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  1. #1
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    Ich hab mir im Januar einen gebrauchten Kleinkreuzer von 1992 gekauft, Microklasse, also 5,50 m lang. Ahnungslos, wie ich war, natürlich normal mit Kaufvertrag von privat, von MwSt keinerlei Rede.
    Hier im Forum später angemeldet und dann von der MwSt-Problematik gelesen. Da ich nicht wusste, ob ich alles richtig verstanden hatte, aber in der Ahnung, hier Probleme bekommen zu können, hab ich das Finanzamt jetzt angeschrieben und um Stellungnahme gebeten, ob ich MwSt hätte vom Vorbesitzer ausweisen oder bezahlen müssen. Hier die Antwort in vollständigem Wortlaut:
    "Sehr geehrter Herr Fedler,
    die Nachweispflichten über die Mehrwertsteuerzahlungen in den EU-Mitgliedstaaten sind mir nicht bekannt.
    Im Inland ist der Erwerb eines neuen Fahrzeuges aus der EU, und hierzu zählt auch ein Wasserfahrzeug mit einer Länge von mehr als 7,2 Metern, steuerpflichtig. Als neu gilt das Wasserfahrzeug, wenn es nicht mehr als 100 Stunden auf dem Wasser zurückgelegt hat oder wenn seine erste Inbetriebnahme im Zeitpunkt des Erwerbs nicht mehr als drei Monate zurückliegt.
    Gleiche Regelungen oder ähnliche Regelungen müssten in den EU-Mitgliedstaaten gelten. Die Kontrollen können sich nur hierauf beziehen.
    Mit freundlichen Grüßen"
    Wenn ich das richtig verstanden hatte, steht diese Auskunft in deutlichem Gegensatz zu der bisher hier im Forum kursierenden Meinung. Kennt jemand die o.g. Regelung oder ist die Auskunft gar falsch?

    Vielen Dank!

  2. #2
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    Hallo,
    wo ist Dein Problem? Dein Boot ist 5,50m lang und somit unter der Grenze von 7.20 m.
    Gruß

  3. #3
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    Der Finanzbeamte hat nicht Unrecht. Es gibt nach dem deutschen Umsatzsteuergesetz bzw. nach der 6. EG-Richtlinie grundsätzlich keine Nachweispflicht, ob die EU-Umsatzsteuer bezahlt worden ist, wenn Du jetzt im Binnenmarkt ein Neu- oder Gebrauchtboot kaufst. Auch wenn Du als Privatperson von einem Händler ein neues Boot mit Umsatzsteuer kaufst, hast Du KEINEN gesetzlichen Anspruch auf Erteilung einer Rechnung mit offen ausgewiesener Umsatzsteuer. Es gibt also grundsätzlich keinen gesetzlichen Nachweis für Privatpersonen.

    Die Probleme liegen aber woanders.

    Ein Beispiel: Du segelst mit Deinem Boot von Kroatien nach Italien. In Italien wirst Du im Rahmen einer Stichprobenkontrolle durch die dortigen Behörden kontrolliert. Die Beamten werden u.a. prüfen, ob für das Boot bereits in der EU die Umsatzsteuer bezahlt wurde oder nicht. Wenn nicht, dann werden die freundlichen itl. Behörden die Umsatzsteuer erheben.

    Das Problem ist nur (wie bereits dargestellt), dass es keinen gesetzlichen Nachweis gibt, ob in der EU die Umsatzsteuer bereits bezahlt worden ist. Die Behörden verlangen also einen Nachweis, den es gesetzlich in der EU nicht gibt!

    Was kann man tun?

    1. Vorlage von Kopien des ursprünglichen Kaufvertrages oder Rechnung aus denen hervorgeht, dass der Händler das Neuboot mit Umsatzsteuer verkauft hat (Keine gesetzliche Pflicht).

    2. Ein Bestätigungsschreiben vom ursprünglichen Händler, in dem er bescheinigt, dass das Boot mit der Nummer XXX mit Umsatzsteuer verkauft wurde und das die Umsatzsteuer an das Finanzamt YYY abgeführt wurde.

