw.

    Man fragt sich nachgerade, wieso sich noch kein Marinisierer Gedanken gemacht hat, ob es nicht besser wäre, die gesamte Marinisierung nicht am Motor vorzunehmen, sondern in Fotrm einer externen, separaten Baueinheit. Dabei würde der Wärmetauscher ähnlich wie ein mit Kühlwasser beheizter Warmwasserbereiter mit dem internen Kühlkreislauf des Motors durch Schläuche verbunden, und gepumpt würde elektrisch (die Pumpe läuft ja eh nur, wenn der Motor läuft und Strom liefert).

    Das hätte vor allem zwei Vorteile:

    1. Man wäre in der Wahl des Dieselmotors frei und könnte auch preiswerte PKW-Diesel benutzen. Diese müsste kaum baulich verändert werden und kämen nicht mit Salzwasser in Berührung.

    2. Die Kühleinheit liesse sich als kompaktes Separatteil leichter warten und ggf. auswechseln.

    Das verbrauchte Kühlwasser könnte wie bisher nach dem Auspuffkrümmer in die Auspuffleitung eingespritzt werden, wenn es überhaupt eine Kühlung der Auspuffleitung braucht (Dieselabgase sind ja relativ kühl, und man könnte die Leitung entsprechend isolieren).

    Es bliebe dann nur noch das Problem, das Getriebe anzuflanschen. Da könnte ein Ausrüster aber die entsprechenden Teile liefern. Sicher wäre eine solche Installation unter dem Strich billiger, unproblematischer im Betrieb und wartungsfreundlicher.

    Vielleicht hat sich sonst jemand schon ähnliche Gedanken gemacht oder sogar etwas in dieser Richtung gebastelt. Möchte das Thema jedenfalls grundsätzlich zur Diskussion stellen.

    Nostromo

  2. #2
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    Dieselabgase sind alles andere als recht kühl.
    Als Kind bin ich mit nem alten 2takter Diesel gefahren bis der Auspuff glühte (und ich nen Arschvoll gekriegt hab).

    Falls ich deinen Vorschlag richtig verstanden habe, stellt sich die Frage, wie du die Wärme abtransportieren willst. Lies mal das Buch "Motore für den Yachtbau", da findest du ungefähr, was du hier beschreibst, aber da steht auch, daß die Wärmeabfuhr das Problem sei.
    Gruß
    Rassy

  3. #3
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    Hallo Rassy,

    hast ja recht wegen der Wärme, aber die Möglichkeit der Kühlung des Auspuffs durch Einspritzung bliebe nach meinem Vorschlag ja offen. Laut Aussage von Peugeot beträgt die Auspufftemperatur eines PKW-Direkteinspritzers etwa 250 Grad, also beherrschbar, wenn auch nicht mit dem nackten A.....

    Nostromo

  4. #4
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    Das den Auspuff zugeführte Kühlwasser hat ja noch eine weitere Aufgabe: Es wirkt gleichzeitig als Schalldämpfer.

    Eine separate Kühleinheit klingt wirklich ganz interessant. Unschön fände ich allerding, dass diese dann eine eigene (Elektro-)Pumpe besitzen müsste, die so gesteurt wird, dass sie anspringt, wenn der Motor läuft. Unschön ist außerdem, dass eine separate Einheit mit Sicherheit mehr Platz verbrauchen wird als eine integrierte.

    Leider ist aber der Motor mit der separaten Kühleinheit noch lange nicht marinisiert, alle übrige Teile bleiben motorspezifisch:
    - Motorfüße zum Anbringen der Schwingelemente
    - Der Krümmer, in den sich das Seewasser einsprizen lässt
    - die Motorelektrik (Schalttafel)
    - Zum Getriebe: wird es nicht vom Marinisierer genau das gemacht, was Du vorschlägst? Es werden "entsprechende Teile" (natürlich motorspezifisch) geliefert, sodass sich an den Motor das Wendegetriebe anschließen lässt.

    Seamaster

  5. #5
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    Hallo Seamaster,

    natürlich, ganz ohne Anpassungen ginge es natürlich nicht. Z.B. bei den Motorfundamenten stellt sich dieses Problem aber schon jetzt, wenn ein alter Motor gegen einen neueren Typs oder anderer Marke ausgetauscht werden muss. Vetus z. B. bietet Motorlager jeder Grösse und auch alle Auspuffkomponenten an; ein spezieller Einspritzkrümmer sollte da auch noch drinliegen. Ein separater Wärmetauscher mit Pumpe wäre m.E. nicht grösser als ein Schuhkarton. Und Anschlussstücke fürs Getriebe, etwa für Golf-, Mitsubishi- oder Peugeot-Diesel, gibt`s ja bereits.

    Nostromo

  6. #6
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    Standard Abgase und Kühlung nicht das Problem

    Hallo. Ich suche nach Literatur zum Thema, und bin über Eure Beiträge gestolpert. Das eigentliche Problem bei Verwendung eines PKW-oder LKW-Motors im Boot ist die Einspritzpumpe, bzw. ihr Drehzahlregler.

    Normale Land-Diesel sind nur in der Form geregelt, dass sie im Leerlauf nicht ausgehen, und bei Vollast nicht überdrehen. Das nennt sich Leerlauf-Enddrehzahl-Regelung und funktioniert über Fliehkraft

    Auf See ändert sich die Last für den Motor jedoch ständig, wenn ich z.B. mit der Dünung fahre. Einmal fährt das Boot die Welle runter und beschleunigt, einmal ist es oben drauf, und dann fährt es die Welle hoch, und verzögert.