    3. Das Finanzamt bitten, dass sie formfrei bestätigen (gegen Vorlage Deines Kaufvertrages), dass Du Dein Boot im Binnenmarkt gebraucht gekauft hast und dass es sich somit bei dem Boot um versteuerte Binnenmarktware handelt. (Begründung: Bei ursprünglicher Lieferung an den ersten Eigner in der EU war zwingend die Umsatzsteuer abzuführen!)

    Viele Grüße
    Jens





  4. #4
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    Standard

    Ich hatte das Finanzamt angeschrieben, um genau zu erfahren, ob mir ausländische Behörden einen Nachweis abfordern können, den ich vom hiesigen Finanzamt brauche, dass Mehrwertsteuer bezahlt wurde.
    Da das Boot gebraucht gekauft ist, habe ich vom privaten Verkäufer, der es seinerseits wo auch immer gekauft hat, was ich nicht weiß, zwar einen Kaufvertrag, aber ohne MwSt. Da ich die Vorbesitzer davor nicht kenne, kann ich also strenggenommen keinen Nachweis führen, dass für das Boot die Umsatzsteuer bezahlt wurde.
    Also verstehe ich das richtig, dass mir das Schreiben bei meinem Problem nicht weiterhilft? Hat denn jemand Kontrollerfahrungen?
    Ich bin lediglich verunsichert, aber da ich in zwei Wochen mit dem Boot nach Elba will, möchte ich natürlich, falls Kontrollen sind, unnötigen Ärger vermeiden...

  5. #5
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    Aus der Gesetzessystematik ergib sich, das neuere Boote im Binnenmarkt zwingend mit Umsatzsteuer an den ersten Eigner verkauft wurden. D.h., wenn Du z.B. im Binnenmarkt ein gebrauchtes Boot (ohne Umsatzsteuerausweis) gekauft hast, dann wurde vorher ZWINGEND die Umsatzsteuer bezahlt.

    Mit der Vorlage Deines Kaufvertrages (ohne Umsatzsteuer) kannst Du dem Finanzamt glaubhaft machen, dass Du Dein Boot in der EU gekauft hast. An Deiner Stelle würde ich dem Sachbearbeiter beim Finanzamt den ganzen Vorgang noch mal erklären und bitten, dass er Dir formfrei bescheinigt, dass Du versteuerte Binnenmarktware gebraucht gekauft hast. Er hatte Dich offensichtlich nicht richtig verstanden oder die Problematik nicht erkannt.

    Auf der andern Seite wird die Werft über die Baunummer in Erfahrung bringen können, an welchen Händler das Boot ausgeliefert wurde. Und der Händler muss nur eine Bescheinigung siehe Punkt 2. erstellen.

    Viele Grüße
    Jens (zur Zeit nnuuuurrrrrr 27,8 Grad in meinem Büro)


    [ Dieser Beitrag wurde von Nauticat2006 am 24.06.2005 editiert. ]

  6. #6
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    Hallo Jens,

    vielen Dank für das Nachfassen. Ich werds mal beim Finanzamt nochmals versuchen.
    Dabei klappt der Trick mit der Werft nicht -weil ich kein Russisch kann. Das Boot ist eine Ricochet aus St. Petersburg. Ich hab auch die originalen Papiere erhalten (auch auf Russisch...).

  7. #7
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    Kannst Du mir vielleicht einige Bilder von Deinem Boot mailen (condor46562(At)yahoo.com)? Denn mein Vater hatte mal vor vielen Jahren auf der Boot in Düsseldorf eine neue Micro gekauft. Vielleicht kommt Dein Boot aus der selben Quelle?

    Ich glaube, ich habe noch das alte Verkaufsprospekt bei meinen Unterlagen.

    Viele Grüße
    Jens


  8. #8
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    Original von Nauticat2006:
    Aus der Gesetzessystematik ergib sich, das neuere Boote im Binnenmarkt zwingend mit Umsatzsteuer an den ersten Eigner verkauft wurden.
    sorry, aber das ist leider falsch. Es kann jederzeit jemand im Binnenmarkt ein Boot ohne UST gekauft und übernommen haben.

    UST bei Booten wird nicht fällig wo es verkauft wird, sondern wo es in den Verkehr gebracht wird.

    Z.B. du kaufst in DL und nutzt es in Spanien, da ist keine deutsche UST fällig, sondern spanische.