    Ein Motor mit L-E-Regelung würde permanent mit der Drezahl rauf und runter gehen, es sei denn der Steuermann schiebt in einer Tour den Gashebel vor und zurück.

    Noch schlimmer: Wenn im Sturm oder durch Wellenschlag einmal die Schraube freikommt, würde der Motor möglicherweise überdrehen und auseinanderfliegen. Da hilft dann auch der Enddrehzahlregler nichts mehr, denn das ist für den Motor, als würde man auf der Autobahn bei 200km/h aus dem 5ten in den ersten Gang schalten. Mechanische Zerstörung ist die Folge.

    Diesen Schutz übernimmt bei Bootsmotoren ein Alldrehzahl-Regler. Der kann blitzschnell die Füllung so Regeln, dass die über den Gashebel eingestellte Drehzahl stehen bleibt, und zwar auf wenige U/min genau. DIESER REGLER
    ist das teuerste und komplizierteste Teil bei der Marinisierung!

    Stromerzeuger haben sowas auch, jedoch ist da immer dieselbe Drehzahl zu halten, damit der Wechselstrom immer dieselbe Frequenz hat. Sie scheiden daher für das Boot aus, es sei denn, man möchte einen Verstellpropeller verwenden.

    Die Frage ist: Kann die Pumpe von einem Passat Diesel auf Alldrehzahlregelung umgebaut werden? Oder muss man erst Herrn Bosch persönlich bemühen, um eine neue Pumpe zu liefern?

    Was die Kühlungsfrage angeht, kann ich immer nur Kielkühlung empfehlen. Dann spart man sich auch den Aufwand mit einem Wärmetauscher und einer weiteren angehängten Pumpe.

    Gruß

  7. #7
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    Die Regelung, die Du da beschreibst, mag vielleicht bei Großdiesel in der Berufschifffahrt Verwendung finden, in kleinen Yachtdieseln eher nicht.

    Unsere Volvo Penta Maschine, marinisierter Perkins Motor, wird jedenfalls wie ein PKW geregelt. Leerlauf- und Abregeldrehzahl. Bei unterschiedlicher Last an der Welle fällt und steigt die Drehzahl, das ist im normalen Betrieb aber kaum merkbar.
    2 Situationen hatten wir schon, wo es doch deutlich wurde:
    Große Bauplane in der Schraube, Drehzahl viel deutlich ab und mit mehr "Gas" konnte gerade noch die übliche Drehzahl gehalten werden.
    Schraube taucht bei schwerem Seegang aus, dann dreht der Motor wirklich bis zur Abregeldrehzahl hoch und man ist gut beraten Kurs/Geschwindigkeit zu ändern um den Motor nicht zu quälen.

    Kurz zum Thema Kühlung:
    Ein gekühlter Krümmer wäre mir wegen der Brandgefahr sehr wichtig, darum hätte ich ungerne ein abgesetzte Wärmetauscher-kühleinheit. Ein gut marinisierte Motor hat einen doppelwandigen Krümmer der über das Kühlwasser gekühlt wird. So gibt es im Motorraum keine Teile, die Abgastemperatur haben sondern höchstens die max. 90°C Kühlmitteltemperatur.
    Sonst muß man nämlich anfangen, Krümmer und Auspuff, falls trocken, mit Schutzblechen, Glaswolle etc. zu entschärfen und wegen der größeren Hitzeentwicklung die Motorraumentlüftung in viel größerer Kapazität auslegen.

    Soweit mein Senf hierzu.
    Grüße
    Daniel

  8. #8
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    Einen weiteren Punkt noch: seitdem die Russpartikelfilter im PKW/LKW Betrieb die Regel geworden sind, sind eigentlich alle Motorsteuerungen nicht mehr für den Marinebetrieb geeignet. Der Freibrennmechanismus um den Partikelfilter zu reinigen würde unsere Yachtauspuffkonstruktionen in aller Regel überfordern.

  9. #9
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    sach einmal was für PS-Bolzen habt ihr denn in euren Pötten. Habe mal ein Schiff der 9m Klasse besichtigt mit einem alten Golf Saugdiesel, da war dann das komplette Achterschiff verbaut, lohnt sich erst ab 80 PS.

    Echte Schiffsdiesel gibt es im Bereich bis 80 PS eh nicht mehr, daher sind bei kleineren Motoren die marinierten Industriemotoren m.E. ideal, zigtausendfach im Einsatz und erprobt. Die relativ hohen Kosten liegen daher weniger beim Basismotor, so wie er in Gabelstabler etc. eingebaut wird, sondern im Umrüstsatz. Die Hersteller werden da auch nicht auf große Serien kommen und würden selbst bei gleichem Basismotor eigene Umrüstteile verbauen, das treibt die Kosten.

  10. #10
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    Kostentreibend wirkt neben der reinen Umrüstung zudem die enorme Händlermarge! Beispiel gefällig?

    Yanmar Diesel, 3 Zylinder, 28 PS kostet den Einkäufer einer großen deutschen Werft (nicht der Größten!) keine 3.000,-. Fragt man den Händler als "Endverbraucher", kostet die Mühle über 7.000.

    Und beim Verkauf an die Werft wird ja auch noch verdient!

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