    Du kannst also ohne weiteres ein Boot in der EU kaufen und bekommen ohne UST zu bezahlen.

    Das heißt also, die Tatsache dass der Vorbesitzer es in der EU gekauft hat heisst keinesfalls, dass UST bezahlt ist.

    Das FA wird von dir den Nachweis der bezahlten UST verlangen.

    Bei größeren Booten kannst du auch von Kontrollmitteilungen ausgehen und früher oder später wirst du zu jedem Boot diese Frage beantworten müssen.


    Dies aber nur grundsätzlich. Für kleine Boote (7m) gilt das nicht.





    [ Dieser Beitrag wurde von Gerd1000 am 24.06.2005 editiert. ]

    [ Dieser Beitrag wurde von Gerd1000 am 24.06.2005 editiert. ]

  9. #9
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    Original von Gerd1000:
    Original von Nauticat2006:
    Aus der Gesetzessystematik ergib sich, das neuere Boote im Binnenmarkt zwingend mit Umsatzsteuer an den ersten Eigner verkauft wurden.
    sorry, aber das ist leider falsch. Es kann jederzeit jemand im Binnenmarkt ein Boot ohne UST gekauft und übernommen haben.

    UST bei Booten wird nicht fällig wo es verkauft wird, sondern wo es in den Verkehr gebracht wird.

    Z.B. du kaufst in DL und nutzt es in Spanien, da ist keine deutsche UST fällig, sondern spanische.

    Du kannst also ohne weiteres ein Boot in der EU kaufen und bekommen ohne UST zu bezahlen.

    Das heißt also, die Tatsache dass der Vorbesitzer es in der EU gekauft hat heisst keinesfalls, dass UST bezahlt ist.

    Das FA wird von dir den Nachweis der bezahlten UST verlangen.

    Bei größeren Booten kannst du auch von Kontrollmitteilungen ausgehen und früher oder später wirst du zu jedem Boot diese Frage beantworten müssen.


    Dies aber nur grundsätzlich. Für kleine Boote (7m) gilt das nicht.





    [ Dieser Beitrag wurde von Gerd1000 am 24.06.2005 editiert. ]

    [ Dieser Beitrag wurde von Gerd1000 am 24.06.2005 editiert. ]

    Selber Sorry;-)))

    Richtig ist, das bei der Umsatzsteuer grundsätzlich das Bestimmungslandprinzip gilt. Das bedeutet, das JEDE Lieferung grundsätzlich dort der Umsatzsteuer unterliegt, wo sie an den Endkunden ausgeführt wird. Eben im Bestimmungsland.

    Daneben gibt es, wie fast immer im Steuerrecht, verschiedene Ausnahmen. U.a. auch für die Lieferung neuer Fahrzeuge. Da wird bei der innergemeinschaftlichen Lieferung neuer Fahrzeuge eine Privatperson zum fingierten Unternehmer, die im Bestimmungsland das neue Fahrzeug (Boot) der Erwerbsbesteuerung unterwerfen muss. Ach- und da ist auch schon wieder dieses Bestimmungslandprinzip;-) Komisch, nicht?

    Fazit: JEDE Lieferung im Binnenmarkt unterliegt grundsätzlich der Umsatzsteuer!

    Viele Grüße
    Jens






    [ Dieser Beitrag wurde von Nauticat2006 am 25.06.2005 editiert. ]

  10. #10
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    Standard

    Original von Nauticat2006:
    Fazit: JEDE Lieferung im Binnenmarkt unterliegt grundsätzlich der Umsatzsteuer!
    So ist es, und die Steuererhebungsverfahren sind normalerweise so
    dicht, dass man der Umsatzsteuer nicht entgehen kann.

    Das Problem bei seegehenden Schiffen besteht nun darin, dass bei An-
    laufen eines Hafens von See her ein Betreten des Gemeinschaftsgebiets
    über eine EU-Außengrenze vorliegt. Dies kann zu Zweifeln führen, ob
    das Fahrzeug in einem der EU-Staaten ordnungsgemäß versteuert wurde
    (oder länger als drei Jahre außerhalb der EU war, was erneute Steuer-
    pflicht bedeutet). Diese Zweifel hat der Bootseigner auszuräumen.

    Belem

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